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Produce-Alike #12 - Gotye feat. Kimbra

"Somebody That I Used To Know" zum Nachproduzieren

Mit „Somebody That I Used To Know“ lieferte das ausgehende Jahr 2011 noch einen Überraschungshit, der sich bis heute weit oben in den Charts hält. Der Song des Australiers Gotye und seiner neuseeländischen Kollegin Kimbra lässt inmitten des Radio-Einerleis aufhorchen. Ein minimalistisches, eindringliches Arrangement, eine nicht alltägliche Klangästhetik und nicht zuletzt Gotyes Stimme, die abwechselnd mit Sting und Peter Gabriel verglichen wird, bilden das Erfolgsrezept.

Der Songwriter und Multiinstrumentalist Gotye ist in Australien schon länger bekannt und preisgekrönt. Internationaler Erfolg war ihm jedoch erst mit seinem dritten Album „Making Mirrors“ vergönnt, das auch den Smash-Hit „Somebody That I Used To Know“ enthält. Gotye verwendet zahlreiche ungewöhnliche Instrumente und zählt zum Typus des Bastlers, der an Arrangements und Sounds sehr detailliert feilt. „Somebody That I Used To Know“ frisst sich mit einem hypnotischen Bass-Ostinato ins Bewusstsein der Hörer. Man kann sich dem Song auch nach vielen Malen nur schwer entziehen. Unzählige Coverversionen auf Youtube, von denen einige selbst zu viralen Welterfolgen wurden, zeugen von der Faszination, die von dem Titel ausgeht. In dieser Folge zerlegen wir den Hit in seine Einzelteile und versuchen, uns ein paar Tricks abzuschauen.

INTRO

Gleich zu Beginn des Songs begegnet uns die Gitarrenfigur, die die Basis für den gesamten Titel bildet. Also habe ich mir eine Gitarre geschnappt und ein paar Töne aufgenommen. Nun bin ich weder Gitarrist noch verfüge ich über ein hochwertiges Instrument, doch in diesem Fall kommen wir auch so zum Ziel. Im Original hört man an dem abgeschnittenen Rauschen deutlich, dass Gotye seine Bassfigur aus Einzeltönen zusammengebaut hat. Das kann ich auch! Wir nehmen die Töne des Patterns einzeln auf und setzen sie auf einer Audiospur zur gewünschten Figur zusammen. Für die Aufnahme habe ich das simpelste Setup überhaupt verwendet und mich auch nicht an Rauschen oder sonstigen Artefakten gestört, denn die Nebengeräusche der Gitarre ergeben bei diesem Verfahren selbst eine Art Groove, den wir gerne haben wollen. Im Klangbeispiel hört ihr die Gitarrenfigur erst trocken, dann nach der Bearbeitung mittels eines Amp-Simulators und eines Kompressors.

Der Groove wird durch verschiedene weitere Gitarren-Elemente vervollständigt. Zunächst brauchen wir noch den perkussiven Klang der abgedämpften Saiten, der auf 2 und 4 die Funktion einer Snare übernimmt. Auch diesen habe ich einzeln aufgenommen und an die entsprechenden Stellen gesetzt.

Er wird von leisen Gitarrenakkorden begleitet, die eher im Hintergrund zu hören sind. Dafür habe ich zwei Spuren verwendet. Auf der ersten Spur befinden sich Einzeltöne, die eher dazu dienen, dem perkussiven Effekt eine harmonische Grundlage zu bieten:

Die zweite Spur ist interessanter. Die Akkorde bzw. Terzen sind vorne hart abgeschnitten, so dass sie einen genau definierten Attack bekommen. Außerdem kriegen sie ein spezielles Delay, das weit hinten auf der klanglichen Bühne herumgeistert und eine harmonische Textur bildet. Dafür habe ich Logics „Delay Designer“ verwendet. Dieses sehr flexible Tap-Delay erlaubt eine genaue Kontrolle über Timing, Lautstärke und Filterung der einzelnen Taps. Im Klangbeispiel hört ihr die Spur erst trocken, im Anschluss mit dem Delay und viel Hall.

Den ersten Teil des Intros können wir nun schon einmal vorhören:

In der zweiten Hälfte des Intros werden die Gitarren durch eine weitere Spur ergänzt. Darauf befinden sich die gleichen Akkorde wie auf der Delay-Spur, allerdings sind sie hier rhythmisch arrangiert und auch nicht mit dem Delay verfremdet. Wie bisher stören wir uns nicht an Nebengeräuschen – in diesem Fall sind sie sogar fast erwünscht.

Der Bass, der in der zweiten Hälfte des Intros einsetzt, ist ein simpler E-Bass, der sich nicht sonderlich hervortut. Er übernimmt die wesentlichen Teile der Gitarren-Bassfigur. Einmal mehr liefert uns der Spectrasonics Trilian den gewünschten Sound.

Hinzu kommen ein paar Trommeln, die an Orchester-Basstrommeln erinnern. Näherungsweise können wir die aus der Library East West Quantum Leap Stormdrum II beziehen. Den genauen Gotye-Sound bekommen wir damit nicht hin, aber für Workshop-Zwecke wird es reichen. Die Stormdrum-Samples habe ich mit einem EQ noch etwas dumpfer gemacht und ihnen noch ein kleines Delay und eine Menge Hall spendiert. Im Klangbeispiel hört ihr die Trommeln erst trocken, und dann nach den Bearbeitungen.

Das Xylophon, das die Melodie spielt, bekommen wir aus der Vienna Symphonic Library. Bei einem Xylophon-Sound kann man aber nicht viel falsch machen – das Instrument ist ein so dankbarer Sample-Kandidat, dass auch eine günstigere Library hier funktionieren sollte. Wie fast alles bekommt auch das Xylophon in „Somebody That I Used To Know“ eine ordentliche Portion Hall.

Jetzt können wir die zweite Hälfte des Intros zusammensetzen:

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