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Reflection-Filter Vergleichstest

Die Firma SE Electronics machte 2006 den Anfang, als sie „Reflexion Filter Pro“ auf den Markt brachte. Ein hinter dem Mikrofon platzierter Schirm sorgt hier dafür, dass störende Signalanteile abgeschwächt werden – dazu gehören ungewollter Raumhall, Fremdgeräusche (vor allem Lüfter!) oder auch der Klang anderer Musiker im Raum, die seitlich und von hinten in das Nutzsignal einstreuen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Richtcharakteristik des benutzten Mikrofons vom Filterschirm möglichst nicht eingeschränkt wird. Das bedeutet, dass ein Reflection-Filter die Klangfarbe des jeweiligen Mikrofons möglichst wenig beeinflussen sollte. Die hier getesteten Kandidaten sind allesamt für Großmembran-Mikrofone geeignet.

In akustisch speziell designten professionellen Aufnahmeräumen ist eine Unterdrückung des Raumhalls oft unnötig. Sollte es dennoch erforderlich sein, das akustische Signal vor Fremdsignalen zu „schützen“, so verwendete man in der Vergangenheit dafür akustische Stellwände. Diese sind natürlich weder transportabel noch preisgünstig. Hier liegt ein weiterer Vorteil von Reflection-Filtern – diese sind in der Regel relativ klein, leicht und daher auch für den mobilen Einsatz geeignet. Wir haben für euch vier verschiedene Reflection-Filter unterschiedlicher Preisklassen getestet. Dabei ging es uns natürlich um die klanglichen Eigenschaften, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Anwenderfreundlichkeit. Außerdem zeigen wir euch, wo zur Zeit die Grenzen solcher Produkte liegen.

Die Testkandidaten

Das günstigste unserer vier getesteten Modelle beginnt bei 169 € (UVP) für den Micscreen von t.bone. Dieses Modell zeichnet sich u.a. durch seinen zusammenklappbaren Filterschirm aus. Entscheidet man sich für das Mic Thing (240 € UVP) aus dem Hause SM Pro Audio, erhält man nicht nur einen Reflection-Filter, sondern auch gleich das passende Stativ dazu. Die Firma SE Electronics bietet für ca. 178 € (UVP) sein Einsteigermodell Reflexion Filter Project Studio an. Dieses Produkt basiert auf dem gleichen Grunddesign wie der teurere Reflexion Filter Pro, allerdings wurden hier unter anderem andere Werkstoffe verbaut. Mit einem Preis von ca. 308 €  (UVP) ist der Reflexion Filter Pro der zur Zeit Teuerste seiner Art und kam 2006 als erster Filter auf den Markt. Hervorzuheben sind der robuste Aufbau und die gute Verarbeitung.

Der Test

Unser Aufnahmeraum war mit seinen glatten, schallharten Oberflächen und parallelen Wänden ideal für unseren Test: Hier entsteht mehr Raumhall als einem lieb sein kann. Das Mikrofon wurde genau in der Raummitte platziert. Fast alle Hersteller geben in ihren Handbüchern an, dass sich ein optimales Aufnahmeergebnis dadurch erzielen lässt, indem man das Mikrofon zentral im Filterschirm platziert. So soll der bestmögliche Kompromiss aus maximaler Hall-Unterdrückung und minimaler Veränderung der Klangfarbe erreicht werden. Praktisch gesehen bedeutet dies, dass die Mikrofonkapsel in der horizontalen Mitte des Filterschirms platziert wird. Außerdem wird die Kapsel vertikal so ausgerichtet, dass zum Rand und Innenseite des Schirms der gleiche Abstand herrscht. Ausgehend von dieser optimalen Position wurde das Mikrofon um jeweils 5, 10 und 15 cm aus dem Schirm heraus bewegt, was sich dann in Veränderungen der Klangfarbe sowie die Erhöhung der Raumanteile im aufgenommenen Signal widerspiegelt. Mit diesen beiden Parametern wird bei Recording-Sessions auch gerne mal „gespielt“. Natürlich haben wir zum direkten Vergleich auch eine Aufnahme gänzlich ohne Reflection-Filter gemacht. Der Abstand zwischen Mikrofonkapsel und Popschutz betrug bei allen Aufnahmen 45 mm. Der Mund des Sängers hatte stets einen Abstand von 120 mm zur Mikrofonkapsel.

Der Sänger dieser Aufnahmen ist der Kölner Jörg Fricke von der Band „Maradona“. Von hier aus vielen Dank für die freundliche Unterstützung!

Gesamtfazit

Grundsätzlich lieferten alle getesteten Modelle bei den Aufnahmen brauchbare Ergebnisse. Dennoch war die klangliche Beeinflussung durch den Filterschirm und die Unterdrückung der Raumanteile bei allen Reflection-Filtern recht unterschiedlich. Auch bezüglich der Einsatzmöglichkeiten gibt es größere Unterschiede. Betrachtet man die Klangfärbung des Signals durch den Filterschirm, schneidet der Mic Thing am besten ab. Hier kommt es nur zu einer minimalen Änderung des Frequenzgangs. Dicht dahinter ist die Pro-Ausführung des Reflexion Filters, dann die Project Studio Variante und als letzter der Micscreen. Im wichtigsten Punkt, nämlich der Unterdrückung der Raum-Reflexionen, schneiden der Relexion Filter Pro und der Mic Thing mit vergleichbar guten Ergebnissen eindeutig am besten ab. Dahinter folgt der Reflexion Filter Project Studio und wieder als Schlusslicht der Micscreen.

Auch wenn die Testergebnisse hier recht unterschiedlich ausfallen, stellen doch alle hier getesteten Modelle sehr hilfreiche Studio-Tools dar. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis schneidet der Mic Thing von SM Pro Audio eindeutig am besten ab. Für nur ca. 190 € (240 € UVP) bekommt man eine Lösung inklusive Stativ, die bei den Aufnahmen wirklich sehr gute klangliche Ergebnisse liefert. Allerdings ist dieses Modell in seiner Anwendung nicht besonders flexibel. Hier ist der Reflexion Filter Pro für ca. 260 € (308 € UVP) eindeutig im Vorteil. Bei vergleichbar guten klanglichen Ergebnissen kann bei dem Modell der Filterschirm vertikal und horizontal gedreht werden. Bei der Aufnahme bestimmter Instrumente (z.B. Saxofonen) ist dies sehr hilfreich. Anwendern, die nicht so streng auf ihr Budget achten müssen, kann ich diese beiden Modelle empfehlen. Der Reflexion Filter Project Studio für ca. 130 € (178 € UVP) liegt klanglich auf dem dritten Platz. Qualitativ ist dieses Produkt wirklich überzeugend, auch wenn die Mikrofonhalterung etwas unpraktisch erscheint. Klanglich auf dem vierten Platz liegt das preisgünstigste Modell. Der Micsreen von t.bone ist aber dennoch ein durchaus brauchbares Recording-Tool. Für nur ca. 90 € (169 € UVP) erhält man einen vielseitig einsetzbaren Reflection-Filter, mit dem u.a. sogar AB-Stereoaufnahmen möglich sind. Einsteiger und Semiprofis, die etwas mehr auf ihr Budget achten müssen, sind daher die beiden letzten Modelle zu empfehlen.

 

Was Reflection-Filter nicht können…

Raum-Reflexionen, die von Flächen stammen, die sich gegenüber der Mikrofonmembran befinden, können von einem Reflection-Filter nur unzureichend oder gar nicht abgeschwächt werden. Hier sollte man Absorber oder Ähnliches platzieren – oder falls dies nicht möglich ist, den Abstand vergrößern. Ebenso können Reflection-Filter die Raumreflexionen vom Boden und der Raumdecke nicht unterdrücken. In diesem Fall können auf dem Boden Teppiche und oberhalb des Filters platzierte Decken erste Abhilfe schaffen.

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