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Gemini CDMP-7000 Test

DJ-Workstation

Space Shuttle zum Sparkurs?

Mit dem CDMP-7000 hat Gemini auf der NAMM-Show im Frühjahr 2012 für Aufsehen gesorgt. Schlappe 1150 € UVP verlangt der US-Hersteller für seine vollausgestattete DJ-Workstation, deren Feature-Liste aufhorchen lässt. Das Gerät verfügt über zwei separate Laufwerke mit großen Jogwheels und einen vollwertigen Dreikanal-DJ-Mixer. Es spielt Musik von CD, USB-Medien oder SD-Karten ab. Auch in Sachen Dateiformate gibt sich das Multitalent flexibel und kommt mit MP3-, AAC-, WAV- und AIFF-Files bestens zurecht. Zwei Touchscreens sollen für Bedienkomfort und den nötigen Überblick während der Performance sorgen.

Als vollwertiger Mischer bietet unser Proband zudem alternative Eingangsquellen an und kann mit Phono-Signalen, einem Mikrofon oder mit einem digitalen USB-Signal befeuert werden. Obendrein ist die Konsole zum MIDI-Protokoll kompatibel und hat zwei Effektabteilungen für kreative Naturen im Gepäck. Keine Frage, ein derart stattlicher Funktionsumfang kostet bei den meisten Konkurrenten einiges mehr. Spontan fällt mir da ein „Pionier“ auf dem DJ-Sektor ein, der zumindest optisch nicht zu verleugnende Parallelen aufweist. Die Kernfrage lautet jedoch: Wie ist es um die Qualität und Anwenderfreundlichkeit des CDMP-7000 bestellt? Wenn hier die Daumen nach oben zeigen, dann hat Geminis Workstation das Potential zum absoluten Geheimtipp für alle zu werden, die trotz begrenztem Budget auf professionelle Features nicht verzichten möchten. 

Details

In dem mächtigen, bunt bedruckten Karton finde ich zu meinem Erstaunen nur wenig Gegenstände, und zwar die eigentliche Workstation, zwei Cinch-Strippen, ein Netzkabel zur Spannungsversorgung sowie eine deutschsprachige Anleitung. Diese ist umfangreich, in ihren Ausführungen leicht verständlich und beinhaltet viele Abbildungen, sodass ein schneller Einstieg gewährleistet ist. Mit einem Kampfgewicht von fast acht Kilogramm und stattlichen Maßen von 730 x 110 x 320 Millimetern (B x H x T) macht der CDMP-7000 einen ziemlich massiven Eindruck, den der komplett aus Metall gefertigte Unterbau und das stabile Kunststoff-Chassis untermauern. Besonders positiv fallen mir adhoc die Jogwheels ins Auge, denn diese sind mit fast sechs Zoll Durchmesser ziemlich groß und verfügen außerdem über eine sehr gute Aufhängung. Auch die Fader des zentralen Mixers fühlen sich hochwertig an. Sämtliche Tasten und Drehregler des Gerätes sind griffig und wurden stabil im Gehäuse verbaut. Einzig die etwas wackeligen Track-Select-Drehknöpfe fallen hier aus dem Rahmen. Eine durchgehend gute Figur hingegen machen die Anschlussbuchsen am Front- und Backpanel. Zwar sind sie nicht vergoldet, aber die Qualität stimmt unterm Strich. Ich kann bis hierher festhalten, dass der CDMP-7000 ein robustes, sauber verarbeitetes Tool ist, bei dem es in Sachen Material- und Verarbeitungsqualität kaum etwas zu beanstanden gibt.

Anschlüsse

Am Backpanel befindet sich links der Einschaltknopf, gleich neben der Netzkabelaufnahme. Sechs analoge Ausgänge sind ebenso auf der Rückseite zuhause. Da wäre zunächst der symmetrische Master zu nennen, welcher in Form von zwei XLR-Buchsen bereitsteht. Das gleiche Signal lässt sich ferner noch einmal via Stereo-Cinch abgreifen. Zum Monitoring kann der Booth-Out genutzt werden. Der Record-Ausgang bietet sich zur Aufnahme an. Beide CD-Player können auch ohne den integrierten Mixer genutzt werden. Zu diesem Zweck stehen deren Signale zusätzlich an den Stereo-Cinch-Ausgängen CD1 und CD2 bereit sowie in digitaler Form an den S/PDIF-Anschlüssen Digital CD1 und Digital CD2.

Dazu gesellen sich fünf analoge Inputs (4x stereo und 1x mono). Geräte mit Line-Pegel werden an Aux1, Aux2 oder den beiden Kombi-Eingängen Line1/Phono1 sowie Line2/Phono2 angeschlossen. Letztgenannte lassen sich per Umschalter mit Plattenspielern nutzen. Zur Befestigung der Erdungskabel ist eine große Schraube verbaut. Mit Ausnahme von Aux2, welcher in Form einer dreieinhalb Millimeter großen Klinkenbuchse vorliegt, handelt es sich bei allen analogen Stereo-Inputs um Cinch-Buchsen.

Zum Anschluss eines Mikrofons dient eine XLR-Klinken-Kombi. Dieser Eingang steht zusätzlich am Frontpanel als 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse bereit. Die USB-Buchse Typ-B ist dazu gedacht, den CDPM-7000 an den Rechner anzuschließen, als Audiointerface zu nutzen und die MIDI-Kommunikation zwischen Software und der Gemini-Workstation sicherzustellen. Auf der Arbeitsoberfläche sind die Einschübe für Wechselspeicher beheimatet. Gemini spendiert gleich zwei Kopfhörerausgänge, die sich an der Vorderseite des Gerätes befinden – standesgemäß als kleine und große Klinkenbuchse ausgeführt.

Features

Der Gemini CDPM-7000 ist eine DJ-Workstation mit zwei Slot-in Multimedia-Playern, einem vollwertigen Dreikanal-Mixer und zusätzlichem USB-Audiointerface nebst MIDI-Schnittstelle. Die beiden Laufwerke spielen Audio- und Daten-CDs mit den Dateiformaten WAV, MP3, AAC und AIFF ab. In Gang kommen sie durch die gewohnte Play/Pause/Cue-Kombination, deren Tasten erfreulich groß ausgefallen und durch LED-Kränze beleuchtet sind. Die ebenfalls üppigen Jogwheels haben einen Außendurchmesser von 16,5 Zentimetern sowie eine Griffoberfläche von 14 Zentimetern im Durchmesser. In der Mitte des Tellers ist ein kreisrundes Display montiert, wo ein blauer, rotierender Zeiger eine auf 33,3 rpm laufende Schallplatte simuliert, während eine rote Anzeige den zugewiesenen Cue-Punkt oder im Slip-Modus die normale Playback-Position darstellt. Ein weißer Ring in der Mitte leuchtet auf, wenn das Jogwheel im Vinyl-Modus berührt wird. Der griffige Rand besteht aus Gummi, während die berührungsempfindliche Oberseite aus Metall gefertigt wurde. „Jog Adjust“ dient zum stufenlosen Justieren des Bewegungswiderstandes.

Anhand zweier Search-Buttons können bestimmte Song-Positionen angefahren und Cue-Punkte auf den Frame genau korrigiert werden. Zum Skippen durch Titellisten hingegen dienen die Tasten „Track Search“. Möchte ich die Abspielrichtung umkehren, ist der Reverse-Button zu betätigen. Zusätzlich wurden die Player mit je drei Hotcues bestückt. Durch Betätigen von „Memo“ lassen sich vorhandene Markierungen wieder löschen. „Loop In“ definiert den Startpunkt einer Wiederholschleife, „Loop Out/Adjust“ den Endpunkt des Loops, dessen Länge im Nachhinein mit dem Jogwheel verändert werden kann. Um eine Schleife zu verlassen oder erneut hineinzuspringen, betätigt man „Reloop/Exit“.

Effekte

Beide Laufwerke sind außerdem mit je einer Effektabteilung ausgestattet. Hier stehen Filter, Flanger, Echo, Wah Wah, Trance und Bubble zur Auswahl. Drei Tasten selektieren den Klangverwurster, wobei die Effekte eins bis drei im Pitch-Bend-Modus und die Übrigen (drei bis sechs) im Vinyl-Playback-Modus abrufbar sind. Bei der ersten Gruppe aktiviert das Jogwheel meine Auswahl und dirigiert die Parameter, welche bei der zweiten Gruppe einen fixen Wert besitzen und mittels „Hold“ aktiviert werden. Bei der ersten Gruppe fixiert diese Taste den Effektparameter. Der Dry/Wet-Drehregler bestimmt das Verhältnis zwischen Direkt- und Effektsignal.

 

Zwischen den beiden Playback-Modi „Vinyl“ und „Pitch Bend“ schalte ich mit der Vinyl-Taste um. Zwei Drehregler, treffend bezeichnet mit Start- und Stop-Time, ermöglichen eine stufenlose Regelung der Anlauf- und Bremszeit eines Musikstückes. „Master Tempo" sorgt hingegen für eine gleichbleibende Tonhöhe der Songs bei verändertem Pitch, der über einen 110 Millimeter langen Fader mit Mittenrastung angepasst wird. Der Regelbereich (+/-4, +/-8, +/-16, +/-24, +/-50 und +/-100 Prozent) kann mit der Range-Taste oder über den Touchscreen umgeschaltet werden. 

Audiodateien

... dürfen auch über den USB-Anschluss oder SD-Karten-Slot in den Player gelangen. Mögliche Medien sind USB-Festplatten oder Flashdrives sowie SD(HC)-Karten. Diese müssen im Format FAT, FAT32, HFS+ oder NTFS formatiert sein, um vom Player erkannt zu werden. Woher die Laufwerke ihre Musikdateien beziehen, das bestimmen die Buttons CD, USB und SD. Unterhalb dieser Knöpfe wurde die MIDI-Taste platziert, welche die Player in Controller für Software-Decks verwandelt.

Oberhalb der Jogwheels sind die farbigen Touchscreens platziert. Sie haben eine Größe von 55 x 70 Millimetern und präsentieren unter anderem Titelnummern und die Abspielzeit in Minuten, Sekunden und Frames. Die Position innerhalb eines Songs ist als übergeordneter Balken dargestellt. Außerdem wird angezeigt, ob Auto Cue angeschaltet wurde und welcher Zeitmodus (Remain/Elapsed) aktiv ist. Weitere dargestellte Werte sind BPM (ohne Nachkommastellen), Master Tempo (aktiv/inaktiv), Temporange und Pitch (mit zwei Nachkommastellen). Ferner sind die ID3-Tags Interpret, Song, Bitrate und Genre ablesbar. Ein weiterer Teil des Displays zeigt einen Ausschnitt des Titels (3,2 oder 6,5 oder 12 Sekunden) als rote Wellenform an. Außerdem werden Loops innerhalb der Wellenform in Gelb visualisiert. Darüber ist ein weißer Balken dargestellt, der dazu dient, Effektparameter per Touchscreen zu steuern.

Im unteren Teil der Anzeige ist der Library-Browser zu sehen. Dieser zeigt Tracks und Ordner an, die per Touchscreen (optional abschaltbar) ausgewählt werden können. Gleich neben dem Display findet sich das Select-Drehrad ein, welches ebenfalls zum Durchsuchen von Ordnern oder Songlisten herhalten kann. Durch Herunterdrücken öffne ich Verzeichnisse oder Musikdateien werden in den Player geladen. Der Back-Button dient zum Zurückspringen innerhalb der Ordnerstruktur. Außerdem kann der Select-Knopf den Kontrast des Displays stufenlos verändern. Insgesamt bietet der CDMP-7000 vier verschiedene BPM-Modi an. ID3, Manual und Auto kann ich mit dem BPM-Button anwählen. Der BPM-Lock-Modus lässt sich hingegen durch zusätzliches Drücken von „Lock“ aktivieren. Hierbei wird der Pitch des Songs per Select-Drehrad eingegeben. Drücke ich auf „Auto Cue/Time“, wird die „Luft“ am Anfang eines Songs bis zum ersten Cue-Punkt weggelassen. Weiter geht’s mit dem Mixer.

Mixer

Via Kippschalter stehen jedem Kanal drei Input-Quellen zur Auswahl:

  • Kanal 1: Aux1, USB-Input, Aux2 
  • Kanal 2: Player1, PC-Input, Line1/Phono2 
  • Kanal 3: Player2, PC-Input, Line2/Phono2

 

Sämtliche Kanäle sind mit Gain-Reglern, mittengerasterten Dreiband-Equalizern und einer zehnschrittigen Mono-LED-Pegelanzeige ausgestattet. Die Fader weisen einen Regelweg von 47 Millimetern auf. Der Crossfader wurde zusätzlich mit einer Schnellwechselvorrichtung bestückt. Drei Schalter dirigieren Fadercurve, Reverse und die Faderstart-Funktion des Crossfaders. Die komplette Mikrofon-Sektion des Mixers wurde auf das Frontpanel ausgelagert, wo der Level-Regler zugleich Gain und Lautstärke justiert, während sich der Klang mit einem Zweiband-EQ angleichen lässt. Ein Dreifach-Switch schaltet das Mikrofonsignal ein oder aus und aktiviert den Talkover. Hier ist auch der Booth-Regler zu finden.

Die Cue-Quellen werden mit separaten Drucktasten auf der Arbeitsoberfläche ausgewählt. „Cue/PGM“ blendet stufenlos zwischen Master und Vorhöre hin und her. Neben dem herkömmlichen Stereo-Monitoring ist ein Mono-Split-Cueing möglich. Dann ist der Master rechts zu hören, während das Preview links erklingt. Die Gesamtlautstärke wird mit dem Cue-Volume-Regler für beide Kopfhörerbuchsen simultan eingestellt.

Als Controller eingesetzt, kann der CDPM-7000 neben MIDI auch mit dem schnelleren HID-Protokoll arbeiten. Wer das Gerät zusätzlich als Audiointerface nutzten möchte, kann folgende Konfigurationen vornehmen:

  • 24 Bit/192 kHz 
  • 24 Bit/96 kHz 
  • 24 Bit/48 kHz 
  • 16 Bit/44,1 kHz

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