Test
5
31.10.2017

Praxis

Mit dem FF-4000 von Formula Sound zu mixen, bereitet mir wahrlich großen Spaß. Bisher habe ich noch kein Pult unter meinen Fittichen gehabt, das derart viele und vor allem sinnvolle Features in einer Mischzentrale vereint, erst recht nicht, wenn man die Preisklasse in Relation setzt.

Zu keinem Zeitpunkt gewann ich den Eindruck, die Pultoberfläche sei überladen oder die vielen Regler zu dicht angeordnet. Im Gegenteil, selbst dickste Finger sollten beim FF-4000 genügend Raum zum ausgiebigen Schrauben haben. Am Anfang mag das Layout aufgrund des unkonventionellen Mixbus-Konzeptes ein wenig unübersichtlich erscheinen, was aber relativ schnell in Fleisch und Blut übergeht. Ob sich DJ-Newbies hier schnell zurechtfinden, wage ich mal zu bezweifeln. Anfänger sollten hier lieber genügend Einarbeitungszeit einplanen.

Die Realisation aller Features geschieht in meinen Augen auf beeindruckende Art und Weise, die Bedienelemente vermitteln eine sehr gute Haptik und zu guter Letzt erwecken alle Bauteile und Bedienelemente den Eindruck von Langlebigkeit. Dass dieses Versprechen erst in einigen Jahren als gehalten betrachtet werden kann, sollte jedem klar sein.

Der Kopfhörerverstärker hat vielleicht ein ordentliches Pfund im Ärmel. Heilands Sack! Ein HD25 von Sennheiser muss unter normalen Umständen, sprich im heimischen Wohnzimmer, mit einem externen Impedanzwandler gezähmt werden, so hoch ist der Wirkungsgrad der FF-4000/HD25-Kombination. Selbst leistungshungrige offene Referenzkopfhörer wie der K702 von AKG können problemlos betrieben werden. Und der Sound ist nicht viel schlechter als der meines Phonitor mini von SPL, sehr zu meinem Leidwesen.

Den Klang der Equalizer würde ich als gütig und warm bezeichnen wollen. Selbst der Boost im Hochtonbereich erkaltet bei Rechtsanschlag kaum wahrnehmbar und ein übermäßiger Boost in den Mitten verdichtet zwar schön, so wie er soll, dennoch können sich Bässe immer noch schön mit ihrem Grundton durchsetzen. Der „Full Cut all Frequencies“ klingt fast ein bisschen nasal, als würde das Mittenband auf den letzten Metern zu einem Filter mit erhöhter Resonanz mutieren. Für einen ersten Eindruck sorgen folgende EQ-Audiofiles. Am meisten hilft aber selber schrauben ...

Alle Busse des FF-4000 weisen eine extrem hohe Übersteuerungsfestigkeit auf. Tatsächlich kann man sowohl den Booth als auch den Masterbus derart übersteuern, dass die zwei roten LEDs durchgehend leuchten und die darunterliegenden natürlich erst recht. Auch bei Rechtsanschlag sämtlicher Potis, also Input Gain, Master und Monitor, ist kein Clipping vernehmbar! Maximal wahrnehmbar ist eine angenehme Sättigung. Man könnte auch von einem Übersteuerungs-Fest sprechen!

Mögliche Alternativen

A) Der zuvor erwähnte Xone:92 von Allen & Heath, der klanglich gar nicht so weit entfernt ist und aktuell für weniger als 1250 Euro über die Ladentheke wandert, ist durchaus einen Blick wert. Seine Vorteile gegenüber dem FF-4000 sind zwei Allen&Heath-Filter direkt on board und sein aktueller sehr günstiger Preis (Stand: 23.10.17).

B) Wer sich beeilt, bekommt womöglich auch noch einen Mixer des belgischen Herstellers Rodec, der zwar Ende 2015 angekündigt hat, die Produktion seiner High End Mixer aus Kostengründen bis auf weiteres auszusetzen, doch mit etwas Glück bekommt man aktuell gerade noch einen der übriggebliebenen MX1800 oder MX2200, die beide weit unter 2000 Euro zu haben sind (Stand: 23.10.17). Ersatzteile, Zubehör und Service gibt es hier aber weiterhin. Ansonsten ist da bislang keine Konkurrenz in Sicht.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare