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Test
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05.09.2012
Test

Behringer X32 Test

Digitalmischpult

Jetzt wird´s ernst!

Das X32 ist zweifelsohne nicht einfach "noch ein Produkt" der deutschstämmigen Marke Behringer, das wurde im Vorfeld der Serienfertigung schon deutlich. Das Unternehmen präsentierte stolz die ersten Prototypen, lud zu Pressekonferenzen und Hands-On-Terminen und machte keinen Hehl daraus, auf das Digitalpult mächtig stolz zu sein. Nach den ersten Erkenntnissen gibt es da auch allen Grund zu, das können wir von bonedo.de unterschreiben: Ein frühes Vorseriengerät haben wir bereits in einem exklusiven Sneak-Preview beschnuppert, in der ehemaligen Firmenzentrale in Willich wurde eine der letzten Versionen vor der endgültigen Serienproduktion in der chinesischen Behringer-City beäugt und befingert.

Jetzt wird es aber ernst, denn eines der ersten Serienmodelle hat seinen Weg in einem Ungetüm von Karton zu mir gefunden - zunächst, um sich ablichten zu lassen, dann aber vor allem, um sich mit gewohnt bonedischer Akribie eines kompletten Check-Ups zu unterziehen. Kann das X32 den Features gerecht werden? Ist es leicht verständlich? Lässt es sich auch im Dauerbetrieb gut bedienen? Klingt es vernünftig?

DETAILS

Klappern gehört zum Handwerk, und für dieses Handwerk hängt im Hause Behringer sicher der Meisterbrief an der Wand: Wie üblich ist auch beim X32 eigentlich alles "ultra", "high-end" und "professional". Doch Schlagwörter und Anpreisungsbegriffe hin oder her: Alleine die Daten, mit denen das X32 daherkommt, würden schon für sich sprechen, vor allem, wenn man den Preis des Gerätes hinzuzieht: Für unter € 3000 ist die mit Features vollgepumpte Digitalschüssel in den Shops gelistet. Die Frage, ob sich für diesen Preis denn überhaupt ein derart ausgestattetes Pult herstellen lässt, kann pauschal mit "Ja, offensichtlich!" beantwortet werden. Die Frage ist also eher, ob es nicht irgendwelche Schwachstellen oder Mängel gibt, oder ob vielleicht manche Wünsche der ein oder anderen Kundengruppen dem Rotstift geopfert wurden.

Bei den Inputs und Outputs des X32 ist auf jeden Fall schon mal alles in bester Ordnung, denn die Interkonnektivität des Pultes ist nicht gerade spartanisch. Doch wie wär´s vielleicht erst einmal mit einem kleinen Überblick? Gerne? Ok, los geht´s: Das 20,6 kg schwere Schiff misst 90 cm in der Breite, ist ohne Stecker 52,8 cm tief und an der höchsten Stelle 20 cm hoch. Insgesamt 25 selbstentwickelte 100-Millimeter-Fader wohnen auf der Oberfläche undpräsentieren sich in Blöcken: 16-8-1. Die 16 gehören im Normalbetrieb den Input-Channels, doch natürlich gibt es ein Layering, sodass man nicht auf 16 Eingangskanäle beschränkt ist. Mit seitlich neben dem Block angebrachten Tastern kann zwischen Inputs 1-16, 17-32 sowie "Line Input & USB" und Bus Master geschaltet werden.

Der weiter rechts liegende Achterblock wird – das ist keine Überraschung – vornehmlich für das Busrouting verwendet (DCA, Bus 1-8, Bus 9-16), der einzelne natürlich für den Master. Auch wenn es vielleicht danach aussehen mag: Die Faderkappen sind nicht aus Metall, sondern aus Plastik. Somit sind sie also nicht berührungsempfindlich, was die Verwendung mit Automationen etwas einschränkt. Motorisiert sind sie natürlich schon.

Die alternierende Helligkeit der Untergrundfarbe der Fader verringert die durch andere Maßnahmen sowieso schon geringe Gefahr, aus Versehen einen benachbarten Fader zu bewegen.

Oberhalb der Fadersektionen findet man häufig benutzte Bedienelemente und Rückmeldungsmöglichkeiten des X32. Ein großer Mute-Button darf natürlich genausowenig fehlen wie Solo und Select. Select wird verwendet, um einen Kanal im Detail zu betrachten – wie das genau vonstatten gehen kann, erkläre ich gleich. Kleine LEDs können weiterhin die Aktivität von EQ und Dynamics zeigen, geben aber auch Info über vorherrschende Pegel. Der absolute Kracher – nicht nur der Sektion, sondern des gesamten Pultes – ist aber das mit unterschiedlichen Farben beleuchtbare LC-Display, welches neben der Kanalnummer auch einen aussagekräftigen Namen und ein Icon beinhalten kann. Das ist absolut spitze, denn nichts ist bei den meisten Pulten so nervig, wie immer Nummern mit Namen im zentralen Display vergleichen zu müssen oder trotz funkelnagelneuer Digitaltechnik ein anachronistisches Kreppband zu spannen und zu beschriften – um dann wegen Doppelbelegungen doch wieder den Überbick zu verlieren. "Bass D.I." und "Master Sidefill L" sind einfach aussagekräftig. Ich notiere also direkt einmal ein dickes Plus für die Displays (übrigens auch eine Eigenentwicklung!) auf meiner Testerkladde.

Drei Fünftel des Bereiches, der vom Tontechnikerbauch entfernter liegt als die Fader, sind durch verschiedene Drehgeber und Taster besiedelt. Wer findet, dass das unaufgeräumt und unsymmetrisch aussieht, sollte einen genaueren Blick darauf werfen: Es handelt sich um eine Art Channel-Strip, welcher die wichtigsten Parameter im Umgang mit Signalen im direkten Zugriff bietet. Dementsprechend findet man hier eine Preamp-Sektion mit Gain, Phantom-Power und dergleichen.

Ebenfalls direkt zugänglich ist der EQ. Da es sich bei EQs digitaler Pulte schnell um eine wahre Parameterflut handelt, werden hier die einzelnen Bänder umgeschaltet, welche dann mit f, Q und Gain bedient werden – laut Behringer wurden hier ergonomische Konzepte miteinander verglichen und dieses für am besten und praktikabelsten befunden. Send-Abgriffe findet man ferner genauso wie Zugang zu den Dynamics. Dort ist allerdings der Direktzugriff mittels Hardware recht mau: Geregelt werden können ausschließlich die Thresholds von Gate und Kompressor, geschaltet die Bypass-Funktionen. Das alles ist aber kein Beinbruch. Ganz im Gegenteil ist das eher … öhm… der zugehörige Gipsverband! In jeder der genannten Sektionen (und an manch anderen Stellen auf der Oberfläche) warten unscheinbare "View"-Taster darauf,  bedient zu werden. Will man also den Attack-Parameter des Kompressors bearbeiten oder sich die Kurve der gesamten Frequenzgangverbiegung betrachten, drückt man einfach den "View"-Button und kann alles im 7"-TFT ansehen – und dort natürlich genauer bearbeiten: Unterhalb dieses Displays warten sechs Drehgeber auf tontechnische Eingriffe, navigiert werden kann mit den vier Tastern für Page und Layer. Manches muss an einem Digitalpult eben in einem Menü eingestellt werden, beispielsweise System-Settings oder globale Routings. Zu diesem Zweck wohnen rechts des Displays Taster, die den direkten Weg dorthin weisen.

Rechts schmiegt sich die Talkback- und Monitoring-Sektion an das Display. Regler für Monitor- und Phones-Level finden sich dort, aber auch Mute, Mono und Dim. Dim ist übrigens im Level einstellbar – eine hervorragende Funktion, wie ich finde. Ein externes Talkbackmikrofon kann das kleine Mikro ersetzen, am XLR liegt permanent Phantomspannung an. Über einen vierpoligen XLR kann auch eine Lampe eingesteckt werden. Warum eigentlich? Aufgrund der hervorragenden, mehrfarbigen Beleuchtung der Schaltfunktionen, der schicken Diplays sowie der (nicht sonderlich hoch auflösenden) LED-Kränze um die ebenfalls beleuchteten Drehgeber, lässt sich das Pult eigentlich im Dunkeln bedienen. Okay: Die Fader oder ihre Lauföffnungen im Gehäuse müssten noch eine Beleuchtung haben, dann wäre der "Nachtmodus" perfekt.

Wer in der besagten Sektion – die ja immerhin das Headphone-Level beinhaltet – auch die Kopfhörerbuchse vermutet, der kann dort lange suchen. Ein kleines Icon gibt den entscheidenden Hinweis: Die Klinkenbuchse kauert verschüchtert an der Rückwand des eingelassenen rechten Tragegriffs. Auf der linken Gehäuseflanke findet man eine weitere. Hier zeigt sich, dass an vielen Stellen ans Detail gedacht wurde: Eine Kopfhörerbuchse hat auf der Rückseite eines Pultes nichts verloren – gar nichts sogar. Auf der Oberfläche ist sie zwar schnell zu finden und irgendwie praktisch, das blöd herumliegende Kabel ist aber bestimmt nicht praktisch. Vorne herausragende Kopfhörerkabel werden zur Strafe für ihr Vorhandensein einfach mal mit dem Oberschenkel herausgehebelt. Insofern: Goldrichtig, Leute!

Im Südosten lassen sich Szenen speichern und schalten, vor allem aber interne Effekte wählen und steuern. Die Wunschparameter können ausgewählt werden, zur Bearbeitung gibt es acht Drucktaster und vier der zuvor bereits beschriebenen Drehgeber mit Innenbeleuchtung und LED-Kranz. Es erscheint äußerst sinnvoll, dass auch hier vier der kleinen Displays zum Einsatz kommen. Nichts besonderes, aber dennoch erwähnenswert ist die Tatsache, dass rhythmische Werte eingetappt werden können und der Taster, der diesen Parameter führt, brav in entsprechenden Abständen mitblinkt. Das ist sehr livetauglich, auch wenn ich ein großer Freund vom Auslagern dieser Funktionen auf einen Footswitch bin. Das geht beim X32 leider nicht, denn ein entsprechender Anschluss ist nicht vorhanden – somit auch nicht für weitere Steuerungen.

Ein weiteres Feld beinhaltet den Umgang mit Mute-Groups, ganz rechts unten findet sich die "Smart Phone Bay": Das ist schlicht und einfach eine Ablagefläche für das Telefon. Wenn ihr jetzt Witze machen wollt, dann fehle ja eigentlich nur noch der Kopfhörerständer, der bündig ins Gehäuse eingebaute Aschenbecher, die Schlüssel-, Taschenlampen-, Leatherman- und Bierglasablage und – nicht zu vergessen – der Gaffa-Tape-Abroller, dann bitteschön. Ich jedenfalls finde das praktisch, denn so manche App möchte man bei der Arbeit nutzen, beispielsweise einen Analyzer.

Bis auf die USB-A-Buchse für zuspielende oder aufzeichnende Speichersticks, die sich mit ihrer Position auf der Arbeitsfläche genau dort befindet, wo sie hingehört (außer, man verwendet dazu das rechts unten liegende Smartphone) und die beiden Kopfhörerausgänge, liegen sämtliche Anschlüsse des Behringer X32 auf der Rückseite. Und das sind einige! Die 32 XLR-Inputs verbraten schon eine Menge des Platzes, doch glücklicherweise wurden der Menschheit hier Multipin-Stecker und Kabelpeitschen erspart. Nett ist, dass aktive Phantomspeisung direkt neben der zugehörigen Buchse mit einer roten LED signalisiert wird – so muss dat! Mit den 16 mit unterschiedlichen Signalen beschickbaren XLR-Ausgängen sollte das Digitalpult für eine Vielzahl von Aufgaben ausreichend ausgerüstet sein, etwa ein Monitoring mit vielen Wegen. Doch was ist, wenn man ein umfangreicheres Live-Recording machen möchte? Hier kommt die ursprünglich nur als Option geplante Erweiterungskarte ins Spiel, die über USB 2.0 oder FireWire 400 das 32(!)fach-Audiointerface für Macs und PCs mimt. Und auch sonst zeigt sich Uli Behringer spendabel: Neben, wie gewohnt mit XLR und Klinke ausgestatteten Control Room Outs, gibt es je sechs Aux-Outs und Ins als 6,3mm-TRS, deren jeweils letztes Pärchen zusätzlich als RCA ("Cinch") vorhanden ist. In puncto “typisches digitales I/O” gibt sich das X32 hingegen spartanischer. So sucht man Anschlüsse für ADAT und S/PDIF per Lightpipe oder Koaxialkabel vergebens. Lediglich eine XLR-Buchse versendet nach AES/EBU. Auch ein entsprechender Input ist nicht im Angebot, genau wie (daraus natürlich abgeleitet) die Möglichkeit, das Pult per Wordclock zu takten.

Der Tag, an dem das letzte Gerät mit MIDI auf den Markt kommt, liegt glücklicherweise in weiter Ferne, daher findet man auch am X32 einen In- und einen Output. Interessant wird es, wenn man die RJ45-Buchsen betrachtet. Da wäre einmal die "Ultranet"-Buchse, an der folgender Sachverhalt "ultra" ist: Über ihn kann das sechzehnkanalige Monitoring-System von Behringer angeschlossen werden, mit äußerst geringer Latenz und – wen wundert´s – mit recht preisgünstigen Endgeräten. Der "Personal Monitor" "Powerplay 16" kostet um die 200 Euro. Richtig brutal wird es aber mit den beiden AES50-Ports, über welche mit absolut aktueller Technik (Das auf Ethernet basierende "SuperMac" genannte System wurde von Klark Teknik übernommen.) mit 96 Kanälen pro Richtung umgegangen werden kann. Die S16 Digital Snake ist optional erhältlich und bietet 16 fernsteuerbare Mic Pres und acht Ausgänge über AES50 auf zwei HE. Ich möchte den etwas vergesslichen oder quer lesenden Leser an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass das X32-Pult nicht über € 10.000 kostet… Den Abschluss an rückwärtigen Buchsen bilden eine USB-B-Buchse und ein Netzwerkanschluss für Remote-Tätigkeiten über die spezielle, umfangreich ausgestattete iPad-App (etwa zum Einstellen der Monitorlevels auf der Bühne) und eine PC-Steuerungssoftware sowie der Energie-Input in Form eines Kaltgerätesteckers für das Autoswitch-Netzteil.

So, das war im Wesentlichen der Blick auf die Außenhaut der neuen Behringer-Digitalschüssel. Was steckt unter der Haube? Der Zusatz "Powered by Midas" ließ schon manche Forenschreiber munkeln, Behringer habe einfach nur Midas-Technik umgelabelt. Doch weit gefehlt (hier klicken für das Interview mit dem Entwickler). Allerdings machen Mikrofonsignale recht schnell Bekanntschaft mit Midas-Technik, denn der Preamp stammt von den Engländern. Direkt danach werden die Signale in die A/D-Stage geschickt, um ihr Analogtum zu beenden. Der Chiphersteller Cirrus Logic liefert den Converter, der mit 24 Bit quantisiert und eine maximale Samplerate von 48 kHz bereitstellt. Das wird manchem ein Dorn im Auge sein, der plant, das Pult in einer Recording-Umgebung zu verwenden. 96 kHz klingen zwar schön in den Kundenohren, doch wäre dieser (oftmals recht kleine) Gewinn teuer erkauft: mit geringeren Channelcounts am Gerät und/oder einem höheren Preis für das X32. Also ich find´s in Ordnung.

Die anschließende Weiterverarbeitung erfolgt nicht mehr mit Fixkomma, sondern mit Floating Point in einer Wortbreite von 40 Bit. Auch die weitere Zahlenwelt macht auf dem Papier einen ordentlichen Eindruck. So liegt der Durchlauf-Frequenzgang von In zu Out bei 10 Hz - 22 kHz (+0/-1dB). Das ist genauso akzeptabel wie die harmonischen Verzerrungsprodukte und das Rauschen (THD+N), die hier – mit 20 dB Gain gemessen und mit 0dBu am Ausgang – 0,008% betragen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ein Signal, welches über das übliche Routing läuft, durch das ganze Pult weniger als eine Millisekunde (!) unterwegs ist. Das ist ungefähr der Zeitraum, den Schall von Nahfeldmonitoren zum Tontechnikerohr benötigt.

Hinter besagtem ADC befindet sich eine Einheit, die bei Behringer "I/O Patch" genannt wird – quasi eine kleine Kreuzschiene. Hier werden ankommende Digitalsignale und gewandelte Signale aus den Analog-Inputs geroutet. In diesem Verteilsystem landen also auch AES50-Signale, Aux-Ins und die Ausgänge der 32-kanaligen Interface-Karte. Einen Signalfluss-Schritt weiter findet sich "DSP Patch", welches auch interne Routings ermöglicht. Beispielsweise ist es hier möglich, den Aux Input 4 auf Channel 11 und 12 zu routen. Keine Angst: Per Default landet der rückwärtige Input XLR 1 auch auf Channel 1. Doch man kann im Menü fröhlich herumdoktern, wie es die Situation verlangt und der Überblick des Technikers zulässt. In den kleinen 128x64-Pixel-Displays über den Fadern wird jedoch Tacheles gesprochen und die Quelle des Channels immer mit Klarnamen angezeigt.

Auch das Bus-System ist umfangreich. Der Main-Bus ist dreikanalig, da er nicht als LR, sondern als LCR ausgelegt ist, also mit einem Center daherkommt. Einerseits ist das zwar gut, doch andererseit bedeutet das, dass die Architektur des Pultes keine allzu bequeme Surroundfähigkeit liefert – dafür muss man andere Schienen verwenden und auf spezielle Positionierungsvorrichtungen und Effekte verzichten. Allerdings sollte man bedenken, dass so ein Pult-OS dahingehend ja tendenziell auch erweiterbar ist.

Das große Bus-System nennt sich "Mix Bus" und bietet 16 Schienen, die von verschiedensten Quellen aus beschickt werden können, darunter Talkback (welches übrigens mit einem eigenen Kompressor ausgestattet ist!) und andere Busse. In den Bussen selbst stehen neben den üblichen Funktionen auch EQs und Dynamics  zur Verfügung. Eine fast identische Ausstattung besitzen die zusätzlichen sechs Matrix-Busse. Man erkennt also schon hier, dass das Pult beim Routing durchaus auf komplexe Situationen reagieren kann. Selbst das Ansprechen von Delay-Lines oder ein "Broadcast-Mode" dürften kein Problem sein.

Eine zweikanalige Soloschiene kann Signale tragen, die sich an verschiedensten Stellen abgreifen lassen. In den Channels ist der Abgriffspunkt nicht nur stupide auf AFL/PFL festgelegt, sondern kann Pre/Post EQ, Pre Fader, Post Fader und Post Pan liegen, zudem wartet die Architektur mit verschiedenen Solo-Follow-Modi auf (darunter auch ein einfaches Channel Select Follows Solo).

In den Channels findet man die Ausstattung und Flexibilität, die man im Live- und Studiobetrieb benötigt. So lässt sich die Position der Kompressor-/Gate-Sektion vor oder hinter den EQ swappen, Gate und Kompressor können per Key-Input mit externen Sidechain-Signalen beschickt werden. Im Detektorweg gibt es sogar einen weiteren EQ! Auch der Insert-Punkt kann vor oder hinter EQ und Kompressor geroutet werden. An dieser Stelle wünscht man sich jedoch unter Umständen einfacher erreichbare Hardware-ISR, um den teuren Röhrenkompressor oder sonstige Schätzchen beim Soundfeilen bequem integrieren zu können.

Dann wären da ja noch die internen Effekte. Je nach Bedarf im ISR von Channels oder Bussen oder als Zumischeffekte kann aus einer Vielzahl von Klangbearbeitern ausgewählt werden. Im Angebot sind natürlich nicht nur grafische Equalizer: So findet man verschiedene Delay-Typen und daraus abgeleitete Modulationseffekte. Die grafische Darstellung macht schnell klar, wenn man sich an ein Hardware-Vorbild erinnert fühlen soll. Mehr als bei Chorus und Flanger ist dies bei den Reverbs der Fall, deren Optik an Lexicons PCM-Serie und die das 480 oder 300 steuernde LARC erinnen. Aber auch die Designsprache des Quantec QRS findet man wieder. Dies alles lässt natürlich auch auf entsprechenden Sound hoffen. Gut finde ich, dass Behringer mit dieser Nähe offen umgeht und die "Inspirationsquelle" zu den jeweiligen Effekten in sein Manual schreibt. Desweiteren finden sich im Effekt-Pool Limiter, Rotary Speaker, Enveloper, Imager, Enhancer, Exciter, Amps und sogar ein Moog-Filter. Ich korrigiere: "Mood"-Filter. Kein Effekt, sondern ein hilfreiches Tool ist der eingebaute (oder besser natürlich: einprogrammierte) Oszillator, der wunschgemäß flexibel geroutet werden kann und Pink- und Whithe-Noise und natürlich einen Sinus (mit einstellbarer Frequenz) bietet.

So, das war ja mal eine etwas längere Beschreibung als bei einem Poppschutz oder einem Plektrum – dabei habe ich mich mit Ausführlichkeit noch zurückgehalten. Ich hoffe inständig, dass ihr nicht schon rotierende bunte Klötzchen vor den Augen habt und mit Drehschwindelanfällen kurz vor der Ohnmacht steht. Denn schön, dass das X32 so fein ausgestattet ist, doch jetzt geht´s um die Wurst. Vorhang auf für die Praxis: Gamechanger  oder Showstopper?

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