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10.10.2012
Test

Tascam DR-05 Test

Mobiler Digitalrecorder

Mehr als nur Atmoaufnahme

Der Kauf mobiler Digitalrecorder ist mittlerweile so kompliziert, wie die Anschaffung eines neuen Fernsehers oder sogar Autos oder eine neue Versicherung abschließen zu müssen – es gilt, so vieles zu beachten und auszuwählen. Ein bisschen überschaubarer wird es, wenn man sowieso nicht viel Geld ausgeben kann oder will. Für wen Smartphone-Zusatzgeräte keine zufriedenstellende Lösung sind, der bekommt ab etwa einhundert Euro Stereo-Digitalrecorder in Standard-Ausstattung.

Ob Tascams DR-05 zu mehr taugt, als das alte Diktiergerät zu beerben, möchte ich mit einem Test herausfinden. So alleine auf dem Papier macht es sich für seine 120 Euro Straßenpreis schon ganz ordentlich, ist es doch etwa mit der Möglichkeit ausgestattet, 24 Bit bei 96 kHz aufzuzeichnen – bei Bedarf aber natürlich auch direkt als MP3 zu komprimieren. Als Besonderheit kann angesehen werden, dass der Recorder mit Druckempfängern arbeitet. Uuups, da bin ich ja schon mittendrin in der Detailbeschreibung.

Details

Allzu schnell ist auch ein Digitalrecorder der untersten Preiskategorie, wie der DR-05 von Tascam einer ist, nicht beschrieben. Deswegen alles schön der Reihe nach und mit dem Offensichtlichsten beginnen: Das Gerät ist recht schmal und flach (141 x 61 x 26 mm) und wiegt mit 116 Gramm weniger als ein gut belegtes Butterbrot. Zum geringen Gewicht trägt vor allem die Tatsache bei, dass das Gehäuse aus Kunststoff ist. Ein Sturz auf den harten Fußboden kann also schon das Aus für die weitere Arbeit mit dem Gerät bedeuten, das sollte man wissen.    

Oben ragen mit 90° Öffnungswinkel im Abstand von nur etwa fünf Zentimetern zwei Kleinmembrankapseln aus dem Gehäuse. Als ich das erste Mal ein Produktfoto des DR-05 gesehen habe, habe ich an eine dieser Quasi-XY-Anordnungen gedacht, die ja strenggenommen genau auf einem Punkt über Kreuz liegen müssten. Dieser Tascam-Recorder verwendet aber Druckempfänger, also "echte" Kugeln. Das hat einige Auswirkungen auf den Sound und die Wirkung der Aufnahmen, also auch auf die Einsetzbarkeit. Bei einer winzigen Basis eines AB-Mikrofonarrays, wie es hier fest eingebaut ist, wird man eine enorme Breite der "Bühne" erhalten, zudem eine gute, tiefe Raumabbildung. Das ist vor allem für Atmo-Aufnahmen eine tolle Sache, denn der Klang wird einen geradezu „einlullen“. Außerdem ist die Aufzeichnung von tiefen Frequenzen mit Druckempfängern oft hervorragend und der Sound ganz allgemein sehr natürlich. Eine Medaille hat ja bekanntlich auch eine Rückseite, auf welcher in diesem Fall geschrieben steht: "geringe Trennschärfe, schwammige Positionen, indirekter Klang". Will man also in lauter Umgebung ein Interview führen, kann es lustig werden, denn Kugelmikrofone nehmen tendenziell aus jeder Richtung auf, sodass auch ein naher Sprecher eben nur einen Teil zum Gesamtpegel beisteuert – anders als bei richtenden Mikrofonen wie Achten, Nieren oder gar Super-, Hypernieren oder Keulen. Im Höhenbereich sind aber auch die im DR-05 verbauten Mikrofone wiederum leicht richtend, was die für ein AB eher ungewöhnliche Schrägstellung der Kapseln rechtfertigt. Will man ab und zu mal eben doch stark richtende Mikrofone oder Anstecker verwenden, lädt die mittig auf der Kopfseite beheimatete Stereo-Miniklinkenbuchse dazu ein, die sogar eine 3,5V-Spannungsversorgung ermöglicht.

Ist man vielleicht mal etwas dusselig und hat beim Streifzug in die Natur oder die Urbanität den Kopfhörer für die linksseitige Headphone-/Line-Out-Buchse zuhause vergessen, kann man zumindest eine kleine Überprüfung des Aufgenommenen mit dem rückseitigen Mini-Lautsprecher bewerkstelligen. Auf der Rückseite befindet sich außer diesem und dem Batteriefach für zwei handelsübliche AA-Batterien oder Nickel-Metallhybrid-Akkus entsprechenden Formats nichts, an der linken Flanke nur der Hold-Schieber, rechts der Kartenslot für eine maximal 32 GB fassende microSD- oder microSDHC-Karten und der USB-Anschluss zur alternativen Spannungsversorgung und zum Datentransfer mit Windows- oder OS-X-Rechnern. So gut wie alles, was es einzustellen gibt, spielt sich also auf der Frontplatte ab – und das ist gut so! Links- wie Rechtshänder werden den DR-05 mit dem Daumen der Hand bedienen können, die den Recorder hält. Die Record-Taste muss hier sicher nicht in ihrer Funktion beschrieben werden, der linke Nachbar schaltet das Gerät bei langem Druck ein oder aus, bei kurzer Betätigung wird in Richtung Home-Screen zurücknavigiert, sofern man sich in einem Untermenü befindet. Das Tastenkonglomerat im unteren Drittel des Gerätes ist weitestgehend selbsterklärend – und falls nicht, etwa im Falle des Record-Levels, hat das  Display sofort eine kleine, verständliche Erklärung parat. Neben Markierungspunkten (die in der deutschen Handbuchübersetzung "Marken" heißen… hihi) und dem üblichen Standardmenü lassen sich auch das abgespeckte und aufgeräumte "Quick Menu" sowie "PB Cont" aufrufen, welches verschiedene, eher rudimentäre Übungsfunktionen bereithält.

Tascam hat seine Programmierer offenbar nicht insgesamt dazu aufgerufen, viele Funktionen einzusparen, damit die Interessenten möglichst ein teureres Gerät kaufen. So findet man das immer wichtige Hochpassfilter, welches bei 40, 80 oder 120 Hz seine Eckfrequenz haben kann, die Möglichkeit, Folder anzulegen, eine Pre-Record-Funktion, um nicht Entscheidendes zu verpassen, und sogar einen kleinen Tuner. Das Display begnügt sich dabei immer mit den wesentlichen Anzeigen, man erfährt immer auf einen Blick, was gerade los ist.

Hier habe ich noch eine kleine Postkarte aus dem Zahlenland: Der Frequenzgang wird bei 96 kHz Samplerate mit 20 Hz - 40 kHz bei +1/-3 dB Toleranz angegeben, aber ohne grafischen Frequenzgang – und nur für den Line-Eingang. Dass es ein wenig wackelig zugehen wird, steht außer Frage, nicht umsonst kann man für ein Druckempfängerpärchen alleine schon viele tausend Euro ausgeben – und das dann auch wirklich hören. Aber ich möchte mich nicht beklagen, außerdem sind 0,05% THD und ein Fremdspannungsabstand von 92 dB absolut ok – schließlich reden wir hier von einem Gerät der 100-Euro-Klasse!

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