Snare_Pro_Angel_Segment_Mahagony_Oak
Test
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26.03.2015

Angel Snare Drum Test

14“ x 5,5“ Oak und 13“ x 7“ Mahogany Snare Drum

Zwei Engel für Charlie

Für diesem bonedo Test hat der Postengel heute zwei handgefertigte Snare Drums der Firma Angel Drums aus Ungarn abgeliefert, und zwar eine 13“ x 7“ Mahagoni Trommel und ein 14“ x 5,5“ Modell aus Eiche. Auf dem wachsenden Markt für Freunde des Individuellen gilt es mehr denn je, sich von den zahlreichen Mitbewerbern abzugrenzen, und so kommt auch dieser Hersteller mit ein paar innovativen Details um die Ecke, die wir uns gerne mal ganz genau ansehen wollen. 

Das Herkunftsland Ungarn gehört ja zu den Regionen dieser Welt, die in der heutigen Zeit eher wenige international beachtenswerte Schlagzeilen liefert. Es scheint fast so, als wäre seit den Erfolgen der Fußballmannschaft der 50er Jahre und der Erfindung der herzhaften Gulaschsuppe nicht mehr viel erwähnenswertes vorgefallen. Umso schöner, dass die „Angel“-Macher mit ihren liebevoll gefertigten Trommeln nun über die Landesgrenzen hinaus Beachtung finden möchten. Von echter Menschen Hände aus feinsten Materialien gefertigte Produkte haben ja so ihren Preis, aber angesichts der Tatsache, dass die gute alte Rührtrommel der wichtigste Bestandteil eines Schlagzeuges ist, kann man durchaus mal darüber nachdenken, ob man unbedingt alle zwei Jahre das neueste Smartphone braucht oder zwischendurch mal einen ähnlichen Betrag für ein feines Instrument investiert. 

Details

Liebevoll gearbeitete Kessel aus Massivholzteilen in Parkettmanier

Da das Auge nicht nur mitisst, sondern durchaus auch mithört, kann man das, was da eben noch in schmucklosen Kartons verborgen war, sehr wohl als akustischen Appetitanreger bezeichnen. Beide Trommeln bestechen durch eine äußerst stilvolle Optik. Die besondere Bauweise der naturbelassenen Kessel verleiht ihnen einen ungewöhnlichen Look, denn sie werden in einer der Fassbauweise ähnlichen Art im Segment-Verfahren aus mehreren Massivholzteilen zusammengesetzt. Im Falle der 13“x7“ Mahagoni Trommel sind das fünf mal zehn Zentimeter große Puzzlestücke, die waagerecht in drei Lagen übereinander verleimt sind. Durch die versetzte Anordnung ergibt sich ein schmuckes Parkettmuster, das aus der unterschiedlichen Färbung und Maserung resultiert. Oben und unten schließt jeweils ein zirka 1,5 Zentimeter starker, ebenfalls mehrteiliger Ring den Kessel ab. Diese Ringe verfügen über eine sauber gearbeitete Gratung von 45 Grad nach innen und einen abgerundeten Gegenschnitt auf der Außenseite. Zusätzlich wurde auf der Unterseite ein über eine Breite von 20 Zentimetern weich verlaufendes, perfekt mittig platziertes Snarebed eingearbeitet. Die Kesselstärke beträgt zehn Millimeter, genau wie beim 14“x5,5“ Gattungskollegen aus Eiche. Hier wurden größere und damit weniger Teile in einer Schicht zu einem perfekten Rundling geformt und mit deutlich breiteren Ringen abgeschlossen. Das helle Holz zeigt stark ausgeprägte Maserungen und verleiht der Trommel einen rustikalen Charme. Nach dem typischen Loch zum Entweichen der durch Schläge verdrängten Luft sucht man bei beiden Kesseln vergeblich, denn stattdessen sollen winzige Bohrungen, die sich jeweils im Bereich der unteren Böckchenbefestigungen befinden, für einen gleichmäßigen Druckausgleich sorgen. Alle Hardware-Teile haben direkten Kontakt zum Kessel, nur die Böckchenverschraubungen an der Innenseite werden durch weiche Kunststoffteile entkoppelt.

Stylische „handmade“ Hardware versprüht nostalgischen Charme

Besonderes Augenmerk und Liebe zum Detail verwenden die „Angel“-Konstrukteure auf die handgearbeitete Hardware. Sowohl die Böckchen als auch die patentierte Abhebung werden mit handbetriebenen Maschinen hergestellt. Beide vorliegenden Modelle sind mit Tube Lugs aus Kupfer ausgestattet, die an der Mahagoni Snare brillant poliert sind, während sich die baugleichen Teile an der Eichentrommel durch eine natürliche Patina auszeichnen. Der 13“ Kessel enthält acht dieser wohlgeformten Lugs und der Vierzehnzöller derer zehn. Ebenfalls patentiert sind die bei beiden Trommeln verwendeten Spannreifen. Rostfreier Stahl der Güteklasse 303 wird per Hand auf eine Stärke von zwei Millimetern gewalzt und auf eine Breite von zwei Zentimetern geschnitten und dann ebenfalls in Handarbeit in Form gebracht und verschweißt. Nach dem Abrunden der Kanten werden die Reifen dann poliert und erhalten die per Laser geformten Aufnahmeteile für die stählernen Spannschrauben. Diese Halbmonde werden so verschweißt, dass sie den Rim auf der Unterseite um zwei Millimeter überlappen und somit gewährleistet ist, dass sich die Spannreifen hier über den Aluminiumring der Felle legen und einen perfekten Sitz garantieren. Die schöne Schlichtheit erinnert deutlich an die noch mit Klauen befestigten Spannreifen der Ludwig oder Slingerland Snares der 20er und 30er Jahre.

Formvollendete Eleganz trifft auf Mechanik - der Strainer 

Ganz weit vorne in Sachen Stil und Eleganz präsentiert sich die Snare-Abhebung, deren einfaches mechanisches Prinzip wirklich formvollendet umgesetzt wurde. Der Strainer besteht aus einem am Kessel befestigten Zylinder aus Bronze, in dessen Innerem ein passgenauer weiterer Zylinder aus Stahl mit einem verschraubten Hebel sitzt. Dieser Hebel lässt sich durch eine leicht schräge Ausfräsung im äußeren Zylinder führen und hebt oder senkt damit den inneren. Wenn man den Hebel von links unten nach rechts oben bewegt, wo er einrastet, schiebt sich das Stahlteil heraus und drückt die Stellschraube nach oben. Diese Schraube sitzt auf einer Gewindestange, die durch den inneren Zylinder geführt wird und am anderen Ende starr mit einer waagerecht sitzenden, massiven Röhre aus Bronze verbunden ist, die logischerweise mit gehoben oder gesenkt wird. Unter Zuhilfenahme eines gebogenen Stahlplättchens wird der Teppich nun am Röhrchen eingeklemmt und lässt sich über die Stellschraube feinjustieren, natürlich nur, wenn er auch am anderen Ende befestigt wurde, und zwar an einem baugleichen Bronzeteil mit Klemmvorrichtung, das als Butt-End fungiert. Warum können so einfache Dinge eigentlich so furchtbar kompliziert klingen? Auf jeden Fall bleibt festzuhalten, dass sich diese beiden Snares in Sachen Verarbeitung und Material keine Blöße geben. Gemeinsam mit der klassischen Ambassador Befellung von Remo und dem 20-spiraligen Teppich der Firma Puresound sollte einem erquicklichem Spielvergnügen nichts mehr im Wege stehen.

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