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Korg KROME Test

Music Workstation

Werteorientierte Workstation

In Zeiten von computergestützten DAWs mit praktisch unbegrenzten Möglichkeiten ist die klassische Synth-Workstation fast eine Seltenheit geworden. Korg hält die Fahne hoch und hat dem Segment mit dem konkurrenzlosen (und gerade überarbeiteten) KRONOS neues Leben eingehaucht. Nun lassen die Japaner den KROME folgen. Trägt der kleine Bruder das KRONOS-Gen?

Während das teure Flaggschiff die oberen Zehntausend glücklich macht, richtet sich Korgs neuester Spross eher an den preisbewussten Käufer. Es handelt sich um eine recht bodenständige Workstation in der Tradition von Triton, M3 und M50 mit umfangreicher Soundbibliothek und Sequencer an Bord. Vom großen Bruder profitiert man unter anderem in Sachen Klaviersounds und Touch-Display. Bevor man also für den KRONOS eine Hypothek auf sein Haus aufnimmt, sollte man sich den KROME einmal genauer anschauen.

Details

Der Korg KROME ist eine klassisch designte Workstation. Sein Frontpanel und das Gehäuse sind komplett schwarz; die dezente graue Beschriftung ist auf das Nötigste beschränkt. Das Farbdisplay und ein spacig beleuchteter Pitchstick sind die Hingucker auf dem schlicht gestalteten Gehäuse. Ein Streifen aus gebürstetem Aluminium auf der Frontplatte gibt dem ansonsten aus Kunststoff gefertigten Instrument ein Gefühl von Wertigkeit. Beeindruckend sind die geringen Abmessungen und das Kampfgewicht des KROME, das bei der 61-Tasten-Variante bei gerade einmal 7 kg und selbst beim 88er-Modell bei nur knapp 15 kg liegt. Man kann sich das Instrument quasi unter den Arm klemmen und mit dem Fahrrad zum Gig fahren.

Die Tastatur des hier getesteten 61er-Modells ist leicht gewichtet und nicht aftertouchfähig. Leider muss ich hier einen ersten Minuspunkt vergeben: Die Tasten fühlen sich recht labberig und irgendwie billig an. Gerade beim Pianospiel hat man kaum eine Chance, die Klänge angemessen zu kontrollieren. Mit den guten Tastaturen der M3 oder des KRONOS kann die Klaviatur des KROME 61 leider nicht mithalten.

Links von der Tastatur befinden sich als Spielhilfen der bereits erwähnte Pitchstick und zwei belegbare Taster. Das Bedienfeld oberhalb der Tastatur wird ganz links vom Volumepoti und der Realtime-Control-Sektion mit vier Drehreglern und einem Auswahltaster eröffnet. Auf Schieberegler, weitere Potis oder gar einen Joystick wie beim KRONOS wurde verzichtet. Links vom zentralen Display befinden sich sechs Taster für die Funktionen Media, Global, Master FX, Total FX, Arp und Drum Track. Dazu später mehr.

Das Herzstück des Bedienpanels bildet das große, leicht eingelassene TouchView-Farbdisplay. Hierüber lassen sich viele Parameter durch Antippen direkt erreichen und editieren. Unterstützung bei der Navigation leisten das rechts vom Display angeordnete Value-Rad sowie die Exit- und Page-Taster. Es folgen ein Ziffernblock und drei Taster zur Anwahl der Betriebsarten Combination, Program und Sequencer. Ganz rechts liegen die Bankauswahl-Taster A-F sowie die Sequenzer-Steuerung. Schließlich gibt es noch ein Tempo-Drehpoti sowie einen dazugehörigen Tap-Tempo-Taster.

Das Anschlussfeld auf der Rückseite bietet einen Stereo-Out, MIDI In/Out und drei Pedalanschlüsse für Damper, Switch und Expression. Außerdem gibt es einen SD-Karten-Slot zur Datensicherung und zur Aufzeichnung von Sequencer-Daten und einen USB-Anschluss. Der Kopfhörerausgang befindet sich in Miniklinke-Ausführung ergonomisch günstig an der Vorderseite des Gerätes.

Klangerzeugung
Der Korg KROME kann in drei Modi betrieben werden. Im Program-Modus spielt man einzelne Sounds, im Combination-Modus lassen sich bis zu 16 dieser Sounds layern oder splitten und im Sequencer-Modus kann man MIDI-Daten aufnehmen. Einen Setlist-Modus für die Live-Situation, wie ihn der KRONOS bietet, gibt es beim KROME nicht.

Der Sound eines Programs setzt sich zusammen aus zwei Oszillatoren, die jeweils acht Multisamples beherbergen können. Es sind also theoretisch insgesamt bis zu 16 Layer pro Sound möglich, was allerdings in keinem der Preset-Programme voll ausgereizt wird. Spitzenreiter sind die akustischen und elektrischen Pianos mit jeweils 8 Velocity-Layern. Die 583 Multisamples, die als Klangbausteine zur Verfügung stehen, umfassen satte 4 GB. Der Großteil des Speichers geht dabei wohl für die langen Ausklingzeiten der Klaviersamples drauf.

Ansonsten gestaltet sich die Klangerzeugung gewohnt umfangreich und komfortabel. Pro Oszillator gibt es zwei Multimode-Filter (LP/HP/BP/NF), zwei LFOs sowie Hüllkurven für Filter und Amp. Eine zusätzliche Pitch-Hüllkurve beeinflusst beide Oszillatoren gleichzeitig. Die Modulationsmöglichkeiten sind vielseitig. Es gibt wenig, was nicht geht und dank des Touch-Displays geht alles leicht von der Hand. Für den Feinschliff stehen fünf Insert-Effekte und zwei Master- bzw. ein Total-Effekt zur Verfügung. Diese Slots können mit einer Auswahl aus 193 Effekttypen bestückt werden. Zusätzlich besitzt die Effektsektion einen eigenen LFO, mit dem etwa Modulationseffekte miteinander synchronisiert werden können.

Im Combination-Modus, wie bei Korg traditionell der Multimode heißt, lassen sich bis zu 16 einzelne Programs miteinander verbinden. So lassen sich komplexe Layer-Sounds und vielseitige Tastatur-Splits (oder eine beliebige Kombination davon) kreieren. Auch eine Einbindung externer Klangerzeuger kann hier realisiert werden. Praktischerweise lassen sich die ausgewählten Programs über die „Tone Adjust“-Funktion auch innerhalb der Combination editieren. Möchte man etwa den Filter-Attack eines Flächensounds verzögern, so braucht die Änderung nicht am eigentlichen Program vorgenommen zu werden, sondern kann direkt innerhalb der Combination realisiert werden. Sehr praktisch! Effektseitig werden auch hier fünf Inserts und drei Master-Effekte angeboten. Die Effekte werden übrigens nicht automatisch aus den Programs übernommen (wie etwa beim KRONOS), sondern müssen per Hand hineinkopiert werden.

Sequencer und Arpeggiator
Der Sequencer bietet 16 Spuren und insgesamt 128 Song-Speicherplätze, wobei die Sequencer-Daten grundsätzlich nicht intern, sondern nur auf einer SD-Karte gespeichert werden können. Auch hier gibt es eine „Tone-Adjust“-Funktion. Die aufgenommenen MIDI-Daten lassen sich auf verschiedene Weisen bearbeiten. Dank des Touch-Displays ist das Verschieben, Löschen oder Kopieren von einzelnen Noten tatsächlich im Bereich des Machbaren. Bei anderen Synthesizern mit Minidisplay würde ich mir das eher nicht antun. So komfortabel wie in einer DAW-Software auf dem Rechner ist es aber natürlich nicht. Um schnell mal ein paar Ideen festzuhalten, taugt der Sequencer des KROME dennoch. Dafür sorgen vor allem zwei Funktionen: Zum Einen das Auto-Song-Setup, das ein Program quasi ohne Umwege im Sequencer bereitstellt. Zum Anderen die Loop-Funktion, mit der man einzelne Spuren mit frei wählbarer Taktanzahl loopen kann.

Der Arpeggiator bietet neben den fünf Basics Up, Down, Alt 1, Alt 2 und Random 899 weitere Patterns, unter denen auch instrumentenspezifische Licks sind – beispielsweise eine „gestrummte“ Gitarre oder ein Pop-Schlagzeugbeat. In den Combination- und Sequencer-Modi gibt es sogar einen zweiten, unabhängigen Arpeggiator.

Hinter der DrumTrack-Funktion verbirgt sich eine Spielhilfe, die – egal ob Program, Combination oder Sequencer – einen Drumgroove liefert. Diese Schlagzeugspur kann über einen eigenen Taster direkt ein- und ausgeschaltet werden und als Metronomersatz, Jampartner oder Inspirationsquelle beim Komponieren genutzt werden. Es stehen dabei über 600 verschiedene Drumpatterns zur Verfügung.

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