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Korg Monotribe Test

Analoge Groove-Maschine mit Spieltrieb

Mit dem Monotribe folgt die logische Weiterentwicklung des Weges, den KORG mit der Einführung des analogen Taschensynthesizers Monotron begonnen hat: KORG hat den Minisynth aufgebohrt und ihn mit einer analogen Drummachine und einem Step-Sequenzer kombiniert. So ist eine vollständig analoge Groovebox mit einem aus dem legendären KORG MS20 stammendem Filterdesign entstanden. Das KORG Grooveboxes bauen kann, hat der japanische Hersteller mit der Electribe-Serie bereits vielfach bewiesen. Mit dem Monotribe bekommt man jetzt einen analogen Synth, einen analogen Drumcomputer und einen Step-Sequenzer im Paket zu einem absoluten Kampfpreis. Das taugt für einen weiteren Hit, und natürlich müssen wir ausprobieren, ob das Ding hält, was es verspricht. Ist der Monotribe ein ernstzunehmendes Werkzeug?

(TIPP: Hier könnt ihr erfahren, wie man einen Monotribe mit MIDI nachrüstet!)

Details

Im Gegensatz zum kleinen Bruder Monotron, der mit seinem Mini-Plastikgehäuse problemlos in jede Jackentasche passt, ist der Monotribe natürlich etwas größer ausgefallen, aber immer noch erstaunlich klein. Durch das Metallgehäuse wirkt das Gerät außerdem deutlich stabiler und haltbarer. Einige Synth-Parameter haben erfreulicherweise richtige Drehknöpfe spendiert bekommen, wobei sich mir nicht ganz erschließt, warum dann nicht gleich alle Drehregler mit diesen Knöpfen ausgestattet wurden. Einige der Potis verfügen nach wie vor nur über die vom Monotron bekannten, fummeligen Mini-Knöpfe. Insgesamt wirken die Regler und Schalter aber einigermaßen stabil und dürften auch Live-Einsätze eine Weile aushalten. Die Kippschalter mit ihren Metallgriffen erinnern etwas an HiFi-Equipment aus den 70ern und gefallen mir ausgesprochen gut. Auch die Taster, mit denen die Sequenzerfunktionen bedient werden, scheinen qualitativ in Ordnung zu sein.

Rückseitig verfügt der Monotribe über einen Mono-Ausgang, der als 6,3mm-Klinke ausgeführt ist, sowie über einen Kopfhörerausgang via Miniklinke. Schade, dass es keine Einzelausgänge für den Synth und die Drumsounds gibt – die hätten den praktischen Nutzen doch sehr gesteigert. Dafür hat der Monotribe einen Audio-Eingang (Miniklinke), über den man externe Signale durch die Klangerzeugung des Synths schicken kann. Die Anschlüsse werden durch Sync-Ein- und Ausgänge vervollständigt, die dazu dienen, den Monotribe zum Beispiel zu einer DAW oder zu weiteren Monotribes zu synchronisieren (dazu später mehr). Auch befindet sich hier der Ein/Aus-Schalter, der durch eine Plastikeinfassung gegen unerwünschte Betätigung geschützt ist. Des Weiteren verfügt er über eine kurze Verzögerung beim Ausschalten, was die Gefahr einer versehentlichen Abschaltung weiter verringert.

Die Stromversorgung erfolgt über sechs AA-Batterien oder ein optionales 9V DC-Netzteil. Beim Einschalten des Geräts wird der Ladezustand der Batterien von den Sequenzer-LEDs angezeigt. Die Batterielaufzeit scheint zudem beträchtlich zu sein. Im Verlauf dieses Tests habe ich es trotz stundenlanger Laufzeiten nicht geschafft, die Batterien nachhaltig zu schwächen. Allerdings ist der Deckel des Batteriefachs an der Unterseite des Gerätes ein Schwachpunkt des Gehäuses. Er ist sehr leicht aus Versehen zu öffnen. An der Unterseite befindet sich außerdem ein kleiner Lautsprecher, so dass man theoretisch noch nicht einmal einen Kopfhörer braucht, um loszulegen. Der eingebaute Minilautsprecher wird durch seinen eingeschränkten Frequenzgang dem Klang des Monotribe natürlich nicht wirklich gerecht – wer wirklich hören will, was er tut, muss das Gerät an anständige Boxen anschließen.

Synthesizer

Der obere Bereich der Bedienoberfläche ist dem Synth gewidmet. Dieser hat dieselben Gene wie der Monotron, bietet aber einige zusätzliche Möglichkeiten. Die Stimmlage des einzigen Oszillators lässt sich in einem sehr weiten Bereich von 64' bis 2' einstellen. Mit einem Schalter kann man zwischen Sägezahn-, Dreiecks- und Rechteckwelle wählen. Auch ein Rauschgenerator ist an Bord und kann stufenlos dazugemischt werden. Nicht möglich ist es allerdings, den VCO auszuschalten, um ausschließlich auf Rauschen basierende Sounds zu kreieren. Das ist etwas schade, denn so ließen sich dem Gerät sicherlich noch einige interessante perkussive Klänge entlocken.

Die Signale von VCO und Noise-Generator durchlaufen dann das vom Monotron bekannte MS-20-Filter. Dabei handelt es sich um ein Tiefpassfilter mit 12dB/Okt. Flankensteilheit, dessen Originalversion weithin als eine der legendärsten Filterschaltungen der Analogsynth-Geschichte gilt. Und das Filter enttäuscht nicht. Es kann kraftvoll zupacken und auch für sehr brachiale Sounds sorgen. Für Cutoff und Resonanz stehen zwei Potis zur Verfügung, wobei die Resonanz bei KORG traditionell „Peak“ heißt. Hier hört ihr einige Filterfahrten einmal ohne, einmal mit mittlerer und einmal mit stärkster Resonanz.

Zur weiteren Klangformung stehen eine simple VCA-Hüllkurve und ein umso interessanterer LFO zur Verfügung. Die VCA-Envelope ist äußerst sparsam ausgestattet und besitzt lediglich drei „Presets“, zwischen denen man mit einem Schalter wechseln kann. In der Mittelstellung des Schalters („Gate“) ist die Hüllkurve neutral - d.h. das Signal geht einfach an und aus. In der Stellung „Decay“ klingt die Lautstärke langsam ab, und in der Stellung „Attack“ schwillt sie allmählich an. Die dazugehörigen Zeiten lassen sich nicht einstellen. Das ist natürlich eine kleine Einschränkung, fällt jedoch bei der Verwendung des Synths in Verbindung mit dem Step-Sequenzer nicht schlimm ins Gewicht. Die Beschränkung auf einen etwas limitierten Funktionsumfang macht eben auch einen großen Teil des Charmes dieses Geräts aus – könnte man alles im Detail einstellen, würde man nicht so schnell und spielerisch zu Ergebnissen kommen. Deshalb werde ich dem Monotribe solche kleinen Limitierungen nicht zum Nachteil auslegen. Im Soundbeispiel hört ihr die drei VCA-Presets (zunächst Gate, dann Decay und schließlich Attack).

Der LFO entpuppt sich als ausgesprochen flexibel und erweitert die Möglichkeiten dieses simplen Synths enorm. Für seine Frequenz und seine Intensität gibt es zunächst zwei Drehregler, der Rest der Einstellungen wird durch Schalter vorgenommen. 

Mit dem „Target“-Switch wird das Modulationsziel ausgewählt. Der LFO kann entweder die Frequenz des Oszillators, den Filter-Cutoff oder beides gleichzeitig modulieren. Mit dem „Wave“-Schalter kann man zwischen einer Sägezahn-, einer Dreieck- und einer Rechteck-Wellenform wählen. Soweit also nichts Besonderes. Interessant macht den LFO aber der „Mode“-Switch. Hiermit kann man zunächst zwischen zwei Frequenzbereichen wählen. Im „Slow“-Modus liegt der vom LFO abgedeckte Frequenzbereich zwischen 0,05Hz und 18Hz. In der „Fast“-Einstellung reicht die LFO-Frequenz hinauf bis 5kHz, also deutlich in den hörbaren Bereich hinein. Damit lässt sich ein breites Spektrum an interessanten Klängen erzeugen, und die klanglichen Möglichkeiten dieses mit seinem einzelnen VCO sehr simpel aufgebauten Synths werden enorm erweitert. Es sind damit Klänge möglich, die man sonst eher von Synths mit mehreren Oszillatoren sowie Ring- und Crossmodulatoren erwarten würde. Durch die sehr praktische letzte Einstellung „1Shot“ schließlich wird der LFO zur zweiten Hüllkurve. In diesem Modus durchläuft der LFO vom Beginn einer Note an die Hälfte seiner Wellenform einmal. Damit verfügt der Monotribe doch über eine zweite, in Intensität und Laufzeit flexible Envelope, mit der sich Tonhöhe und/oder Filter beeinflussen lassen. Sehr schön! In den folgenden Klangbeispielen hört ihr die Möglichkeiten des LFO in seinen drei Modi.

Ribbon-Tastatur

Gespielt wird der Synth über die vom Monotron bekannte Ribbon-Tastatur. Dafür gibt es nun einen Range-Wahlschalter, mit dem sich der von der „Tastatur“ abgedeckte Bereich einstellen lässt. In der Stellung „Wide“ spricht der Ribbon-Controller den gesamten verfügbaren Tonumfang des Oszillators stufenlos an – der Fußlagenschalter ist in dieser Stellung irrelevant und deaktiviert. 

In der Stellung „Narrow“ beträgt der spielbare Bereich etwas mehr als eine Oktave und entspricht damit dem Umfang der aufgedruckten Tastatur. Die Frequenz des Oszillators wird jedoch auch in dieser Stellung stufenlos moduliert, sodass sich auch Glide-Sounds realisieren lassen. In der letzten Stellung „Key“ist der Ribbon-Controller schließlich wie eine richtige Tastatur gerastert und lässt nur Töne zu, die den aufgedruckten Tasten entsprechen. Die Tastatur ist nicht wirklich als solche zu bezeichnen. Am meisten Spaß macht es, sie in den stufenlosen Einstellungen zu verwenden. Um sie im Key-Mode zu spielen, sind die einzelnen „Tasten“ einfach etwas zu klein. Mit den Fingern ist das Treffen bestimmter Töne Glückssache. Ein Stift o.ä. kann hier manchmal Abhilfe schaffen – für virtuose Darbietungen ist die Tastatur aber nicht geeignet. Das ist ja aber auch nicht Sinn der Sache. Im Soundbeispiel hört ihr, wie der Range-Schalter das Verhalten der Tastatur beeinflusst. Zunächst hört ihr den kompletten Umfang des Ribbon-Controllers in der Stellung „Wide“, dann „Narrow“ und schließlich „Key“.

Drums

Kommen wir nun zur Rhythmus-Abteilung. Diese ist noch viel simpler aufgebaut als der Synth und verfügt lediglich über drei verschiedene analoge Sounds. Die Klänge von Bassdrum, Snare und Closed HiHat sind vorgegeben und lassen sich nicht verändern. Sie klingen zwar so richtig schön nach den frühen Achtzigern,  leider ist die Soundauswahl aber wirklich sehr eingeschränkt, und der Wunsch z.B. nach einer Art offener HiHat oder ein paar analogen Toms à la 808 kommt doch recht schnell auf. Mit den drei vorhandenen Sounds, die sich zudem untereinander nicht im Lautstärkeverhältnis anpassen lassen, bleibt die Rhythmusmaschine leider etwas hinter den Möglichkeiten des Synths zurück und fühlt sich eher wie eine Beigabe an. Trotzdem kann man damit natürlich eine Menge Spaß haben, denn die analogen Sounds haben Charme und versetzen einen geradewegs 30 Jahre zurück. Im Soundbeispiel hört ihr einige beispielhafte Grooves.

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