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Test
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19.10.2012
Test

Native Instruments Maschine MK2 Test

Groove Production Studio

Maschine darf man spätestens mit der Version 1.6 und der damit verbundenen Integration von Dritthersteller-Plug-Ins fraglos als gut eingeführtes Produkt bezeichnen. Seitdem ist sie auch im Stand-Alone-Modus zu einem vollwertigen Produktionswerkzeug geworden, mit dem sich – so man denn auf lineare Audiospuren verzichten kann – problemlos komplette Tracks realisieren lassen. Nun also lassen Native Instruments ihre Controllerhardware als runderneuerte MK2 zusammen mit der Softwareversion 1.8 vom Stapel. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, eine ausgiebige Testfahrt mit dem nunmehr kunterbunten Rhythmus-Mobil zu machen.

Details

Maschine ist ein zweigeteiltes Verbundsystem. Hardwareseitig umfasst es einen USB-Controller der mit 16 anschlagsdynamischen farbigen Drum-Pads, 47 Tastern, neun Drehreglern und zwei Displays (64 x 256 Pixel) bestückt ist. Den rechnerseitigen Counterpart bildet die Maschine-Software, die das logische Gerüst zur Erstellung von Pattern/Song-orientierten Stücken bereithält. Sie kann wahlweise im Stand-Alone-Modus oder als Plug-In innerhalb einer DAW betrieben werden (VST, RTAS). Kern des Maschine-Konzepts ist die extrem enge Verzahnung des Controllers mit der Software, denn fast alle Bedienvorgänge lassen sich gleichberechtigt am Rechner wie auch an der Hardware vornehmen. Dank der Visualisierung in den beiden Displays sind auch komplexere Aktionen problemlos machbar. Zum Beispiel das Slicen und Trimmen von Samples direkt am Gerät. Praktisch kann man den Rechner irgendwo in einer der hässlicheren Ecken des Studios verstecken und nur mit dem via USB angebundenen Maschine-Controller hantieren, was im Ergebnis dem Arbeiten mit „echter“ Hardware nicht nur sehr nah kommt, sondern faktisch so ist. Denn – um mal der inflationären Mythenbildung ein bisschen entgegenzuwirken – auch die Drumcomputer früherer Tage waren im Kern nichts anderes als der Verbund einer CPU/Software-Ebene mit einer optimierten Eingabehardware. Worin sich Maschine von einem alleinstehenden Drumcomputer unterscheidet, zeigt sich beim Blick auf die Rückseite. Neben der besagten USB-Buchse, einer Kensington-Lock-Aussparung und einem MIDI-I/O fehlt hier jede Art von Audio-Konnektivität. Maschine besitzt keine eigene Wandler-Sektion und ist daher auf die am Rechner zur Verfügung stehenden Audioschnittstellen angewiesen. Die Software zeigt sich hier nicht wählerisch und akzeptiert jede korrekt in das System eingebundene Soundkarte als Ausgabegerät und Sample-Eingang. Im DAW-Verbund können die maximal sechzehn virtuellen Ausgänge via Rewire an die gastgebende Audio-Applikation weitergereicht werden.

Auspacken
Dem Henkelkarton, der sich – an den Ecken mit ein wenig Gaffa-Tape verstärkt  – durchaus für einige Zeit als Case verwenden ließe, entnehme ich: Den Controller selbst, ein USB-Kabel, eine englisch-japanischen Schnellstartanleitung, einen 25-Euro E-Voucher (einlösbar für Maschine-Expansions und alle Komplete Instrumente und Effekte) sowie zwei Installations-DVDs. Von diesen enthält eine die Maschine-Software, die andere die Komplete-Elements-Kollektion. Eine zusätzliche Info-Karte klärt darüber auf, dass man mit der Registrierung von Maschine automatisch einen Downloadlink und eine Seriennummer für den Softwaresynthesizer Massive erhält.

Äußerlichkeiten
Legt man beide Versionen der Hardware (MK1/MK2) in trauter Zweisamkeit nebeneinander, wird auf Anhieb klar, dass das grundsätzliche Layout beibehalten wurde und die Neuerungen eher homöopathisch dosiert sind. Es sei denn, man entscheidet sich für die neue, weiße Gehäusevariante oder pimpt seine Emkazwo zusätzlich noch mit einem der neuen Faceplate- und Poti-Designpacks. Zur Auswahl stehen hier: Solid Gold, Dragon Red, Pink Champagne, Stell Blue und Smoked Graphite. Jedes Custom-Kit enthält eine Faceplate aus gebürstetem Aluminium, acht Encoder-Drehregler und einen Master-Drehregler aus Aluminium.

Gibt man dem klassisch schwarzen Gehäuse den Vorzug, ist das offensichtlichstes Merkmal der MK2 sicherlich die überarbeitete Master-Sektion. Hier sind die drei dezidierten Volume-, Swing- und Tempo-Potis durch einen zentralen und größeren Rotary-Push-Encoder nebst entsprechenden Funktionstasten ersetzt worden. Er wird im Süden durch zwei Links-/Rechts-Navigationstaster und einen Enter-Button ergänzt. Vorteil des neuen Rädchens: Es kann auch im Browser zur Navigation und zum präzisen Einstellen von gerade Parameterwerten wie etwa Pitch oder Notenrasterung herangezogen werden – sehr schön.

Auch haptisch hat Maschine einen Wandel vollzogen: Alle Taster verfügen jetzt, mit Ausnahme der Drum-Pads, über einen eindeutigen Klickpunkt. Apropos Drum-Pads: Hier wurde fühlbar die Kunststoff-Rezeptur gewechselt. Und wenn ich meinen Fingern traue, dann ist das die gleiche, wie sie auch beim Kontrol F1 zum Einsatz kommt. Besonders deutlich wird das, wenn man seitlich über die Pads streicht. Die neuen Taster fühlen sich wesentlich plastikhafter und glatter als ihre Vorgänger an, die im direkten Vergleich gummierter wirken. Persönlich bevorzuge ich diese etwas glattere Haptik, denn sie gibt mir das Gefühl, die Taster agiler und mit weniger Widerstand bespielen zu können. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es Anwender geben wird, die am Anfang den etwas haftungsintensiveren „Grip“ der Vorgängerversion vermissen werden.

Auf der Rückseite ist – bis auf die Tatsache, dass sämtliche Buchsen spiegelbildlich die Seiten gewechselt haben – prinzipiell alles gleich geblieben. Von links nach rechts reihen sich hier eine Kensington-Lock-Aussparung, eine USB-Buchse und ein MIDI-In/Out-Port aneinander. Positiv ist zu vermerken, dass die USB-Buchse weiter ins Gehäuse hinein gewandert ist. Im Ergebnis schützt dies das Kabel nun relativ gut gegen seitliche Belastungen. Je simpler die Lösung, desto wirkungsvoller.

Während dies noch als Seitenproblem für Menschen mit zwanghafter Symmetrie-Neigung (wozu der Autor fraglos zählt) zu werten ist, könnte schon störender sein, dass der Kontrol F1 trotz gleicher Grundfläche nicht bündig mit Maschine abschließt. Spätestens, wenn man dann noch einen S2 oder S4 dazu stellt, ist es vorbei mit der homogenen NI-Reihenhaussiedlung.

Dass man es mit dem Nachfolger zu tun hat, wird allerspätestens klar, wenn die Maschine via USB bestromt wird und die Group- und Pad-Taster einem bonbonfarben entgegenblinken. Die sechzehn möglichen Farben werden entweder von der Software automatisch der Reihe nach auf Szenen und Gruppen adressiert oder können manuell definiert werden. Wem das alles zu bunt ist, der kann sich in den Voreinstellungen zunächst für einen Default-Farbton entscheiden.

Auch in der Display-Sektion hat sich was getan. Ihre Darstellung wurde invertiert und die Pixel erscheinen nun hellblau leuchtend auf dunkelblauem Hintergrund. Das macht nicht nur optisch einiges her, sondern hat auch den Vorteil, dass die Anzeige am Rechner nun mit der des Controllers identisch ist (selektierter Bereich invertiert) und nicht umgekehrt wie bei der MK1.

Die Tatsache, dass auch in der neuen Version kein zusätzlicher Anschluss für ein externes Netzteil verbaut wurde, lässt den Schluss zu, dass man bei NI den Stromhunger des Controllers offenbar nach wie vor noch als moderat einschätzt. 

Installation
Es ist nun genug der harten Ware und an der Zeit, mal ein paar Bits und Bytes von A nach B zu verschieben. Die Installationsroutine fragt routiniert-freundlich ab, welche Programmbestandteile (Stand-Alone, VST, RTAS, Sound Library) ihren Weg auf die Festplatte finden sollen. Dabei wirken die maximal gut zweihundertzwanzig Megabyte für die Installation fast schon bescheiden im Vergleich mit der sechseinhalb Gigabyte umfassenden Sound-Library. Die allerdings ist mit ihrer klanglich exzellenten und inspirierenden Vielfalt ein Muss und war schon am Erfolg der MK1 nicht ganz unbeteiligt. Die Anlaufstelle für die Registrierung ist gewohntermaßen das Service-Center, wo man die Software wahlweise online oder via Challenge-/Response-Key-File freischalten kann. Kurz nach erfolgter Autorisierung erhält man automatisch eine Nachricht an die im Benutzerkonto definierte E-Mail-Adresse. Sie enthält einen Download-Link nebst Seriennummer für den Massive-Synthesizer. 

Das inkludierte, insgesamt drei Gigabyte große und eintausend Sounds umfassende Komplete Elements (Einzelpreis: 49 Euro) samt NI-Voucher stellt nicht nur finanziell, sondern vor allem klanglich einen echten Mehrwert dar. Natürlich macht das darin enthaltene Abbey-Road Drum-Kit (Vintage Drums, aufgenommen im berühmten Abbey Road Studio Two) in Hinblick auf die grundsätzliche Konzeption von Maschine als Drumcomputer zunächst am meisten Sinn.

Zugaben wie das Kontakt Band-Bundle (flexibel einsetzbare Standard-Gitarren-, Bass- und E-Piano-Sounds aus den Bereichen Rock-, Jazz-, Funk-, Pop-, R’n’B- und Hip-Hop), Teile des Vienna Symphonic Library Orchestra oder des Kontakt World-Bundles (exotische Sounds aus aller Welt wie Flöten und andrere Holzbläser, Dudelsäcke, Zupfinstrumente oder Percussion) runden die Zusammenstellung positiv in Richtung einer Workstation-Vollausstattung ab, so dass sich mit dem Maschine-Gesamtpaket vollständige Arrangements auf dem Rechner erstellen lassen. Nicht bei allen Herstellern selbstverständlich und daher eine lobenswerte Erwähnung am Rand ist die Tatsache, dass sowohl das Update auf die Version 1.8 als auch der darin inkludierte Massive-Synthesizer für bestehende Maschine-Anwender kostenfrei sind.

Effekte
Der Software wurden zwei neue Effekte mit auf den Weg gegeben, die sich wahlweise auf Sound-, Gruppen, Aux- oder Master-Ebene in den Signalweg einbetten lassen.

Transient Master
Hierbei handelt es sich um ein Plug-In zur gezielten Bearbeitung von Signalspitzen. Zwei Parameter stehen bereit, um Sample-Peaks auf die Pelle zu rücken: Attack und Release. Die Bedienung ist nahezu selbsterklärend: Attack beeinflusst die schnellen Attack-Transienten und wirkt also – lautmalerisch gesprochen – auf das „T“ in „Tack“. Release dagegen kümmert sich um die folgenden Signalanteile und verstärkt oder senkt folglich das „ack“. Prinzip bedingt empfiehlt sich dieses Werkzeug eher für Einzelspuren als für Gruppen.

Classic-, Tape- und Tube-Saturator
Auch die Verzerrer-Ecke hat in Form dreier Emulationen Zuwachs bekommen. Classic-, Tape- und Tube-Saturator sind flexibel einsetzbare Plug-Ins, die sich für ein weites Spektrum von Sättigungseffekten eignen, das von leichter Aufrauhung bis zur zerrenden Pegelmaximierung reicht.

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