Gitarre Hersteller_Fender
Test
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07.01.2021

Fender SQ CV50 Esquire Test

E-Gitarre

Budget-Twangmeister

Die Fender SQ CV50 Esquire liest sich ausgeschrieben Fender Squier Classic Vibe 50 Esquire, und damit ist auch klar, wo unsere Testkandidatin beheimatet ist. Die limitierte E-Gitarre wird im Original gerne als "Poor Man's Telecaster" bezeichnet, weil sie nur mit einem Singlecoil-Pickup in der Stegposition ausgestattet ist.
Aber in bestimmten Kreisen erfreut sich das Modell sehr großer Beliebtheit und unser Testmodell ist für knapp unter 400 Euro zu haben. Squier Gitarren haben schon öfter in unseren Tests für Überraschungen gesorgt, weil viele von ihnen trotz ihres relativ geringen Preises für außerordentlich gute Performances gesorgt haben. Mal sehen und hören, wie das bei der Esquire aussieht bzw. klingt.

Details

Fender Esquire

Die Esquire gilt als Vorläuferin der Telecaster und kam 1950 als erste Solidbody auf den Markt, entwickelt von Leo Fender und George Fullerton. Im Prinzip wollte Leo Fender das Konzept der Fender Champion Lapsteel in eine Solidbody-Gitarre übertragen. Zur Tonabnahme gab es einen Pickup, der mit Volume und Ton geregelt wurde, und dazu mit einem flachen Korpus und einem Hals zwei Bauteile, die man recht günstig maschinell fertigen konnte. Nach dem 1949er Prototypen ging es 1950 in die Produktion, und neu war zu dieser Zeit auch die Kopfplatte mit allen Mechaniken auf einer Seite. Die erste Runde der Esquire wurde mit einem Kiefernschichtholz-Body gefertigt, aber recht schnell stieg man dann auf Esche um und spendierte dem Instrument einen Pickup-Schalter, der logischerweise keine Pickup-Kombinationen umschaltete, sondern weitere Klangvariationen einstellte. Mehr dazu später. Die Esquire wurde recht schnell weiterentwickelt, bekam einen Halsstellstab und wurde mit einem zusätzlichen Pickup in der Halsposition bestückt. Dieses Modell hieß zuerst Broadcaster, eine Bezeichnung, die allerdings mit dem Markennamen "Broadkaster" kollidierte, den Gretsch bereits für eigene Instrumente nutzte. Kurzerhand wurde aus der Fender Broadcaster die Telecaster, die auch 70 Jahre nach ihrem Erscheinen noch so aktuell ist wie eh und je.

Die Telecaster verfügt durch ihre Bestückung mit zwei Pickups über mehr Klangvariationen und man könnte sich vorstellen, dass sie deshalb auch problemlos den Esquire-Sound beherrscht. Aber das stimmt nicht ganz, denn durch die Bestückung mit nur einem Pickup können die Saiten etwas besser schwingen, weil kein weiterer Magnet (Pickup) ihren Bewegungsdrang einschränkt. Das Ergebnis ist etwas mehr Sustain und ein offenerer Sound. Außerdem verfügt die Esquire über eine besondere Pickup-Schaltung: In Pos. 1 wird der Pickup nach dem Volume-Poti direkt an den Ausgang geleitet, das Ton-Poti wird umgangen. Dadurch erhält man einen etwas klareren und schneidigeren Ton. In Pos. 2 läuft das Signal über Volume- und Tone-Poti und in der Pos. 3 sind zwei Kondensatoren statt des Tone-Potis im Signalweg, man erhält dadurch einen sehr muffigen Sound. Das Argument dafür war, dass die Gitarre dadurch auch Bass-Sounds imitieren konnte. Wegen dieser Eigenschaften wird dieses Modell gerne von Gitarristen wie Jeff Beck, Steve Cropper oder Billy Gibbons benutzt. Bruce Springsteen spielt überwiegend eine Esquire, die er aber mit einem Hals-Pickup nachgerüstet hat. Einer der bekanntesten User dürfte wohl Luther Perkins sein, er war in den 1950er Jahren Gitarrist bei Johnny Cash und hat mit einer Esquire die klassischen Johnny Cash-Songs eingespielt.

Korpus

Unser Testmodell orientiert sich an den Ursprüngen der Esquire und ist mit einem Korpus aus Kiefernholz gefertigt, lackiert in Vintage White, das man auch salopp als Butter-Weiß bezeichnen könnte. Das aufgeschraubte Schlagbrett kommt einlagig in strahlendem Weiß, ist aber mehr oder weniger Zierde, denn darunter befinden sich weder Elektronik noch eine Aussparung für den Hals-Pickup, wie bei den früheren Esquire-Modellen. Fender fertigte aus Kostengründen den Korpus von Esquire und Broadcaster/Telecaster identisch. Wir haben es also bei unserer Squier Esquire mit einem Korpus ohne große Aussparungen zu tun, trotzdem bringt sie ein moderates Gewicht von 3,7 kg auf die Waage. Gurtpins und die Standard-Tele-Buchse sind an der Zarge zu finden. Die Saiten werden von der Rückseite durch sechs Hülsen eingefädelt und laufen dann über einen Vintage Style-Sattel mit den üblichen Saitenreiter-Paaren (verchromt), so wie man es bei T-Style Gitarren gewohnt ist. Dabei laufen je zwei Saiten über einen Reiter, der in Höhe und Position (Oktavreinheit) eingestellt wird. Die Brücke ist auf das Base-Plate geschraubt, hier ist auch der Pickup in schräger Position befestigt. Der Tonabnehmer mit herausstehenden Pole-Pieces lässt sich ebenfalls in der Höhe verändern. Auf der zweiten Metallplatte sind die beiden Regler und der Pickup-Schalter montiert. Die komplette Hardware ist vernickelt.

Pickup

Beim Tonabnehmer handelt es sich um einen Fender designed Alnico Single Coil Pickup mit schwarzer Kappe, der mit den beiden Reglern in der Lautstärke und Klangfarbe eingestellt wird. Allerdings kommt es auf die Stellung des Pickup-Wahlschalters an, denn hier ist die oben beschriebene Esquire-Schaltung installiert. In der mittleren Position sind Volume und Tone aktiviert, schaltet man nach rechts (Pos. 1), wird das Tone-Poti umgangen, und in der linken Schalterstellung (Pos. 3) ist Muff-Sound angesagt - zwei Kondensatoren bilden statt des Tonreglers eine fest eingestellte Höhenbremse. Die Bauteile machen einen guten Eindruck, der Schalter hat keine wackeligen Positionen und rastet solide ein. Die Potikappen sind aus Metall mit einer geriffelten Seite für gute Griffigkeit. Lediglich der Potiknopf des Volume-Reglers eiert ein wenig.

Hals

Die Esquire kommt mit Ahorn-Hals und -Griffbrett. Der Hals hat ein C-Shape, ist also etwas moderner konzipiert als die alten Baseball-Prügel, das Griffbrett hat einen 9,5" Radius. Auch hier hat man statt des 7,5" Radius der Fender-Gitarren aus den 1950er Jahren die moderneren Specs bevorzugt. Auf dem Griffbrett sind 21 Narrow Tall Frets eingearbeitet, die recht ordentlich poliert sind und auch keine überstehenden Kanten aufweisen. Alles ist sehr sorgfältig verarbeitet, das sieht man in dieser Preisklasse eher selten. Die Saiten laufen über einen weißen Knochensattel zu den einseitig angeordneten Mechaniken, geschlossene Vintage Style Tuner, bei denen die Saiten von oben in die Mechanik eingesteckt und dann aufgewickelt werden. Auch hier gibt es an Funktion und Verarbeitung nichts zu beanstanden. Die E- und B-Saite laufen anschließend durch einen runden Saitenniedrighalter und am Übergang zum Hals findet man den Einstieg zum Halsstellstab.

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