Gitarre 2012_Jahresrueckblick
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Kemper Profiling Amplifier Test

Profiling Amp

S-AMP-LER

Auf der Winter Namm 2011 sorgte eine bis dato unbekannte deutsche Firma mit einem innovativen neuen Ampkonzept für Aufsehen. Die Firma heißt Kemper, das Produkt Profiling Amp. Doch obwohl die Marke noch relativ neu am Markt ist, verbirgt sich hinter ihr ein alter Hase, der bisher nur noch nicht im Gitarrenbusiness tätig war: Christoph Kemper.

Keyboarder hingegen werden beim Namen Christoph Kemper sicher hellhörig, schließlich hat seine im Ruhrpott angesiedelte Ideenschmiede die beliebten Access Virus Synthesizer hervorgebracht, die von Keyboardern auf der ganzen Welt wegen ihrer erstklassigen Qualität und ihrer innovativen Sounds geschätzt werden. Jetzt sollen Gitarristen mit dem neu entwickelten Profiling Amplifier von den langjährigen Erfahrungen des Teams profitieren. Nachdem man bereits im Laufe des letzten Jahres die Gerüchteküche mit News-Meldungen und Videoclips am Kochen hielt, hat der Amp jetzt endlich Serienreife erlangt und ist für jedermann erhältlich.

Was ein Profiling Amp genau ist und was man alles damit anstellen kann, das erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

DETAILS

Profiling

Profiler, das klingt spannend und sehr verdächtig nach US-Krimi, und spannend ist der brandneue Schuss aus dem Ruhrgebiet definitiv. Nüchtern formuliert kann man das dem Ganzen zugrundeliegende Konzept lapidar als digitalen Amp-Sampler bezeichnen. Allerdings geht der KPA im Vergleich zu den heute erhältlichen Modeling-Amps und Effektgeräten noch eine Ecke weiter. Hier kann der Gitarrist nämlich selbst Hand anlegen und sein Setup klangtechnisch analysieren und im Amp speichern – es also „profilen“ und bei Bedarf mit weiteren internen Bearbeitungsmöglichkeiten verfeinern. Laut Hersteller erlaubt die Profiling-Technologie eine sehr präzise Nachbildung der entsprechenden Signalkette, bestehend aus Effektpedalen, Verstärker, Lautsprecherbox und Abnahmemikrofon.

Schauen wir uns aber zunächst einmal die Bedienoberfläche unseres Testkandidaten an. 

Gehäuse/Optik

Der KPA kommt in einem grünen Metallgehäuse und hat auf den ersten Blick eigentlich nichts, was an einen klassischen Gitarrenamp erinnert. Für die einen sieht er aus wie ein altes Radio in futuristischem Design, für andere wie ein Apparat aus der Intensivstation. Sei’s drum: Auf jeden Fall hat es Style. Die traditionellen Gitarristen werden vielleicht eine gewisse optische Eingewöhnungsphase benötigen, mir persönlich gefällt das Outfit, denn es ist ein klares eigenwilliges Statement. Vor allem sind die Bauteile von guter Qualität, wir bekommen es hier nicht mit dem typischen „Plastik-Fernost-Look“ zu tun. Der Amp (made in Germany) macht einen stabilen und verarbeitungsseitig sehr guten Eindruck.

Auf der Frontseite des KPA befinden sich alle Regelmöglichkeiten, übersichtlich in zwei Hälften aufgeteilt und mit einem 120 x 35 mm großen Display im unteren mittleren Bereich. Der Amp steht rutschfest auf vier großen Gummifüßen und lässt sich mit dem oben angebrachten Tragegurt recht bequem bewegen – bei gerade einmal 5,1 Kilo auch keine große Sache. Mit den Abmessungen 395 x 215 x 165 mm (B x H x T) ist er zudem kleiner als die meisten Amp-Topteile. Die Rückseite ist üppig bestückt mit diversen Anschlussmöglichkeiten, auf die ich gleich noch genauer eingehen werde.

 

Bedienfeld/Bedienung

Die Frontseite ist vollgepackt mit Reglern, Tastern und einem Display, auf dem die diversen Einstellmöglichkeiten angezeigt werden. Das Ganze wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas unübersichtlich, beschäftigt man sich aber etwas intensiver mit dem Thema, erschließen sich das klare Konzept und der absolut logische Aufbau.

In der oberen Hälfte des Paneels wird die Signalkette dargestellt, die sich in drei Blöcke aufteilt: Stomps, Stack und Effects. Im Abschnitt Stomps hat man die Möglichkeit, vier „Bodentreter“ vor den Amp (Stack) zu schalten, die unter den Bezeichnungen A, B, C, D abgespeichert sind. Durch kurzes Drücken der jeweiligen Taste werden die Effekte aktiviert. Möchte man die Sounds verändern oder einen anderen Effekt anwählen, muss die entsprechende Taste etwas länger gedrückt werden. Im Display erscheinen automatisch die Effekteinstellungen, die dann mit den vier Reglern darunter angepasst werden können. Für die Anwahl eines neuen Effekts ist die rechte Taste über dem Display (Browse) zuständig, das eine Liste bereithält, aus der man sich mithilfe des Browse-Reglers bedienen kann. Das Ganze funktioniert intuitiv und absolut schmerzfrei, im Zeitalter von Smartphones ist das ohne großes Studium der Bedienungsanleitung machbar.

Dieses Bedienkonzept bleibt natürlich für alle anderen Blöcke gleich: Taster auf der oberen Hälfte kurz drücken = ein-/ausschalten. Taster länger drücken = editieren. Im zweiten Block (Stack) dreht sich alles um die unterschiedlichen Einstellungen von Amplifier, EQ und Cabinet. Was dort alles möglich ist, werden wir im Praxisteil noch genauer untersuchen.

Im dritten Block warten die Modulations- und Raumeffekte, die mit X, MOD, DELAY und REVERB vertreten sind. Unter X und MOD kann die Auswahl von Stompboxen auch hinter den Amp geschaltet werden. DELAY und REVERB sind mit diversen Hall- und Echo-Effekten bestückt. Für den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Effektparameter von MOD, DELAY und REVERB hat der Hersteller noch sechs separate Regler spendiert, je zwei pro Effekt:

 

MOD - Rate und Intensity

DELAY - Feedback und Mix

REVERB - Time und Mix

 

Vor allem durch die On/Off-Taster der Effekte und die separaten Regler lassen sich die Sounds sehr schnell und übersichtlich modifizieren, ohne dass man sich in Menüs auf dem Display verliert. Sehr gut durchdacht!

Rückseite

Während sich die Eingangsbuchse (Input) und der Kopfhöreranschluss (Headphone) praktischerweise auf der Vorderseite befinden, ist der Rest der Anschlussmöglichkeiten des Amps auf der Rückseite untergebracht. Hier gibt es vier Master-Outputs zum Anschluss an ein Mischpult, zwei Klinken- (L, R) und zwei XLR-Buchsen (ebenfalls L, R). Gegen Brummprobleme ist ein Ground Lift-Schalter an Bord und für das Bühnenmonitoring hat der Hersteller dem KPA einen externen Ausgang (Monitor Output) spendiert. Man kann hier wahlweise auch eine Endstufe und Gitarrenbox anschließen und die Speaker-Simulation nur für diesen Ausgang deaktivieren. Der Saalmischer erhält dann das Master-Out-Signal mit Speakersimulation, während der Gitarrist sich auf der Bühne (in Kombination mit einer separaten Endstufe) von seiner 4x12 Box trockenföhnen lassen kann. Auch das ist also sehr praxisnah konzipiert.

Dann wäre da noch ein Effektweg, über dessen Send- und Return-Buchsen sich externe Effekte ins Spiel bringen lassen. Dabei kann der Return Mono und Stereo benutzt werden. Beim Stereobetrieb nimmt man für das zweite Signal aus dem Effektgerät die alternative Input-Buchse hinzu. Diese kann auch als Eingang für das Profiling genutzt werden. Monitor Out, Send und Return haben jeweils eine eigene Ground-Lift-Schaltung, womit auch Brummschleifen durch extern angeschlossene Geräte passé wären.

In der unteren Reihe der Rückseite parken außerdem ein Digital Ein- und Ausgang (S/PDIF), MIDI In, Out und THRU sowie zwei USB-Anschlüsse, um Updates und Sounds in den KPA zuladen. Über zwei Klinkenbuchsen können Fußschalter angeschlossen werden, die dann zugewiesene Funktionen steuern. Weiterhin gibt es einen Netzwerkanschluss, der im Handbuch nicht näher beschrieben wird - ich vermute, dass man hier in naher Zukunft einen Fußschalter anschließen kann.

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