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Test
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26.10.2012
Test

Numark iDJ Pro Test

iPad-Dock

DJ-Workstation 3.0?

Die Begründung für Numark iDJ Pro: Wenn es einen Grund gibt, warum viele Deejays sich bisher gescheut haben, ihr iPad als alleiniges Werkzeug zu einem Gig mitzuschleppen, dann in erster Linie, weil zum adäquaten Mixen mehr als nur ein Stereo-Kanal erforderlich ist. Klar lässt sich das iPad selbst an ein Pult anklemmen, wer jedoch eine Dual-Deck-DJ-Software einsetzen und dazu vorhören will, musste bisher mit einem Mono-Split-Kabel leben. Undenkbar in der Profiliga und in manchen musikalischen Genres. Nun werden die Karten neu gemischt, denn iOS6 beschert der beschallenden Zunft Multichannel-Audio. Man muss kein Nostradamus sein, um zu prophezeien, dass dieses, für den nichtmusikalischen Anwender vermeintlich kleine Update, dem Apfel-Tablet möglicherweise einen beträchtlichen Zulauf an DJ-Programmen und Steuereinheiten beschert.  

Den Anfang macht Numark mit iDJ Pro, welches eine spezielle Kommandobrücke mit iDock im Dual-Deck-Layout darstellt und sich Algoriddims Software Djay mitsamt seinen kreativen Bordmitteln verschrieben hat. In der Profiliga bedarf es aber mehr als einem gepimpten iPad, daher stattet Numark sein Baby mit professionellen Schnittstellen, Mikrofonanschlüssen und einem Notfall-Input für externe Zuspieler aus. Zudem ist die Software Djay grundsätzlich erweiterbar. Und das hat Konsequenzen, wie wir später noch sehen werden. Die Numark-Konsole ist für runde 400 Euro ohne iPad und Djay im Laden erhältlich und zeigt sich zum Testzeitpunkt konzeptionell quasi konkurrenzlos. Zielgruppe sind Heimstudios, Hobbyisten, Technik-Nerds, mobile Diskotheken und Working-Deejays. Sie steht jedoch trotz ihres Alleinstellungsmerkmals im Wettbewerb mit zahlreichen traditionellen DJ-Controllern und -Workstations sowie der gerade aufkeimenden Andriod-DJ-Fraktion, zuletzt bedient mit dem Pioneer XDJ-Aero, der knapp 1000 Euro kostet und Androiden sowie iOS-Geräte über WLAN einbinden kann. Also herzlich willkommen auf der Showbühne iDJ Pro, Djay und iOS6.

Details

Bevor es nun an den Testbericht geht, möchte ich Folgendes loswerden: Wie ich in der Einleitung bereits erwähnte, kommt mit iOS6 Multichannel-Audio-Output. Leider, das hat man in der Vergangenheit öfter bei Apples Updatepolitik erlebt, wird das neueste iOS nicht für alle mobilen Produkte verfügbar sein. In diesem Fall läuft es nur auf iPads ab Version2 und iPhones ab 3GS. Damit fällt mein – Achtung (!), nach drei Jahren somit bereits „altgedientes“ - iPad-One nun endgültig aus dem Pool der „zeitgemäßen“ DJ-Tools heraus. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass bei den Updates durchaus auch der Punkt Leistungsfähigkeit der Hardware eine Rolle spielen könnte (A4-CPU des iPAD1 liegt bei 1 GHz). Zu denken gibt mir dann jedoch, dass das iPhone 3GS noch Nutznießer des neusten Betriebssystems ist (Cortex A8 CPU des 3GS liegt bei 600 MHZ). Aber ich bin kein Apple-Engineer, kann also über die Beweggründe nur mutmaßen. Tja, was macht also ein von den Kaliforniern gebeutelter Redakteur in so einer Situation? Entweder er boykottiert die Neuanschaffung und verzichtet im Artikel auf die Prüfung der betreffenden Features, oder er telefoniert herum, ob im Kollegenkreis gerade ein passendes Gerät verfügbar ist. Oder er beißt in den – man verzeihe mir das Wortspiel – „sauren Apfel“, plündert das Konto und besorgt sich den Nachfolger.  

Der visuelle Schnellcheck zeigt eine sauber verarbeitete Konsole, deren Platinen und Schaltkreise in einem Kunststoffgehäuse von nicht näher beschriebenen, aber gemessenen 56 x 33 Zentimetern sitzen. Das ist sicherlich etwas zu groß für den Rucksack oder den Gepäckträger, aber mit dem optional angebotenen Numark-Gigbag (99 Euro) lässt sich der iDJ zumindest adäquat per S/U-Bahn, Regional-Express oder Taxi zur nächsten Party oder in die Szene-Pinte um die Ecke schleppen. Wer größere Geschütze auffährt (Beschallungsanlage, Licht, Stand, etc.) sollte vielleicht doch ein Case für den Transport im Bulli in Erwägung ziehen. Was die Profi-Anschlussbuchsen angeht, möchte ich hier in Anbetracht der Preisklasse keinen Neutrik-Vergleich anstreben und stattdessen sagen: Passt schon. Bei den Bedienelementen auf der mit einer Metall-Faceplate besetzten Oberfläche geben sich die Pitchfader und Volume-Potis etwas wackelig, was jedoch nichts über ihre Funktionsweise aussagt. Bei der Klappe für den iPad Einschub – sie wird im Übrigen von zwei Magneten gehalten - sollte man nicht unangemessen grob zur Sache gehen und diese nicht zu stark nach hinten biegen, sonst könnte es knacken. Dies gesagt möchte ich noch anregen, bei einer Revision vielleicht einen ausziehbaren oder neigbaren Einschub zu konstruieren, da man gerade als Software-DJ eine eher etwas horizontale Blickrichtung gewohnt ist. Etwa 30 bis 50 Grad wären angenehm und kämen auch der Justierung bei Sonnen-, Licht- oder Strobo-Einschlag entgegen.

Hinten, Vorne, Oben

An der Rückseite sind die Schnittstellen zur Verbindung mit der PA platziert. Der Master lässt sich sowohl symmetrisch via XLR abgreifen als auch per Stereo-Cinch. Somit ist der iDJ Pro in der Lage, professionelle Beschallungssysteme zu besaften bei gleichzeitiger Ansteuerung einer Monitoranlage (wohlgemerkt Parallelabgriff und nicht separat regelbar), aber auch im vielzitierten Bedroom oder im Partykeller an den HIFI-Verstärker geklemmt zu werden. Gerade für Heimaktivisten sollte noch angemerkt werden, dass seitens des Apfel-Tablets auch Bluetooth und Airplay eine akustische Alternative darstellen, wobei im ersten Fall lediglich eine Box, im letzten Fall ein Verbund an Lautsprechern entsprechend der Qualität des Funknetzes angesteuert werden kann. Aber bitte nicht allmorgendlich die schlummernde Freundin mit einem drahtlosen Hardcore-Stream aus dem schallisolierten Keller beglücken. Das könnte nämlich durchaus nach hinten losgehen …  

Zu einem getrennt regelbaren Booth-Ausgang, das habt ihr den vorherigen Ausführungen bestimmt schon entnommen, konnte sich Numark nicht durchringen. Aber Hand aufs Herz, in den fetten DJ-Kanzeln auf Ibiza sehe ich persönlich den Probanden ohnehin nicht. Ferner ist auch kein Record-Signalpfad vorgesehen, was konzeptionell einerseits zu verstehen ist, weil die Performance mit dem iPad aufgezeichnet werden kann. Der potenzielle Käufer muss sich jedoch im Klaren sein, dass der externe Zuspieler und eventuelle Anmoderationen von der Aufnahme somit ausgeschlossen sind. Das birgt Vor- wie Nachteile. Was dem eigentlichen DJ-Mix zugutekommt, da in der Aufnahme durchgängiger Sound ohne Fahrzeug-Abschleppwarnung oder Damenwahlaufforderung läuft, ist für denjenigen schade, der eben diese Einwürfe - zum Beispiel die zwischengeschobenen Anekdoten der Thekenmannschaftskollegen bei der Hochzeit - für die Ewigkeit festhalten will. Den rückseitigen Abschluss bilden eine Kensington-Lock-Ausfräsung, ein Power-Switch und eine Netzteilbuchse nebst Kabelaufhängung.  

Nach einer 180-Grad-Drehung blicke ich auf den 6,3-Millimeter-Klinkenanschluss für dynamische Mikrofone, für die ich den Klang über einen bipolaren Equalizer (Hi/Low) regulieren kann. Dann folgt der regelbare Stereo-Cinch Aux-Input, jedoch ohne Klangregelung. Beide Signalwege landen direkt auf dem Master. Über den frontalen Cinch-Eingang werden CD-und MP3-Gerätschaften eingebunden, sollte dies auf einer Veranstaltung erforderlich sein. Praktisch ist dieser Input auch, wenn der nachfolgende DJ mit seinem iPad zum Set erscheint (Stichwort DJ-Wechsel). Schließlich kann der Aux-In auch als Notfall-Eingang herhalten, sollte das iPad aus irgendeinem Grund mal versagen. Ein Aux-Gain Regler sorgt für die Anpassung des hier eingeschleusten Signals.  

In der Kopfhörersektion verbaut Numark zwei Anschlüsse in den Formaten Standard- und Miniklinke, die über einen gemeinschaftlichen Lautstärkeregler verfügen und für das Monitoring einen stufenlosen Cuemix zwischen Master und ausgewählten Vorhörquellen bereitstellen.  

Dann gehts auch schon auf die Bedienoberfläche, die erst einmal ziemlich überrascht, denn dort, wo bei einem normalen MIDI-Controller die Mixersektion mit Channelfadern, Equalizern und Pegelmetern sitzt, blicke ich auf den iPad Einschub und sonst nix. Erst weiter südlich kommen Browser-Encoder, Ladetasten, Cue-Buttons und der Crossfader zum Vorschein. Letztgenannter kann über die Djay-App invertiert werden. Die Arbeitskurve kennt die Ausprägungen Mix- und Cutting-Mode (softwarebasiert).

Die Lautstärke des betreffenden Kanals wird beim iDJ nicht über Flachbahnregler eingestellt, sondern mittels Volume-Drehreglern. Ob Fader an der Seite die bessere Alternative gewesen wären, wage ich anzuzweifeln und begrüße diesen Schritt. Der eine oder andere Mix-Purist steht ja eh auf Rotary-Encoder, was auch bestimmte Hersteller (Rane, Vestax, Allen&Heath...) dazu bewegt, Mixer oder zumindest Austauschteile dieser Art anzubieten.

Die Equalizer sind an den rechten und linken Kopf gewandert, wo sich auch die jeweilige Loop-Sektion und die Bedienelemente für Pitch, Filter und Effekte niedergelassen haben. Im Zentrum einer jeden Deck-Sektion wartet das Jogwheel auf seinen Einsatz, ausgerüstet mit einer stabilen Aufhängung, gutem Rundlauf, praxisgerechtem Drehwiderstand sowie einem Touch-Sensor, der auf die Annäherung der Finger reagiert. Im Test stellte sich heraus, dass dies bereits wenige Millimeter, bevor die Hand den Teller berührt, passiert. Die Wheels lassen sich zum Scratchen, zum schnellen (auch im Takt bleibenden) oder langsamen Spulen und für Pitchbends verwenden. Letztgenannte Funktion können auch die Pitchbend-Taster auf dem äußeren Flügel übernehmen. Darüber sind Sync-Buttons zur Tempo- und Taktsynchronisierung der virtuellen Abspieleinheiten platziert, sowie ein Umschaltknopf für den Scratch- und Search-Modus des Jogwheels. Standard-Scratches mit den Tellern und Backspins sind ohne Weiteres möglich, immerhin ist der Durchmesser mit knapp 150 Millimetern (Oberfläche rund 125 Millimeter) nicht von schlechten Eltern. Jedoch fällt auf, dass nach dem Stillstand des Tellers eine minimale Anlaufverzögerung folgt. Bei starken Backspins hakelt das virtuelle Jogwheel in der Software zudem, was aber lediglich kosmetisch und daher sicherlich verschmerzbar ist. Freigeister können ferner mit dem virtuellen Teller und in der Waveform scratchen. Mit zwei Fingern-Scratches wird der Auto-Scratch-FX eingeschaltet. In diesem Zusammenhang fällt positiv in die Wertung ein, dass über die Load-Funktion in der Software (länger festhalten) Instant-Doubles (gleicher Track an deckungsgleicher Position auf dem Vis-a-vis-Deck) mit identischen Scratch-Markern geladen werden können. Den Abschluss eines jeden Decks bilden drei Hotcues gefolgt von der Cue/Play-Abteilung, ihres Zeichens etwas größer und genauso schön beleuchtet wie der Rest der Truppe.

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User Kommentare

Rob schrieb:23:35 | 28.10.2013

Verstehe die Beschreibung des Mono/Stereo Problems nicht.

Kann man über das Dockingkabel 2 Stereosignale verarbeiten und über den Kopfhörerausgang am Mixer sowie dem Audioausgang abgreifen?

Warum sollte man den Kopfhörer direkt in das iPad stecken?

Kann man iPads mit dem neuen Lightning Connector und Adapter verwenden?

Gab es Software Updates oder neue Firmware, die das Gerät besser gemacht haben?"

Peter schrieb:16:51 | 30.10.2013

Hallo Rob, zum Testzeitpunkt war das iPad 1, das unter iOS5 lief, nicht Multi-Audio-fähig. Vielleicht klärt das deine Fragen. Laut Numark Website werden Lightning Dock-Modelle noch nicht unterstützt. Gruß Peter"

Rob schrieb:21:48 | 08.12.2013

Danke!"