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Test
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21.01.2013

Chandler Ltd. Little Devil Preamp Test

API 500 Mikrofonvorverstärker

Teufels Werk und Gottes Beitrag?

Chandler Limited hat sich seinen Namen vor allem mit Neve- und EMI-TG-Clones gemacht, aber mit den Little Devils haben sich die Amerikaner nun endgültig freigeschwommen: Auch diese Eigenentwicklungen liefern allerhöchste Qualität. Engineers überall auf der Welt sind sich einig, dass die Neve-Clones von Chandler sich gegenüber ihrer zahlreichen Konkurrenz mehr als gut behaupten können. Auf dem Feld der EMI-TG-Technik macht dem amerikanischen Hersteller ohnehin niemand etwas vor: Chandler Ltd. bietet diese Produktlinie exklusiv in Kooperation mit dem Abbey Road Studio an.

Schon die Germanium-Reihe war ein erster Schritt von Chandlers Mastermind Wade Goeke in Richtung eigener Produktdesigns, die sich von direkten Vintage-Vorbildern lösen. Aber dabei kommt Chandler natürlich das in vielen Jahren gesammelte Know-How zugute. Wades Welt besteht aus Transistor-Schaltungen in Class-A-Technik, diskret aufgebaut und mit Ein- und Ausgangsübertragern abgeschlossen, und genau dies ist der Humus, auf dem auch seine eigenen Entwicklungen gedeihen: Klassische Analogtechnik, wie sie in den ausgehenden 60er-Jahren üblich war.

Typisch sowohl für die Germanium- als auch für die Little-Devil-Reihe sind die bisweilen einfach schlauen, hin und wieder aber genial-ungewöhnlichen Kniffe, die die Wade Goeke seinen Designs verpasst. Und da macht auch das erste Modul der Little-Devil-Serie, der Preamp keine Ausnahme. Also ran an den Speck!

Details

Aus seinem voll diskreten Aufbau holt der Little Devil bis zu 66 dB Gain. Das liegt in einem guten Mittelfeld, kommt zwar an die 80 dB von Neve nicht heran, bietet aber für die allermeisten Anwendungen locker ausreichende Reserven.Der besondere Trick bei diesem kleinen Teufelchen ist das ausgesprochen flexible Gainstaging, das eine breite Soundpalette erschließt und auf die Möglichkeiten des hauseigenen Germanium-Preamps noch mal eine Schippe drauflegt. Grundsätzlich ist alles ganz einfach, muss aber erst einmal verstanden werden, da drei Potis direkt Einfluss auf den Ausgangspegel haben.

Zunächst wird der Pegel mit dem großen Gain-Poti eingestellt, das Output-Poti erfüllt dann die Rolle des Kanal-Faders. Man kann also den Input heiß fahren, am Ausgang den Pegel auf ein verträgliches Maß reduzieren und somit in den Genuss von Sättigungsprodukten kommen, ohne dass man das nachfolgende Gerät übersteuert.

Feedback/Bias ist maßgeblich klangbestimmend

Dieses Prinzip, beispielsweise auch von gerackten Neve-Kassetten bekannt, öffnet schon mal ein weites Feld an Sound-Optionen und wird durch das Feedback/Bias-Poti sogar in ungeahntem Maße erweitert. Man kann hier gleichzeitig sowohl die Gegenkopplung als auch den Ruhestrom beeinflussen, und damit nimmt man Einfluss auf praktisch alle klanggestaltenden Parameter einer Preamp-Schaltung. Vor allem die Gegenkopplung spielt eine wichtige Rolle: In den meisten Verstärkerschaltungen wird ein Teil des Ausgangs phasenverkehrt wieder auf den Eingang geführt (engl. „negative feedback“). Das führt dazu, dass sich zwar der Ausgangspegel verringert, aber die speziellen klangfärbenden Eigenschaften des Preamps ebenso, da sie sich ja nun durch die Phasendrehung auslöschen. Kurz: Generell kann man sagen, dass ein Preamp mit viel Gegenkopplung zwar straffer und sauberer klingt, einer mit wenig Gegenkopplung mehr Pegel ermöglicht aber auch stärker den Klang färbt – was ja in bestimmten Fällen sehr gewünscht werden kann. Das Bias/Feedback-Poti greift also tief in den Klangcharakter ein, es beeinflusst den Frequenzgang vor allem in den Bässen und Höhen, es steuert den Anteil an harmonischen Verzerrungen, den Charakter des Clippings und es beeinflusst selbstverständlich auch den Ausgangspegel. Kurzum – man hat hier eine ganze Klangwelt unter den Fingerspitzen, die von relativ sauberen, offenen Ergebnissen bis zu extrem herzhaft clippenden Aufnahmen reicht, wie man sie beispielsweise von alten Funk- oder Soul-Platten kennt (Stichwort: Motown-Vocals...).

Gute Ausstattung: HPF, Pad, Impedanz, 48V, Mic/Line und "Bright"

Dazu bietet der Little Devil noch reine Reihe von Schaltfunktionen: Ein Trittschallfilter, das relativ hoch bei 100 Hz ansetzt, Phasendrehung und Phantomspeisung sowie zwei Schalter zur Anwahl der Eingangsquelle. Hier gibt sich der kleine Teufel sehr flexibel: Er frisst sowhl Mic- und Line-Signale über die frontseitige, hochohmige Klinkenbuchse. Schließlich verfügt der Preamp noch über einen Impedanzwahlschalter, der sowohl bei Mic- als auch bei Line-Signalen aktiv ist. Mehr als nur eine nette Zugabe ist schließlich der Bright-Schalter, der nochmals ein bisschen Offenheit in den Höhen herauskitzelt, in dem er die Bedämpfung des Ausgangsübertragers verringert.

Innenleben mit Carnhill- und Altran-Übertragern

Konstruktiv ist die Kassette über alle Zweifel erhaben. Während die ersten Neve-Clone-Serien von Chandler vor vielen, vielen Jahren noch mit vergleichsweise klapprigen Gehäusen daherkamen, hat Wade längst seine Hausaufgaben gemacht. Mit seinem geschlossenen Vollmetall-Gehäuse liegt das Modul schwer in der Hand – es wirkt wie für die Ewigkeit gebaut. Auch das Innenleben kann sich sehen lassen, es wurden viele hochwertige Ingredienzien verbaut. Am Eingang liegt ein Carnhill-Transformer (derselbe Hersteller, der auch Neve beliefert), am Ausgang einer von Altran. Das Gain-Poti stammt von Alpha, und der Preamp holt seine Kraft aus zwei diskreten Operationsverstärkern, die stilecht aus Einzeltransistoren aufgebaut wurden – was man bei einem der beiden aber nicht sehen kann, da er vergossen wurde; auch eine Möglichkeit, ein Betriebsgeheimnis zu wahren...

Insgesamt sieht die Schaltung weniger aufgeräumt aus als ein aktuelles Design auf Basis von ICs und SMD-Bauteilen, aber das ist mitnichten ein Nachteil: So sieht klassische Analogtechnik nun einmal aus, und auf dem Papier bringt der Little Devil schon mal all das mit, was Class-A-Liebhaber für gut und schön befinden.

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