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RME Fireface UCX Test

USB/Firewire-Audiointerface

State of the Art

 

Mit dem neuen Fireface UCX präsentiert RME ein weiteres ultra-portables Audiointerface, welches nicht nur auf Grund seiner Namensgebung die Neukombination bestehenden Know-Hows erkennen lässt. 

Doch bevor man sich nun das RME-Blaue vom Himmel zusammenreimt, werden wir genau ergründen, was den jüngsten Spross von seinen Geschwistern BabyfaceFireface UC und Fireface UFX nun im Detail unterscheidet. Da wir die restliche Sippe bereits vollzählig unter dem Bonedoskop hatten, möchte ich explizit auf unsere älteren Tests verweisen, die ihr auch in der Fußzeile dieses Tests seht. Nun aber auf zu neuen Ufern!

DETAILS

Das Fireface UCX ist ein sehr kompaktes 36-Kanal-Audiointerface, welches mit 9,5” Breite einer Höheneinheit und 1,2 kg Gewicht absolut transporttauglich ist. Es kann sowohl über Firewire 400 als auch über USB 2.0 (kompatibel zu USB 3.0) angeschlossen werden, was sich „Hybrid“ nennt. Auch ein Anschluss an Firewire 800 ist mittels entsprechender Adapter möglich, soll uns hier aber nicht weiter interessieren. Beide Anschlussmöglichkeiten bot in RMEs Portfolio bisher nur das viel größere und teurere UFX. Produktstrategisch direkt über dem UCX positioniert, bietet das Flaggschiff aber entsprechend auch mehr I/Os und Preamps.

Optisch erinnert der vertraute, blau/graue Alu-Look des Fireface UCX hingegen stark an die Vorgänger Fireface 400 und Fireface UC. Was die Audio-Anschlüsse anbelangt, orientiert es sich sogar zu 100% an diesen. Die beiden untereinander prinzipiell ähnlichen Exemplare boten aber eben entweder nur Firewire oder USB 2.0. Die ohnehin hervorragend linearen Wandler wurden beim UCX – messtechnisch nachweisbar – weiter aufgewertet. Die grundsätzliche Ursache des Preisunterschieds zu Fireface 400 und UC liegt aber vor allem in dem komplexeren DSP-Feature begründet, welches mit dem des UFX identisch ist. Die neue Chipstruktur bei UCX und UFX soll außerdem in der Performance weiter verbessert worden sein. Soviel zu den groben Unterschieden.

Das X im Namen UCX legt eine direkte Verwandtschaft zum Flaggschiff UFX nahe und steht symbolisch für das FX in TotalMix FX und meint die Möglichkeit, zusätzlich zum DSP-Mixing auch Effekte intern im Interface berechnen und anwenden zu können. Zu diesen zählen in jedem (!) Kanal im Insert-Bereich ein EQ nebst Low-Cut und ein Compressor. Zudem gibt es eine Echo/Reverb-Kombination, die von allen Kanäle über die Sends erreicht werden kann. Bei höheren Samplerates stehen etwas weniger Effekt-Instanzen zur Verfügung, aber das ist durchaus zu verschmerzen.

Für alle Fireface-Interfaces gilt: Da der DSP-Mixer TotalMix alles intern und auf speziellen DSPs berechnet, ist das Ganze absolut unabhängig vom jeweiligen Host-Rechner und damit praktisch latenzfrei. Hinzu kommen umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten hinsichtlich Stereogruppierungen, Phase-Switches, M/S-Matrizen und ausführliche Signalinformationen. Das Fundament für einen guten Monitor-Mix wäre damit vorhanden. 

Da man mit TotalMix auch alle Eingänge auf jeden Ausgang routen, splitten und sub-summieren kann, sprich man in diesem Zusammenhang auch gerne von einer Routing-Matrix. Die Bedienung von TotalMix ist in groben Zügen sogar über den Push-Encoder direkt am Frontpanel des Geräts möglich. Traditionsbewusst ist das Ganze beim Fireface – im Gegensatz zum Babyface – natürlich auch stand-alone möglich. Außerdem stehen sechs Speicherplätze für eigene TotalMix-Presets zur Verfügung (Setup Recall), die im Stand-Alone-Modus auch am Gerät aufgerufen werden können. Prinzipbedingt ist die Bedienung direkt am Gerät etwas fummelig, doch es geht.

Daher gibt es die mitgelieferte Fernbedienung, welche – höchstwahrscheinlich aus betriebsökonomischen Gründen – dem Babyface überraschend ähnlich sieht und eine ähnliche, optionale „Advanced Remote Control“. Logisch: Es gibt hier etwas mehr „Gedrücke“. Beide haben feste Kabelanschlüsse, welche in etwa 5 m lang sind und die neue Monitorsektion von TotalMix FX recht komfortabel steuern. So ermöglichen sie Speaker-Wechsel, Mute, Dim, Talkback, Listenback, Cue-Mix, etc. eines entsprechend konfigurierten Fireface UCX. Wer den großen Encoder des Babyface einmal gedreht hat, weiß, wie sich die Remote anfühlt: Die Qualität des leicht gerasterten Encoders ist okay, allerdings kommen mir persönlich keine Attribute der Verzückung in den Sinn.

Kontrollfanatiker schätzen ohnehin die Möglichkeit, TotalMix mittels Mackies Control-Protokoll zu steuern. Ein entsprechender MIDI-Controller, angeschlossen an eines der beiden MIDI-I/O-Duos, ermöglicht es, umfangreichere Steuerbefehle an den DSP-Mixer zu senden. Besonders günstig geht das beispielsweise mit einem Behringer BCF im entsprechenden „MC-Mode“. Angeschlossen an einen Mac oder PC macht das Audiointerface dennoch am meisten Sinn – und das nicht nur, weil sich der Mischer so am unkompliziertesten via GUI und Maus bedienen lässt.

Neu und bisher einmalig bei RME ist ein sogenannter Class-Compliant-Modus, welcher den Betrieb auch ohne die vielgelobten, aber eben proprietären RME-Treiber ermöglicht. Das wiederum – Achtung Weltneuheit! – ermöglicht auch den Anschluss an ein iPad mit bis zu acht Kanälen bei 96 kHz und 24 Bit. Doch dazu später mehr.

Viele Features stecken also recht unscheinbar in dem robusten Gehäuse, doch trotz der kleinen Abmessungen bietet es immer noch genügend professionelle Anschlussmöglichkeiten, die wir näher betrachten wollen:

Auf der Rückseite unten links finden sich in einer Reihe die symmetrischen 6,3mm-Klinkenausgänge 1-6 sowie die Eingänge 5-8, ebenfalls in symmetrisch 6,3mm-Klinke realisiert. Die Ausgänge 7 und 8 finden sich hingegen auf der Vorderseite als 6,3mm-Stereoklinke in Form eines Kopfhörerausgang wieder. Dieser ist logischerweise unsymmetrisch. 

In der oberen Reihe finden die digitalen Schnittstellen ihren Platz. Fangen wir rechts an: Hier wurde der koaxiale SPDIF-I/O (Cinch) platziert, daneben sitzt der optische I/O, welcher SPDIF oder ADAT bietet. Weiter links finden sich die BNC-Buchsen für den Wordclock-Anschluss, die Terminierung wird jetzt übrigens über die Software vorgenommen. Es werden Samplerates bis 192 kHz unterstützt, allerdings mit den bekannten Einschränkungen hinsichtlich der maximalen Kanalanzahl innerhalb von ADAT: SMUX/4 überträgt bei 192 kHz nur Stereo, bei 96 kHz werden entsprechend nur vier Kanäle über den optischen Leiter transportiert. 

Abgesehen von ADAT stehen alle anderen Ein- und Ausgänge natürlich uneingeschränkt bis zu 192 kHz zur Verfügung, so dass sich mit den vier vorderen Eingängen und dem Kopfhörerausgang insgesamt 12 Ein-und Ausgänge bei 192 kHz bieten. Bei 44,1 bzw. 48 kHz und der Maximalbelegung von ADAT stehen insgesamt 18 Ein- und Ausgänge zur Verfügung. Das macht summa summarum 36 physikalische Audiokanäle.

Die vier MIDI-Buchsen wurden auf Grund des begrenzten Platzangebotes mittels Kabelpeitsche realisiert. Diese findet, wie das Anschlusskabel der Remote, in den Mini-DIN Buchsen neben den Wordclock-I/Os ihren Platz. Wieder weiter links finden sich die Firewire 400 und USB Anschlüsse sowie ein kleiner Power-On/Off-Kippschalter. Den Abschluss bilden der Netzanschluss und der darunter befindliche Metallbügel, welcher sich zur Fixierung von Kabelbäumen und des Netzanschlusskabels empfiehlt. 

Vorderseitig (und somit in Greifnähe) bietet das UCX den Kopfhörerausgang sowie die restlichen vier Eingänge. Diese vier Eingänge sind mit zusätzlichen Vorverstärkern ausgestattet. An den ersten beiden XLR/TRS-Combo-Buchsen können also auch Mikros angeschlossen werden, wobei eine individuelle 48Volt-Versorgung zur Verfügung steht, sowie ein digital in 1-dB-Schritten regelbares Gain mit einer maximalen Verstärkungsleistung von 65 dB. Das sollte selbst für das leiseste Bändchen-Mikro genügen. Die anderen beiden Eingänge (3/4) können alternativ als Instrumenteneingänge (470 kOhm) geschalten werden, so können Gitarren und Bässe hier direkt angeschlossen werden. Selbstverständlich können alle vier Front-Eingänge aber auch ganz normale Line-Signale verarbeiten.

Und schon kommt wieder eine Neuerung ins Spiel, die mein altes Fireface 400 noch nicht zu bieten hatte: AutoSet. AutoSet setzt das digitale Gain der vier Preamps beim Erreichen einer hohen Aussteuerung (-6 dBFS) dauerhaft herunter, so dass es gar nicht erst zu einer dauerhaften Übersteuerung kommt. Je nach Intensität und Dauer der Überschreitung regelt AutoSet den Gain entsprechend mehr oder minder unauffällig zurück. 

Das Mäusekino mit den LEDs direkt neben jedem der Fronteingänge informiert über Signalstärke, Clip und aktivierte Phantomspeisung. Die rechten LEDs neben dem Kopfhörerausgang informieren hingegen über den Sync-Status und die MIDI-Aktivität. Schön: Auch bei direkter Lichteinstrahlung sind alle LEDs gut ablesbar. 

Der Push-Encoder wurde bereits angesprochen, er wählt die verschiedenen I/O-Kanäle aus und ändert deren Pegel entsprechend, somit auch den Pegel des benachbarten Kopfhörerausgangs. Das kleine Display zeigt den abgekürzten Namen und den entsprechenden Wert; die kleinen LEDs daneben wiederum zeigen, in welchem Menü man sich gerade befindet (Select oder Level).
Standesgemäß ist das Netzteil für verschiedene Stromnetze konzipiert und verträgt ohne Umschalten 100 bis 240 Volt. Die „normale“ Remote ist natürlich genauso Bestandteil des Lieferumfangs wie die MIDI-Kabelpeitsche, ein USB- und ein Tos-Link-Kabel. Ebenfalls noch immer mit an Bord ist das kostenlose Audioanalyse-Softwarepaket DigiCheck, welches neben Level-Metering und Spektralanalyse sogar Multitrack-Aufnahmen ermöglicht. Das kleine, kompakte und äußerst detaillierte Handbuch ist indes auch sehr praktisch. Ein hübsche Stofftasche wie beim Babyface gibt es allerdings nicht dazu.

Die analogen Referenzpegel lassen sich im Gegensatz zum Fireface 400/UC nun in zwei Gruppen einstellen. Eingangsgruppe eins besteht aus den Kanälen 3 und 4 (also die Front-Ins), Gruppe zwei hingegen sind die rückseitigen Line-Ins. Hierbei stehen folgende Pegel zur Verfügung: -10 dBV, +4 dBu und Low-Gain (0 dBFS @ +19 dBu). Bei den Ausgängen ist es ähnlich: Die hinteren Ausgänge, Line 1 bis 6, bilden eine Gruppe, der Kopfhörerausgang stellt eine weitere Gruppe dar. Hierbei sind folgende Pegel möglich: -10 dBV, +4 dBu und High-Gain (0 dBFS @ +19 dBu).

Die SteadyClock genannte Wordclock von RME kann sowohl als Master, als auch Slave, fungieren. Selbst im Class-Compliant Mode, z.B. am iPad, arbeitet das RME-Audiointerface als Master und stellt hier ein genauso jitterfreies Signal zur Verfügung wie mit den eigenen Treibern an PC oder Mac. ICC (Intelligent Clock Control) hingegen zeigt den Status aller Clocks und erhält, im Falle des Ausfalls einer externen Clock, deren zuletzt übermittelten Wert. Praktisch.

Weiterhin wurde das Low-Latency-Prinzip noch weiter aufgebohrt, so dass unabhängig von der Samplerate hardwareseitig auf der AD-Seite nur noch 14 Samples und auf der DA-Seite nur noch 7 Samples zur Berechnung benötig werden. Dies entspricht einem Viertel der Vorgänger und erreicht eine absolut vernachlässigbaren Latenz von 0,4 ms bei 48 kHz.

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