Hersteller_Chandler_Ltd
Test
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21.01.2013

Praxis

Der Schlüssel zum zielgerichteten Einsatz liegt im Feedback/Bias-Poti. Die grundsätzliche Gainstruktur mit den Gain- und Output-Potis ist ja äußerst einleuchtend, und da kann der Feedback/Bias-Zauberregler erst einmal quer schießen. Bei Linksanschlag kann man die Gegenkopplung nämlich so hochschrauben, dass der Ausgang des Preamps verstummt. Am besten, man beginnt erst einmal mit Gain und Feedback in der 12-Uhr-Position, justiert den Output nach Notwendigkeit und tastet sich von diesem Startpunkt aus vor in die Soundwelten, die einem hier zu Füßen liegen. In der Tat schlägt auch Chandler selbst diese Mittenstellung als neutralen Ausgangspunkt vor.

Flexibilität zahlt sich aus

Und von diesem Punkt an geht es nur noch um persönlichen Geschmack und um Soundvarianten, die in einer gegebenen Situation mal besser, mal weniger gut passen können. Trotz allem bleibt ein gewisser Grundcharakter immer erhalten: Der Little Devil klingt warm, dick, cremig und fett – ohne dabei indifferent wegzusumpfen. Der Klang bleibt also immer schön konturiert und „vorne“.

Bei Vocal-Aufnahmen beispielsweise erhält man ein dichtes Signal mit wunderschön eingebundenen, niemals hervorstechenden Zischlauten, zudem werden der Charakter sowohl des Mikrofones als auch des Vokalisten fein transportiert. Der Little Devil kriegt es hin, einerseits feine Nuancen weiterzureichen, und andererseits trotzdem selbst einen Charakter hinzuzufügen. Und dieser erinnert (was nicht ganz von ungefähr kommt) durchaus an den Sound eines diskreten Class-A-Neve. Vielleicht ist der Chandler nur eine Spur weniger reibelig und etwas tighter, also gewissermaßen mit einem Quäntchen des Charakters ausgestattet, den wir von TG-Preamps oder auch von diskreten Kassetten aus der deutschen Tonregietechnik kennen – hier kommt mir etwa der Siemens V276 in den Sinn.

Je nach Mikrofon kann der Devil Pre ganz unterschiedliche Grundrichtungen unterstützen. Mit einem modernen, recht nüchternen Kleinmembrankondensatormikrofon wie dem Neumann KM184 kombiniert, klingt der Chandler recht sauber und offen, aber trotzdem rund. Gepaart mit einem Röhrenmikro wie dem Neumann CMV563 mit einer klassischen M7-Kapsel öffnet er das Spektrum zu deepen, jazzigen Timbres.

Und nun das Feedback/Bias-Poti: In der Tat greift es drastisch ins Klanggeschehen ein. Man kann damit dem Preamp einen guten Teil seiner Attitüde austreiben (wenngleich er sie niemals komplett vergisst) und auch richtig heftig auf den Putz hauen. Gerade im Zusammenspiel mit einem weiter aufgedrehten Gain- und einem zurückgenommenen Output-Poti lassen sich herzhafte Clippings provozieren, ja sogar satte Distortions. Kombiniert mit einem passenden Mikro – und natürlich im richtigen Zusammenhang eingesetzt – ergibt dies einen richtiggehend „heißen“ Sound, wie man ihn auf vielen alten Platten liebt. Das rockt und knarzt, dass es eine helle Freude ist!

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