Hersteller_Arturia
Test
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03.04.2018

Praxis

Klangquellen 

Hier wir es jetzt spannend. Die erste gute Nachricht vorweg: Arturia spendierte den neuen MiniBrute’s einen zweiten Oszillator, mit dem sehr viel möglich ist. Wichtig hier zu erwähnen ist, dass die Ingenieure dem Synth nicht nur zahlreiche neue Features verpasst haben, sondern auch in vielen Bereichen die Klangqualität deutlich angehoben haben. Beginnen wir mit dem ersten Oszillator. Auf den ersten Blick erinnert er stark an den Vorgänger, schaut man aber etwas genauer hin, so erkennt man viele neue Features, die sich die Entwickler haben einfallen lassen.

Sägezahn, Rechteck, Dreieck und weißes Rauschen stehen weiterhin simultan im sechs-kanaligen Oszillator-Mixer zu Verfügung. Hier können die verschiedenen Oszillatorsignale perfekt zusammengemischt werden. Auch der MiniBrute 2 besitzt wieder für jede der drei zyklischen Wellenformen einen eigenen Waveshaper. Diese wurden in den Funktionen nicht erweitert, sondern in der Qualität verfeinert, und auf den letzten Stand gebracht. Der Sägezahn verfügt wieder über einen Ultrasaw Shaper, der dem Signal zwei phasenverschobene Kopien hinzufügt. Einzig in der Kontrolle gibt es Unterschiede zu beachten. Wo früher zwei Parameter für den Ultra Saw zur Verfügung standen (Ultrasaw amount & rate), verfügt dieser jetzt nur noch über einen Ultrasaw Amount Regler. Die Geschwindigkeit lässt sich nun direkt mit dem zweiten LFO verändern. Hier lüftet sich ein Gheimnis: Einen zweiten LFO gibt es auch, mehr dazu später. Klangästhetisch hat sich hier nicht viel verändert und schwankt weiterhin zwischen einem sanften Chorus ähnlichen Effekt bis hin zu wilden Modulationen. 

Die Pulsewelle lässt sich nun auch manuell oder mit einem Modulator bearbeiten. Sie arbeitet mit klassischer Pulsweitenmodulation (PWM), die nicht mehr von einer Hüllkurve intern gesteuert wird, sondern direkt von einem LFO. Diese Verbindung lässt sich natürlich in der neuen Patch Bay ausschalten und durch einen anderen internen oder externen Modulator ersetzen. Dreht man die PWM weit genug auf, so erreicht man auch einen “through-zero” Punkt, was ein interessantes Sound Design Feature ist. Weiter mit dem Dreieck, die für mich spannendste Wellenform in jedem Brute Synthesizer, da diese den charaktervollen “Metalizer” Shaper besitzt. Er arbeitet ähnlich einem Wavefolder und fügt dem Signal hohe Obertöne hinzu, womit man sehr spannende digital-ähnliche, metallische Sounds formen kann. Keine Sorge, es handelt sich weiterhin um reine analoge Sounds. Neu hinzugekommen ist ein Metal Mod Parameter, der fest mit der Velocity verbunden ist, aber auch einfach in der Patch-Bay veränderbar ist. Außerdem befindet sich ein Fine Tuner sowie ein Glide Regler im ersten Oszillator Block.

Die Pulsewelle lässt sich nun auch manuell oder mit einem Modulator bearbeiten. Sie arbeitet mit klassischer Pulsweitenmodulation (PWM), die nicht mehr von einer Hüllkurve intern gesteuert wird, sondern direkt von einem LFO. Diese Verbindung lässt sich natürlich in der neuen Patch Bay ausschalten und durch einen anderen internen oder externen Modulator ersetzen. Dreht man die PWM weit genug auf, so erreicht man auch einen “through-zero” Punkt, was ein interessantes Sound Design Feature ist. Weiter mit dem Dreieck, die für mich spannendste Wellenform in jedem Brute Synthesizer, da diese den charaktervollen “Metalizer” Shaper besitzt. Er arbeitet ähnlich einem Wavefolder und fügt dem Signal hohe Obertöne hinzu, womit man sehr spannende digital-ähnliche, metallische Sounds formen kann. Keine Sorge, es handelt sich weiterhin um reine analoge Sounds.

Neu hinzugekommen ist ein Metal Mod Parameter, der fest mit der Velocity verbunden ist, aber auch einfach in der Patchbay veränderbar ist. Außerdem befindet sich ein Fine Tuner sowie ein Glide Regler im ersten Oszillator Block. Neben den beiden Oszillatoren gibt es auch weiterhin einen Audio-Eingang, durch den sich beliebige Signale von außerhalb in den MiniBrute 2 einspeisen lassen. Hierfür stehen nun zwei Eingänge, Master In und External In zu Verfügung. Verwendet man den Master Input in der Patchbay für ein externes Signal, so umgeht man den Filter und den VCA der Engine. Weitere Einstellmöglichkeiten wie etwa beim Vorgängermodell gibt es beim MiniBrute 2 nicht mehr.

Filter 

Nach dem Oszillator Mixer wandert das Signal weiter in die Filter Sektion. Hier bleibt sich Arturia im MiniBrute 2 treu und verbaut weiterhin einen Multimode Filter im Steiner-Parker Design. Dieser bietet einen Tiefpass- und Hochpass-Modi mit 12dB/Oktave Flankensteilheit, sowie Bandpass und Notch mit jeweils 6dB/Oktave. Auch in der neuen Version macht der Cutoff einfach Spaß, da dieser weiterhin von sehr weiten Range von 20 Hz bis 18 kHz profitiert. Dreht man den Resonanz Regler bis in den letzten Viertel auf, so rutscht der Filter sehr schön in die Selbstoszillation. Diese lässt sich mit dem Brute-Faktor sogar noch erweitern. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit der Frequenz- und Resonance-Modulation, die neue Sound Möglichkeiten bietet. So kann man mit dem FM Regler die Amplitude und die Polarität des Hüllenkurven Signals kontrollieren, das den Cutoff moduliert. 

Weitaus spannender meiner Meinung nach, ist die Resonanz Modulation mit der man verrückte Sounds designen kann. Sehr schön harmoniert diese in Kombination mit weißem Rauschen und dem ersten LFO. Verwendet man auch noch den neuen Sequenzer, so kann man eine Art Snare-Drum-Machine designen. Jedes mal, wenn der LFO von vorne startet, wird das Rauschen durch ein Sinus-ähnliches Signal ersetzt. So lassen sich relativ schnell rhythmische Elemente bauen. Auch lassen sich klassische Synth Sounds (Cutoff + Resonanz) einfach mit etwas RM aufpeppen, was dem Ganzen mehr Variation gibt. Neben den neuen FM und RM Funktionalitäten, besitzt der MiniBrute 2 einen Abschwächer in der Filter Sektion, mit der man die Velocity regeln kann. Dieser Attenuator lässt sich auch in der Patch Bay umbauen und für andere Ziele benutzen. Will man den Filter als Sinuswellen-Oszillator benutzen, so rate ich davon ab, denn dieser hat kein perfektes Key-Trackingverhalten.

Während meiner Testphase konnte ich sehr schöne Sounds mit dem Filter designen, die vor allem interessante musikalische Obertöne und viel Low-End besaßen. Auch ist mir aufgefallen, dass der Filter weniger aggressiv ist, als der des MiniBrute 1. Logische Folge: Sanftere und mildere Klangteppiche sind nun besser zu erreichen. Der Vorgänger war vor allem wegen seines harschen und nicht Moog-ähnlichen Charakters bekannt. Durch das Hinzufügen des weiterbestehenden “Brute” Faktors, wo das Audiosignal des VCA’s wieder in den Synth eingespeist wird, kann man wieder sehr schön auf Entdeckungsreise in die dunkle Seite des Steiner-Parker Filters gehen. Die Möglichkeiten den aggressiveren Kern des Filters kennenzulernen, ist somit weiter gewährgeleistet. Auch wenn dieser nicht mehr so aggressiv daher kommt, bleibt er weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal für den MiniBrute 2 Synthesizer.

Hüllenkurven & VCA 

Nach dem Filter geht das Signal dann klassischerweise in einen VCA, der von einer Hüllkurve gesteuert wird. Vor sechs Jahren konnte der erste MiniBrute mit zwei kompletten Hüllkurven (ADSR) für Filter und Amp bei vielen Nutzern punkten. In der zweiten Version hingegen, hat man sich gegen dieses klassische Design entschieden, und nur noch eine ADSR verbaut. Als zweiter Hüllenkurven-Generator kommt nun eine AD zum Einsatz, die den VCA öffnet und schließt. Hierbei handelt es sich um eine bis zu 14 Sekunden lange Attack- und Decay-Hüllkurve, die man deutlich interessanter verwenden kann. Mit diesem Schritt verabschiedet sich Arturia vom klassischen Minimoog-Signalweg-Design und bietet dem Nutzer, so viele neue Möglichkeiten. Zählt man aber zu den Vertretern der klassischen analogen Synthese, so kann man weiterhin mit der ADSR im VCA arbeiten. Hierzu muss man nur den festen Signalfluss brechen und mit Hilfe der kleinen Patch Kabel nach seinen Wünschen umstecken.

Bleibt die Frage, was die AD-Hüllkurve so spannend macht, gegenüber der klassischen ADSR im neuen MiniBrute 2. Zwei Schieberegler neben den Hauptparametern führen zur Lösung. Zunächst hat man die Wahl zwischen einer Gate oder Trigger Funktion, die vor allem hilfreich um verschiedene Sounds zu bauen. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit den Envelope in einen Once oder Loop Modus zu versetzen. Wie schon der Name es sagt, startet die Envelope im Once Modus nur einmal, im Loop Modus jedes Mal wieder neu, wenn sie den Schluss der Decay erreicht hat. Mit Hilfe der Loop Funktion kann beispielsweise die AD als kleiner Ein-Noten-Sequenzer oder als weiterer LFO missbraucht werden. Schaltet man den Gate und Loop Modus ein, so hat man bei gehaltener Note, eine kleine Sequence. Im Trigger und Loop Modus hingegen, ist diese endlos und wiederholt sich ständig. Die Geschwindigkeit des Sequenzer /LFO-ähnlichen Signals lässt mit den Attack und Decay Parameter gut anpassen und reicht bis hin zu Audio Rate Modulationen. 

Arbeitet man intensiv mit der Patch Bay auf der rechten Seite, so wird man nicht gezwungen die ADSR und AD als Filter oder Amp Hüllkurve zu verwenden, sondern kann sie frei auf andere Ziele routen. Neben normalen Hüllkurvenfunktionen und LFO-Möglichkeiten, kann die AD auch als dritter Oszillator benutzt werden. Rechnet man alle Funktionen dieser kleinen, neuen AD-Hüllkurve zusammen, so kann man sagen, dass dies der richtige Schritt der Entwickler war. Diese verwandelt den klassischen MiniBrute 2 Synthesizer in ein spannendes, experimentelles Musikinstrument. 

Auch im neuen MiniBrute 2 ist der VCA das Ende der Signalkette. Wie wir jetzt bereits gesehen haben, wird der VCA mit einer neuen komplexen AD-Hüllkurve gesteuert. Im VCA versteckt sich auch dieses Mal der bekannte und charaktervolle Brute-Faktor, der mittels einem einfachen Reglers zum Signal hinzugemischt werden kann. Neu hinzugekommen ist ein Abschwächer, der auf das Amp-Signal und zusätzlich auf +5V geroutet ist. Dieser Signalfluss lässt sich auch wieder sehr einfach in der neuen Patch Bay verändern. 

LFO

Die LFO Sektion wurde im neuen Arturia Synthesizer von unten mittig nach oben links verschoben. Dort befinden sich nun zwei vollwertige LFO’s mit sechs verschiedenen Wellenformen (Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck sowie zwei Zufallsmodi). Der niedrigste Wert liegt bei 0.0625 Hz und reicht bis zu 100 Hz, womit man auch Audio-Rate-Modulationen realisieren kann. Beide LFO’s lassen sich getrennt in der Patch Bay abgreifen und einfach per Kippschalter zum Sequenzer syncen. Wer sich an die Spezifikationen des Oszillator 2 erinnert, weiß auch, dass dieser als dritter LFO agieren kann. Nimmt man die AD-Hüllkurve noch dazu, kommt man glatt auf vier verfügbare LFO’s. Wer sich für die Sequenzer Version des MiniBrute 2 entscheidet, kann sich auf zwei weitere LFO’s freuen. Das liegt vor allem im eingebauten Sequenzer, der auch als LFO-ähnlicher Modulator arbeiten kann. Wer auf viele LFO’s bei einem analogen mono Synthesizer steht, der ist mit den neuen MiniBrute 2 und 2S sicherlich gut aufgehoben.

Sequenzer 

Auch die rhythmische Sektion der neuen MiniBrute 2 Reihe wurde aufgebohrt und mit interessanten neuen Tools ausgestattet. Da es sich bei meinem Testgerät um die Keyboard Version handelt, befasst sich dieser Abschnitt nur mit dieser. Konnte man im Vorgängermodell den Arpeggiator noch per einfachem SysEx-File zum Sequenzer verwandeln, verfügt der MiniBrute 2 direkt Out-of-the-Box über beides. Die Umsetzung dieser Funktionen kommt wahrscheinlich vielen Musiker aus einem anderen Produkt der gleichen Firma bekannt vor. Hierfür verwendet man die Arpeggiator- und Sequenzer-Sektion des KeyStep Controllers, mit den gleichen Modi, Time Divisions usw., nur in einer monofonen Version. Nutzer des Controllers benötigen keine Eingewöhnungszeit, da fast alle Funktionen gleich sind. Sequenzen lassen sich intuitiv Schritt für Schritt oder in Echtzeit eingeben, und das Umschalten vom Sequenzer auf die Arpeggiator Funktion passiert über einen Kippschalter auf der linken Seiten. Des Weiteren ist es möglich die Anschlagdynamik jeder Note und einzelne Pausen in die Sequenzen aufzunehmen. Es lassen sich auch verschiedene Stufen für die Gate Länge und den Swing-Anteil einstellen aber auch auswählen, ob die Sequenz den LFO retriggern soll. 

Da diese Frage oft in Synthesizer-Foren gestellt wird, war es mir in der Testphase auch wichtig herauszufinden, ob man den Arpeggiator/Sequenzer auch getrennt vom MiniBrute 2 benutzen kann. Nach verschiedenen Tests kann ich bestätigen, dass die MIDI- und die USB-Schnittstelle die Melodien als MIDI- Daten ausgeben. Melodien lassen sich außerdem intern, via USB, MIDI oder per Clock direkt im Sequenzerbereich synchronisieren. Die Verschmelzung der KeyStep Engine im neuen MiniBrute zeigt deutlich, wie überzeugt die Herstellerfirma von dieser Idee ist. Einfach und intuitiv zu verwenden aber leistungsstark wie kein anderer Sequenzer in dieser Preisklasse. 

Patchfeld 

Der Aufbau eines semi-modularen Synthesizers ist einfach erklärt: Ein festverdrahteter Signalweg, der mit Hilfe von Patchkabeln unterbrochen und verändert werden kann. Dieses Konzept verfolgten auch die Ingenieure des MiniBrute 2 und bauten ein semi-modulares Patchfeld auf der rechten Seite ein. Dieses besteht aus 48 Miniklinkenbuchsen (Eingänge und Ausgänge), die nur darauf warten, mit den acht beiliegenden Kabeln besteckt zu werden. Da alle Buchsen auf das Eurorackformat abgestimmt ist, können MiniBrute 2-Nutzer den Synthesizer sehr einfach in ihre bestehenden oder zukünftigen Systeme integrieren. Viel Mühe hat man sich hier gemacht, die Kennzeichnung der einzelnen Patch-Punkte sauber und logisch vorzunehmen. So sind beispielsweise die Ausgänge mit einer weißen Umrandung versehen und die Eingänge dagegen nicht. Auch besitzt fast jeder Patch-Punkt einen blauen Schriftzug, der genau sagt, welche Rolle dieser im festverdrahteten Signalweg spielt. Meiner Meinung nach hat Arturia mit diesem Design nicht die semi-modulare Synthese revolutioniert, sondern eher den Patch-Workflow (wohin muss mein Kabel) deutlich vereinfacht und für jeden zugänglich gemacht. 

Mit 48 Miniklinkenbuchsen bietet der neue MiniBrute 2 nicht nur deutlich mehr Eingänge/Ausgänge als viele der aktuellen semi-modularen Synthesizer, sondern verfügt auch über mehr Funktionen als alle anderen. Sicher kann man sagen, dass hier vieles auf kleinem Raum untergebracht wurde, die Entwickler haben es dennoch geschafft, das Ganze sehr gut und sauber zu positionieren. Das hat der positive Effekt, dass ich auch nach längerer Benutzung, nur selten ein Kabel falsch gesteckt habe.

Folgende Ein- und Ausgänge stehen dem MiniBrute 2 Nutzer zur Verfügung:

Eingänge 

 

  • VCO 1 (Pitch, FM, Ultra Saw, PWM, Metal, Metal Mod, Sync, Lin FM) 
  • VCO 2 (Pitch 2) 
  • Master (Audio wird sofort an den Ausgang des MiniBrute 2 gesendet) 
  • Ext (Signal wird durch die gesamte MiniBrute 2 Engine geleitet) 
  • Filter FM 
  • Filter RM 
  • Cutoff 
  • AM 
  • Amp 
  • Inverter
  • ADSR Trig
  • AD Trig
  • AD Attack 
  • AD Decay 
  • VCA  1 
  • VCA 2 
  • VCA CV 
  • Attenuators 1 
  • Attenuators 2
  • SEQ Clock 
  • SEQ Reset 

 

Ausgänge 

  • VCO 1 (Sägezahn, Rechteck, Dreieck, Rauschen) 
  • VCO 2 
  • Amp 
  • Inverter 
  • ADSR
  • AD  
  • LFO 1
  • LFO 2 
  • VCA
  • Attenuators 1 
  • Attenuators 2 
  • SEQ Sync 
  • SEQ Run 
  • MIDI KBD 
  • MDI Gate 
  • MIDI Velo 
  • MIDI Mod 

Die Auflistung zeigt deutlich wie umfangreich das Patchfeld des neuen MiniBrute 2 ist. Logischerweise werden Anfänger der semi-modularen Synthese, den wahren Vorteil dieser Patch-Zentrale nicht in den ersten Stunden verstehen, sondern eher in einem Schritt für Schritt Prozess. Daher empfehle ich Anfängern, das Manual, wie auch das beiliegende Sound Kochbuch in Ruhe durchzulesen da diese Literatur gerade am Anfang sehr hilfreich ist. 

Ist man aber bereits länger in der semi- oder voll modularen Welt zu Hause, so kann man in kürzester Zeit den eigentlichen Signalfluss des MiniBrute 2 komplett auf den Kopf stellen, und viele neue interessante Seiten des Instrumentes kennen lernen. Hüllkurven anders einsetzen, andere Modulationsziele der LFO’s, andere Modulatoren aus externen Systemen einbinden usw. Der semi-modularen Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Der Nutzer bekommt hier viele Möglichkeiten zur Klanggestaltung und zur Integration in größere modulare System auf kleinem Raum geboten. Dennoch fehlen mir verschiedene Funktionen im Patchfeld, die sicherlich noch spannend gewesen wären: Ein enfacher Multiplier zur Duplizierung eines oder zweier CV-Signale oder auch ein Audio Ein-und Ausgang des Filters, womit man beispielsweise den Steiner Parker Filter besser in ein modulares System einbinden könnte. Auch wäre es sicherlich spannend gewesen den Brute-Faktor Anteil mit CV ansteuern zu können. Nichtsdestotrotz, sind die Patch Möglichkeiten des neuen MiniBrute 2 sehr umfangreich und bieten dem Nutzer viele neue Möglichkeiten.

MiniBrute 2 Software 

Wie auch schon bei den anderen Arturia Hardware Produkten, spielt das MIDI Control Center einer zentrale Rolle, wenn es um Einstellungen geht. Diese lässt sich einfach von der offiziellen Hersteller Website herunterladen und auf jeden PC oder Mac installieren. Um diese Software im kompletten Umfang benutzen zu können, muss der MiniBrute 2 oder 2S mit einem klassischen USB Kabel am Rechner angeschlossen sein. Mit dieser kann man Firmware Updates oder auch tiefere Veränderungen vornehmen. Hier hat der Nutzer Zugriff auf erweiterte MIDI-, Sequenzer- und CV/Gate-Einstellungen. Beispielsweise kann man hier einfach bestimmen, wie die Aftertouch Kurve des Keyboard verläuft oder auch die Clock des Sequenzers verändern. Wenn man den MiniBrute 2 viel mit modularem Equipment benutzt, kann man auch hier die Basisnote des V/Oct Pitch Eingang justieren.

Arturia Link 

Neben den neuen MiniBrute 2 und 2S hat Arturia auch Eurorack Cases vorgestellt. Diese sind nicht nur optisch ansprechend und gut verarbeitet, sondern sind Teil des neu entwickelten Link Konzeptes. Anfangs gab es etwas Irritation, ob Arturia in der neuen Brute Reihe den Ableton Link Standard verwendet hat. Es stellte sich aber raus, dass es sich um eine neue Gehäuseverbindung handelt. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem deutschen Synthesizer Designer Axel Hartmann entwickelt, und stellt eine neue Art und Weise dar, wie man einen traditionellen Synthesizer mit einem Eurorack Case zusammenschließen kann. Hierfür wurde ein Einrastverfahren realisiert, womit man beide Instrumente koppeln kann, und mit Schrauben auf beiden Seiten befestigt wird.

Die Hardware Kopplung ermöglicht Nutzern, somit ein 3U oder 6U Brute Gehäuse über einem MiniBrute 2 zu platzieren und dabei die Position sehr variabel zu verändern. So minimiert man die Wege zwischen beiden Geräten und ermöglicht ein angenehmes Patches. Auch bekommt der Musiker das optische Gefühl, dass man einfach aus einem MiniBrute 2 Synthesizer, ein komplett neues modulares Instrument bauen kann. Ein weiterer Vorteil des Link Verfahrens beruht im Transport. Einmal zusammengeschlossen, lassen sich beide Instrumente sehr einfach zusammenfalten und einfach zu Gigs mitnehmen. In der Theorie alles schön und gut, aber wie sieht es in der Praxis aus. Der Aufbau erwies sich das erste Mal komplizierter als gedacht. Da die mitgelieferte Anleitung der Rackbrute’s etwas unklar war, dauerte die Vollendung etwas länger bei meinen Pre-Production Geräten. Nach anfänglichen Problemen kann ich aber sagen, dass Arturia mit dem Link-System ein interessantes und gut umgesetztes Konzept für modulare Einsteiger entwickelt hat. 

Wie klingt der MiniBrute 2 nun eigentlich? 

Eines vorweg: Wer mit dem Charakter des MiniBrute 1 nichts anfangen konnte, wird sich auch mit dem des semi-modularen Nachfolgers schwertun. Das liegt daran, dass Arturia mit dem MiniBrute 2 keine neuen Soundwege bestreitet, sondern kontinuierlich die bisherigen weiterführt. Die vielen kleinen Soundverfeinerungen gegenüber dem älteren Modell, haben den MiniBrute nicht zu einem Moog-ähnlichen Synthesizer verwandelt, sondern haben den einzigartigen Brute Charakter verstärkt. Diese Neuerungen haben auch dazu geführt, dass die Aufwärmzeit des Synth deutlich verbessert wurde. Tests zeigten aber, dass der MiniBrute 2 weniger aggressiv in seinem Grundsound ist, als der erste. Das liegt vor allem an den verbesserten Oszillatoren, wie auch an dem optimierten Steiner Parter Filter, der weniger rabiat arbeitet. Somit sind auch sanftere und klassischere Töne besser umsetzbar. 

Freunde des ersten MiniBrute brauchen sich aber keine Sorgen zu machen. Die Kombination aus dem Steiner Parker Filter und dem Brute-Faktor bilden weiterhin ein perfektes Paar für gewollte aggressive und schmutzige Sounds. Auch war im Test festzustellen, dass vor allem Bass Sounds sehr viel Low-end besitzen und schön fett klingen. Vor allem der neue zweite Oszillator mit der Sinus-Welle meistert diese Aufgabe mit Bravur. Auch die neue Frequenz Modulation zwischen beiden Oszillatoren bringt neue Schärfe in den Sound des MiniBrute 2. Ein kleiner Anteil genügt bereits um Sounds massiver und reicher zu gestalten. Dreht man den Parameter komplett auf, so versinkt das ganze Patch im FM-Chaos. 

Steht man auf analoge Sounds mit einem hauch digitalem Charm, so ist weiterhin der Metalizer Waves-Shaper in der Dreieck Wellenform perfekt hierfür. Mit den neuen Modulations-Möglichkeiten aus dem Patchfeld, erreicht man Sounds, die mit dem Vorgänger nicht möglich waren. Neben Metalizer und FM, erweitert auch die neue Synchronisationsfunktion zwischen beiden Oszillatoren das Soundspektrum des MiniBrute 2 sehr. Ich hatte großen Spass endlich Sync Bass- und Lead-Sounds zu designen, die den charaktervollen Brute, aber auch klassischen schneidenden Sound besitzen.

Auch die erweiterte Velocity Funktionalität (regiert jetzt auf die analoge Engine) bringt Vorteile im Sound Design und hat mir auch sehr gut gefallen. So kann die Velocity nun auf diverse Parameter gesendet werden und Sounds abwechslungsreicher gestalten. Das funktioniert sehr gut wenn man diese auf den Filter weiterleitet und als Oszillator Rauschen auswählt. Die neue Patch Bay macht den Weg auch frei für experimentelle und ungewöhnliche Sounds mit viel Modulation.

Im Großen und Ganzen, klingt der MiniBrute 2 fast wie der MiniBrute 1. Das ist auch kein Wunder, so wurden viele Klangaspekte des Vorgängers übernommen, aber in der Sound Qualität verfeinert. Auch wenn die Änderungen den Grundton sanfter gemacht haben, bleibt der charaktervolle aggressivere Sound bestehen. Features wie der zweite Oszillator, FM, RM, Sync oder auch das leistungsstarke Patchfeld erweitern massiv das Sound Spektrum des MiniBrutes und man ihn kompatibler für andere Musikrichtungen.

Arturia MiniBrute 2 Sound Demo (no talking)

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