Hersteller_Coles_Electroacoustics
Test
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16.12.2013

Praxis

In einem ersten Test schon zeigte sich das Dauerlutscher-Mikrofon besonders einfach im Handling – das ist eine wesentliche Neuerung bei Coles. Angenehm ist, dass das 4030L mit 12,5 Zentimetern Höhe sehr klein und mit 250 Gramm recht leicht für ein englisches Bändchen ist (Was man auf den Fotos nicht sieht: Das Coles 4038 wiegt viermal so viel!). Im kleinen Halter, dessen Feststellschraube mir eine ein wenig zu geringe Angriffsfläche bietet, lässt sich das Mikrofon axial drehen. Diese zunächst banal klingende Möglichkeit ist allerdings sehr hilfreich, um das Bändchen aus der Achse zu drehen, wie es bei hochpegligen Schallquellen bisweilen sinnvoll ist. Insbesondere aber für die Anwendung im MS- oder auch im Blumlein-Stereoverfahren erweist sich die leichte Ausrichtbarkeit als gern gesehen. Wer ungern mit zwei Stativen hantiert, um damit auszurichten: Es wird demnächst eine Stereoschiene für 139 Euro (UVP) erhältlich sein.

Und klanglich? Nun, der erste Eindruck bestätigt, dass es sich klar um ein Bändchen handelt, der Coles-Stallgeruch ist ebenfalls deutlich. Insgesamt wirkt es sehr offen und fein, das Attribut “modern” finde ich passend. Gerade kurze Konsonanten im Gesang werden schön schnell und konkret übertragen. Den ganz großen, auffälligen Charakter und den “Bigger than Life”-Sound liefert wahrscheinlich nur das 4038, doch ist das 4030L deutlich flexibler und weniger färbend. Das erweiterte Höhenspektrum macht seinen Einsatz seltener grenzwertig, das ist klar ein Vorteil: Es wird mehr Situationen geben, in denen man es einsetzen kann, denn viele moderne Stimmen, manches Cabinet, aber auch Precussionsounds, Bläser und einige mehr benötigen etwas mehr Höhen, als sie das 4038 liefern kann. Doch der Grundsound eines Mikrofons ist nur eine Sache: Das 4030 lässt sich wie seine Kollgen sehr gut mit dem Equalizer bearbeiten, ohne dass negative Eigenschaften zum Vorschein kommen, besonders in den Höhen. Allerdings ist hier wieder die Mahnung notwendig, einen guten Preamp zu besitzen, denn was nutzt es einem, in den Höhen ganz toll Bestandteile herausarbeiten zu können, wenn man gleichzeitig das Rauschen des Vorverstärkers mit anhebt?

Natürlich besitzt ein Bändchen einen ausgeprägten Nahbesprechungseffekt, sodass sich bei von bekannteren Mikrofon(-typen) übernommenen Besprechungsabständen eine höhere Bassigkeit einstellt. Nicht zuletzt daraus resultiert der Eindruck, Bändchen hätten “gar keine” Höhen. Der Proximity-Effekt klingt beim Coles 4030L angenehm und lässt sich über den Abstand auch sehr gut steuern. Sehr angenehm im Praxisbetrieb ist die schöne Off-Axis-Klangeigenschaft, denn als echte Acht ist das Ribbon-Mikrofon ordentlich frequenzkonstant. Möglicherweise hat die einfache Gehäusekonstruktion ihren Teil dazu beigetragen.

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