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Shure KSM9HS Test

Umschaltbares Bühnen-Kondensatormikrofon

Doppelt hält besser

Shure, das steht für viele quasi als Platzhalter für SM58 und SM57, die beiden weltbekannten dynamischen Mikrofone. Doch das Unternehmen hat weitaus mehr im Portfolio: Dazu zählen nicht nur Sonderformen des dynamischen Prinzips (Bändchen), sondern auch Kondensatormikrofone für den Studio- und Live-Einsatz. Für Vocals auf der Bühne konnte man bislang zwischen SM86, SM87A, Beta87A und 87C sowie dem teuersten im Bunde, dem KSM9 wählen.

Jetzt gibt es das KSM9HS als Krönung des Portfolios, welches direkt mit einem Alleinstellungsmerkmal aufwartet. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, eines der ersten verfügbaren Premium-Werkzeuge direkt per Paketdienst in die Redaktion zu saugen und zu untersuchen.

Details

Die Besonderheit des Shure KSM9HS ist folgende: Anders als die meisten anderen im Bühnenbetrieb für Gesang eingesetzten Kondensatormikrofone verwendet es eine echte Doppelmembrankapsel. Die rückseitige Membran dient also nicht wie bei einigen Passivmembransystemen ausschließlich als Laufzeitglied für die vordere, vielmehr kann ihr Signal separat abgegriffen und mit dem der vorderen Membran gemischt werden. Dies geschieht beim KSM9HS mit verschiedenen Pegeln und Polaritäten, sodass zwischen der Richtcharakteristik Hyperniere und einer breiten Niere ausgewählt werden kann. Um dies zu tun, muss der Korb abgedreht werden, ein kleiner Schalter ermöglicht dann die Wahl des resultierenden Polar-Patterns.

Der Korb verfügt über ein in drei Lagen von außen nach innen dichter werdendes Maschennetz zur Unterdrückung von Popplauten und zur Verhinderung von "Flüssigkeitseintritt" (genau: Spucke). Ist der Kopf schon einmal ab, bietet sich der Blick auf die Kapsel an: Wie es sich für ein Gesangsmikrofon gehört, das der Live-Wirklichkeit ausgesetzt sein wird, ist die Konstruktion robust und mit einem Elastomer schockgesichert. Auch das aus Metall bestehende Kapselgehäuse selbst scheint recht robust, die Luftöffnungen sind mit Gaze bedeckt. Die Schwingungen der beiden Membranen werden – wie sicher anhand des bisherigen Textes deutlich geworden – aufgrund des Kondensatorprinzips in elektrische Wechselspannung umgesetzt. Dadurch können die Membranmassen weitaus geringer gehalten werden als bei Tauchspulenmikros, bei welchen schließlich unter anderem das Gewicht der Metallspule an der Membran für ein behäbigeres Verhalten sorgt.

Backplate-Elektret-Kondensatorkapsel

Beim Shure KSM9HS kommt kein per externer Spannung polarisierter Kondensator zum Einsatz, vielmehr ist es eine permanente Vorspannung durch Elektret in der Kondensator-Backplate (dennoch wird Phantomspeisung zum Betrieb benötigt). Die schwingenden Häutchen haben einen Durchmesser von 3/4" und bestehen aus Mylar, welches durch Goldbedampfung leitfähig gemacht wurde. Laut Shure hat das KSM9HS eine nur schwach ausgeprägte Bassanhebung durch den Nahbesprechungseffekt.

Mikrofondaten

Im Inneren des Metalldruckguss-Gehäuses befindet sich zwar kein Übertrager, aber natürlich die komplette Impedanzwandler- und Verstärker-Elektronik. Die an der XLR(m)-Buchse (oder genaugenommen, nach Verstärkung durch einen Preamp) messbaren Werte sehen wie folgt aus: Mit 3,16 mV/Pa in Hypernierenstellung und 2,24 bei der breiten Niere ist die Empfindlichkeit recht gering, allerdings ist der maximale Schalldruckpegel mit 150,8 (153,1) dB(SPL) an 2,5 Kilo-Ohm enorm hoch. Zwar fehlt die Angabe darüber, ob es nun 0,5 oder 1 % THD sind, doch "either way" ist das auch für die Mikrofonierung ausgewiesener Brüllaffen dicke ausreichend. Dass das Noise Level mit 20,7 (22,7 bei BN) dB(A) nicht übertrieben gering ist, ist in diesem Zusammenhang nachvollziehbar – und live sicher kein Beinbruch.

Der Frequenzgang des Bühnen-Kondensatormikrofons ist im Bassbereich recht schwach, von 400 bis 100 Hz verliert die Übertragung 5 dB, weiter unten geht es noch steiler zur Sache. Das ist nicht dumm, wenn man bedenkt, dass es sich hier um ein Live-Vocalmike handelt, welches im Regelfall sehr nah besprochen werden wird – Shure setzen beim KSM9HS dem Nahbesprechungseffekt in erster Linie einfach eine weniger stark ausgeprägte Übertragung der Stimmen-Grundtonfrequenzen entgegen. Für Präsenz und Luftigkeit sorgen Beulen von 2 bis 3 dB bei 2 und 15 kHz. Ein schmaler S-Dip zur Vermeidung von Schärfe hat eine Centerfrequenz bei gut 7 kHz. Das 300 Gramm wiegende Gesangsmikrofon wird samt Clip im hübschen Köfferchen geliefert.

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