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Vergleichstest Gitarrenlautsprecher

12" Gitarren-Speaker im Vergleich

Die glorreichen 12

12" Gitarrenlautsprecher im bonedo-Testmarathon - Erst die Erfindung der elektrischen Gitarre versetzte uns Gitarristen in die Lage, unser Können relativ unkompliziert auch vor einem größeren Kreis auszubreiten. Im Gegensatz zur akustischen Gitarre, deren charakteristischer Klang in erster Linie durch ihre Konstruktion und die verwendeten Materialien bestimmt wird, spielen bei der elektrischen Gitarre bekanntlich einige weitere Faktoren tragende Rollen.

Zwar drückt auch bei ihr die Bauart dem Klang ihren Stempel auf, aber bei einer Elektrogitarre hat der Ton auf dem Weg vom Instrument bis zum Ohr des Zuhörers einige zusätzliche kritische Hürden zu überwinden. Immerhin müssen die Saitenschwingungen von den Tonabnehmern in ein elektrisches Signal umgewandelt werden, das unter Umständen noch einige Effektgeräte durchläuft, bevor es schließlich vom Verstärker entsprechend aufbereitet an das letzte Glied in der Kette, den Lautsprecher weitergereicht wird. Und dort kommt dem finalen Schallwandler eine besonders verantwortungsvolle Rolle zu, denn auch eine sündhaft teuere Custom-Gitarre an einem unbezahlbaren Boutique Amp ist machtlos, wenn am Schluss ein schlechter oder einfach nur der falsche Lautsprecher alle Virtuosität zunichtemacht. Es gibt Speaker, die als Alleskönner angepriesen werden, andere sollen sich eher für ganz bestimmte Einsatzbereiche eignen.

Und um genau das herauszufinden, haben wir uns 12 verschiedene Lautsprecher in unser bonedo-Testlabor kommen lassen und dort auf Herz und Nieren geprüft. Dabei sollte es nicht darum gehen, am Ende dieses Testmarathons einen Sieger zu küren, der in allen Disziplinen glänzen kann - den gibt es in diesem dichten Feld auch nicht. Wir wollten herauszufinden, welcher Lautsprecher in welchen Einsatzbereichen die beste Figur macht, also die Eigenschaften beleuchten, die in der Praxis wichtiger sind als ein Platz auf dem Treppchen. Zu diesem Zweck haben wir sechs verschiedene Standard-Sounds mit unterschiedlichen Gitarren, Amps und Zerrpedalen angespielt und jeden Lautsprecher damit befeuert.

Die Disziplinen

Generell geht es in den Disziplinen um Standardsounds und eine gewisse Klangvorstellung, die man damit verbindet. Dabei sind bestimmte Merkmale im Fokus, die der Lautsprecher im besten Falle übertragen sollte. Natürlich ist auch klar, dass der eigene Geschmack sich nicht ausschalten lässt. Deshalb kann es durchaus sein, dass ich meinen Höreindruck bekannt gebe, aber ein zweiter Zuhörer den Sound eines anderen Lautsprechers wesentlich besser findet. Die Geschmäcker sind eben verschieden und das ist auch gut so. Ich habe immer mal wieder Besucher bei mir im Studio verschiedene Beispiele anhören lassen und auch in einer etwas größer angelegten "Listening Session" mit Martin Hofmann vom Musiker Board und meinem Kollegen Oliver Hartmann gab es teilweise sehr unterschiedliche Ansichten über die Definition von "der klingt am besten". Einen zusätzlichen Bericht über die Listening-Session mit den Eindrücken von Martin findet ihr übrigens im Musiker Board.

Und hier sind die sechs Disziplinen:

Clean

Los geht es unverzerrt, eine Strat und ein Fender Twin sind im Einsatz und das Augenmerk liegt darauf, den drahtigen, höhenbetonten Cleansound des Twins ins richtige Licht zu rücken. Erwünscht ist ein offener Cleansound mit weichen, perligen Höhen.

Crunch

In der zweiten Disziplin ist ein Vox AC 30 mit einer Telecaster am Start. Der Amp ist leicht angezerrt eingestellt und es soll ein höhenbetonter Crunchsound im Stones-Style wiedergegeben werden. Auch hier sind crispe Höhen gewünscht.

Mid Gain

Beim dritten Beispiel sind zwei Dinge im Fokus. Zum einen soll ein klassisches Brit-Rock-Brett mit einem Marshall Plexi und einer SG standesgemäß mit einem durchsetzungsfähigen oberen Mittenbereich übertragen werden. Außerdem wird die Wiedergabe der Dynamik begutachtet. Am Anfang des Hörbeispiels wird leicht angeschlagen und in der zweiten Hälfte hart. Die daraus resultierenden unterschiedlichen Zerrgrade sollten auch entsprechend hörbar sein.

High Gain Lead

In dieser Disziplin geht es um einen Leadsound, der mit Les Paul, einem Okko Diablo Pedal und einem Sovtek MIG-50H erzeugt wird. Das Solo-Lick wird einmal mit dem Halspickup und dann mit dem Steg-Tonabnehmer eingespielt. Neben der Tatsache, dass der Lautsprecher einen amtlichen, durchsetzungsfähigen Lead-Ton liefern soll, geht es auch um den Klangunterschied der beiden Pickups.

High Gain Low

Jetzt wird beim Zerrgrad noch etwas zugelegt und es geht tuningmäßig in den Keller. Die Baritongitarre ist mit einem Drop A Tuning im Einsatz, verzerrt und verstärkt wird mit einem Bogner Ecstasy Red Pedal und dem Sovtek MIG-50H. Der Fokus liegt dabei auf der Übertragung und der Ansprache der tiefen Frequenzen, außerdem habe ich beim Riff Terzen und verminderte Quinten gespielt, die klar hörbar sein sollten.

Metal

Den Abschluss bildet ein Mid Scoop Metalsound, der mit einem Emma Pisdiyauwot und dem Sovtek MIG50H erzeugt wurde. Als Gitarre ist wieder die SG im Einsatz, die beim Erzeugen eines kernigen Metal-Sounds mithelfen soll, der in den Höhen auch gerne etwas aggressiver sein darf. Da man sich in diesem Genre in der Regel gegen lautstark hämmernde Mitmusiker durchsetzen muss, sollte der Speaker nicht zu zaghaft sein.

Testaufbau

Je nachdem, wie und wo er eingesetzt wird, kann ein Lautsprecher sehr unterschiedlich klingen. Ein wichtiger physikalischer Faktor ist selbstverständlich die Boxenkonstruktion. Dazu kommen neben dem subjektiven Hörempfinden jedes Einzelnen auch der Faktor Raum und die Position des Hörers. Stellt eure Box auf den Boden und lauft im Raum herum, während ihr spielt. Es wird bei fast jedem Schritt anders klingen. Wird der Lautsprecher höher gestellt, ändert sich der Klang ebenfalls. Spielt man in einem Raum mit glatten Wänden, werden die Höhen verstärkt, im (klanglich) trockenen Übungskeller mit Teppich oder Noppenschaum an der Wand werden sie gut abgefangen und der gleiche Speaker klingt auf einmal viel wärmer und unter Umständen unausgewogen, weil die Bässe dort gerne zum Dröhnen neigen. Bei diesem Test habe ich versucht, diese Faktoren weitestgehend auszublenden und für einen direkten Vergleich die Speaker immer mit dem gleichen Setup aufgenommen.

Natürlich ist es kaum möglich, das Klangerlebnis eines 12" Lautsprechers mit einem gut angefeuerten Amp so einzufangen, dass ihr es zu Hause auf Hifi-Lautsprechern oder Kopfhörern eins zu eins nachempfinden könnt - ein Elefant in freier Wildbahn ist auch etwas völlig anderes als sein Foto. Aber wir haben uns große Mühe gegeben, zumindest die Konturen unseres Elefanten originalgetreu einzufangen. Selbstverständlich wurden für die Aufnahmen hochwertige Gitarren- und Lautsprecherkabel (Vovox, Acy´s Fat Balls Speaker Cable) benutzt, um klangliche Details nicht von vornherein zu verlieren. Der neutrale und für alle Lautsprecher identische Aufbau bestand darin, dass die Speaker in ein 1x12 Leergehäuse von Palmer geschraubt und erhöht positioniert wurden, um Bassresonanzen durch direkten Bodenkontakt zu vermeiden.

Das Mikrofon war bei allen Lautsprechern im Bereich zwischen Kalotte und Membran aufgestellt. Zum einen wird an dieser Position der Sound des Lautsprechers in der Regel am besten eingefangen und außerdem brauchten wir eine relativ einheitliche Position für einen realistischen Vergleich. Bei der Auswahl des Mikrofons habe ich mich für ein Neumann TLM 103 entschieden, das den Klang relativ natürlich überträgt - es ist auch sonst in meinen bonedo-Tests im Einsatz. Um den tatsächlichen Sound des Speakers einzufangen, habe ich es recht nah am Lautsprecher positioniert, 15 cm von der Kalotte entfernt, also weit genug, um den Nahbesprechungseffekt zu umgehen. Damit eventuelle Rauminformationen ebenfalls keinen Einfluss auf das Testergebnis nehmen konnten, stand hinter dem Mikrofon ein SE Electronic Reflexion Filter. Natürlich könnte man zusätzlich unterschiedliche Mikrofone ausprobieren, um herauszufinden, welches besser mit welchem Speaker harmoniert, oder auch die Position des Mikrofons verändern, denn jeder Lautsprecher hat einen bestimmten Sweet Spot, der ihn von seiner besten klanglichen Seite zeigt. Aber weil das den Rahmen dieses Tests völlig sprengen würde, habe ich es bei den vorgenannten gleichen Voraussetzungen belassen. Zusätzliche Auffälligkeiten sind bei den einzelnen Tests vermerkt.

Bevor wir mit den eigentlichen Tests starten, noch ein Wort zum Thema Reamping: Ich habe ganz bewusst darauf verzichtet und jedes Riff neu eingespielt. Man könnte zwar mit einem einmal aufgenommenen Riff, das dann per Reamping auf Amp und Box geschickt wird, ein noch exakteres Vergleichsergebnis erzielen, aber das wäre meiner Meinung nach nicht praxisgerecht. Ein Lautsprecher animiert zum Spielen, mancher mehr, ein anderer etwas weniger. Und deshalb spielt hier auch der Gitarrist und nicht der Computer.

Jetzt aber los: Hier kommen die zwölf Testberichte:

Die Testberichte

Celestion Seventy 80 Test

Celestion Seventy 80 Test

Der Celestion Seventy 80 fällt nicht nur als Leichtgewicht auf, auch sein Preis zeigt sich eher mager. Eigentlich der ideale Kandidat für Zweier- oder Viererberstückungen.
Celestion G12M Greenback Test

Celestion G12M Greenback Test

Zwar ist der Celestion G12M Greenback nur ein Gitarrenlautsprecher, aber auch einer der Meilensteine in der Rockgeschichte, um den sich viele Mythen ranken.
Celestion G12M-65 Creamback Test

Celestion G12M-65 Creamback Test

Der Celestion G12M-65 Creamback outet sich als Allrounder mit Nehmerqualitäten, der in nahezu jeder musikalischen Situation überzeugen kann.
Celestion G12K-100 Test

Celestion G12K-100 Test

Der Celestion G12K-100 gilt als der Rocker unter den Celestions. Mit seinen 100 Watt besteht er auch die härtesten Metal-Prüfungen.
Celestion G12 V-Type Test

Celestion G12 V-Type Test

Der neue Celestion G12 V-Type vereint in sich einige typische Eigenschaften seiner Vorfahren und verleiht damit dem Sound moderner Amps den gewissen Vintage-Touch.
Celestion G12 65 Test

Celestion G12 65 Test

Mit 65 Watt war der Celestion G12-65 einer der ersten Kandidaten, die den Röhrenboliden der End-siebziger Paroli bieten konnten, erst recht im Marshall-Viererpack.
Celestion G12 Blue Test

Celestion G12 Blue Test

Der Celestion Blue war eigentlich ein Radiolautsprecher, aber Karriere machte er nicht im Wohnzimmer, sondern als Gitarrenlautsprecher - als erster überhaupt.
Celestion Vintage 30 Test

Celestion Vintage 30 Test

Wer den Celestion Vintage 30 als Universal-Lautsprecher bezeichnet, der liegt ziemlich richtig: Er hat alles, was man für seinen Gitarrensound benötigt und liefert in fast allen Disziplinen ein ausgewogenes Bild.
Eminence Legend EM 12 Test

Eminence Legend EM 12 Test

Für den Eminence Legend EM12 stand der legendäre EVM12L Pate, ein Lautsprecher, der dort anfing, wo andere aufhörten. Aber auch der EM12 kann mit 200 Watt und fast siebeneinhalb Kilo Gewicht aufwarten.
Eminence Patriot Cannabis Rex Test

Eminence Patriot Cannabis Rex Test

Der Eminence Patriot Cannabis Rex trägt seinen Namen nicht etwa, weil er der perfekte Lautsprecher für die Hippie-Party ist. Es ist schlicht und ergreifend die Membran, die aus Hanfgewebe besteht.
Eminence Red Coat CV-75 Test

Eminence Red Coat CV-75 Test

Der Eminence Redcoat CV-75 tendiert zwar eindeutig in die Richtung des Vintage 30 Klassikers von Celestion, kann aber trotzdem mit einigen individuellen Charaktereigenschaften aufwarten.

Speaker im Vergleich

Und zum Abschluss habt ihr jetzt noch die Möglichkeit, die Technischen Daten und Sounds aller zwölf Lautsprecher direkt miteinander zu vergleichen.

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