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Test
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23.09.2015

Royer R-122 MKII Test

Aktives Bändchenmikrofon

Frischling

Wenn David Royer ein neues Ribbon-Mikro auf den Markt wirft, dann müssen wir von bonedo unbedingt einen Test durchführen. „Royer Labs R-122 MKII“ lautet der Name dieses brandheißen Kandidaten, und so habe ich schon mit den Hufen gescharrt, um das aktive Bändchen endlich in der Hand zu halten und in der Praxis Erfahrungen damit zu sammeln.

Wer Bändchenmikrofone kennt, der kennt auch Royer. Oder sollte es zumindest. Das kalifornische Unternehmen zählt zu den edelsten Herstellern dieser Spezialform der dynamischen Mikrofone, gemeinsam mit Coles und AEA beackern Royer ein Feld, auf welchem noch Shure, Beyerdynamic, Blue, Cloud, Audio-Technica, Rode und nur wenige weitere Markenhersteller zu finden sind. 

Details

Stab mit Flügeln

Typisch für Royer-Mikrofone ist eine simple Formgebung, die sich an technischen und akustischen Notwendigkeiten orientiert. So ist das R-122 MKII wie die meisten anderen Royers ein einfacher Tubus von knapp 2,5 cm Durchmesser und gut 20 cm Länge, in dessen Fuß die XLR-Buchse eingelassen ist und welcher im oberen Bereich auf der Länge des „Bändchenmotors“ als Gitter ausgefräst ist. Keine Spielerei, sondern sinnvoll ist die Trennungsunterstützung im Off-Axis-Bereich des Achtermikros, also bei 90° und 270°. Diese kleinen Flügelchen zur Vergrößerung des Schallumwegs findet man auch bei manchen Royer-Kopien. 

Blickt man von vorne auf das nickelsatinierte Stäbchen, wird man per Emblem und Gravur über den Hersteller („Royer“) und das Produkt („R-122 MKII“) informiert. Auf der Rückseite findet man den Hinweis auf den Produktionsort („U.S.A.“), die Seriennummer und Fräsungen für das Pad mit 15 Dezibel Dämpfung und das 6dB-Hochpassfilter bei 100 Hz.

Air-Band-Boost

Den -3dB-Punkt durchläuft das 122er schon bei 15 kHz, allerdings gibt es im Air-Band einen erneuten Boost, wenn auch einen leichten. Im Verlauf bis dorthin zeigt sich das aktive Royer in den unteren Mitten und im Oberbass etwas schwächer, in den Mitten und Hochmitten leicht erhöht. Natürlich weiß der Nahbesprechungseffekt bei einem Ribbon den Bass gehörig anzuheben, wenn sich die Schallquelle nah am Mikrofon befindet. Keine Überraschung ist die konstante Richtwirkung, die durch die schmale Bauform sicher unterstützt wird. Dass das Mikrofon so klein sein kann, ist auch der Verwendung von Neodym-Magneten geschuldet, die bei geringer Baugröße dennoch stark genug sein können, im 2,5 Mikron dünnen Bändchen eine ausreichende Spannung zu induzieren.

Aktives Bändchen 15,8 mV/Pa sind für ein Bändchenmikrofon ein unglaubwürdiger Wert. Diese hohe Empfindlichkeit ist aber – wie im Falle des Royer – nicht gelogen, sondern deswegen möglich, weil es sich um ein aktives Bändchen handelt. Mit Hilfe der 48V-Phantomspeisung, die zum Betrieb nötig ist, wird tatsächlich eine Verstärkung erwirkt. Diese Vorgehensweise ist mittlerweile nicht unüblich, es finden sich immer mehr Ribbons, die dadurch auf das Pegelniveau von Kondensatormikrofonen gebracht werden. Bei 135 dB ist der nicht näher spezifizierte maximale Schalldruckpegel erreicht. Diese Angabe wird für 30 Hz(!) gemacht, was keine Schönfärberei ist, sondern das Gegenteil: Bändchenmikrofone haben den höchsten Klirr-Anteil im Bass! Das Eigenrauschen erscheint mit 18 dB (vermutlich A-bewertet) erstaunlich moderat für ein Ribbon, die Impedanz liegt dort, wo die der meisten „normalen“ Mikrofone auch zu finden ist, also bei 200 Ohm.

Variantenreichtum

Wer sich unter den vielen ähnlich wirkenden Royers der 100er-Serie nicht zurechtfindet, dem möchte ich kurz auf die Sprünge helfen: Das R-121 ist die passive Variante, das R-101 ist benannt nach dem „Einstiegslevel“ 101 und stellt das preiswerteste Royer dar. Das 122V gehört der seltenen Gattung der Röhren-Bändchenmikrofone an. Befindet sich hinter der Zahl ein „L“ und ist das Royer-Logo rot, so handelt es sich um Live-Versionen. Durch das dann dickere Bändchen sind diese Mikrofone robuster und haben einen höheren Grenzschalldruckpegel.

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