Test
2
03.05.2019

Praxis

Äußeres und Klang

Ein ausgesprochen wertig wirkendes Mikrofon hält man in der Hand, wenn man das Blue Ember aus seiner Verpackung nimmt. Es ist gedankenvoll designt und wirklich gut verarbeitet. Dass das robuste Ember ein sehr preiswertes Kondensatormikrofon ist, kann man über sein Äußeres schnell vergessen. Wenn man es in Betrieb nimmt, erinnert es durchaus wieder an sein günstiges Preisschild und reiht sich klanglich genau so ein, wie man es vermuten würde. Es ist ein bezüglich Detaildarstellung sicher sehr großer Schritt von jedem in irgendwelche Devices eingebauten oder auch einfachen dynamischen Mikrofonen. Auch die Höhen werden weitaus deutlicher wiedergegeben, als man es von typischen Bühnen- oder Consumermikros gewohnt ist.  

Mikro mit Biss

Voll neutral arbeitet das Blue Ember hingegen nicht. Im Signalweg kann man ganz verhalten einen statischen Bestandteil ausmachen, der ein wenig nach Rascheln klingt. Dieser ist jedoch von nur geringem Pegel und eher dann hervortretend, wenn mit sehr klaren, höhenreichen Instrumenten gearbeitet wird, die selbst nur wenig Geräuschanteile besitzen, hohe Blechblasinstrumente oder Eigenschwinger wie Metallofone (Vibrafon, Glockenspiel und dergleichen). Ein wenig vorsichtig muss man insgesamt sein, weil das Mikrofon durchaus „Biss“ hat. Das kann einerseits gut eingesetzt werden, um eher lasche Schallquellen nach vorne zu bringen, andererseits kann es auch anstrengen. Werden etwa Stimmensignale zu kneifend, muss in diesem Bereich mit dem Equalizer ein wenig gegengearbeitet werden oder ein De-Esser zum Einsatz kommen. Dafür ist aber die Durchsetzungsfähigkeit von Sprech- und Singstimme sehr hoch. Und führt man sich vor Augen, dass das Blue Ember wohl in erster Linie dafür eingesetzt werden wird, geht das durchaus in Ordnung.  

Richtwirkung funktioniert

Die Ausblendung rückseitigen Schalls ist hoch, sodass die Richtwirkung gut funktioniert. Der Bereich vor dem Mikrofon, in dem sich eine Schallquelle hin- und herbewegen kann, ohne dass es zu auffälligen Klangfärbungen kommt, ist ausreichend groß. Das ist auch wichtig für den Einsatz am Schlagzeug, wo eigentlich an jeder Mikrofonposition auch seitlich eintreffender Schall einen großen Anteil am Gesamtpegel besitzt – und auch der soll ja gut klingen.  

Nicht zu nah

Bei Mikrofonen mit kleinerer Membran wie dem Ember ist es ratsam, einen nicht zu geringen Abstand zur Schallquelle zu wählen. Spricht man also sehr nah in ein derartiges Mikrofon, erhält man weniger ein dickes, warmes Bassfundament als vielmehr einen etwas dröhnigen Charakter. Positionierungstipp: Zehn, besser zwanzig Zentimeter nicht unterschreiten. Bei Abständen unter dreißig Zentimetern ist ferner ein Poppschutz anzuraten – das Ember vertrug sich im Testzeitraum aber auch gut mit dicken Windschutzschaumstoffen zum Aufstülpen, denn diese minderten gleichzeitig noch etwas die Schärfe. Es gibt zwar die optionale Spinne Blue S3 (die das Mikrofon auch sehr professionell aussehen lässt), doch dank der eher geringen Trittschallempfindlichkeit kann man von dieser zusätzlichen Ausgabe erst einmal absehen.

Dynamisch in Ordnung

Feindynamisch ist das Ember in jedem Fall in Ordnung, Attacks von Instrumenten und Konsonanten der Stimme werden schnell genug und weitestgehend frei von Verschmieren wiedergegeben. Grobdynamisch: Am Schlagzeug wäre bei mancher Mikrofonierung ein Pad wünschenswert, bei sehr leisen Signalen, hohen Abständen und vor allem starker anschließender Kompression zeigt dem User das Blue, dass es durchaus rauschärmere Mikrofone dieser Bauart gibt. Aber wie bei allen Aussagen über das Produkt: Man darf nie vergessen, dass es wirklich ein preiswertes Mikro ist.  

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare