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Pioneer DDJ SR Test

Zweikanal DJ-Controller

Mash Me Up, before you go go.

Pioneer DDJ SR im bonedo.de-Test: Ob Mixer, CD-Player oder Controller, bei Pioneer geht es in diesem Jahr wirklich Schlag auf Schlag. Der jüngste Spross im Bonedo-Teststudio hört auf den Namen DDJ SR und ist quasi die „eingedampfte“ Version des DDJ SX. Eingedampft insofern, dass dem Gerät zwei physische Kanalzüge sowie die „standalone“ Mischpultfunktion fehlen und somit auch die entsprechenden Eingänge dem Rotstift zum Opfer fielen. Obendrein müssen SR-User auf den Dual-Mode, hardwareseitige Grid Edit-Tools und die Needle-Search-Leiste verzichten.  

Doch wer denkt, er müsse ausschließlich Einschränkungen in Kauf nehmen, liegt definitiv falsch, denn erstaunlicherweise besitzt der „kleinere Bruder“ vier neue Performance Modi auf einer alternativen Arbeitsebene, die über die anschlagdynamischen Performance-Pads der jeweiligen Decksektionen dirigiert werden. Darauf muss der DDJ SX zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen (noch) verzichten. Zum guten Ton eines DJ-MIDI-Controllers für den ambitionierten Zeitgenossen gehören neben einem symmetrischen Master-Ausgang und einem Booth-Out auch ein autarker (Notfall-) Aux-In, ein Mikrofoneingang und gerade für Scratcher: große griffige Jogwheels und Crossfader Curve-Controls, an denen es unserem Testkandidaten ebenfalls nicht mangelt.  

Softwareseitig setzt Pioneer bei der Reihe „DDJ-S“ weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit Serato und legt die Vollversion von Serato DJ dem Lieferumfang gleich bei. Bis zu vier Softwaredecks könnt ihr mit der Kommandozentrale bedienen, dazu acht Cue-Punkte pro Player, einen synchronisierbaren Sample-Player sowie diverse Loop- und Slicer-Varianten zum Live-Remixen von Tracks. Nicht zu vergessen ist auch eine stattliche Anzahl von Soft-Effekten aus der Schmiede“ iZotope“ mit an Bord Der Kostenpunkt für das Bundle liegt aktuell bei 499 Euro UVP, womit sich der Mix&Mashup-Controller nicht nur in preislicher Hinsicht mit Native Instruments Kontrol MK2 die Schlacht um einen Platz auf der DJ-Wunschliste liefern dürfte.

Details

Aus der Verpackung meines Samples schälen sich: ein USB-Kabel, die Installations-Disc für Serato DJ, eine Bedienungsanleitung und der DDJ SR. Das Gerät ist kleiner und leichter konstruiert, als der DDJ SX und die Stromversorgung für mobile Anwendungszwecke erfolgt über den USB-Port. So einfach in den Rucksack stecken und durch die Gegend transportieren, obwohl es ihm sein Gewicht von etwa 4,5 Kilogramm vielleicht zugestehen würde, lässt sich das Teil bei Maßen von 553,6 x 319,1 mm x 65,3 Millimetern allerdings nicht. Zumindest sind herkömmliche Wald- und Wiesen-Backpacks zu klein. Ein speziell auf den Leib geschneidertes Täschchen für den sicheren Transport sollte indes nicht lange auf sich warten lassen und schätzungsweise um die 70 Euro kosten, wie beispielsweise Magmas DDJ SX Bag.  

Ein Blick auf das Front- und Backpanel zeigt, dass dank Cinch- und symmetrischer Klinkenausgänge Profi-PA und Monitoranlage gleichermaßen befeuert werden können, wobei ich für den hinten zu regelnden Cinch-Booth-Output wählen darf, ob dieser alternativ ein Parallelabgriff des Masters sein soll. Rechts folgen noch die USB-Buchse, die auch gleichzeitig die Stromversorgung übernimmt, sowie ein Power-Schalter und eine Kensington-Schlossvorrichtung, links der Aux-Input mit Lautstärkepoti. Vorn treffe ich auf (von links nach rechts) die beiden Kopfhöreranschlüsse als Standard- und Mini-Klinkenbuchse mit ihrem Lautstärkeregler, den Crossfader Reverse-Schalter samt Curve-Poti und einen regelbaren Mikrofoneingang ohne Einschaltknopf oder Talkover-Taste.

Lasse ich Augen und Finger über das Gerät wandern, erblicke ich allerhand Vertrautes: Zum Beispiel die CDJ-typischen Transportasten auf den linken Außenflanken der identisch und nicht spiegelsymmetrisch aufgebauten Decksektionen. Die Qualität der Fader und Drehregler ist gut, die Widerstände nicht zu leichtgängig, sehe ich mal vom butterzarten Crossfader ab, der optional Reverse betrieben und hinsichtlich seiner Flankensteilheit stufenlos justiert werden kann. Sofern man das nach einem erst gut fünf Jahre andauernden „MIDI-Controller-Hype“ behaupten kann, ist das Layout der Unit in weiten Teilen „klassisch“ gehalten und zeigt einen vorhörbaren Zweikanal-MIDI-Mischer mit 45 mm langen Linefadern samt Dreiband-EQ und Kombi-Filter in der Mitte. In dessen Zentrum residieren von Nord nach Süd die Navigationselemente, die Cue-Sektion zum Blenden zwischen Vorhörkanälen und dem Ausgabe-Sound und die sechsfach unterteilten Pegelmeter mit ihrer Master/Channel-Option. Der Platz zwischen den Bedienelementen ist angemessen dimensioniert (siehe Foto).  

In den flankierenden Deck-Sektionen sitzen oben die Effektbrigaden für Einzel- und Gruppeneffekte. Hier haben sich vier Drehregler (der Pioneer SP1 hat für die Beats stattdessen einen Encoder verpasst bekommen) und ebenso viele Buttons „durchgesetzt“, was sicherlich auch Kompatibilitätsgründe hat, denn dieses Design ist bei den meisten Traktor-Controllern ähnlich. Die FX-Assigns sind direkt nebenan platziert und nicht im Kanal. Ob die Pitch-Fader nun oben, unten, außen, innen oder wie hier oben außen und oben innen ihre Heimat finden sollten, ist sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks oder des persönlichen Workflows. Fakt ist, dass die Pioneer-Temposchieber 60 Millimeter lang sind und die Geschwindigkeit standardmäßig um acht Prozent in beide Richtungen mit Feinabstufungen von einem Zehntel BPM ändern. Über „Tempo Range“ ändere ich den Pitch-Bereich von acht auf 16 oder 50 Prozent. Diese Taste ist auch zum Tempo-Reset und zum Einschalten des Keylocks vorgesehen.  

Den riesigen, mit Griffmulden besetzten Jogwheels fehlt beim SR die Positionsanzeige in der Mitte. Allerdings können sie mit einem Durchmesser von fast 140 Millimetern punkten (Metallscheibe 12 Zentimeter) und der mir entgegengebrachte Widerstand ist für meine Begriffe ausgezeichnet. Das Scratch- und Nudge-Verhalten, soviel sei in diesem Kontext verraten, ist klasse. Darum finde ich es auch nicht weiter schlimm - das mag im Einzelfall anders aussehen - dass ihnen keine Stellschraube für die Laufwiderstandsjustierung angedacht ist. Auch der (kalibrierbare) Sensor ist sehr gut eingestellt. Spürt man das kalte Metall, kann es zur Sache gehen. Prima. Ich hatte nämlich auch schon Kandidaten im Test, wo man zwischen Scheibe und Hand fast eine ganze Banane hätte durchschieben können und der Controller hat schon ausgelöst. Um das griffige, präzise Jogwheel herum gibt es eine Ansammlung von Tasten für den Vinyl- und Slip-Modus. „Vinyl“ schaltet die Scratch-Funktion ein, da ansonsten die Teller nur für Pitchbends verwendet werden. Die Taste „Slip“ aktiviert den gleichnamigen Modus, der beim Ausführen eines Scratch-Manövers oder bei Loops den Track im Hintergrund unhörbar weiter abspielt und beim Beenden der Aktion genau wieder dort einsetzt, wo er ohne Unterbrechung angelangt wäre. So bleiben die Aktionen des DJs in der Regel im Takt. „Slip“ funktioniert auch mit Hotcues, Autoloops und Breaks. Schade finde ich allerdings, dass die Funktionen „Reverse“ und „Censor“ beim DDJ SR gestrichen wurden.  

Links sehe ich die Deck-Select-Buttons zum Umschalten auf die Software-Player 3 und 4 sowie „Shift“. Rechts sitzen „Tap/Hold“ und der „Pad Plus“ - Taster für die neuen Peformance-Modi, doch dazu später mehr. Schön frei liegen die Performance-Pads, die mittlerweile acht Betriebsarten zuzüglich „Velocity“ für den Sample-Modus aufrufen können. Direkt daneben ist auch noch eine separate Autoloop-Abteilung nebst Parametertasten für den Slicer-Modus angesiedelt.

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