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SPL Phonitor 2 Test

Kopfhörerverstärker mit Monitor-Controller

Mister 120-Volt

SPL Phonitor 2: Der neue Headphone-Amp zum Review bei bonedo – In kaum einem Studio, ob professionell oder nicht, besteht ein Mangel an Anschlussmöglichkeiten für Kopfhörer. Zudem sind 1500 Euro wirklich viel Geld. Was also spricht für die Anschaffung eines SPL Phonitor 2?

Zunächst einmal: SPLs Phonitor-Modelle sind keine gewöhnlichen Kopfhörerverstärker, da sie über diverse zusätzliche Einstellmöglichkeiten verfügen. Diese sollen den hinlänglich bekannten Unzulänglichkeiten des Abhörens über Kopfhörer – wie beispielsweise der Im-Kopf-Lokalisation – entgegenwirken. Durch seine gegenüber dem ursprünglichen Phonitor erweiterten Anschlussmöglichkeiten und diversen professionellen Abhörfunktionen bietet sich das Nachfolgemodell sogar als Monitorcontroller an.

Im Phonitor 2 kommen natürlich auch wieder SPLs 120-Volt-Technik mit den eigens entwickelten High End-Operationsverstärkern zum Einsatz, wie schon im Vorgängermodell, und dem puristischen Headphone-Amp Auditor. Sie entstammt SPLs Mastering-Produkten und soll auch im Phonitor 2 erstklassige Audioqualität liefern. Ohne jetzt eine Doktorarbeit in Elektrotechnik zu verfassen zu wollen, bringt diese Entwicklung knapp zusammengefasst folgende Vorteile gegenüber herkömmlicher, professioneller Audiotechnik mit sich:

  •     höheren Rauschspannungsabstand
  •     weniger Verzerrungen
  •     höheren Dynamikumfang
  •     mehr Leistung

Ob dies wirklich der Fall ist und dieses interessante Gerätekonzept allen hohen Erwartungen gerecht wird, soll im Folgendem dieser Test klärenn.

Details

Im krassen Gegensatz zu der neuen Mac Pro aka „die Mülltonne“ gehört der Phonitor 2 zu der Art von Geräten, welche in Wirklichkeit viel größer sind, als man es anhand von Produktabbildungen erwarten würde! Das SPL-Gerät ist stolze 305 x 277 x 99 mm groß und drückt seine gummierten Aluminiumfüße mit satten 4,3 kg auf die Waage. Der Phonitor 2 hat ein Metallgehäuse und macht einen hochwertigen und robusten Eindruck. Die rückseitigen Anschlüsse mit integriertem Netzteil und übersichtlichen Beschriftungen unterstreichen das hochwertige Gesamtbild.

Mittig auf der Vorderseite prangt das inzwischen für SPL typische große Volume-Poti, welches eine Regelung von 0 bis -97 dB ermöglicht. Der Clou: Es handelt sich um ein motorisiertes Poti (ALPS-RK27), welches sich mittels Lernfunktion über gängige Infrarot-Fernbedienungen steuern lässt. Daran erfreuen sich zumindest HiFi-Enthusiasten, die offensichtlich auch zur Zielgruppe der Phonitors gehören. Studiomenschen werden den Phonitor 2 tendenziell sicherlich eher in unmittelbarere Zugriffsnähe aufstellen.

Umsäumt wird das zentrale Volume-Poti von diversen Drehreglern, Drehschaltern und einigen Kippschaltern, die allesamt ebenfalls einen sehr soliden Eindruck hinterlassen. Auffallend schwergängig ist nur die Bedienung der sogenannten Matrix-Parameter Crossfeed, Angle und Center. Das empfinde ich allerdings als zweckdienlich, da man diese eingestellten Werte meist nicht wieder verändern möchte, sobald man erst einmal seine präferierte Einstellung gefunden hat. Auf die verschiedenen Einstellmöglichkeiten zur Anpassung der ziemlich einzigartigen SPL-Lautsprechersimulation werde ich im Praxisteil dieses Testberichts noch näher eingehen, hier zunächst nur ein kleiner Überblick über die wichtigsten drei Begrifflichkeiten:

  • Crossfeed: Per Drehschalter ist das pegelbezogene Übersprechen beider Stereokanäle in sechs Stufen regelbar. Die Auswirkungen auf die verschiedene Frequenzbereiche sind einer realen Abhörsituation über Lautsprecher nachempfunden.
  • Angle: Dieser Drehschalter simuliert die Stereo-Basisbreite von sechs möglichen, unterschiedlichen Aufstellwinkeln (15, 22, 30, 40, 55, 70 Grad) eines Lautsprecherpaars und regelt damit das laufzeitzeitabhängige Übersprechen beider Kanäle.
  • Center: Dieser Regler ermöglicht es, die Lautstärke der Phantom-Mitte in sechs Stufen anzupassen, welche durch die Verengung des Stereosignals gegebenenfalls etwas dominanter wird.

Hinzukommt ein mittig platzierte „Cr/A, Off, All“ Kippschalter. Dieser regelt die Kombination der verschiednen Parameter. Was wann Sinn macht, klären wir dann auch im Praxisteil.

Weit weniger Erklärungsbedarf gibt es bei dem Source- und dem Output-Kippschalter. Mit ersterem kann man zwischen den drei rückseitigen Stereo-Eingängen umschalten, mit dem zweitgenannten wiederum kann man das nun anliegende Signal wahlweise der Kopfhörerbuchse sowie dem rückseitigen XLR Stereo-Ausgang zuweisen oder aber auch einfach stummschalten.

Die Solo- und der Phase-Kippschalter erklären sich sicherlich ebenfalls von selbst. Mit ihnen lässt sich selbstverständlich linker und rechter Kanal „Solo In Place“ abhören oder es kann die Phase einer der beiden Leitungen gedreht werden. Der Mono/Stereo/Laterality-Kippschalter wiederum ermöglicht neben dem normalen Stereobetrieb und der Monosummierung des Ausgangssignals auch noch die Anwahl der Laterality-Funktion. Diese korrespondiert mit dem benachbarten, stufenlos verstellbaren Drehregler und ermöglicht die Feineinstellung des Lautstärkeverhältnisses von linkem und rechtem Kanal. Hintergrund dieser ungewöhnlichen Funktion ist nicht etwa die Kompensation von technischen Unregelmäßigkeiten, sondern von Unregelmäßigkeiten des eigenen Gehörs.

Und damit wären wir bereits beim wichtigsten Ausstattungsmerkmals angekommen, dem Kopfhöreranschluss. Dieser ist selbstverständlich als 6,35mm-Stereoklinkenbuchse ausgeführt. In der Bedienungsanleitung wird weiterhin mit Ausdruck darauf hingewiesen, dass der Anschluss eines Mono-Klinkensteckers zur Beschädigung des Phonitor 2 führen kann!

Kommen wir zur Geräterückseite: Hier finden wir neben dem Learn-Taster für die Erkennung einer Fernbedienung und dem IEC-Stromanschluss nebst Powerschalter alle weiteren Audio-Anschlüsse. Der symmetrische XLR Stereo-Ausgang wird den meisten Anwendern wahrscheinlich dem Anschliessen von Lautsprechern dienen. Sofern man keine Änderungen an den versteckten DIP-Schaltern an der Gehäuseunterseite vornimmt, beeinflussen sämtliche Einstellungen, z.B. auch die Matrix-Einstellungen ebenfalls die Wiedergabe über die Lautsprecher, was in diesem Fall zwar nicht unbedingt zweckdienlich ist, aber schliesslich sind sie auf der Vorderseite auch de-aktivierbar. Schließt man hingegen symmetrische Kopfhörer oder aber das Speiseteil elektrostatischer Kopfhörer an, ist es absolut sinnvoll Zugriff auf sämtliche Funktionen inklusive Matrix zu haben.

Eingangsseitig gibt es drei Eingänge, wobei zwei davon auf Stereo-XLR (symmetrisch) sowie einmal RCA/Cinch-Eingang zur Verfügung gestellt werden. Bei letzterem kann dessen voreingestellter Homerecording-Pegel (-10dBV) per DIP-Schalter auch annähernd auf Profipegel („0dB“) angehoben werden.

Ohne das Studium der Bedienungsanleitung würde man die versenkten DIP-Schalter wahrscheinlich glatt übersehen. Folgende Einstellungen lassen sich gemäß der gut dokumentierten Bedienungsanleitung außerdem noch vornehmen: Der Ausgangspegel lässt sich variieren ( +6dB / +12 dB) und der Insert-Modus des XLR-Ausgangs lässt sich aktivieren. Dieser bewirkt das unbearbeitete Durchschleifen des Eingangssignals mit Ausnahme der Möglichkeit zu Phasenumkehrung. Unbearbeitet bedeutet dabei, dass nicht einmal der Pegel per Poti regelbar ist. Dieser Modus bietet sich beispielsweise an, wenn man einen weiteren Monitor Controller zur Ansteuerung von Lautsprechern benutzt. Auch die, laut Hersteller ebenfalls für den Lautsprecher-Betrieb vorteilhafte, Vorverstärkung in 120-Volt-Technik findet in diesem Modus nicht statt.

Der Phonitor 2 (Modell 1280) wird samt Netzkabel für das integrierte Netzteil, Garantiekarte und einer umfassenden, gedruckten Bedienungsanleitung in deutscher und englischer Sprache ausgeliefert

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