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Test
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05.10.2017

SPL Crimson 3 Test

USB2- Audiointerface und Monitor-Controller

Die neue Macht – inklusive Talkback und Phonitor Matrix

Mit dem Crimson und seiner kleinen Schwester Creon hat SPL echte Erfolge gelandet. Revision 2 des großen Tabletop-Interfaces mit Monitorcontroller erschien dabei eher unter dem Radar. 

Nun ist jedenfalls Crimson 3 am Start – mit Talkback und Phonitor Matrix. Ein dickes Paket, das für alle Belange des Homeproducers gewappnet sein sollte. Wir haben es getestet!

Details

Allgemeines

SPL Crimson 3 ist eine gelungene Kombination aus Audiointerface und Monitorcontroller. Das Ganze kommt in einem schicken, 4 kg schweren und robusten Desktopgehäuse mit dicken Knöpfen. Das Interface bietet zehn Eingänge sowie zehn Ausgänge, der Monitor-Controller-Teil sogar noch sechs weitere Eingänge. Doch – wie immer – der Reihe nach.

Zwei Mic-Preamps, clevere Doppelbelegungen

Unterhalten wir uns zuerst über den Audiointerface-Teil: Dieser löst mit bis zu 192 kHz und 24 Bit auf und verbindet sich via USB 2.0 mit macOS und Windows. Es gibt vier A/Ds und vier D/As – es können also maximal vier analoge Kanäle (zweimal Stereo) gleichzeitig wiedergegeben und aufgenommen werden. Hinzu kommt ein AES-tauglicher S/PDIF I/O (Stereo). Es gibt allerdings noch deutlich mehr physikalische Eingänge, welche sich aber durch ihre Doppelbelegung und intelligente Vorrangregelungen unterscheiden. 

Fangen wir bei Input 1/2 beziehungsweise den beiden Preamps mit maximal 60 dB Gain an: Diese haben große Gainpotis oben links sowie dedizierte Taster für die individuelle Aktivierung der 48-Volt-Phantomspannung und des Low Cuts (75 Hz, 6 dB/Okt.) sowie eine LED-Pegel-Ampel spendiert bekommen. Die Schaltung ist diskret aufgebaut und kommt ohne ICs aus, was sie durchaus rauschärmer macht. Die dazugehörigen XLR-Buchsen befinden sich hinten, daneben findet sich ein alternativer Line In 1/2. Wird dieser belegt, werden die Preamps umgangen. Das ist besser als Combobuchsen, da so die Mikrofonkabel gesteckt belassen werden können.

Daneben gibt es einen Line In 3/4. Dieser wiederum wird umgangen, sobald in die Fronteingänge ein Instrument eingesteckt wird. Die Instrumenten-Preamps haben sogar eigene Gainpotis, sodass man bei Standardsetups kaum noch rumdrehen muss. 

Die Belegung und Vorrangregelung finde ich sehr gelungen. Mics können so fest verkabelt bleiben – die Linequelle wie ein Synth an 3/4 beispielsweise auch – und Gitarre und Bass werden nur bei Bedarf eingesteckt (ansonsten würde man auch immer über die Kabel stolpern). Sollte man spontan noch eine zweite Stereo-Linequelle benötigen (Line 1/2), werden indes die Mics überfahren. Top gelöst!

Vier individuelle D/A-Outs

Ausgangsseitig gibt es auch vier analoge Wege (D/As). Diese können sowohl gleichzeitig als auch getrennt abgehört werden und dabei entweder auf den „Speaker Out A“ oder „Speaker Out B“ sowie gleichzeitig auf Kopfhörer 1 und 2 gegeben werden. Um getrennte Ausgaben zu ermöglichen, ist der Artist-Mode vorhanden – zu diesem aber später mehr. Für jeden Kopfhörer steht logischerweise auch ein eigener Lautstärkeregler zur Verfügung, für die Speaker gibt es einen gemeinsamen, ziemlich großen Volume-Regler. Speaker Out B kann zusätzlich mit rückseitigen Trim-Schräubchen an den Out A angepasst werden, um beispielsweise zwei verschiedene Boxenpaare in der Lautstärke anzugleichen.

Dicker Monitorcontroller

Neben den Inputs und den DAW-Wegen können noch weitere Quellen abgehört werden. Dabei heißt es auch wieder nicht nur „entweder oder“, sondern auch „alle gleichzeitig“. Mittels der Bonbonfarben-beleuchteten Schaltmatrix in der Mitte können alle Quellen angewählt werden; als da wären: Input 1/2 (alt. Preamps) Input 3/4 (alt. Instrumente) – beide gemeinsam mono summierbar, die DAW-Rückwege 1/2 und 3/4 sowie die "Sources" Jack, RCA und Mini-J, als auch der S/PDIF. Alles, was hier ausgewählt wird, kann dann entweder auf dem Speaker Out A oder Speaker Out B („Speakers A to B“-Taster) sowie den Kopfhörern ausgegeben werden.

Schauen wir uns noch mal die Rückseite genau an: Die beiden XLR- sowie vier TRS-Buchsen haben wir schon bei den Interface-Eingängen besprochen. Daran schließen sich die „Sources“ an: zwei symmetrische 6,35mm-TRS-Buchsen, ein unsymmetrischer RCA (Cinch) und ein weiterer, unsymmetrischer 3,5mm-„Mini“-TRS. Alle Eingänge erhalten die entsprechend Vorverstärkung, um sie auf ein einheitliches Niveau zu heben. Via Dip-Schalter auf der Unterseite lassen sich aber auch noch andere Level wählen. 

Dann schließen sich die Speaker Outs A und B (XLR und TRS) sowie ein zusätzlicher MIDI I/O und der S/PDIF I/O an. Ganz links ist der Anschluss für das mitgelieferte 100–240V-Netzteil und die USB-Buchse beheimatet. Das Netzteil verfügt über keine Verriegelung, einen dedizierten Schalter zum Ein- und Ausschalten gibt es auch nicht, was besonders schade ist.

Neu: Talk and Listen, der „Artist-Mode“

Was es bisher beim Crimson 1 und 2 nicht gab, war ein eingebautes Talkback-Mic, mit dem zum Künstler im Aufnahmeraum oder in der Gesangskabine gesprochen werden kann. Das ist ein nettes Gimmick, die Klangqualität ist aber wie so oft nur „untere Mittelschicht“, zum Anweisungen geben reicht es aber vollkommen aus.

Der Talkback funktioniert übrigens nur im aktivierten Artist-Mode, wozu ein weiterer beleuchteter Taster gedacht ist. Trotzdem muss diese Funktion zusätzlich aktiviert werden – und zwar mittels Dip-Schalter Nr. 5 auf der Unterseite. Ist dies geschehen, kann man auf den Kopfhörer-Out 2 und Speaker Out B sprechen sowie den DAW-Out 3/4 unabhängig von DAW-Out 1/2 auf Out B und Kopfhörer 2 geben. Damit lassen sich individuelle Mixe für den Künstler erzeugen, während man den Gesamtmix über die Speaker abhört. 

Losgelöst davon steht außerdem ein Blend-Regler für das Direct-Monitoring zur Verfügung, mit dem zwischen den Inputs (Mic, Instr., etc.) und den DAW-Rückspielwegen gemixt werden kann.

Mini „Mini-Phonitor“ inklusive

Ein ebenfalls sehr nettes Gimmick ist die integrierte Phonitor Matrix. Diese soll den gefürchteten Super-Stereo-Effekt auf den Headphones umgehen, denn, auf Kopfhörern hört das linke Ohr nunmal nichts von dem, was auf dem rechten Kanal läuft. Das ist auf Speakern wiederum anders und genau da setzt auch das SPL-Phonitor-Prinzip an, indem es etwas Übersprechen inklusive Laufzeit- und Frequenzgang-Korrektur simuliert. Dadurch entsteht ein natürlicherer Kopfhörersound.

Im Gegensatz zu den großen Boliden Phonitor Mini, Phonitor 2 und Phonitor X fällt die Parametrisierung allerdings recht reduziert aus. Konkret gibt es nur einen Crossfeed-Parameter, welcher mit einem kurzem Stift-Poti (genau wie der Talkback-Gain) auf der Front eingestellt werden kann. Nach Rückfrage bestätigte mir der Vertrieb, dass der Angle etwa 30 Grad beträgt und eine Centerabsenkung so gut wie nicht vorhanden ist. Da die restlichen Parameter durch Hörstudien angepasst wurden, ist ein 100%-Abgleich zu den anderen Modellen nicht wirklich möglich. Ich empfand den frei regelbaren Crossfeed allerdings als sehr zielführend.

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