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Test
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31.07.2012

API 2500 Bus Compressor Test

Stereo-Analogkompressor

Mehr als nur ein Schlagzeugexperte

Kaum eine Forendiskussion über Kompressoren kommt aus ohne einen Verweis auf APIs "Wunderwaffe". Der 2500 Bus Compressor zählt zu den wahren Klassikern seines Genres, viele User sind begeistert von seinem Klang und seinen zahlreichen besonderen Funktionen. Seit einigen Jahren ist der Hersteller API (Automated Processes, Inc.) von der amerikanischen Ostküste auch im Bereich der Home- und Projektstudios eine feste Größe. Durch den genialen Schachzug, das hauseigene 500er-Format für Drittanbieter zu öffnen, entstand in kürzester Zeit ein riesiger Markt mit einem reichhaltigen Angebot, das sich beileibe nicht nur an betuchte Profis richtet, sondern zahlreiche Optionen für alle Engineers bietet.

Doch APIs Verdienste nur auf den 500-Standard zu reduzieren, greift viel zu kurz. Vielmehr zählt der Traditionshersteller zu den Urgesteinen der Branche. API-Mischpulte sind eher in Studios auf der anderen Seite des großen Teiches zu finden, dort aber auch heute noch in durchaus großer Zahl. Kein Wunder, denn die Analogkonsolen gelten neben denen von Neve und SSL zu den großen Klassikern, die den Sound einer ganzen Ära geprägt haben. Insbesondere die amerikanische Rockmusik der 70er-Jahre hat API viel zu verdanken, und das, obwohl die Firma es zunächst eher langsam angehen ließ. APIs allererstes Produkt, die EQ-Kassette 550a (die heute immer noch angeboten wird) war in den späten 60er-Jahren zunächst als OEM-Bauteil für Custom-Konsolen einiger Gear-Gurus erhältlich. So verfügen beispielsweise die DeMedio-Mischpulte in Hollywoods legendären Sunset Sound Studios in jedem Kanal über einen der API-EQs. Erst der Erfolg dieser und anderer Custom-Lösungen brachte API auf die Idee, selbst komplette Mischpulte auf den Markt zu bringen; Anfang der 70er-Jahre war es dann so weit. Der konturierte, punchy Sound, der den Charakter dieser Mischpult-Legenden ausmacht, resultiert aus einer Vielzahl von Design-Merkmalen. Darunter: Diskrete Class-A-Transistortechnik, unter anderem durch den Einsatz von APIs diskretem 2520-Operationsverstärker, Übertrager an den Ein- und Ausgängen, die Preamps, die EQs – und nicht zuletzt: der Buskompressor. Dieser im VCA-Design erster Güte erstellte Verdichter wird schon länger separat als 19“-Einheit angeboten und darf wohl zu den beliebtesten Outboard-Kompressoren aller Zeiten gezählt werden. Verantwortlich dafür sind zunächst einmal die Klangeigenschaften, aber darüber hinaus auch die zahlreichen, teilweise sogar recht einzigartigen Features und Funktionen, die das Gerät aus der Masse herausragen lassen. Im Folgenden erläutere ich die speziellen Vorzüge, mit denen der 2500 aufwarten kann!

Details

Nüchternes Industriedesign

Mit einem 19“-Gehäuse mit nur einer Höheneinheit erlaubt sich der API-Kompressor keine optischen Mätzchen. Er versprüht die Aura eines äußerst seriösen Arbeitsgerätes, ohne das übertriebene Bling-Bling manch eines neumodischen Boutique-Gerätes – aber schön finden darf man das sachlich-nüchterne Industriedesign nichtsdestotrotz. Nicht zuletzt ist das „echte“ Stereo-Gerät (in dem Sinne, dass es wie beispielsweise der Urei 1178 keinen völlig unabhängigen Dual-Mono-Betrieb beider Kanäle erlaubt) sehr übersichtlich gestaltet worden, was angesichts der Fülle an Funktionen gern gesehen wird. Der API 2500 kann zwar viel, aber eines nicht: dem Anwender Entscheidungen über die zahlreichen Sound-Optionen abnehmen. Umso besser, wenn man sich aus dem Stand bestmöglich zurecht findet!

Herzstück der Bedienelemente sind die typischen Einstellparameter eines VCA-Kompressors: Threshold, Attack, Release, Ratio. Von diesen lässt sich ausschließlich die Ansprechschwelle mittels Poti stufenlos durchstimmen (+10 bis -20 dBu), alle anderen Parameter verfügen über Drehschalter, die mit den typischen, aus massivem Aluminium gefrästen Potikappen bestückt sind. Neben dem ansprechenden Look haben diese übrigens einen ganz handfesten Vorteil: Man kann das Gerät auch ohne hinzuschauen einstellen und weiß trotzdem, in welchem Wertebereich man sich befindet – mit Maus und Computerbildschirm ein Ding der Unmöglichkeit...

Viele spezielle Funktionen

Mit sieben Attackzeiten von 0.03 bis 30 Millisekunden überstreicht der 2500 einen Bereich von „Transienten komplett platt machen“ bis hin zu maximalem Punch. Analog dazu gibt es sechs Release-Werte von 50 Millisekunden bis 2 Sekunden, und damit einen ähnlich weiten, trotzdem musikalisch abgestimmten Bereich. Die siebte Position des Release-Schalters erlaubt eine stufenlose Einstellung per benachbartem Poti, dann sogar bis 3 Sekunden Länge. Das stufenlose Feintuning ist beispielsweise vorteilhaft, wenn man das „atmen“ oder „pumpen“ des Kompressors exakt passend zum Songtempo einstellen möchte.

Zur Standardausstattung gehört darüber hinaus die Output-Sektion mit dem Gain-Poti, welches die Aufholverstärkung respektive den Ausgangspegel des Kompressors bestimmt. Doch hier geht API bereits mit speziellen Funktionen in die Vollen: So lange man das Poti nicht per Drucktaster aktiviert, arbeitet der Kompressor im Auto-Gain-Modus und setzt den Ausgangspegel automatisch, abhängig vom Threshold beziehungsweise der Pegelreduktion. Das bedeutet, dass der 2500 den Ausgangspegel stets von selbst (annähernd perfekt) angleicht, der Anwender hat eine Sorge weniger. Das ist eine äußerst praktische, bei Hardware-Geräten jedoch sehr seltene Funktion. Auch beim Betriebszustand gibt sich der amerikanische Dynamik-Knecht überdurchschnittlich flexibel: Neben einem (selbsterklärenden) Bypass-Schalter, der das Gerät via Relais komplett aus dem Signalweg nimmt, gibt es noch den In-Schalter, der lediglich das Regelelement abschaltet. Das bedeutet, dass das Signal weiterhin die klangfärbenden Stufen im Signalweg durchläuft, nur eben ohne die Kompression: eine weitere Schattierung auf der recht üppigen Farbpalette.

Sidechain mit wählbarer "old" und "new" Hüllkurve

Richtig speziell wird es allerdings beim Blick auf die Tone- und Link-Sektionen in der Mitte der Frontplatte. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Sidechain- bzw. Detektorsignal zu verbiegen und damit die Art und Weise zu beeinflussen, wie der 2500 auf das Eingangssignal reagiert. Zunächst kann das Kompressionsknie manuell verstellt werden, und damit das Ansprechverhalten des Kompressors, wenn die Eingangsschwelle überschritten wird. Mit den Optionen „soft“ (für sanftes Regelverhalten, etwa bei Vocals) über „medium“ bis „hard“ (für zackig-knackige Drum-Kompression) bleibt kein Wunsch unerfüllt.

Weiterhin lässt sich der 2500 – und auch das ist ein sehr seltenes Feature – zwischen Feed-Forward- und Feedback-Kompression umschalten. Im ersten Fall ("New"-Modus) wird das Sidechain-Signal vor dem Regel-VCA abgegriffen, was für präzise, schnelle Kompression vorteilhaft sein kann. Im zweiten Fall ("Old") erfolgt der Abgriff des Detektorsignals erst hinter dem Regelelement, was tendenziell für weichere, dickere Resultate sorgt. Übrigens sind die meisten Vintage-Kompressoren aus der Zeit vor 1970 Feedback-Designs.

T(h)rust me!

Schließlich lässt sich auch noch der Frequenzgang des Sidechains beeinflussen. API nennt diese Schaltung „Thrust“, was sich trefflich mit „Schub“ übersetzen lässt. In der Normalposition wird das Detektorsignal nicht gefiltert, während in der Medium-Position im Sidechain leicht die Bässe abgesenkt und die Höhen angehoben werden, die Mitten hingegen unverändert passieren. Das führt dazu, dass Bässe weniger stark und Höhen kräftiger komprimiert werden: Der Kompressor pumpt weniger und der Sound bleibt rund und voluminös– im Gegensatz zu vielen anderen Kompressoren, die ungefiltert auf die energiereichen Bässe reagieren und deswegen zu etwas flachem, dünnem, oder gar harschen Ton neigen. In der „Loud“-Stellung schließlich liegt in der Sidechain ein Filter, das linear von -15 dB bei 20 Hz bis +15 dB bei 20 kHz ansteigt. In vielen Fällen sorgt das für das gewisse Extra an Bass-Punch, nur manchmal ist es bereits des Guten zu viel. Ausprobieren!

Darüber hinaus lässt sich flexibel dosieren, wie streng die Pegelreduktion beider Stereokanäle verkoppelt werden soll. Neben völlig unabhängigem Betrieb (der im Idealfall das breiteste Stereobild liefert, auf die Gefahr hin, dass die Mitte im Panorama wandert) ist auch in sechs Schritten die Verkoppelung von 50-100% möglich. Und auch hier spendiert API wieder ein kleines, aber keineswegs unbedeutetendes Extra in Form von drei Filtern (Hoch-, Tief- sowie Bandpass) die bestimmen, wie genau beide Kanäle verkoppelt werden. Aktiviert man beispielsweise den Hochpass, so werden tieffrequente Signale aus der Verkoppelung beider Sidechains herausgeommen. Ein lautes Floortom auf dem linken Kanal hat dann auch bei stärkerer Pegelreduktion keinen Einfluss auf das Synthpad auf dem rechten Kanal, welches folglich nicht pumpt, wenn links der Kompressor auf das Tom reagiert. Sicherlich eine Spezialfunktion für anspruchsvolle Summenbearbeitung und nicht notwendigerweise ein Brot-und-Butter-Aspekt für den Alltag, aber dennoch wieder ein API-Alleinstellungsmerkmal. Oder, in anderen Worten: Der 2500 bietet eine Feature-Fülle, wie man sie eigentlich nur von zeitgemäßen Plug-Ins kennt, aber eben in Hardware gegossen.

Guter Gesamteindruck

Dieser Eindruck setzt sich auch bei den Anzeigen fort. Die beiden eher zackig abgestimmten VU-Meter können Pegelreduktion sowie Ein- und Ausgangspegel abbilden, zusätzlich zeigt noch eine rote LED neben dem Threshold-Poti an, wann die Ansprechschwelle überschritten wird und die Kompression einsetzt. Da die LED prinzipbedingt schneller anspricht als das VU-Meter gibt’s hier somit das beste beider Welten.

Ein Betriebsschalter samt zugehöriger LED sowie ein Trimmpoti zum Stereoabgleich runden die üppige Bestückung der Frontplatte ab, und auch auf der Rückseite bleibt kein Wunsch unerfüllt: XLRs für die symmetrischen Ein- und Ausgänge, dazu Klinkenbuchsen für ein externes Sidechainsignal. Eine Kaltgerätenetzbuchse, eine von außen zugängliche Netzsicherung sowie eine Umschaltmöglichkeit zwischen 110 und 230 Volt sind hingegen Standards, die man von einem hochwertigen Gerät erwarten darf. All dies ist verpackt in ein robustes, nicht übertrieben aufgehübschtes Gehäuse, das technisch und funktional auch dank der vielen Lüftungsschlitze einen vertrauenerweckenden Eindruck macht. Und nicht zuletzt können sich die inneren Werte des 2500 mehr als sehen lassen: Übertrager und 2520-OpAmps geben hier den Ton an, begleitet von einem Netzteil mit fettem Ringkerntrafo und einem Sidechain, in welchem aufgrund der vielen Funktionen doch der eine oder andere IC seinen Dienst verrichtet.

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