Mikrofon Hersteller_StudioProjects
Test
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18.12.2009

Praxis

Röhrt nicht so wie erwartet

Wir erinnern uns an unsere vorurteilsbehafteten Gedankengänge ...? Ich kann sie an dieser Stelle weder komplett widerlegen noch bestätigen. Das Mikrofon liefert durchaus brauchbare bis gute Ergebnisse, allerdings nicht unter dem Aspekt, ein Röhren-Mikrofon zu sein. Eine Röhre nimmt man klanglich eigentlich nicht wirklich wahr, sie mag den Höhen zwar gut tun (besonders bei S- und T-Lauten haben wir das gemerkt), von den Mitten und Bässen scheint sich der Glühkolben aber fernzuhalten. Es wirkt beinahe so, als würde intern ein Hochpass-gefiltertes Signal durch die Röhre geschickt. Auch die Umschaltmöglichkeit der Richtcharakteristik halte ich für sehr fragwürdig oder sogar unnötig – und in dieser Anzahl (neun Richtcharakteristika) mit den ganzen Zwischen-Nieren sicherlich für unnötig. Am Sound ändert sich nämlich nicht wirklich viel, wenn man das Rasterpoti am Netzteil klicken lässt.

Weniger wäre mehr gewesen

Aber ganz ehrlich: ein Doppelgroßmembran-Röhren-Mikro mit neun Richtcharakteristika für 629 Euro, wie soll das gehen? Ich würde sagen, dass man sich diese Features teuer erkauft hat. Würde man das T3 mit einer Membran, ohne Umschaltmöglichkeit der Richtcharakteristik und nicht in Röhrenbauweise für denselben Preis herstellen und anbieten ... klar, dann hätte man ein ganz anderes Mikro, super Herr Redakteur. Ja richtig, aber wenn man diese eingesparten Feature-/Produktionskosten noch mal komplett in die Klangqualität dieses neuen Mikros stecken würde, bin ich der festen Überzeugung, dass man ein Spitzen-Mikro erhalten würde. Denn dass man bei Studio Projects etwas vom Mikrofonbau versteht, wissen wir ja jetzt.

Klanglich unausgewogen

Nun gut, jetzt habe ich genug am Grundkonzept kritisiert, kommen wir zum eigentlichen Klang. In den Bässen und unteren Mitten klingt das T3 etwas unausgewogen, hier stimmt auch der Übergang dieser beiden Frequenzbereiche nicht, denn am unteren Ende der Tiefmitten gibt es eine Art Frequenzloch. Das fällt bereits bei der Niere auf, bei der Kugel-Charakteristik verstärkt sich dies noch mal, und es klingt schon fast dünn. Bei der Acht wirken die Mitten im Gesamten etwas „quäkig“ und färben die Signale sehr unnatürlich. Wie gesagt, die Richtcharakteristik-Umschaltung bräuchte man bei diesem Mikro nicht bzw. man tut sich keinen Gefallen damit. Aus diesem Grunde beschränke ich mich im Folgenden auch auf die Niere.

Grundabstimmung der Membran ist in Ordnung

Was die Auflösung der Mitten angeht, so kann man keine wirkliche Kritik üben – diese Disziplin erledigt das Mikrofon gut, woran man ja erkennen kann, dass die Grundabstimmung (zumindest der Membran) gar nicht so verkehrt ist. Der Übergang der oberen Mitten zu den Höhen ist im Vergleich zu den Bässen sehr gut gelungen – hier ist keine Absenkung oder gar ein Loch zu hören. Die Höhen kommen ebenfalls angenehm offen, brillant und präsent rüber. Bei der Dynamik-Betrachtung muss man wieder ein kleines Manko festhalten, denn laute Signale werden für meinen Geschmack schon zu weit in die Kompression gefahren – da scheint die Röhre und die Schaltung etwas zu viel des Guten zu wollen. Es ist nicht so, als könne man mit dem T3 MKII keine vernünftigen Ergebnisse erzielen, aber es ginge sicherlich besser.

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