Moderne Enhancer- und Exciter-Plugins bieten vielfältige Sättigungsmodelle, umfangreiche Eingriffsmöglichkeiten und vollständigen Recall. Der Behringer SU9920 setzt dem ein bewusst einfaches Konzept entgegen: analoges Echtzeit-Processing ohne Latenz und mit ohne Komplexität.

Technisch stark am BBE Sonic Maximizer orientiert, vermarktet Behringer das als „Ultimate Stereo Sound Enhancement Processor“ sowie den Namen Sonic Ultramizer, nicht Maxi sondern Ultra ich verstehe… Ob das Konzept weiterhin noch überzeugt, klärt der Test!
- analoge Technik ohne Latenz
- Problemlöser und Spezieller Effekt
- unkomplizierte Integration dank XLR & Klinke
- begrenzter Headroom
- kein international einsetzbares Netzteil
Behringers “BBE Sonic Maximizer” Kopie
Beim Behringer Sonic Ultramizer handelt es sich um einen psychoakustischen Prozessor, der mit einer dreibändigen Phasen- bzw. Laufzeitverschiebung arbeitet. Hergestellt in China.

Pro Dual-Mono-Kanal stehen ein Low Contour-Regler für das untere Band sowie ein Process-Parameter für das obere Band zur Verfügung. Die Mitten können also nicht “angefasst” bzw. bearbeitet werden.
Psychoakustik
Technisch handelt es sich weniger um einen EQ, sondern um kurze, frequenzabhängige Verzögerungen: Hohe Frequenzen werden minimal vorgezogen, die Mitten bleiben und tiefen Anteile spielen zuletzt. Tatsächlich hörbar sind die Verzögerungen allerdings nicht, unser Gehör interpretiert sie nur anders. Vereinfach gesagt: früher überstimmt lauter.
Durch diese Staffelung können sogar passive Speaker quasi laufzeit-entzerrt werden. Unser Gehör kann die Transienten nun besser weil isoliert erfassen sowie den nachfolgenden Tieftonanteil als gesteigerten Tiefdruck interpretieren.
Der Effekt: eine höhere Präsenz und Durchsetzungskraft, ohne dass der eigentliche Pegel oder die Leistungsverteilung im Signalweg real erhöht wird – so ganz stark vereinfacht gesagt.
1x HE, 19-Zoll Prozessor
In ein schlichtes 19-Zoll-Gehäuse gepackt, belegt der Stereo-Prozessor eine Höheneinheit und bietet viel Luft im Inneren. Die Stromversorgung erfolgt über ein lineares Netzteil mit internem Trenntrafo: das bedingt länderspezifische Varianten und schränkt die weltweite Einsetzbarkeit gegenüber modernen Weitbereichs-Schaltnetzteilen durchaus ein. Ein Relikt aus alten Zeiten, nicht schlimm und für die wenigsten ein faktisches Problem, es sei denn die nächste große Welttournee steht wieder einmal an …

Weniger erfreulich für Amateure und Profis gleichermaßen: Die verbauten XLR-Buchsen verfügen über keinerlei Verriegelungsmechanismus. Praktischer gelöst sind da die kombinierten Ein- und Ausgänge, die sowohl über XLR symmetrisch als auch über Klinke (un-)symmetrisch betrieben werden können.
Laut Handbuch sollen ferner Pegel bis +22 dBu verarbeitet werden können – das ist jedoch Quatsch. In der Praxis zeigt sich, dass der interne Headroom – vor allem bei aktivem Processing – deutlich früher ausgeschöpft ist. Ein Betrieb mit maximal +14dBU erweist sich hingegen als unkritisch.
Exciter = Maximizer = Ultramizer ?
Ein Aphex Exciter sowie der BBE Sonic Maximizer – beziehungsweise unser Behringer-Ableger hier – bieten schaltungstechnisch unterschiedliche Ansätze.
Während der Aphex auf harmonische Signalmanipulation setzt, arbeitet der BBE-Ansatz primär zeit- und phasenbasiert wie der Behringer.
Alle Konzepte zielen auf mehr Präsenz und Durchsetzung dank gefühlter HIFI-Badewanne, erreichen ihr Ziel jedoch auf unterschiedlichen Weise.
Genauer: Der Aphex Exciter basiert auf einer nichtlinearen Schaltung zur harmonischen Neugenerierung. Über eine frequenzselektive Aufbereitung – klassisch realisiert via Bandpass, Verzerrerstufe und Pegel- beziehungsweise Mixkontrolle – werden dem Originalsignal so gezielt Obertöne sprich Verzerrungen hinzugemischt, meist im Subass- und Präsenzbereich. Das Ergebnis ist eine spektrale Erweiterung: mehr „Air“, mehr Brillanz, mehr Druck, mitunter musikalisch, bei überzogenem Einsatz jedoch schnell künstlich.
Gibt es Plug-in-Alternativen ?
Was der Behringer SU9920 leistet, können moderne Plug-ins heute theoretisch präziser, reproduzierbarer und oft musikalischer umsetzen. Der Vorteil klassischer Zero-Latency-Hardware ist dennoch weiterhin vorhanden, spielt im typischen Studioalltag jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle.

Wichtiger: Es existieren kaum Softwarelösungen, die das spezifische Laufzeit- und Phasenprinzip des BBE Sonic Maximizer und damit des SU9920 nachbilden. Eine Ausnahme bildet das BBE Sonic Sweet Bundle, das als offizielle Plugin-Version die Philosophie des Sonic Maximizers in die DAW überträgt.
Darüber hinaus arbeiten moderne Exciter- und Enhancer-Plug-ins meist mit harmonischer Anhebung, dynamischem EQ oder Sättigungsalgorithmen, jedoch nur selten mit frequenzabhängiger Laufzeitkorrektur. Der iZotope Ozone Exciter ist hier mein klarer Favorit!
Spezialisierte Phase- und Timing-Tools wiederum adressieren gezielt Phasenprobleme innerhalb von DAW-Mixes, verfolgen aber keinen psychoakustischen Ansatz zur Präsenzsteigerung. Unterm Strich bleibt das BBE-Konzept softwareseitig ein Sonderfall .
Viel Luft um nix ?
Ein Blick ins Innere der Behringer Box zeigt viel Leere – das eigentliche Processing sitzt nur auf einer kleinen Platine mit den Bedienelementen, während der Rest des Gehäuses vom linearen Trafo-Netzteil sowie der Ein- und Ausgangssektion “eingenommen” wird.

Der Trafo neigt ggfls. zum Brummen im Rack, und trotz anderslautender Datenblattangaben ist der Headroom begrenzt: +22 dBu lassen sich in der Praxis nicht verzerrungsfrei verarbeiten. Die elektronisch symmetrierte I/O-Sektion ist indes sauber umgesetzt und erlaubt eine absolut unkritische Integration in Studio- und Live-Setups, von der fehlenden Verriegelung der XLR-Buchsen einmal abgesehen …
Fazit: SU9920 TEST
Der Behringer SU9920 Sonic Ultramizer ist kein Geheimtipp, sondern ein klassisches Werkzeug. Die Schaltung arbeitet zuverlässig, das Konzept ist nachvollziehbar – und der klangliche Mehrwert ist da. Technisch basiert der Prozessor auf einer frequenzabhängigen Laufzeit- und Phasenkorrektur, bei der Höhen früher und Bässe später am Ohr ankommen. Das sorgt für Präsenz und Straffheit, ersetzt aber keine spektrale Erweiterung noch Sättigung. Die dynamische Bearbeitung des Hochbands kann bei leisen Passagen außerdem Rauschen erzeugen.
Dass der SU9920 seit über zwei Jahrzehnten unverändert produziert wird, spricht für seine Marktakzeptanz, aber auch für fehlende Alternativen. Für wenig Geld erhält man jedenfalls ein 19″-Rackgerät mit analogem Echtzeit-Processing und solider I/O-Sektion – inhaltlich ist das Konzept jedoch durchaus von Software überholt. Als spezieller analoger Problemlöser oder bewusst-genutzter Effekt für bestimmte Quellen mag der Ultramizer jedoch weiterhin als “Geheimtipp” funktionieren.
Features

- analoger Sonic-Enhancer nach BBE-Prinzip (phasen-/laufzeitbasiert)
- Dual-Mono-Aufbau mit separaten Reglern pro Kanal
- Low Contour (Bass) und Process (Höhen) pro Seite
- frequenzabhängige Laufzeitverschiebung statt EQ oder Sättigung
- 5-Segment-LED-Pegelanzeigen pro Kanal
- XLR- und TRS-Ein- und Ausgänge (symmetrisch/unsymmetrisch)
- 19″-Rackformat, 1 HE
- internes lineares Netzteil mit Trafo
- max. praxisnaher Headroom ca. +14 dBu
- HERGESTELLT in: China
- PREIS: € 61 (Straßenpreis am 27.3.26)
