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Test
10
25.01.2016

Praxis

Der Grundklang der Rock Warehouse SDX

Wie wäre es anders zu erwarten gewesen! Der Grundklang der Rock Warehouse SDX präsentiert sich vor allem einmal groß und rockig, und man darf guten Gewissens unterstellen, dass Mr. Staub beim Tracking ein wenig an den EQs der Neve Air Konsole gedreht hat, um unnütze Frequenz-Lasten zu entfernen und den Klang der Trommeln aufzupolieren. Dies wurde vor allem in Bezug auf Bassdrums und Snare offenbar in unterschiedlichem Maße betrieben. So wirken manche Trommeln eher naturbelassen, manche in subtilem Maß sauberer und druckvoller, ohne dabei jedoch in übermäßige Sterilität und Künstlichkeit abzudriften. Wenn es um die Kombinierbarkeit der verschiedenen Kit-Pieces geht, sind die Unterschiede aber generell unbedenklich, vor allem weil der wirklich gigantische Raumklang die einzelnen Sounds zusammenschweißt und für eine grundlegende klangliche Einheitlichkeit sorgt.  

Das Default-Kit der Library ist ein Ayotte Custom. Ob es wohl reiner Zufall ist, dass die Hersteller-Firma dieses Drumsets ursprünglich aus Vancouver stammt? Bekannt sind die Trommeln aus diesem Hause jedenfalls vor allem für die verwendeten Holzspannreifen, die den Klang etwas wärmer und trockener gestalten als die üblicherweise verwendeten Gegenstücke aus Metall. Das Set kommt mit vier Toms in Größen von 12 Zoll bis 18 Zoll und wurde mit drei Bassdrums aufgenommen. Im Fundus der Snaredrums finden sich zwei Vertreter, die ebenfalls vom gleichen Hersteller kommen, standardmäßig wird mit dem Kit aber eine recht saubere Ludwig Black Beauty geladen. Am Rande bemerkt: Wer alle SDX-Libraries sein Eigen nennt, der hat inzwischen acht gesampelte Varianten dieser Mutter aller Snares. Wie immer kommt bei den Audio-Beispielen in diesem Testbericht der mitgelieferte MIDI-Content zum Einsatz, der auch separat erhältlich ist. 

Das Gretsch USA Custom ist das neutralste Kit der Rock Warehouse SDX und lässt sich definitiv nicht nur in einem Rock-Kontext verwenden. Tendenziell gilt dies aber natürlich auch für die anderen Kits. Es sind ebenfalls vier Toms vorhanden, die mit Maßen von 10 Zoll bis 16 Zoll aber eine Nummer kleiner (bzw. „standardmäßiger“) gehalten sind und etwas mehr Ton haben als die Toms des Ayotte Kits. Die zugehörige Snaredrum wurde in einer mittleren und einer etwas tieferen Stimmung aufgenommen. Ein vergleichbares Set findet sich in einer generell etwas straffer gestimmten funky Variante übrigens auch in der Roots SDX. Im zweiten Beispiel ist das Gretsch USA Custom zusammen mit einer kleinen und zurückhaltenderen Ludwig Bassdrum und einer tiefer gestimmten Variante der zugehörigen Snare zu hören. 

Beim Dunnett Titanium handelt es sich um einen echten Exoten! Die Kessel des Drumsets wurden nicht wie gewöhnlich aus Holz gefertigt, sondern bestehen – wie der Name schon sagt – aus dünnem Titan. Der Klang wirkt demzufolge kühler und nüchterner als bei den zwei anderen Kits. Zusammenfassend ließe sich sagen, dass Metall nicht nur das Material ist, aus dem die Trommeln sind, sondern auch ein Genre, in dem sich die Sounds besonders gut verwenden lassen – auch wenn echte Metaller sich wohl mehr als nur die zwei Toms gewünscht hätten. Im Audio-Beispiel ist das Kit zusammen mit einer Jeff 

Artikulationen

Nachdem die Roots SDX mit einer bislang unübertroffenen Artikulationsvielfalt punkten konnte (20 Spielweisen für die Hi-Hats), erschien die direkt folgende NY Studios Vol. 3 SDX in dieser Hinsicht ein wenig dünn bestückt. Schade, dass dies nun auch für die Rock Warehouse SDX gilt. Natürlich muss eine Library, die sich auf Rock-Drumming spezialisiert, nicht einen solchen Reichtum an Nuancen bieten wie eine Roots SDX, die in Richtung Jazz geht. Eine Möglichkeit, die geöffneten Hi-Hats mit Stockspitze oder Schaft anzuspielen, wäre aber auch in diesem Fall angebracht gewesen, vor allem, da auch die meisten E-Drumsets Zonen für solche Sounds anbieten. 

Mit elf verschiedenen Artikulationen für die Hi-Hats bilden die Sounds aus dem Rock-Lagerhaus zusammen mit der Custom & Vintage SDX das Schlusslicht in dieser Disziplin. Die Snares sind dagegen wiederum recht umfangreich mit bis zu acht Spielweisen ausgestattet. Neben den üblichen Verdächtigen wie Center-Hits, Rimshots, Sidesticks und Flams, können auch Half-Edge-, Muted- und Press-Schläge oder auch Schläge auf dem Spannreifen der Trommel umgesetzt werden. Letztere Spielweise gibt es zusammen mit der Standard-Artikulation und Rimshots auch für die Toms. Crash-Becken werden ausschließlich gecrasht und bei Bedarf danach mit der Hand abgedämpft, die beiden Ride-Becken können dagegen mit insgesamt sechs Spielweisen auf Bow, Edge und Bell wiederum etwas variabler bedient werden. 

Mixer-Channels

Was die Rock Warehouse SDX von allen anderen bisher erhältlichen Erweiterungen für den Superior Drummer absetzt, ist die Tatsache, dass die Becken nicht nur über die Overhead- und Raummikrofone eingefangen wurden, sondern dass es für fünf der insgesamt acht Cymbal-Slots zusätzliche Stützmikrofone gibt. Gerade für kräftige Rock-Produktionen ist dies nicht unüblich, und natürlich können die Becken von dem kleinen Extra an Präsenz und Glanz profitieren, und selbstverständlich sind auch in diesen Kanälen alle Übersprecher enthalten. Ansonsten folgt die Auswahl unter den verschiedenen Mixer-Channels den bekannten Prinzipien. Die Library bietet drei unterschiedlich weit von den Drums aufgenommene Stereo-Räume und einen Mono-Raum, die ausnahmslos hervorragend klingen. Als Schmutzkanal gibt es diesmal einen Mix aus mehreren SM-57 Mikros, die durch den Talkback-Weg des Neve Air Mischpults geleitet wurden. Anzumerken ist, dass im Bereich der Bassdrum keine separaten Kanäle für die typischen Kick-In-, Kick-Out- und Kick-Sub-Mikrofone geboten werden, sondern ein einzelner fertiger Kanal im Mixer sitzt. Hier muss man bei Bedarf also mit dem EQ ran.

Vor allem im Zusammenspiel mit den beiden Ambience-Channels, also dem AMB-Close- und dem AMB-Mono-Channel, können hin und wieder (sehr) geringe Phasenprobleme auftreten, bei denen sich die tieferen Anteile von Kick, Snare und Toms auslöschen. Hierauf hätte Toontrack beim Nachbearbeiten der Samples sicher achten können, aber da wollen wir mal nicht meckern. Selbstverständlich kann man die Polarität der Kanäle über einen entsprechenden Button im Mixer umkehren und damit Abhilfe schaffen. Ein Tool zum feineren Anpassen der Phasenlagen würde einem eventuell folgenden Superior Drummer 3 aber definitiv gut zu Gesicht stehen.

Neben den Default-Presets für die drei Drumsets bietet die Rock Warehouse SDX sieben weitere Presets, bei denen die integrierte Effekt-Suite des Superior Drummer 2 zum Einsatz kommt. Zwei davon stammen von Randy Staub persönlich, die restlichen fünf werden als Toontrack Factory-Presets deklariert. Wie bei allen SDX-Paketen wünscht man sich in dieser Hinsicht natürlich immer mehr, entsprechende kostenpflichtige Zusatz-Presets werden im Laufe der Zeit aber höchstwahrscheinlich noch auftauchen.

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