Einstellbarer Bass: sE Electronics KLS 150 Test

Den asiatischen Audiohersteller sE Electronics kennt man als Produzenten von Mikrofonen und entsprechendem Zubehör. Trotz günstiger Preise erfreuen sich die Modelle einer hohen Akzeptanz durch professionelle Anwender, was nicht zuletzt an prestigeträchtigen Kooperationen mit Audiolegenden wie Rupert Neve liegt. Wie erst kürzlich der österreichische Konkurrent Lewitt mit seinem innovativen Debüt LW6, springt nun auch sE Electronics dem sE KLS 150 auf den „Kopfhörer-Zug“ auf. Und auch hier beschränkt man sich nicht auf „noch einen Normalo-Kopfhörer“ im riesigen Angebotsdschungel, sondern stattet den Kopfhörer mit einer ungewöhnlichen Bassregelung aus. Ob und wie gut das funktioniert und was uns im Review sonst noch aufgefallen ist, lest ihr in unserem sE KLS 150 Test!

Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • Wiedergabeeigenschaften zum professionellen Allroundeinsatz
  • passive Regelung der Basswiedergabe an den Ohrmuscheln
  • preiswert
  • effektive Dämmung
  • guter Tragekomfort
  • robuste Konstruktion
  • abnehmbares Kabel
  • Adapter von Miniklinke auf USB-C im Lieferumfang
Contra
  • –

Quick Facts zum sE KLS 150

  • geschlossener dynamischer Studiokopfhörer
  • passive Bassregelung
  • ohrumschließende Ohrmuscheln
  • Übertragungsbereich: 12 bis 28000 Hz
  • Impedanz: 39 Ohm
  • abnehmbares Kabel

Konzept und Merkmale des sE KLS 150

Auf den ersten Blick erscheint der KLS 150 wie ein gewöhnlicher Studiokopfhörer: Geschlossene Ohrmuscheln, dynamische Schallwandler (40 mm), kein aufregend innovatives Design, sondern dezent robuster Studio-Look, wie man ihn von der etablierten Konkurrenz im unteren dreistelligen Preissegment vielfach kennt.


Die Besonderheit des KLS 150 liegt unter der Haube, genau gesagt unter beiden abnehmbaren Ohrmuschelabdeckungen, die mithilfe eines mitgelieferten Werkzeugs entfernt werden können. Zum Vorschein kommt ein Drehregler, der die Basswiedergabe stufenlos um bis zu 5 dB erhöht oder absenkt. Laut Hersteller handelt es sich um ein passives akustisches Prinzip, ohne eine weitere Erklärung technischer Details. Das klingt exotisch, ganz neu sind derartige Features aber nicht. Der inzwischen nicht mehr erhältliche Beyerdynamic Custom One Pro war beispielsweise mit variablen Bassreflexöffnungen ausgestattet. Inwieweit hier eine technische Übereinstimmung vorliegt, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis

Stufenlose ±5dB-Regelung mit optischer Skalierung

sE Electronics adressiert sein Kopfhörerdebüt an professionelle Anwender zum Recording und auch Mixing. Ob der KLS 150 allen Anforderungen im Tonstudio gerecht wird, erörtern wir im Praxisteil. Seitens der technischen Daten erfüllt der sE Kopfhörer jedenfalls alle gängigen Anforderungen. Mit einer Impedanz von 39 Ohm funktioniert der KLS 150 ohne Einschränkung auch direkt am Laptop oder sonstigen mobilen Abspielgeräten. Der Übertragungsbereich wird mit 12 bis 28000 Hz angegeben. Die weiteren Herstellerangaben findet ihr am Ende des Testberichts.

Mit montierter Abdeckung wirkt der KLS 150 wie ein gewöhnlicher Studiokopfhörer.

Verarbeitung

Der in China gefertigte Kopfhörer offenbart keine sichtbaren Verarbeitungsmängel und erscheint robust genug für den täglichen Einsatz im Studio. Die Außenseite der Ohrmuscheln wie auch die flexible Gelenkkonstruktion der Ohrmuschelaufhängung wird augenscheinlich von mattem Kunststoff dominiert, wie man ihn von zahlreichen etablierten Konkurrenzmodellen kennt. Laut Hersteller sind Teile der Konstruktion außerdem glasfaserverstärkt und sämtliche Gehäuseteile sind verschraubt, sodass sie bei einer potenziellen Beschädigung ersetzt werden können.

Saubere Verarbeitung und verschraubte Gehäuseteile

Die Polsterbezüge sind aus robust wirkendem Kunstleder gefertigt, dessen Langzeithaltbarkeit sich erfahrungsgemäß nur schwer vorhersagen lässt. Selbst bei hochpreisigen Modellen erlebt man nach moderaten Gebrauchszyklen die ein oder andere Überraschung. Die Ohrpolster sind bei häufigem Gebrauch erfahrungsgemäß häufig das schwächste Glied und sinnvollerweise austauschbar. Optisch wie haptisch hinterlässt der sE KLS 150 einen insgesamt grundsoliden Eindruck!

Auswechselbare Ohrpolster

Ausstattung des sE KLS 150

Der Lieferumfang umfasst ein gerades abnehmbares Kabel in einer für den Aufnahmeraum praktischen Länge von 2,9 m. Der Anschluss erfolgt mittels eines verriegelbaren 2,5mm-Klinkensteckers an der linken Ohrmuschel. Studiotauglich sichere Kabelverbindung auch am gegenüberliegenden Ende: Hier befindet sich ein 3,5mm-Klinkenstecker samt Schraubadapter auf 6,35 mm. Zusätzlich wird ein Adapter von Miniklinke auf USB-C geliefert, um den Kopfhörer beispielsweise auch an Smartphones / Tablets ohne analoge Kopfhörerbuchse unkompliziert verwenden zu können.

Solide Ausstattung: USB-C-Adapter zusätzlich zum Kopfhörerkabel

Das zuvor erwähnte Tool zum Lösen der Ohrmuschelabdeckung, ein Transportbeutel sowie zwei Aufkleber mit Markenlogo komplettieren den insgesamt praktikablen Lieferumfang des sE KLS 150. Weiterhin ist in der beiliegenden Bedienungsanleitung von optional erhältlichen Ohrmuschelabdeckungen zur Individualisierung des Designs die Rede. Zum Zeitpunkt des Reviews (vor Markteinführung) liegen hierzu noch keine weiteren Infos, Preise oder Bilder vor.

sE KLS 150 im Praxis-Check

Der mehrtägige Praxistest des sE KLS 150 erfolgte anhand gemasterter und ungemasterter Produktionen und Produktionselemente sowie dem Monitoring beim Vocal Tracking. Während des Tests kamen die folgenden Geräte und Vergleichskopfhörer zum Einsatz:

Der erste Eindruck

Ein erster Hör-Check vermittelte bereits einen positiven Eindruck, auch wenn die Basswiedergabe in der Grundeinstellung für mein Empfinden etwas über’s Ziel hinausschießt, woraufhin ich eine Absenkung um 2 dB vornehme. Hierdurch wird der Bassbereich des KLS 150 meinem „unten rum“ bereits potenten Focal Kopfhörer angeglichen. Die weiteren klanglichen Beurteilungen basieren auf dieser Einstellung. Weiterhin fallen die effektiven Dämmeigenschaften auf, mit denen der sE Kopfhörer sich uneingeschränkt für sensible Mikrofonierungen eignet.

Bass Control zur Abstimmung des KLS 150 an die eigenen Hörvorlieben

Wie klingt der sE KLS 150?

Der geschlossene KLS 150 hat mit seiner regelbaren Bassintensität, griffigen Mitten und stimmig austarierten Höhen alles im Gepäck was im Studiobetrieb gefordert wird. Unfairer Vergleich: Die Auflösung, Transparenz und Impulsdarstellung meines mehrfach teureren Focal Lensys Professional erreicht der preisgünstige KLS 150 erwartungsgemäß nicht ganz. In seiner Preisklasse bewegt sich der Debütant klanglich aber absolut auf dem Niveau mir bekannter populärer Konkurrenzmodelle der etablierten Kopfhörerhersteller.

Im direkten Vergleich mit meinem AKG K371 gefällt mir der dezent erhöhte Fokus auf den mittleren Frequenzbereich und die musikalische Griffigkeit, die entfernt an das legendäre (dynamische Mikrofon) Shure SM7B erinnert. Eingehört auf den sE Kopfhörer kann ich mir absolut vorstellen kritische Mixentscheidungen zu treffen, Tonalitäten korrekt zu beurteilen und auch beim Tracking begünstigt dieser Wiedergabecharakter meine Performance während des Praxistests.

Ebenfalls als sehr angenehm empfinde ich die keinesfalls überbreit wirkende Stereobühne. Die Raumwiedergabe wirkt überraschend organisch und einzelne Instrumente / Mixbestandteile lassen sich einwandfrei orten. Im Gegensatz zu vielen anderen – darunter auch sehr teuren – Kopfhörern, mit denen ich mich von Zeit zu Zeit beschäftige, habe ich nicht ständig das Verlangen, die Crossfeed Matrix meines SPL Kopfhörerverstärkers zu aktivieren, um ein unnatürlich weites Stereobild einzugrenzen und einer Lautsprecherwiedergabe etwas anzugleichen.

Die Darstellung von Impulsen und Transienten befindet sich auf einem guten Niveau, das professionelle Beurteilungen ermöglicht, ohne dabei explizit im Vordergrund oder überambitioniert zu wirken. Somit würde ich die gesamten Wiedergabeeigenschaften des sE KLS 150 als angenehm ausgewogen bewerten – was will man mehr von einem Studiokopfhörer für den Allround-Einsatz?

Dezenter Modellschriftzug unterhalb des Schiebemechanismus zur Größenanpassung

Tragekomfort

Der KLS 150 besitzt eine herkömmliche Gehäusekonstruktion mit flexibel aufgehängten Ohrmuscheln und einem gepolsterten Kopfbügel. Dieser passt sich meiner Kopfform perfekt an – was nicht bei jedem Kopfhörer der Fall ist – und drückt im Zusammenspiel mit der effektiven Polsterung nur geringfügig auf meine Schädeldecke. Damit bewerte ich den sE Kopfhörer für mich als absolut langzeittauglich.
Denn auch die ovalen, fast schon rechteckigen Ohrmuscheln sind komfortabel gepolstert und umschließen meine Ohren komplett.

Der Bügel mit perfekter Passform für den Kopf des Testautoren
Ohrumschließende Polster mit weichem Bezug aus Kunstleder


Bei den während des Tests herbstlichen Temperaturen in Norddeutschland gibt es auch kein nennenswertes Problem durch Schweissbildung, was sich bei höheren Temperaturen und Kunstleder bekanntlich nie ganz vermeiden lässt. Da dies aber gefühlte 99 Prozent aller Konkurrenzmodelle betrifft, werte ich dies nicht als Kritikpunkt.

Einwandfrei funktionierende Standardlösung: Gerasterter Schiebemechanismus zur Größenanpassung

Alternativen zum sE KLS 150

AKG K371Lewitt LW6
universell einsetzbarer Studiokopfhörer in der gleichen Preisklasse; umfangreichere Kabelausstattung aber ohne Manipulationsmöglichkeiten der klanglichen Abstimmungvielfach teurer, aber aktuell die einzige mir bekannte Alternative mit Zugriff auf die Frequenzabstimmung ohne aktive Plug-ins oder Software; DSP im Kopfhörer, kabelloser Betrieb mit geringer Latenz möglich

Test des sE KLS 150 Fazit

Der sE KLS 150 ist ein preiswerter und robuster Studiokopfhörer mit ausgewogenen Wiedergabeeigenschaften, der sich für jegliche professionelle Anwendungen in Studio und Bühne einsetzen lässt. Dabei ist die passive Bassregelung des KLS 150 ein genialer Schachzug des Herstellers. Hierdurch lenkt man eine erhöhte Aufmerksamkeit auf das Kopfhörer-Debüt und erweitert gleichzeitig die potenzielle Kundschaft. Viele User von Kopfhörern reagieren auf die Basswiedergabe besonders sensibel, was liegt also näher als ein Modell, das sich entsprechend der eigenen Hörvorlieben einstellen lässt? Selbstverständlich gibt teurere Studiokopfhörer, die in einzelnen Disziplinen hier und da etwas besser performen als der Debütant von sE Electronics. Preisbezogen entdecke ich am sE KLS 150 aber nichts, was im Studiobetrieb zu bemängeln wäre, vergebe daher die volle Punktzahl und bin sehr gespannt, wie sich der sE Electronics erster Kopfhörer am Markt behauptet!

  • geschlossene Bauart
  • ohrumschließend
  • dynamische Treiber
  • passive Bassregelung
  • Impedanz: 39 Ohm
  • Übertragungsbereich: 12 – 28.000 Hz
  • Empfindlichkeit: 98 dB
  • maximale Leistungsaufnahme: 1.600 mW
  • abnehmbares links geführtes Kabel (2,9 m) mit 3,5 mm-Klinke und Steckadapter auf 6,35 mm
  • Transport-/Aufbewahrungsbeutel
  • Gewicht: 335 g (ohne Kabel)
  • hergestellt in: China
  • Preis: € 179,– (Straßenpreis am 16.10.2026)

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