Gitarre
Test
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11.10.2013

Neo Instruments Mini Vent Test

Rotary Cabinet Simulator

Mini-Tonschleuder

Der Neo Instruments Mini Vent im bonedo-Test  -  Hinter Neo Instruments steht der Entwickler und Mastermind Guido Kirsch, der in der Studio- und Keyboardszene schon lange kein Unbekannter mehr ist. Als Gründer von Access Music entwickelte er zusammen mit Christoph Kemper den legendären Virus Synthesizer. Nach der Trennung von Access Music gründete er 2007 seine eigene Firma Neo Instruments. Wegen der Unzulänglichkeiten gängiger Leslie-Simulatoren begann er mit der Entwicklung eines Gerätes, das den Klang eines Leslie 122 möglichst originalgetreu wiedergeben sollte. So entstand nach zwei Jahren schließlich der Ventilator, der sehr komplexe Vorgänger des Mini Vent.

Wer sich mit dem Thema Leslie schon einmal beschäftigt hat, der weiß, dass es sich bei diesen Lautsprechersystemen um bleischwere und kühlschrankgroße Teile handelt, die nur schwer zu transportieren sind. Dementsprechend dürften sich rückengeplagte Liebhaber dieses klassischen Sounds über eine handliche Leslie-Variante freuen. Ob das Mini Vent, das sich in erster Linie an Gitarristen wendet, den Sound und den Charme des Klassikers wirklich anständig simuliert, haben wir für euch herausgefunden.

Übrigens: Für die Keyboardfraktion gibt es eine speziell auf Orgelsounds abgestimmte Variante des mini Vent! Hier geht's zum Test.

Details

Was ist überhaupt ein Leslie?

Ein klassisches Lesliekabinett ist im Prinzip ein Zweiwege-Lautsprechersystem mit getrennten Lautsprechern für den Bass und Hochtonbereich. So weit nichts Neues, aber beide Frequenzbereiche werden mittels rotierender Lautsprecher in den Raum abgegeben.

Der Obertonbereich besteht aus einem sich horizontal drehenden Doppelhorn, bei dem nur ein Horn aktiv ist, während das zweite als Gegengewicht dient. Im Bassbereich arbeitet ein nach unten fest montierter Lautsprecher, dessen Schall mittels einer sich drehenden Umlenkbox beeinflusst wird. Durch das Herumwirbeln des Schalls entsteht eine natürliche Modulation der Tonhöhe. Dieser Effekt nennt sich nach seinem Entdecker Christian Doppler auch „Dopplereffekt“. Doppler selbst war Mathematiker und Physiker und hatte mit Musik nichts am Hut. Zu seinen Lebzeiten gab es weder Lautsprecher noch elektrisch betriebene Musikinstrumente. Das erste Experiment zum Dopplereffekt mit Schallwellen wurde 1845 mit mehreren Trompetern auf einem mit 70 km/h fahrenden Zug gemacht. Einen ähnlichen Effekt hört man, wenn ein Feuerwehrauto mit aktiviertem Martinshorn vorbeirauscht. So lange sich der Wagen nähert, scheint der Ton des Martinshorns immer höher zu werden, sobald er sich entfernt, immer tiefer. So ähnlich muss man sich auch die Arbeitsweise eines Lesliekabinetts mit rotierenden Lautsprechern vorstellen, auch hier bewegt sich die Schallquelle im Verhältnis zum Hörer.

Konzept und Aufbau

Der Mini Vent von Neo Instruments ist die abgespeckte Version des Vorgängers, dem Ventilator, besitzt aber im Gegensatz zu diesem keine Regler. Der Lesliesound ist hier fest einprogrammiert und kann im Nachhinein nicht verändert werden - das Pedal ähnelt auf den ersten Blick eher einem Lesliecontroller als einer kompletten Effekteinheit. Auf der Oberseite befinden sich zwei Fußtaster, einmal für den True Bypass und zum anderen für die Slow/Fast-Funktion mit den dazugehörigen LEDs. Ein- und Ausgänge in Form dreier Klinkenbuchsen findet man an der Front, hier geht es mono rein und entweder mono oder stereo wieder raus. Es stehen zwei Presets zur Verfügung, die mit dem kleinen Taster zwischen der Eingangs- und den beiden Ausgangsbuchsen angewählt werden. Preset A bietet den Lesliesound ohne Speakersimulation, eine Einstellung, die sich beim Einsatz am Gitarrenamp anbietet. Das zweite Preset imitiert den Frequenzgang eines Lesliekabinetts und klingt zusammen mit dem Gitarrenspeaker zu indirekt. Dafür eignet sich diese Einstellung sehr gut zum  direkten Aufnehmen von cleanen und leicht angezerrten Sounds im Studio. Schließlich bietet das Pedal eine integrierte Zerrstufe, die den Sound bei Bedarf leicht anraut.

Aber auch Keyboarder, die ihren Sound direkt zur PA schicken wollen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Für die Anpassung an sehr leistungsstarke Pickups, ein Keyboard oder eine Orgel steht im Inneren des Gehäuses ein Jumper zu Verfügung, der ab Werk gebrückt und so auf „High Gain“ eingestellt ist. Der Anzerrungsgrad lässt sich für jedes der beiden Presets in fünf Stufen vorprogrammieren. Als kleine Extrawurst benötigt der Mini Vent auf dem Pedalboard ein (beigelegtes) 12 Volt DC Netzteil.

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