Tritonus oder doch verminderte Quinte? – Intervalle ganz einfach erklärt

Egal ob du dich gerade in einer Jam-Session befindest und dir jemand durch den Raum zuruft “Spiel das Ganze doch mal eine kleine Terz höher” oder du mit deinen Musikerfreunden über dein liebstes Led Zeppelin Solo fachsimpeln willst. Sich mit den Bezeichnungen und Funktionen musikalischer Intervalle auszukennen, ist für Musiker wie auch musikbegeisterte Menschen unverzichtbar. Schließlich bildet das Wissen über Intervalle die Grundlage für Melodieführung, Akkordbildung, Harmonielehre uvm. und kann dich in deiner musikalischen Laufbahn weit nach vorne bringen. Vor allem, wenn du diese auch heraushören kannst!

Shutterstock / Marco Ortiz-MOF

Wofür brauche ich Intervalle (Kurzzusammenfassung)

  • Für das Bilden von Dur-, Moll-, verminderten-, übermäßgen-Akkorden und weiteren
  • Zum Bilden und Verstehen von Tonleitern
  • Um Licks, Akkorde etc. in verschiedene Tonarten transponieren zu können
  • Um deine Impros und dein Songwriting zu verbessern
  • Für das Spielen nach Gehör

Was ist ein Intervall?

Intervalle sind nicht nur in der Welt der Musik anzutreffen. Auch in der Medizin, Mathematik oder Biologie findet der Begriff rege Verwendung. Eigentlich bedeutet Intervall nämlich nichts weiter als Abstand. Denn der Begriff “Intervall” ist abgeleitet vom lateinischen “intervallum” was soviel bedeutet wie Zwischenraum, Abstand oder Entfernung. In der Musik also der Abstand zwischen zwei Tönen. Gemeint ist damit jedoch nicht der zeitliche Abstand, sondern der Unterschied in der Tonhöhe zweier Töne.

Welche Intervalle gibt es?

In diesem Artikel werden wir uns auf die grundlegenden Intervalle beschränken. Also auf die Intervalle, die innerhalb einer Oktave auftauchen. Was eine Oktave ist, ist dir hoffentlich schon bekannt. Wenn nicht, dann hier einmal kurz zur Auffrischung.

Das Intervall einer Oktave von C bis C markiert auf einer Klaviatur
Eine Oktave von C bis C markiert auf einer Klaviatur
(Shutterstock / Yeliena Brovko)

Eine Oktave ist das Intervall, welches von einem Ton, bspw. einem C, bis zum nächsten gleichnamigen Ton, also wieder einem C geht. Wie du sehen kannst, tauchen auch alle anderen Noten im Bereich einer Oktave auf. Man kann also sagen, nach einer Oktave wiederholen sich die Noten.

Weitere wichtige Intervalle, die du auf jeden Fall kennen solltest, sind die:

  • Prime = C zum gleichen C = 0 Halbtonschritte
  • kleine Sekunde = C zu Db = 1 Halbtonschritt
  • große Sekunde = C zu D = 2 Halbtonschritte
  • kleine Terz = C zu Eb = 3 Halbtonschritte
  • große Terz = C zu E = 4 Halbtonschritte
  • reine Quarte = C zu F = 5 Halbtonschritte
  • Tritonus = C zu F# = 6 Halbtonschritte
  • reine Quinte = C zu G = 7 Halbtonschritte
  • kleine Sechste = C zu Ab = 8 Halbtonschritte
  • große Sechste = C zu A = 9 Halbtonschritte
  • kleine Septime = C zu B = 10 Halbtonschritte
  • große Septime = C zu H = 11 Halbtonschritte
  • Oktave = C zum nächsten C = 12 Halbtonschritte

Natürlich kannst du auch einen beliebigen anderen Grundton nehmen und von dort aus dieselbe Anzahl an Halbtonschritten gehen und erhältst dasselbe Intervall.

Wie du sicherlich bemerkt haben wirst, ist der Unterschied zwischen einem kleinen und großen Intervall immer, ob diese jeweils einen Halbtonschritt Abstand zum Grundton, hier C, mehr bzw. weniger haben. Wie dir auch aufgefallen sein wird, haben manche Intervalle diese Bezeichnungen auch gar nicht. Stattdessen werden diese als reine Intervalle bezeichnet. Das liegt daran, dass die reinen Intervalle als besonders stabil gelten. Wenn du ein reines Intervall alterierst, also einen halbtonschritt Abstand zum Grundton hinzufügst oder entfernst, wird daraus ein übermäßiges oder vermindertes Intervall. Da Primen und Oktaven eigentlich nie alteriert werden, habe ich beide ohne weitere Bezeichnung aufgeschrieben. Der Tritonus ist dann noch so ein ganz spezieller Fall. Man könnte ihn auch als übermäßige Quarte bzw. verminderte Quinte bezeichnen. Da er allerdings auch drei Ganztonschritte vom Grundton entfernt liegt, wird er eben häufig Tritonus genannt, was aus dem Altgriechischen übersetzt so viel wie drei Töne bedeutet.

Ein wenig Historie

Der vermutlich erste Mensch, der sich wissenschaftlich mit den Abständen einzelner Töne voneinander auseinandersetzte, war wohl der uns allen aus dem Matheunterricht wohlbekannte Pythagoras.Ihm war aufgefallen, dass das Hämmern auf Ambossen, deren Größe sich um ein Verhältnis von 1:2, 2:3 oder 3:4 unterschied, besonders harmonisch klang. Er schlussfolgerte, dass gleichzahlige Verhältnisse in der Tonhöhe von Instrumenten besonders gut klingen. Die Oktave, Quinte und Quarte wurden somit zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben. Die langwierige Geschichte, wie es von dieser Erkenntnis bis zu unserem heute gebräuchlichen Stimmsystem kam, ersparen wir dir heute.

Wofür brauche ich Intervalle?

Es gibt vier Aspekte, für die ihr Intervalle hauptsächlich brauchen werdet:

  1. Um Spannung zu erzeugen und aufzulösen
  2. Für das Bilden von Tonleitern
  3. Für das Transponieren von Melodien und Akkorden
  4. Für das Bilden von Akkorden

Spannung spezifischer Intervalle

Die Abstände verschiedener Töne gehen außerdem auch immer mit einer bestimmten Spannung einher. Diese Spannung führt dazu, dass das Intervall harmonischer oder dissonanter klingt. Als Faustregel gilt, dass die Intervalle dissonanter klingen, je näher ihre Töne zusammenliegen. Dabei gibt es jedoch einige wichtige Ausnahmen. Denn auch der Tritonus (Abstand von 6 Halbtonschritten) und die kleine Sechste (8 Halbtonschritte) klingen sehr dissonant. Bei den weiteren beiden Ausnahmen, der kleinen und der großen Septime, könnt ihr euch einfach merken, dass diese quasi auch sehr nah am Grundton dran sind, da dieser sich ja mit der Oktave wiederholt.
Der Grundton ist dabei der Ton, von dem aus das Intervall gebildet wird.

Das Intervall der großen Septime markiert auf einer Klaviatur. Direkt daneben die Oktave des Grundtons
Das Intervall der großen Septime (orange) ist genauer betrachtet ebenfalls sehr nah am Grundton (rot) bzw. dessen Oktave (rot, nur Kontur)
(Shutterstock / Yeliena Brovko)

Wie bilde ich Tonleitern?

Auch Tonleitern sind aus Intervallen aufgebaut. Die klassische Dur-Tonleiter folgt dabei vom Grundton aus der Anordnung große Sekunde, große Terz, reine Quarte, reine Quinte, große Sechste und große Septime, bevor wir mit der Oktave wieder beim Grundton ankommen.

Visualisierung einer C-Dur Tonleiter
Die Intervalle der C-Dur-Tonleiter visualisiert auf einem Klavier. Du kannst die Halbtonschritte für jedes Intervall auch gerne kurz überprüfen.
(Shutterstock / Yeliena Brovko)

Wie man unschwer erkennen kann, sind hier alle Intervalle entweder rein oder groß. Das ist auch der Grund dafür, dass eine Dur-Tonleiter so fröhlich klingt.

Bei der Molltonleiter ist es dann etwas komplizierter. Auf den Grundton folgt eine große Sekunde, dann eine kleine Terz, reine Quarte, reine Quinte, kleine Sechste, kleine Septime und dann wieder der Grundton.

Visualisierung einer C-Moll Tonleiter
Die Intervalle der C-Moll-Tonleiter visualisiert auf einem Klavier. Auch hier kannst du gerne die Halbtonschritte nachzählen.
(Shutterstock / Yeliena Brovko)

Umgekehrt zur Dur-Tonleiter klingt diese deshalb eher traurig, weil die meisten ihrer nicht reinen Intervalle kleine Intervalle sind. Wenn die große Sekunde am Anfang auch noch zu einer kleinen Sekunde gemacht würde, dann hätte man übrigens die sogenannte phrygische Tonleiter. Diese klingt nochmal ein wenig bedrückender, aber auch dramatischer als Moll. Wo diese sogenannten Kirchentonleitern wie phrygisch herkommen, erklären wir jedoch ein anderes Mal.

Diese Arten von Tonleitern nennt man auch diatonisch. Das bedeutet einfach nur, dass sie aus einer bestimmten Abfolge von Ganz- und Halbtonschritten bestehen. Du kannst gerne selber einmal nachzählen, in welcher Reihenfolge die Ganz- und Halbtonschritte in Dur- und Moll vorkommen.
Das Gegenstück zur diatonischen Tonleiter ist die chromatische Tonleiter. Hier werden alle 12 Töne einer Oktave Halbtonschritt für Halbtonschritt hintereinander gespielt (also quasi alle Töne, die ein Klavier so hergibt).

Das Transponieren

Außerdem sind Intervalle auch unglaublich praktisch, wenn du eine Melodie oder Akkordfolge aus einer Tonart in eine andere bringen möchtest. Wenn dein Saxophonist zum Beispiel fragt, ob du deine Licks auch in Eb statt in C spielen kannst. Mit dem richtigen Wissen über Intervalle, ist das nämlich ganz einfach.

Du schaust einfach, um welches Intervall die beiden Tonarten getrennt sind. In diesem Fall ist das eine kleine Terz von C bis Eb. Jetzt weißt du, dass du jeden Ton deiner Licks ebenfalls einfach um eine kleine Terz, also 3 Halbtonschritte, nach oben verschieben musst. Genauso kannst du auch Kadenzen oder deine Soli ganz einfach jeder beliebigen Tonart anpassen. Je nachdem ob du in C, Eb oder auch Ab spielen willst.,

Akkordbildung

Ein Akkord besteht aus mindestens 3 Tönen, die in bestimmten Intervallen zueinander stehen. 

Akkorde mit Terz:

Visualisierung eines C-Dur Akkords anhand der Intervalle große Terz dann kleine Terz
Visualisierung eines C-Moll Akkords anhand der Intervalle kleine Terz dann große Terz
Visualisierung eines verminderten C Akkords anhand der Intervalle kleine Terz dann kleine Terz
Visualisierung eines übermäßigen C Akkords anhand der Intervalle große Terz dann große Terz

(Shutterstock / Yeliena Brovko)

Wie du siehst, bestehen alle hier gezeigten Akkordtypen aus übereinandergeschichteten Terzen. Für dieses Beispiel wurden alle Akkorde auf C aufgebaut. Wie wir eben gelernt haben, funktioniert das aber natürlich auch mit allen anderen Grundtönen identisch.
Der Dur-Akkord wird durch die Reihenfolge große Terz, dann kleine Terz definiert. Der Moll-Akkord macht das genau umgekehrt und stellt die kleine Terz der großen voran. Gerahmt wird dies bei beiden Akkordtypen durch eine reine Quinte, also ein sehr konsonant klingendes Intervall. Demgegenüber stehen die beiden eher dissonant klingenden Akkordtypen vermindert und übermäßig. Während das beim verminderten Akkord ganz klar daran liegt, dass hier zwei kleine Terzen aufeinander folgen und dadurch ein Tritonus entsteht, ist das beim übermäßigen-Akkord nicht so einfach. Bei diesem folgen zwei große Terzen aufeinander und führen dazu, dass eine übermäßige Quinte den Akkord umschließt. Viele Musiker meinen daher, dass übermäßige Akkorde “orientierungslos” klängen und es schwierig sei, sie gut aufzulösen.

Akkorde ohne Terz:

Visualisierung eines Powerchords mit den Intervallen der Quinte und Oktave markiert
Ein Powerchord oder auch Quintakkord genannt: Dieser besteht nur aus Grundton, QUinte und häufig noch der Oktave
(Shutterstock / Yeliena Brovko)

Insbesondere Rockmusiker zählen auch die sogenannten Powerchords, die nur aus Grundton, Quinte und Oktave bestehen, zu den Akkorden dazu. Auch wenn manche Theoretiker behaupten, ein Akkord müsse immer auch eine Terz beinhalten (was an sich schon überhaupt keinen Sinn ergibt, aber dazu ein anderes Mal mehr), möchte ich diese hier kurz erwähnen. Powerchords haben durch das Auslassen der Terz den Vorteil, dass sie auch mit Verzerrung noch gut klingen und keine Emotionalität implizieren. Dadurch klingt er neutraler und lässt Lyrics und Melodie mehr Raum, diese Emotionen hervorzurufen.

Akkorde erweitern:

Visualisierung eines Cmaj7 anhand der Intervalle große Terz, reine Quinte dann große Septime
Visualisierung eines C7-Akkords anhand der Intervalle große Terz, reine QUinte dann kleine Septime

(Shutterstock / Yeliena Brovko)

Man kann stattdessen natürlich auch weitere Intervalle zu einem Akkord hinzufügen. Das häufigste Beispiel dafür sind die sogenannten Septakkorde. Hier wird eine Septime zum Akkord hinzugefügt. Bei einem C-Dur-Akkord wäre das dann ein H. Dadurch wird aus dem C ein Cmaj7. Diese großen Dur-Septakkorde klingen sehr sphärisch und ein wenig lateinamerikanisch. 

Blues-, Country-, Folk-, Rock- und Metalmusiker bevorzugen jedoch häufig den Klang der kleinen Septime mit einem Durakkord. In C-Dur also das B. Wodurch aus dem C ein C7 wird. Dieser wird auch Dominantseptakkord genannt, weil er sich klanglich sehr gerne zum Akkord, der eine Quinte unter ihm liegt, auflösen will.

Das ist in unserem Beispiel selbstverständlich ein:

F-Akkord

Natürlich kannst du auch noch alle anderen möglichen (und unmöglichen) Intervalle in deine Akkorde einfügen. Und da wir ja vorhin gelernt haben, wie man mithilfe von Intervallen Akkorde zwischen verschiedenen Tonarten verschiebt, kannst du all dieses Wissen in jeder beliebigen Tonart anwenden. 

Vorher hören, was du gleich spielst

Ein weiterer Vorteil davon, die Sprache der Intervalle zu beherrschen ist, wenn du beim Songwriting oder einer Improvisation vorab einen Eindruck davon haben willst, wie eine melodische Idee klingen wird. Mit dem richtigen Gespür dafür, wie ein Terzsprung im Vergleich zu einem Quintsprung oder dem Durchlauf der chromatischen Tonleiter klingt, kannst du deine Soli emotional, heldenhaft oder jazzig klingen lassen.

Mit ganz viel Übung wirst du irgendwann auch in der Lage sein, einen Song, den du gerade zum ersten Mal hörst, sofort mit Akkorden und Melodie nachzuspielen, ohne dafür nach den Tabs oder Noten suchen zu müssen. Ein sehr beeindruckender Skill, der aber zugegebenermaßen langes Training erfordert. Gerade für Musiker, die Stilrichtungen spielen wollen, in denen Improvisation ein Muss in jedem Stück ist, wie beim Jazz oder Blues, ist dies ein unverzichtbarer Skill.

Auch wenn das jetzt alles vielleicht ein wenig theorielastig war und nach einem Haufen Lernarbeit für die Zukunft klingt: Sich mit Intervallen zu befassen ist es auf jeden Fall wert für jeden Musiker, der Musik nicht nur nachspielen, sondern auch verstehen und gekonnt darbieten möchte. 

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