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Sire Marcus Miller V7 4-Saiter Bass Test

E-Bass

Budget-Bass-Revolution?

Hinter dem Sire Marcus Miller V7 E-Bass steht eine ganz besondere Philosophie, wenn man seinen Schöpfern glaubt. Hierzulande dürften bisher die wenigsten von einem Hersteller namens Sire gehört haben. Geht die Rechnung des Gitarrenbauers aus Korea auf, dann sollte sich das in nächster Zeit ändern, denn sein ehrgeiziges Ziel ist es, Instrumente mit professionellen Standards zu unglaublich günstigen Preisen anzubieten. Prinzipiell eine gute Idee, aber eine Marketingaussage, die so von nicht wenigen Herstellern zu hören ist. Aber laut Sire steckt dahinter ein völlig anderer Ansatz. Wie es heißt, möchte man den Profit, den die Instrumente bei einer Serienfertigung abwerfen, der Gesellschaft zurückgeben und sie besonders für Kinder und Jugendliche erschwinglich machen. In Kambodscha und Laos hat man laut Homepage bereits Schulen gegründet. Ob der Plan langfristig aufgeht, wird sich zeigen, denn es müssen genügend Bassisten die Bässe kaufen und so eine Produktion im großen Stil möglich machen. Sire hat für seine "Revolution" mittlerweile den Firmensitz nach USA verlagert und in Indonesien eine Fabrik gegründet, die ausschließlich die eigenen Instrumente baut. Der Grundstein ist also gelegt, jetzt muss die Welt nur noch auf die Marke aufmerksam werden.

Aber auch dafür ist bereits gesorgt, denn kein Geringerer als Marcus Miller dient als Aushängeschild für die neue Basskollektion. Der Bass-Superstar arbeitete mit den Sire-Leuten im Vorfeld zwei Jahre lang im Detail an den Bässen, bis sie schließlich seinen Sound- und Qualitätsvorstellungen entsprachen und würdig waren, seinen Namenszug auf der Kopfplatte zu tragen. Sire bietet zwei grundsätzlich verschiedene Marcus Miller Modelle an - die M3 Serie, ein moderner viersaitiger Bass mit Mahagoni-Korpus und Humbucker-Tonabnehmern, und die V7 Serie, ein typischer Jazzbass, der als Vier- und Fünfsaiter in den klassischen Holzkombination Esche/Ahorn und Erle/Palisander erhältlich ist. Für unseren ersten Sire-Test haben wir uns den Marcus Miller typischen V7 4-Saiter mit Eschekorpus und Ahornhals und -griffbrett in Natur ausgesucht.

Details

Nachdem ich der Sire-Homepage einige Informationen entnehmen konnte und der deutsche Vertrieb, das Musikhaus Thomann, mir die Preise mitgeteilt hatte, war ich wirklich sehr gespannt auf meinen ersten Marcus Miller Testkandidaten. Die Bässe kosten nämlich, je nach Ausführung, lediglich zwischen 349,- Euro und 429,- Euro und rangieren damit in der oberen Budgetklasse, wie beispielsweise diverse Squier-Modelle. Allerdings sollen sie laut Sire qualitativ und soundmäßig mit Bässen konkurrieren, für die locker das Dreifache fällig werden. Rein optisch hält unser Testbass den vollmundigen Aussagen durchaus stand und ich bin wirklich beeindruckt von dem eleganten und durchaus hochwertig wirkenden Jazzbass, den ich aus dem Karton schäle. Sein Korpus hat eine Jazzbass-typische asymmetrische Form und ist aus relativ leichter Sumpfesche gefertigt. Unser Exemplar kommt in Natur und ist mit einem transparenten Polyesterlack überzogen. Erhältlich ist der V7 aber auch in Weiß, Schwarz und Sunburst, wobei die klassische Optik von einem schicken Pickguard in "Ivory Pearl" komplettiert wird, das wirklich hervorragend zu den weißen Pearl-Blockinlays des Griffbretts passt.

Apropos Griffbrett: Typisch für einen Esche-Jazzbass im Stil der 70er ist ein Griffbrett aus Ahorn, und so hat auch Sire für die V7-Modelle diese bewährte Kombination gewählt. Das Ahorngriffbrett ist auf den einteiligen, geschraubten Ahornhals geleimt und mitsamt dem Halsrücken transparent lackiert. Im Griffbrett sitzen 20 relativ schmale Bünde, wie man sie von Fender-Bässen mit Vintage-Bundierungen kennt. Bei der Kopfplatte haben die Sire-Designer ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und eine eigene Form entworfen, die aber durchaus zum klassischen Fender-Look des V7 passt und nach wie vor an den typischen Fender-Headstock erinnert. Sehr viel mehr Spielraum gibt es ohnehin nicht, wenn man nicht zu radikal sein will. Einzigartig ist allerdings der fette Schriftzug "Marcus Miller" auf der Kopfplatte, der deutlich macht, wer maßgeblich an der Entwicklung des Basses beteiligt war. Die Grundkonstruktion des V7 ist im Großen und Ganzen also nicht besonders spektakulär und orientiert sich, wie bei zahlreichen anderen Jazzbässen auch, am bewährten Vorbild.

In Sachen Hardware unterscheidet sich der Marcus Miller Bass allerdings schon eher von den zahlreichen Jazzbass-Clones auf dem Markt. Es finden sich nämlich kaum Teile anderer Hersteller, weil ein Großteil der Komponenten im eigenen Haus entwickelt und gefertigt wird. An der Kopfplatte sitzen vier offene Mechaniken im Vintage-Stil und Saitenniederhalter für die D- und die G-Saite. Die Brücke am Korpusende ist deutlich solider als ein Fender-Blechwinkel, die Saitenreiter sind quadratisch und groß und haben ordentlich Masse. Beim meinem Test-V7 sind die Saiten ab Werk ganz normal am Ende der Brücke eingehängt, man kann sie aber auch wahlweise von hinten durch den Korpus aufziehen. Eine solche "String-Trough-Body" Konstruktion erhöht den Druck der Saiten auf die Reiter und sorgt in der Regel für mehr Sustain und einen ebenmäßigeren Ton. Ansonsten bietet die Brücke die normalen Einstellmöglichkeiten für Saitenlage und Intonation, der Saitenabstand kann allerdings nicht justiert werden, man ist auf 20mm festgelegt.

Kommen wir nun aber zum Herzstück des brandneuen Sire Marcus Miller Basses, dem aufwändigen Preamp und den Tonabnehmern - beides ebenfalls von Sire in Eigenregie entwickelt und zusammen mit Marcus Miller angepasst. Bei günstigen Bässen bieten die Tonabnehmer und der eventuell vorhandene Preamp großes Sparpotential und dementsprechend trennt sich hier oft die Spreu vom Weizen. Man darf also gespannt sein, was der Marcus Miller Bass in dieser Sache zu bieten hat. Die Tonabnehmer heißen bei Sire "Marcus Super Jazz", es handelt sich dabei logischerweise um Jazzbass-typische Singlecoils, die im Abstand von 9 cm zueinander montiert wurden. Bei Jazzbässen mit den Spezifikationen der 70er Jahre (Esche-Korpus/Ahorn-Griffbrett) sitzt der Bridge-Pickup normalerweise einen Zentimeter weiter hinten, die Tonabnehmer haben also 10cm Abstand zueinander. Sire hat sich beim Esche-V7 trotzdem für das typische 60er Spacing entschieden, vermutlich zugunsten eines runderen und wärmeren Klanges.

Mit dem Preamp geht Sire in die Vollen, der Marcus Miller V7 kommt nämlich mit einem opulenten 18-Volt-Vorverstärker inklusive 3-Band-EQ und passiver Tonblende. Das Cockpit des Basses wirkt auf den ersten Blick ziemlich überfrachtet, denn auf der üblichen Poti-Platte sind fünf Regler und ein kleiner Schalter untergebracht. Der erste Regler ist ein Doppel-Poti, das für die Gesamtlautstärke zuständig ist und im unteren Teil als Tonblende fungiert. Die Tonblende arbeitet übrigens im aktiven wie auch im passiven Betrieb - ein tolles Feature, das längst nicht jeder Onboard-Preamp bietet. Darauf folgt ein Panoramaregler zum Überblenden der beiden Tonabnehmer und weitere drei Regler für den 3-Band-EQ. Den Regler für die Mitten gibt es wieder in Doppel-Poti-Ausführung. Mit dem unteren Teil wird die Einsatzfrequenz stufenlos zwischen 200Hz und 1kHz bestimmt, mit dem oberen die betreffende Frequenz schließlich um bis zu 14dB angehoben oder abgesenkt. Der Bassregler packt bei ultratiefen 20Hz zu und die Höhen werden bei 10kHz feinjustiert - der Equalizer bearbeitet damit ein super-breites Spektrum und bietet mit seinem variablen Mittenband eine sehr gezielte Kontrolle über den Sound. Aber es geht auch passiv: Der Preamp lässt sich auch ganz einfach ausschalten und der V7 spielt passiv, der Schalter hierfür parkt ebenfalls auf der Kontrollplatte zwischen Höhen- und Mittenregler. Die komplette Elektronik sitzt auf engstem Raum unter der Poti-Platte und macht einen aufgeräumten Eindruck, die Lötstellen sind ordentlich und alles ist stabil verschraubt. Für die zwei 9-Volt-Batterien ist hier logischerweise kein Platz, die sind in zwei getrennten Fächern mit Schnappverschluss auf der Rückseite des Basses untergebracht. So viel zuerst einmal zur Konstruktion und der Ausstattung des Jazzbasses aus der koreanischen Gitarrenschmiede, der vor allem im Hardwarebereich gemessen am Preis einiges zu bieten hat. Einen derart aufwändigen und flexiblen Preamp in einer 18-Volt-Ausführung für maximalen Headroom findet man ansonsten eher bei Boutique-Bässen mit dicken Preisschildern. Erwähnenswert ist auch die hohe Qualitätsanmutung und die gute Verarbeitung des kompletten Instruments. Angefangen bei der Holzkonstruktion über die Lackierung bis zu den Hardware-Komponenten kann ich beim Sire V7 keine Schlampereien finden und man hat durchaus das Gefühl, ein wesentlich kostspieligeres Instrument in den Händen zu halten.

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