2012_Jahresrueckblick Workshop_Folge
Workshop
2
Workshop

Raumakustik-Workshop – No.1: Eckabsorber selber bauen

Berechnen, Bauanleitung, Aufstellung der Akustik-Module

Mit einfachen Mitteln lassen sich schon Verbesserungen der Raumakustik erreichen. Im ersten Teil unserer Serie wenden wir uns dem Thema Eckabsorber zu. Die Alternative zum Kauf fertiger Produkte lautet „selbst bauen“, ausserdem kann man dadurch besser auf die Eigenheiten des jeweiligen Raumes eingehen. Kitzelt also den kleinen Heimwerker in euch, es lohnt sich!

Es ist zum Bau allerdings notwendig, ein paar Grundlagen zu verstehen. Die Theorie in diesem Workshop hält sich aber in Grenzen, also keine Angst. 

THEORETISCHE GRUNDLAGEN

Raummoden ("Stehende Wellen")

In kleineren und mittelgroßen Räumen sind Raummoden bei intensivem Musikgenuss das größte akustische Problem, das es in den Griff zu bekommen gilt. Sie werden auch "Stehende Wellen" genannt und entstehen durch Reflexion an den Raumwänden. Frequenzen, deren halbe, ganze, anderthalbfache (usw.) Wellenlängen genau zwischen zwei parallele Wände passen, verlieren weniger schnell an Energie als solche, bei denen das nicht der Fall ist. Das führt natürlich zu Unausgewogenheit im Frequenzgang – wir nehmen dann einen in diesem Bereich überzeichneten Klangeindruck war. Dazu kommt noch, dass die Verteilung im Raum nicht homogen ist – und gerade tiefe Frequenzen haben eine enorme Ausdehnung. So kann es sein, dass an manchen Stellen im Raum ein Frequenzbereich total nervt, an anderer Stelle aber viel zu schwachbrüstig ist. Es gibt zwar auch komplexere Moden, die sich über mehrere „Begrenzungsflächen“ (das sind Wände, Decke, Boden) ausbreiten, doch die Probleme resultieren in erster Linie aus den Moden zwischen zwei parallelen Wänden. Durch die unterschiedlichsten Verhältnisse von Seitenwänden zu Vorder- und Rückseitenabstand ergeben sich unterschiedlichste Interferenz-Muster. Dabei gibt es wiederum ideale und weniger ideale Verhältnisse.

Schlecht: quadratischer Raum

Betrachten wir die normale Studiosituation mit Regieräumen zwischen 15 und 40 qm Grundfläche: Ist euer Raum quadratisch (oder gar kubisch!), ist das aus mehreren Gründen eher schlecht. Zu niedrig (< 2 m) und zu hoch (> 3,5 m) ist im Regelfall auch nicht so gut. Werden die Räume bedeutend größer oder kleiner, herrschen auch wieder andere Gesetze. Beispielhaft sehen wir uns jetzt also 40 qm im idealen Seitenverhältnis 1,6:1:0,625 an, also im typischen Format eines Schuhkartons. Somit ergibt sich ein Raum von 8 x 5 x 3,2 m (LxBxH).

 

Raummoden-Rechner

Die österreichische Firma Trikustik bietet online einen kostenlosen Rechner an, der einem grob die mutmaßlichen Problemstellen offenbart und dazu auch noch eine sehr schöne graphische Veranschaulichung bietet. Die Ergebnisse muss man aber richtig interpretieren können. Deshalb hier zwei Beispiele:

 

 

Links seht ihr einen "idealen" Raum, rechts den bedeutend schlechteren. Was unterscheidet sie? Der Linke entspricht dem idealen Seitenverhältnis, der Rechte zeigt das "worst-case" Szenario, die Wandabstände sind identisch (bzw. ein ganzzahliges Vielfaches). Daraus resultiert, dass im rechten Bild die Resonanzen näher aneinander und auch übereinander liegen und sie sich so noch stärker gegenseitig beeinflussen. Links liegen die Resonanzfrequenzen homogener auseinander und auch viel tiefer - das ist gut (siehe Frequenzdiagramm)!

Selber ausprobieren 

Aber hört euch den Effekt doch lieber einmal praktisch selber an. Ihr müsst dazu natürlich schon ein paar Lautsprecher besitzen, die in der Lage sind, diese Töne auch mit genügend Schalldruck zu erzeugen. Mit Laptop-Speakern und Kopfhörern klappt es sicherlich nicht.

Stellt die Test-Töne auf moderate Lautstärke und lauft dann einmal aufmerksam durch euren Raum und bewegt dabei langsam den Kopf, auch in die Knie dürft ihr gehen und auf den nächsten Stuhl dürft ihr steigen (Achtung: "Haushaltumfallgefahr"!). Ihr werdet vielleicht feststellen, dass an manchen Positionen im Raum der Ton fast überhaupt nicht zu hören ist (Auslöschung), an manchen sehr laut ist (Überlagerungen) oder er manchmal auch einfach nur verfärbt klingt.

Das Ganze dominiert ein Muster, das die Trikustik Seite eben auch optisch zu veranschaulichen versucht. Wenn ihr eure eigenen Raummaße angebt, könnt ihr schonmal eine grobe Anpeilung vornehmen. Die Realität sieht jedoch aufgrund einiger anderer Faktoren etwas anders aus. Nur mit Hilfe eines Testton-Generators kann man auch die tatsächlichen Resonanzen eines Raumes ausloten. Aber ganz so genau muss man das auch wiederum gar nicht nehmen, denn wir hören ja schließlich Musik und keine Testtöne!

 

Bass in den Ecken

Übrigens gibt es das akustische Phänomen, dass in Raumecken der tieffrequente Bereich stark überhöht ist. Wenn wir also diesbezüglich etwas tun wollen, dann müssen wir es hier tun!Umgedreht resultiert daraus übrigens auch, dass "bassarme" Boxen, nahe der Ecken aufstellt "mehr Bass" im Raum anregen und voluminöser klingen.

Wo man letzten Endes sitzen sollte, kann man pauschal nicht sagen. Man sollte dies ausprobieren, um anschließend bewerten zu können, in wie fern  klangliche und ergonomische Kompromisse konkurrieren.

Bässe dröhnen?

Ein weiteres Problem der Raummoden: Der Raum klingt im unteren Frequenzbereich besonders lange nach, was den Klang schwammig erscheinen lässt und die Bässe dröhnen lässt. Im Studio wird eine Nachhallzeit von RT60 = 0,3 s über einen möglichst großen Frequenzbereich oft als ideal betrachtet.

Praktisch heißt dies, "unten rum" darf im Regelfall ordentlich gedämpft werden, nach oben muss man allerdings aufpassen, denn der Raum darf nicht allzu "tot" gemacht werden, da dies unter Umständen sehr unangenehm wahrgenommen wird. Wir bauen deshalb Tiefen-Absorber. Es gibt mehrere Möglichkeiten, dem Bass etwas seiner Energie zu rauben, darunter Helmholtz-Resonatoren, Plattenschwinger, etc. welche aber nicht „mal eben“ selbst gebaut werden können und ohne ausreichend Kenntnisse die Akustik-Situation auch verschlimmbessern können.

 

Mit Eckabsorbern werden Bässe präziser

Die Bässe werden mit der in den Raumecken platzierten Dämpfung präziser, "trockener" und somit vor allem der Gesamtklang differenzierter. Die Speaker müssen allerdings genügend „Dampf“ haben, um den Raum nach der Behandlung noch genügend anregen zu können. Mit unseren geplanten Eckabsorbern kann prinzipiell erst mal aber nicht viel verkehrt gemacht werden, auch wenn man seinen Raum nicht ausgemessen hat – sei es, weil es am passenden Mess-Equipment und/oder an potenten und hochwertigen Speakern fehlt.

 

Die Absorber verbrauchen Grundfläche

Unsere Absorber müssen zwingend in die Ecken, okkupieren dabei aber einen nicht zu unterschätzenden Anteil der Grundfläche des Zielraumes. Bei grob 0,5 qm Grundfläche nehmen sie bei "Plansollvollerfüllung" mit vier Eck-Absorbern rund 2 qm Raum "weg". Das sollte man bedenken. Eventuell stellt man sich bei dieser Aktion auch Steckdosen, sowie Telefon- und Antennendosen zu, deren Verlängerungskabel man in der Budgetierung nicht unterschlagen sollte.

Der Plan ist also klar, wir brauchen Eckabsorber! Möglichst vier und möglichst günstig, soviel steht fest. Also: Ran an die Buletten!

 

 

Verwandte Inhalte

Raumoptimierung fürs Studio

Tipps für besseren Raumklang: Die besten Monitore klingen nur so gut, wie der Raum in dem sie stehen. Dieser SOS-Workshop liefert euch alle Basics!

User Kommentare