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E-Drum Workshop für Akustik-Trommler

Den Schlagzeug-Sound erweitern mit Pad, Trigger & Co.

Kleine Bühne, großer Sound

E-Drumkits, Drum-Pads, Trigger und Drum-Module können euch beim Schlagzeugspielen neue Sounds liefern, euch mobiler machen und einen fetten Drumsound auf der Bühne ermöglichen: In diesem Workshop erfahrt ihr, wie einfach und preisgünstig es sein kann, Minimallösungen mit E-Drums auf die Beine zu stellen. Konkret zeige ich euch hier, mit welchen Möglichkeiten sich Percussion- und sonstige Sounds in ein bestehendes Akustik-Drumset einbinden lassen, wie man Sounds “unterfüttert”, um beispielsweise jeder Bassdrum einen “Stadion”-Sound zu verleihen und nicht zuletzt, was als vernünftig spielbares Minimal-Drumset denkbar wäre. Ihr werdet sehen: Das ist wirklich nicht schwer!

E-Drums können einem leid tun, haben sie doch gleich mehrere generelle, ja fast schon substantielle Probleme: Zunächst werden sie oft sehr kritisch betrachtet, nicht nur vom Publikum: Alles, was mit Strom zu tun hat, ist für viele Trommler ein No-Go, kratzt geradezu an ihrer Musikerwürde. Doch schauen wir uns die Möglichkeiten einfach mal an.

Situation Nr. 1: Sounderweiterung eines Akustik-Drumsets

Tausende Klänge im Zugriff – besser als tausend Instrumente auf der Bühne

Wenn beispielsweise auf einem Song der Platte im Intro ein Tam-Tam oder Gong vorkommt, Congas im Zwischenteil eines anderen Songs und in wieder anderen verschiedene Cowbells, Effektbecken und Kleinpercussion, dann kann man den ganzen Kram natürlich zum Gig mitschleppen, mikrofonieren und spielen. Ein ganzes Stück einfacher ist es jedoch, die jeweiligen Sounds bei Bedarf aus einer Kiste zu holen, die sich sogar recht gut vor dem Publikum verstecken lässt (Und Hand auf's Herz: Wir Trommler sind auf der Bühne eher unscheinbar, und wenn wir angesehen werden, dann blickt uns der Zuschauer meist ins Gesicht anstatt auf das Ziel unserer Trommelspitzen). Nutzt man beispielsweise den absoluten Klassiker auf diesem Gebiet, das Roland Octapad, dann kann man beispielsweise rechts neben dem Ridebecken über acht Schlagflächen gerade notwendige Sounds im Direktzugriff haben. Aufgestellt und spielbereit ist so ein Ding recht schnell, denn mehr als ein Stativ, einen Stromanschluß und ein Kabel zur DI-Box des Technikers benötigt man nicht.

Wer es ganz einfach haben will, der kann verschiedene Soundsets als “Kits” auswählen, innerhalb derer dann beispielsweise Timbales und Agogos zu hören sind. Die verschiedenen vorhandenen Klänge zu individuellen Kits zusammenzusetzen, das schafft auch ein Einsteiger in die Materie in Minutenschnelle. Bei eigentlich allen Geräten dieser Bauart lässt sich das jeweilige Pad auswählen und der gewünschte Sound aus einer Liste zuordnen. Dann mit dem Songnamen speichern – fertig. Wer mag, kann noch weitere Anpassungen vornehmen und den jeweiligen Klang höher, tiefer, schneller oder langsamer ausklingend machen, mit einer Hallfahne versehen und dergleichen. Und im Grunde ist man damit schon mittendrin: Viele Geräte erlauben auch die Verwendung eigener Sounds, die im einfachsten Fall per USB übertragen werden oder per Stick ihren Weg in den Speicher finden. Dort gilt dann genau das gleiche wie für die “fertig eingebauten” Sounds. Ab hier kann es richtig spaßig werden, denn wo steht geschrieben, dass es nur kurze, schlagzeugtypische “Kling”- und “Katong”-Sounds sein müssen? Auch Streicherflächen, der Backgroundgesang von der Platte oder komplexe Loops und Basslines können abgefeuert werden. Es ist sogar möglich, diese im laufenden Betrieb umzuschalten. Übrigens gehört auch ein Kopfhörerausgang zur Standardausstattung der Pad-Geräte; damit habt ihr den Click auf den Ohren und seit nicht darauf angewiesen, das Loop immer aus den Monitorboxen zu hören.

 

Hier seht ihr eine kleine Auswahl dessen, was als Sounds denkbar ist. Neben Einzelsounds, die man dann spielt (z.B. das große Tam-Tam), kann man mehrere vorbereitete Klänge abfeuern, etwa Synth-Brass-Hits. Oder es ist direkt ein Loop, das abgefeuert wird!

Situation Nr. 2: Sounds unterfüttern mit Triggermikros

Großer Sound kommt aus der kleinsten Hütte

Besonders der Bassdrum-Sound kann Trommlern wie Technikern Kummer bereiten. Es ist nicht allzu leicht und dauert eine gewisse Zeit, das Instrument so zu stimmen und das Mikrofon (oder sogar mehrere) so zu positionieren und zu bearbeiten, dass ein durchsetzungsfähiger Attack mit einem satten Tiefbassfundament entsteht. Noch schwieriger wird es, wenn recht kleine Bassdrums zum Einsatz kommen.

Es gibt eine Lösung: Mit einem kleinen Triggermikrofon werden die Schwingungen eines Fells abgenommen, dann aber in verwertbare Nachrichten umgewandelt. Das Alesis Trigger I/O beispielsweise ist eine kleine Box, die Signale von verschiedenen Triggern in MIDI-Nachrichten umwandelt. Über MIDI kann dann wiederum ein beliebiger Klangerzeuger angesprochen werden, beispielsweise eine Jomox M-Base 11 (ein reiner Bassdrum-Klangerzeuger), ein Drumcomputer, ein Sampler, ja sogar ein iPhone. Und natürlich gibt es auch Drum-Module, die sowohl Trigger-Eingänge als auch Klangerzeugung liefern.

Die sicherlich einfachste Variante ist, zum vom Mikrofon aufgenommenen Bassdrum-Sound einen Sinus von etwa 40 Hz hinzuzumischen, um den Subwoofern der P.A. ordentlich zu tun zu geben. Genauso lässt sich auch die Snare mit kurzem Rauschen “snappy” machen, sollte das eigentliche Instrument zu lasch rüber kommen. Oder man ersetzt gleich die Sounds komplett (und könnte sogar den Originalklang komplett muten, indem man spezielle Gewebefelle benutzt, so genannte Mesh-Heads). Damit lässt sich beispielsweise der im Studio umständlich entworfene “Signature Sound” live reproduzieren, indem man ihn als Sample abspielt. Stellt euch nur vor, wie hilfreich das sein kann, wenn zwei Bassdrums zum Einsatz kommen oder man die bekannten Probleme der gerne mal unterschiedlich lauten Beater bei Verwendung einer Doppelfußmaschine ausbügeln will. Und wo wir gerade bei typischen Metal-Drummer-Problemen sind: Sechs Toms in Tune zu halten und dabei homogen klingen zu lassen – das ist keine Aufgabe, der sich Trommler und Techniker gerne stellen (und die meist noch einen separaten Drum-Tech nötig macht…). Auch hier ist es bequemer, sicherer, schneller und erfordert geringeren Materialeinsatz, wenn Triggermikrofone an den Trommeln befestigt werden. Ach ja: Was live funktioniert, kann natürlich auch im Studio Verwendung finden…

 

Hier hört ihr ein einfaches Beispiel-Setup. Bei der Snare ist das Rauschen nur verhalten zugemischt (und etwas mit dem Equalizer bearbeitet), um die Bassdrum zu genießen, solltet ihr ein ausreichend bassstarkes Wiedergabesystem benutzen, keine Laptoplautsprecher oder dergleichen:

Die Vorgehensweise ist recht einfach: Trigger werden in manchen Fällen auf das Fell aufgeklebt, etwas bessere lassen sich an Spannreifen befestigen. Ein einfaches Kabel verbindet Trigger mit dem Trigger-Eingang eines Geräts wie dem Alesis Trigger I/O. Dort kann man dann einstellen, ab welcher Stärke überhaupt ein Signal generiert wird und welcher Notennummer (also eigentlich Keyboardtaste!) es zugeordnet sein soll. In vielen Klangerzeugern und -programmen findet man eine Bassdrum auf Taste C1 (meist Nummer 036). Je nach Klangerzeuger kann es notwendig sein, den MIDI-Kanal auf #10 zu stellen, um an Drumsounds heranzukommen. Wenn das alles Neuland für euch ist: Keine Angst, die MIDI-Basics helfen euch weiter. Alles andere ist übliche Einstellung am Klangerzeuger, so kann ich etwa beim Sampler selbst aufgenommene Audios abfeuern und Parameter wie Pitch, Hüllkurven, Filter und dergleichen frei einstellen. Üblicherweise lassen sich derartige Klangerzeuger sehr einfach bedienen.

Angst? Man hört ja so viel schlimme Sachen über die Tücken der Technik. So sollen E-Drums unter anderem eine schlechte Dynamik haben und das Signal nur verzögert ausgeben. Ich kann euch beruhigen: Die Delays liegen meist in einem zeitlichen Bereich, den auch Schall von einem Instrument wie einem Ridebecken oder von einer Monitorbox zu den Ohren des Trommlers benötigen würde. Beim Unterfüttern von Sounds mit Subbass oder Rauschen kommt der Attack zudem vom eigentlichen Instrument. Möglicherweise muss man sich jedoch einmal hinsetzen und die Dynamik des Triggermikrofones einstellen. Hier gilt es vor allem, die Balance zwischen der Sensibilität für leise Schläge und dem Vermeiden unbeabsichtigter Trigger (va.a. Aufgrund von Schwingungen durch Schläge auf andere Instrumente) herzustellen. Das macht man aber im Regelfall nur ein einziges Mal – und es ist eine Sache von wenigen Minuten.

Situation Nr. 3: Transportables Minimal-Setup mit E-Drums

E-Drumpads ersetzen ein vollständiges Drumset

Ein einfach transportables sowie schnell aufgebautes und eingerichtetes Drumset ist wohl der Traum eines jeden Drummers, der sich keine Roadies und Drum-Techs leisten kann und nicht bei der Frage nach Lieblingshobbys “Möbeltransporte” antwortet. Wie schön wäre es doch, zum kleinen Kneipengig ein winziges Setup in der U-Bahn mitnehmen zu können, und knapp zwei Minuten nach dem Beginn des Aufbaus ganz entspannt “Ich wäre dann soweit.” in die Runde zu sagen. Zwar haben einige Schlagzeughersteller reagiert und Mobillösungen mit kleinen, manchmal sogar teilbaren Kesseln auf den Markt gebracht, doch selbst in diesem Fall muss man ja noch mikrofonieren… Außerdem ist die Anzahl verfügbarer Sound sehr beschränkt. Mehr noch: Für den Sound einer 24”-Bassdrum und eine 22”-Heavy-Ride nimmt man am besten eine 24”-Bassdrum und eine 22”-Heavy-Ride – oder eben die entsprechenden Sounds aus einem Drum-Modul.

Eine der kleinsten Lösungen, die ein noch halbwegs “normales” Spiel zulassen, beinhaltet ein kleines Pad-Modul, an das ein Bassdrum-Pad angeschlossen werden –mehr nicht: Das Roland SPD-SX aus meinem Beispiel-Setup etwa ermöglicht es, auch eigene Sounds zu laden und mitzunehmen, also natürlich auch die fette 24”-Bassdrum, einen riesigen Gong und die teure, mit edelsten Mikrofonen und Preamps aufgenommene Studio-Snare. Aufgebaut und angeschlossen ist das Setup schnell: Modul auf ein Stativ, Netzteil dran, Bassdrum-Pad per Klinkenkabel mit dem korrekten Eingang verbinden – los geht´s. Ich halte es für sinnvoll, als Rechtshänder Standard-Sounds auf den Pads so anzuordnen dass die Snare unten links oder mittig liegt, die Hi-Hat- und Ride Sounds rechtslastig. Die Toms wird man sicher in gewohnter Manier in absteigender Tonhöhenfolge von links nach rechts anordnen, um sich keine neuen Handsätze angewöhnen zu müssen. Das Zusammenstellen eines Kits ist bei allen mir bekannten Geräten dieser Gattung sehr einfach: Pad auswählen, Sound zuweisen, Kit speichern. Übrigens: Wenn euch das zu “unschlagzeugmäßig” aussieht, nehmt noch eine Multiklammer mit einem kleinen Becken mit, dann versteht jeder, was ihr da spielt.

Ihr seht also: Es ist nicht schwer, E-Lösungen zu finden und einzurichten. Außerdem ist es nicht teuer:

Sehr einfache Tom-Trigger bekommt man beispielsweise von DDrum ab 20 Euro, aber selbst für aufwändigere Snare- und Bassdrum-Trigger wie die gezeigten Roland-RT-10-Trigger kosten unter 70 Euro. Auch ein Trigger-to-MIDI-Converter schlägt keine tiefen Kerben in das Portemonaie: Der Alesis Trigge IO/ kostet im Laden 130 Euro, der Nord Drum von Clavia liefert vier Trigger-Eingänge, aber eine nette Klangerzeugung mit dazu – für 200 Euro. Selbst die Benutzung der gezeigten Roland Pads macht nicht arm: Das größere Octapad SPD-30 (auf den Fotos in Weiß) wechselt für knapp 800, das kleinere SPD-SX, das mit Samples arbeitet, für 600 Euro den Besitzer. Ungefähr vergleichbar ist das Yamaha DTX-Multi 12 für 500 Euro. Weniger Geld kosten (und weniger Funktionsumfang bieten) das Alesis Performance Pad (300 Euro) oder – wenn man wirklich knausert das Millenium DP-1000 (100 Euro), Alesis Samplepad (125 Euro) und das Alesis Percpad (70 Euro).

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