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03.12.2012
Test

Native Instruments Traktor Kontrol Z2 Test

Zweikanal Battlemixer und DJ-Controller

Hybridantrieb fürs DJ-Studio

Die Berliner Soft- und Hardwareschmiede Native Instruments schickt ihren ersten „waschechten“ Mixer Kontrol Z2 ins Traktor-Universum. Dem Hybrid-Pult wurde auch gleich ein Softwareupdate auf den Leib geschneidert, dass eine Vielzahl spannender, neuer Funktionen, wie Makro-FX oder Fluxmode direkt von der Hardware aus zugänglich macht. Wir erleben hier heute also quasi ein Debüt in doppelter Hinsicht. Die Hardware Kontrol Z2 lässt sich im Grunde anhand von drei Punkten klassifizieren:

1. Analoges Mischpult mit Phono- und Line-Eingängen für klassische DJ-Sessions mit CD-Gerätschaft oder Plattenspielern.

2. USB Audio-Interface (Traktor Scratch Pro-zertifiziert) für die Verwendung mit einer DJ-Software oder einem digitalen Vinyl-System.

3. MIDI-Controller mit Tasten und Drehreglern zur Bedienung eben dieser Programme.

Der Neuankömmling im Land der Battlemixer kostet 779 Euro und wird mit einer Vollversion von Traktor Scratch Pro samt Timecode Kit (2x CD, 2x Vinyl) ausgeliefert. Hier ist unser Erfahrungsbericht.

Details

Die erste Überraschung erfolgt gleich beim Auspacken, denn der Kandidat ist deutlich schwerer, als ich es nach Erfahrungen mit dem Kontrol S4 und dem Rest der Sippe vermutet hätte. Das Metallgehäuse verleiht dem Mixer aber nicht nur ein respektables Gewicht von rund fünf Kilo, sondern prädestiniert ihn gleichfalls für den rauen DJ-Alltag im Club oder in der mobilen Diskothek. Das Case ist, wie vom Rest der Familie bekannt, hinten und vorn leicht angewinkelt und setzt wie die DJ-Controller S2 und S4 auf ein teils mattes, teils hochglänzendes Design. Einzig die Seitenauflagen und die mittlere Faceplate – rutschsicher festgehalten durch Magnete und arretiert durch Aussparungen und die Faderkappen – könnten einigen Anwendern vielleicht Anlass zur Kritik geben. Ich sehe hier jedoch eher die Möglichkeit, Faceplates in anderen Farben und mit anderen Konfigurationsbeschriftungen statt der Originale aufzulegen. Pimp your Mixer - farbige Caps gehören dann natürlich auch dazu. Die Bedienelemente wirken beim ersten Trockenlauf durch die Bank hochwertig. Beim Verkabeln auf dem DJ-Tisch fällt auf, dass alle Anschlussbuchsen fest im Gehäuse sitzen und dass der Z2 etwa eine Fingerkuppe weiter nach hinten herausragt als der benachbarte DJM-850. Anders als bei den Audio-Interfaces gehören außer einem USB- und Stromkabel keine weiteren Strippen dem Lieferumfang an. Dafür aber ein Satz Timecode-CDs und -Vinyls sowie die Serial Card und eine Tabelle mit Keyboard-Shortcuts. Der Preis liegt bei 779 Euro, was im ersten Moment nicht wie ein Schnäppchen anmutet. Doch betrachtet man die direkten Konkurrenten Rane/Serato, die für einen Rane Sixty-Two stolze 2500 Euro UVP aufrufen, relativiert sich dies schnell. Los geht’s mit dem ersten Punkt auf der Tagesordnung: Standalone-Mixer

Funktion eins: Standalone-Mixer
Im Standalone-Modus erfolgt die Signalverarbeitung im Mixer. Damit das externe Equipment Anschluss an diesen finden kann, sind auf der Rückseite fünf Stereo-Cinch-Eingänge und eine 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse verbaut. Binden erstgenannte jeweils zwei Turntables oder CD-Player (umschaltbar auf der Mixeroberfläche) über die beiden Hauptkanäle sowie ein weiteres Line-Gerät (Drum Maschine, MP3-Player) über die Aux-Schnittstelle ein, ist die Klinkenbuchse für Mikrofone gedacht.

Raus geht’s für den Master über symmetrische XLR-Buchsen und Cinch. Dadurch ist gewährleistet, dass sich der Z2 sowohl im Partykeller eines Hobbyisten wie auch an einer Profi-PA wohlfühlt. Für die DJ-Kanzel ist zudem ein separat regelbarer Booth-Out in 6,3-Millimeter-Klinken vorhanden. Digitale Ausgänge gibt es nicht. Auch ein Record-Out oder eine Effektschleife suche ich vergebens. Was unter dem Blickwinkel konzeptionell zu verstehen ist, dass Traktor einerseits eine interne Recording-Funktion anbietet, andererseits Effekte beinhaltet. Da wir hier aber gerade „analoge“ Fähigkeiten besprechen, ist dies wohl zu erwähnen, zumal Ranes Sixty-Two sämtliche FX-Register zieht (Intern, Software, Schleife) und besagten Ausgang anbietet. Aber gut, kein Anlass zur Kritik, denn der kostet auch fast das Dreifache.

Erwähnenswert ist auch, dass neben der USB-Buchse zur Verbindung mit dem PC ein USB-Doppel-Hub Typ-A logiert, woran sich weitere Controller anschließen ließen, ohne dass man sich mit Kabelgewirr am Notebook herumärgern muss. Danke dafür, Native Instruments. Wäre schön, wenn die S-Kontrollettis in der nächsten Generation ebenfalls damit bedacht würden. Ferner haben an der Rückseite Platz gefunden: eine Ausfräsung für das Kensington-Sicherheitsschloss, der Netzschalter und die Stromaufnahme.

An der Vorderseite sehe ich den etwas flachen Fadercurve-Controller für den Überblendregler und einen Reverse-Schalter sowie zwei Kopfhörerausgänge in Mini- und Standardbauform, die für mich laut genug für den Club sind, ohne dass es zu einem nennenswerten Pegelabfall kommt, wenn eine zweite Einheit angeschlossen wird. Deren Lautstärke und Cuemix-Regler residieren im Zentrum der Bedienoberfläche - gleich über den Vorhörtasten der Kanäle. Die Vorhörfunktion für die Decks C und D wird über Shift eingeleitet, was ich lieber in dedizierter Form gesehen hätte. Ein Dreiband-Kill-EQ an den Hauptkanälen erlaubt grazile Eingriffe in das Klangbild, wozu auch die griffigen, gummierten und im Drehwiderstand gleichmäßig sanften Potis (leider Kunststoffstifte) beitragen. Der Equalizer im Direct-Modus ist identisch mit dem "P900" der TRAKTOR-Software. Ein besonderes Schmankerl: Das Hochpass-Tiefpass-Z2-Kombifilter im Kanal operiert ebenfalls autonom und klingt für mich noch einen Ticken besser, als das frühere Traktor-Standard-Filter.

Die Flachbahnregler stammen von Innofader und weisen ein ansprechendes Gleitverhalten auf. Selbst bei heftigerem Anschlag ist kein metallisches Scheppern, sondern ein gedämpftes Klacken zu hören. Der Crossfader öffnet in Stellung „Cut“ sehr schnell, was Scratchern zugutekommt. In Mix-Stellung erfolgen Anhebung und Absenkung allmählich, so wie es sein soll. Zwischen den Fadern sind LED-Meter für die Ausgangslautstärke (Stereo) und die Kanäle A/B (mono) platziert, sodass der DJ immer den Überblick über die Pegelstände hat. Über den Einstellungsmodus lassen sich zudem die LED-Parameter für Stereo-Meter aufrufen, woraufhin im linken Display „LEd“ zu lesen ist und rechts der Modus festzulegen ist. „Out" steht für das zuvor geschilderte Muster (A, B, Master). „C_d", für die Monosummen von Deck C und D statt des Summenpegels des Hauptausgangs. Die Mixer-Sektion ist übersichtlich aufgebaut und orientiert sich am gängigen Industriestandard, sodass sich Discjockeys jedweder Couleur schnell zurechtfinden sollten. 

Die Mikrofongruppe in Form eines Volume- und Tone-Reglers samt Einschaltkopf liegt links oben. Talkover ist nicht an Bord. Wen wundert es, denn Traktor Power-User rufen gemeinhin eher nicht zur Damenwahl auf. Und der MC neben dem Scratch-Ass benötigt kein Ducking, sollte er über das Mike singen wollen. Das geht in meinen Augen nämlich auf jeden Fall, denn das Signal ist rauscharm und detailreich. Für den Mic/Aux-Input gibt es grundsätzlich zwei Signalpfade, und zwar einmal direkt auf die Ausgänge des Z2 und einmal durch Traktor. Als klar und druckvoll ist auch der ausgegebene Sound einzustufen. Die Phono-Eingänge klingen ebenfalls überzeugend. Das transparente Signal liegt bei 12-Uhr-Gain etwa bei 0dB, sodass genug Reserven vorhanden sind. Ich habe hier nichts zu beanstanden und kann dem Z2 bis hierher einen hervorragenden Sound attestieren. Die nachfolgenden Hörproben sollten dies verdeutlichen.

Es folgt das Update von der bestehenden Traktor 2.5 Installation auf 2.6. Achtung: Es ist keine DVD dabei, ein DSL-Internetzugang ist somit quasi Pflicht, was einen Ausflug zur Native-Instruments-Webpage einfordert. Dort wären dann die folgenden Schritte auszuführen.

1. Benutzer-Account anlegen.

2. Hardware registrieren.

3. Software Downloaden und installieren (knapp 380 MB Update-Dateigröße beim Mac - Neuerwerber spielen das ganze Programm in einer Rutsche von etwa 570 MB auf).

Dann folgt:

4. Service-Center aufrufen und einloggen.

5. Seriennummer der Software eingeben und aktivieren.

Geht das nicht auch einfacher? Naja, immerhin können wir nun weiter im Text verfahren.

Einen alleinstehenden Z2-Treiber gibt es im Übrigen noch nicht - er soll aber kommen. Aktuell muss für den stressfreien Betrieb Traktor 2.6 aufgespielt werden und zudem sollte ein Update des Controller-Editors erfolgen. Wir vergeben dafür keinen Punktabzug, da dies bei Serato ebenfalls „gang und gäbe“ ist.

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