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Test
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10.04.2015

Rupert Neve Designs RNDI Test

DI-Box

Direct Injection vor oder hinter dem Amp

Rupert Neve Designs ("RND") stellen auf der Frankfurter Musikmesse 2015 eine DI-Box namens RNDI vor – bei bonedo ist sie bereits im Test gewesen. Wer jetzt müde abwinkt, es sei ja nur eine DI-Box, der sollte genauer hinsehen, denn wenn Sir Neve ein Gerät entwickelt, steckt nämlich meist an einer oder mehreren Stellen eine Besonderheit.

Zunächst einmal sieht die Box aus wie viele andere DIs auch, mit der für RND typischen fahlweißen Frontplatte und nur wenigen Bedienelementen und Buchsen. Klar: Eine DI-Box ist nicht gerade das komplizierteste Gerät. Aber es erfüllt wichtige Aufgaben und der Name Neve steht bekanntlich weder für schlechten Klang noch für Innovationslosigkeit. Und so viel sei verraten: Das hat sich mit der RNDI nicht geändert.

Details

„Neve live“ oder „never live“?

Die Symmetrierbox ist in ein ausreichend stabil wirkendes Stahlblechgehäuse gebaut. Es hat aufgrund der Materialdicke zwar nicht den Anschein, als könne man wie bei manchen anderen schadlos die große Bassbox auf sie fallen lassen, aber den einen oder anderen Tritt wird sie sehr wahrscheinlich überleben. Optik und Ausstattung sprechen jedoch eher für einen Einsatz in publikumsarmer Umgebung, also dem Studio. 

Ein ganz besonderer Schalter

Entgegen der üblichen Vorgehensweise beginne ich einmal bei der Rückseite des Geräts. Dort befinden sich lediglich der XLR-Output sowie die Möglichkeit zur Massetrennung per Ground-Lift-Schalter. Der Out der Rupert Neve DI-Box übrigens arbeitet mit einer Impedanz von unter 50 Ohm und ermöglicht somit sehr lange Leitungen. Auf der Vorderseite gibt es den obligatorischen Input zu bestaunen und einen Thru. Somit kann man ein Gitarrensignal zum trockenen Recording abgreifen und dennoch in den Genuss der üblichen Signalkette kommen (und somit den Voraussetzungen für einen besseres Spielgefühl als beim „trockenen“ Hören oder dem Ausweichen auf latenzbehaftete Software-Amp-Simulationen für das Monitoring). Gut, das ist keine Revolution. Aufregend ist hingegen der Schalter „Speaker/Instrument“. Dadurch lässt sich die RNDI zwischen Verstärker und Box hängen. Nicht nur Vorstufen- und Endstufensound eines Amps, auch sein EQ, vielleicht sein Reverb-Tank und sein Effektloop hinter dem Preamp können gern gesehene Bestandteile eines DI-Signals sein. Bei Röhrenverstärkern muss zwingend eine Last am Ausgang hängen, die die RNDI alleine nicht bereitstellt (dafür fehlen die notwendigen Widerstände). Es muss also in diesem Fall immer eine Box angeschlossen sein, beide Kabel müssen natürlich Lautsprecherkabel sein. 

+41,5 dBu!

Die Elektronik der Neve-DI-Box verträgt Leistungsverstärker von bis zu 1000 Watt, die Ampegs und Mesa Boogies dieser Welt werden also nicht ausgeschlossen. Im Speaker-Modus liegt die obere Begrenzung des Headrooms bei sage und schreibe +41,5 dBu, die Eingangsimpedanz liegt in diesem Fall bei 200 Kilo-Ohm. „Instrument“ verwendet zwei Mega-Ohm, doch selbst die dann geltenden +21,5 dBu sind noch beachtlich. Logisch: Ein Pad sieht man an dieser Direct-Injection-Box nicht. Wozu auch? Nicht nur der Pegel-, auch Phasenfrequenzgang der DI von Rupert Neve Designs ist laut Hersteller äußerst linear. 

Farbige A-Klasse

Die mit 48V zu versorgende Class-A-Schaltung ist mit einem Neve-Custom-Transformer ausgestattet. Derartige Übertrager sind in anderen Geräten von RND ebenfalls zu finden und in Herrn Neves Schaltungen für einen Großteil des Klangcharakters verantwortlich. Ich möchte nur an den Klassiker 1073 erinnern. Rupert Neves aktuelle Firma RND zeigt sich jedoch insgesamt zurückhaltender mit Farbe. Dies ist eine Entwicklung, die man bei seiner Arbeit für AMS Neve (1081!) und auch Focusrite beobachten konnte. Aber so viel wird klar sein: Eine ultracleane, brave und gesichtslose DI wird mit der RNDI nicht zu erwarten sein. 

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