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Praxis

Allgemeines

Es folgt auch hier die gewohnte Praxis und die Speaker landen auf meinem Stativen im Stereodreieck mit einer Kantenlänge von einem Meter. In diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass das multilinguale Handbuch ein paar Aufstellungshinweise parat hält und diese auch schön mit Bilder dokumentiert. Ferner höre ich die Boxen einzeln sowie im Vergleich zu den anderen Teilnehmern unseres Testmarathons an. Der Übersichtlichkeit halber werde ich mich bei dem Vergleich mit anderen Speakern aber nur auf die wichtigsten Gegner der Alpha 65 konzentrieren. 

Referenz-Box für kleines Geld

Und um es kurz zu machen: Ich bin begeistert! Ich habe bisher kaum eine Box in dieser Preisklasse gehört, die so gut klingt. Die Box speilt äußerst detailliert, gerade was die Höhen anbetrifft, wenn auch hier mit einer ganz leichten Tendenz der Überbetonung und des Metallischen – aber hey: Hier kann man ohne Probleme auch mit den Filtern kompensieren. Das habe ich auch ausprobiert, bin aber trotzdem wieder in die Nullposition gegangen. Auch die Räumlichkeit, die diese Boxen darstellt, ist für diese Preisklasse mehr als beachtlich. Jedes Element auf der Stereobühne lässt sich präzise orten. 

Tiefe, feste Bässe – ohne Resonanzen

Die Bässe sind besonders stramm und definiert. Port-Turbulenzen sind bei üblichen Pegeln so gut wie nicht wahrnehmbar, traten im Vergleich zu den anderen Speakern des Marathons erst bei deutlich gehobeneren Lautstärken auf. Hierbei hat mir auch besonders gut die Abstimmung des Gains gefallen, da man die Box selbst im +6dB-Modus voll ausfahren konnte. Im Gegensatz zu den meisten Speaker in diesen Segment, welche man zwar noch mehr „aufreißen“ kann, woraufhin diese dann allerdings brutal verzerren, kennen die Ingenieure von Focal anscheinend die physikalischen Limits eines Gehäuses dieser Größenordnung. Zugegeben, bei heftigem Techno und Hip-Hop kann man nicht mit voll ausgesteuerten +4 dBu in die Box fahren – aber das kann man wirklich bei kaum einen System. 

Das Bassfilter bietet genügend Möglichkeiten zum Anpassen an den Raum, wobei ich grundsätzlich nie mehr Bass hinein drehen würde. Entzerren ist das Zauberwort, zumal kritische Aufstellungsorte wie Ecken sowieso einen Druckanstieg nach sich ziehen, also Bass eher abgesenkt als angehoben werden muss. Hört man am Aufstellungsort hingegen zu wenig Bass, dann bringt auch meist das Hinzufügen von Bass nichts, da man an dieser Stelle des Raumes – bedingt durch Moden – eben nun einmal keinen Bass dieser Frequenz hören kann. Hier heißt das Zauberwort dann entsprechend umpositionieren – und zwar entweder die Boxen, sich selbst oder besser beides. Wie dem auch sei: Mit der Focal hat man jedenfalls auch in beiden Fällen filterseitig genügend Möglichkeiten, zumal die Box selbst bei voll aufgedrehtem Bass intern kaum verzerrt. Sehr gut! 

KRK RP6 Rokit G3 vs. Focal Alpha 65 (EUR 200,– vs EUR 299,–)

Konnten die RP6 schon mit stabiler Basswiedergabe überzeugen, setzten die Focal Alpha 65 in Sachen Impulsfestigkeit und Tiefe noch einen drauf. Bei den Alphas tauchten bei Jens Zimmermann spürbar weniger Portturbulenzen trotz höherer Pegel auf, zusätzlich färbten die KRK im Bass auch ein wenig, sodass sich hier auch ein Equalizer mit -1dB anbot. Außerdem fiel mir bei den Rokits etwas Klirren in den oberen Mitten auf. Ingesamt klangen die KRK auch hier ein wenig mehr nach Box. Obwohl die KRK ebenfalls etwas höhenlastiger waren, lieferten sie in den Höhen dennoch weniger Details. Zuletzt bleiben auch die Mitten der Focal präziser und detaillierter, was unter anderem auch in einem gefälligeren und größeren Klangbild resultiert. Nichtsdestotrotz kosten die KRK ein Drittel weniger, sodass schlussendlich beide – vor allem in Anbetracht der günstigen Preise –  überzeugen können. 

Behringer B3030A vs. Focal Alpha 65 (EUR 199,– vs. EUR 299,–)

Der Focal Alpha 65 ist mit EUR 300,- Straßenpreis pro Stück ein Drittel teurer als die Behringer B3030A Truth. Das zeigt sich vor allem im recht großen Klangbild der Focal, welches deutlich fetter wirkt, als es die noch recht kompakten Speaker vermuten lassen. Hinzu kommt, dass die Focal gut bassstark ist bzw. sehr tief spielt. Jens Zimmermann stresste hier zwar auch bei höherem Pegel den Woofer, so massive Probleme mit Portturbulenzen wie die Behringer haben sie aber bei weiten nicht. In diesem Punkt stehlen die Focal den Behringern eindeutig die Show. Zu guter Letzt ist anzumerken, dass es bei den Focal keinen Klinkenanschluss gibt, wofür den Truths aber ein ein Cinch-Eingang fehlt.

ADAM F7 vs. Focal Alpha 65 (EUR 299,– vs. EUR 299,–)

Grundsätzlich ähnlich, neigt die F7 zum Beschönigen, was vor allem an den zurückhaltenden Mitten liegt. Dieser Hi-Fi-Sound ist im Wohnumfeld zwar nicht schlecht und schmeichelnd, verschweigt aber beim Produzieren wichtige Mitteninformationen. Der Hochtöner der F7 klingt außerdem etwas zu spitz und bietet dabei längst nicht die Details der Focal Alpha 65. Der kühle Charakter der F7 fällt außerdem auch hier wieder auf; Gesang fehlt es somit einfach an „Schmalz“ und „Seidigkeit“. Nichtsdestotrotz reden wir hier über Tendenzen und keine gravierenden Unterschiede. 

Im Bassbereich sind die Unterschiede allerdings drastischer und die F7 hat deutlich früher mit Portturbulenzen bei bassintensiver Musik zu kämpfen als dies bei der Focal Alpha 65 der Fall ist. Optisch sind die F7 allerdings ohne Zweifel gefälliger als die Alpha 65 mit ihrem billig anmutende Plastik-Look. 

Beide haben ferner ausreichend funktionelle Bass- und Höhenfilter zu bieten, nur sind diese bei den Focal besser zu erreichen. Die Focal besitzt weiterhin keine Klinke-Eingänge – ein Beinbruch ist das allerdings nicht, zumal man bei festen Setups ohne Probleme Adapterkabel einsetzen kann. Trotzdem ist es natürlich schöner, dass bei den Adams alle drei Anschlüsse am Start sind. Beide Speaker besitzen außerdem eine Auto-Standby-Funktion, wie sie heutzutage eigentlich bei jeden Speaker Standard sein sollte. 

KRK VXT6 vs. Focal Alpha 65  (EUR 528,– vs. EUR 299,–) 

Mein Stresstest für die Wiedergabe von Bässen, zur Beurteilung von Portturbulenz-Problemen und Gehäuseresonanzen heißt auch hier Jens Zimmermann und besteht aus extrem basslastigem und tiefem Techno. Kaum ein Speaker schafft das auf hohem Pegel, perfekt also, um Limits auszuloten! Zimmermann bereitet beiden Boxen Probleme – keine Frage. Die Focal spielt trotzdem lauter, tiefer und vermittelt auch deutlich mehr Pfund untenrum. Generell zeichnet die Focal ein viel größeres Tonbild, als die Boxen es optisch vermuten lassen würden. Die VXT klingt in den Höhen hingegen etwas stressiger – und das, obwohl ich hier schon das -1dB HF-Filter aktiviert habe. Gerade bei Gitarrenmusik klingt die VXT dadurch auch etwas quäkiger mit Tendenz zum leicht anstrengenden Sound. Wir reden aber hier über Nuancen und man könnte es auch durchaus anders formulieren: Die Focal klingt gefälliger, die VXT6 hingegen deutlich kritischer und in den Mitten detaillierter. Im Dreiergespann KRK VXT6 vs. ADAM A7X und Focal Alpha 65 liegt die Alpha klanglich zwischen den beiden anderen Speakern, mit dem kräftigen Bass der ADAM und den Details in den Mitten der VXT – ohne die etwas anstrengenden Höhen der beiden.

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