Hersteller_HarleyBenton Bass
Test
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17.01.2014

Harley Benton JB75 SB Vintage Series Test

E-Bass

Tiefpreistöner

Der Harley Benton JB75SB Vintage Series im bonedo-Test. - Der Fender Jazzbass ist ohne Zweifel der beliebteste E-Bass in der noch relativ jungen Geschichte dieser Instrumentengattung und wird dementsprechend von unzähligen Herstellern mehr oder weniger präzise kopiert. Besonders für Anfänger sind vor allem die preiswerten Kopien ein Segen, weil sie nicht nur finanziell einen relativ schmerzfreien Einstieg in die Welt der tiefen Töne erlauben. Jazzbässe bieten außerdem mit ihrem schlanken Hals eine angenehme Bespielbarkeit, und der klare Sound der beiden Tonabnehmer setzt sich in allen Musikrichtungen bestens durch.

Kein Wunder also, dass sich auch der deutsche Musikalienhändler Thomann mit seinem Budget-Label Harley Benton dem amerikanischen Erfolgsmodell annimmt und seine Interpretation zu einem fast unglaublichen Kurs anbietet. Unser Testkandidat hört auf den Namen Harley Benton JB75 SB Vintage Series und kostet nicht einmal 130 Euro. Aber wieviel Qualität, Sound und Alltagstauglichkeit bekommt man wirklich zu einem solchen Preis?

Details

Bei vielen Instrumenten der unteren Preisklasse wird der Korpus aus preisgünstigen Hölzern wie beispielsweise Linde oder bestimmten Kiefernarten gefertigt. Harley Benton hat sich beim JB75 allerdings für die schwere amerikanische Esche entschieden, um bei der vielleicht wichtigsten Komponente, dem Ton, möglichst wenig Kompromisse machen zu müssen. Auch bei der Form des Korpus hält sich unser Kandidat an die Vorgaben des Fender-Originals mit seinem zum Klassiker gewordenen asymmetrischen "Off-Set"-Design. Klassisch geht's auch in Sachen Finish weiter: Der Korpus ist mit einer schönen 3-Tone Sunburst-Hochglanzlackierung versehen und wird optisch mit einem 3-lagigen Tortoise Pickguard komplettiert. Zum typischen Stil von Jazzbässen aus den 70er Jahren gehörte ein eingefasstes Griffbrett und rechteckige Blockinlays als Lagenmarkierungen, und auch der preisgünstige JB75 kommt mit dieser Ausstattung und unterstreicht so seinen Vintage-Look.

Der Hals ist aus einem Streifen kanadischen Ahorns gefertigt und mit einem schönen dunklen Palisandergriffbrett versehen, sein Profil ist Jazzbass-typisch schlank und liegt gut in der Hand. Direkt hinter dem Sattel liegt die obligatorische Einstellschraube, sodass zur Justierung der Krümmung nicht der komplette Hals abgeschraubt werden muss, wie es bei einigen Vintage-Bässen der Fall ist. Die Saiten laufen über den weißen Kunststoffsattel zur Kopfplatte und den vier Vintagemechaniken in traditioneller Chrom-Optik. Apropos Saiten, Harley Benton stattet seine günstigen Budget-Bässe mit Markensaiten aus dem Hause D'Addario aus - der aufgespannte Satz besitzt die Stärken 045-100 und kann im Fachhandel jederzeit nachgekauft werden.

Am Korpusende werden die Saiten von einer typischen Vintage-Brücke im Fender Stil aufgenommen, die in Fachkreisen auch unter dem etwas despektierlichen Begriff "Blechwinkel" bekannt ist. Die Saitenreiter sind aber immerhin aus Messing und die Schräubchen laufen geschmeidig und gewährleisten die Funktionalität der einfachen, aber bewährten Stegkonstruktion.

Nicht nur bei den Saiten, auch in Sachen Tonabnehmern setzt Harley Benton auf Markenware und verbaut im JB75 zwei Singlecoils mit Alnico-Magneten aus dem Hause Wilkinson. Das Cockpit umfasst je einen Lautstärkeregler für jeden Tonabnehmer und einen Regler für die Fender-typische Tonblende bei passiven Instrumenten.

So viel zum Thema Hardware, und eines ist schon jetzt sicher: Der JB75 ist im Verhältnis zu seinem Preis wirklich sehr gut ausgestattet. Schwächstes Glied sind vielleicht die Stimmmechaniken, sie verrichten zwar ihren Dienst und halten die Stimmung, laufen aber etwas schwer und hakelig. Betrachtet man sich die Verarbeitung des Instrumentes etwas näher, sieht man erwartungsgemäß Licht und Schatten. Die Lackierung ist sehr schön und tadellos ausgeführt und sieht man von ein paar rauen Stellen an der Kopfplatte ab, geht auch die Holzverarbeitung in Ordnung.

Die 20 Jumbo-Bünde meines Testbasses haben keine scharfen Kanten und sind ordentlich abgerichtet, allerdings nur unzureichend oder gar nicht poliert, allesind matt. Aber das sind eher kleine kosmetische Mängel, mit denen man bei einem Budget-Bass durchaus leben kann und letztendlich auch muss. Verbesserungspotential sehe ich aber mit Blick auf den nicht optimal gefertigten Sattel. Diese Sattelkerben sind sehr ungleich gefeilt, sodass die E- und G-Saiten in den tiefen Lagen unkomfortabler zu spielen sind als die beiden anderen beiden. Ein anderer Mangel betrifft die Schrauben, mit denen die Tonabnehmer befestigt sind. Sie sind bei den beiden Singlecoils so schief in den Korpus gedreht, dass sie sich verkanten, wenn man die Höhe der Pickups verändern will, eine Justierung ist nur sehr schwer möglich. Das sind Fehler, die die Funktionalität des Instruments beeinträchtigen und gerade Einsteigern mit wenig Erfahrung nicht zugemutet werden sollten. Hier sollte auch der günstige Preis nicht als Rechtfertigung gelten.

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