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5 Tipps für den Kauf eines gebrauchten Schlagzeugs

Alle Infos zum Erwerb eines preisgünstigen und gebrauchten Drumsets

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Gerade als Schlagzeuglehrer wird man von Eltern immer wieder gefragt, ob man für den Trommlernachwuchs denn lieber ein neues oder ein gebrauchtes Drumset kaufen soll. Ich sage dann immer, dass es durchaus hervorragende neue Drumsets für verhältnismäßig kleines Geld gibt, aber auch überhaupt nichts gegen ein gebrauchtes Schlagzeug spricht, sofern die Schießbude nicht komplett abgerockt ist. Unsere Checkliste hilft euch dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Egal ob man ein Auto, eine Waschmaschine oder ein Drumset kauft: Der Wertverlust bei Neuware ist immens, und selbst wenn das Gerät noch so gut gepflegt wurde, ist es bereits nach kurzer Zeit nur noch zwei Drittel des Neupreises wert. Darum kann man durchaus in Erwägung ziehen, statt eines nagelneuen Drumsets in ein gutes Gebrauchtes zu investieren, vor allem wenn man nicht sicher sein kann, ob der Nachwuchs nicht vielleicht doch schon nach kurzer Zeit das Interesse am Trommeln verliert und das gute Stück anschließend im Keller verstaubt. Aber woran erkennt man ein gutes Gebraucht-Set? Hier erfahrt ihr es.

1. Markenschlagzeug oder No Name Produkt?

Statt der Discounter-Hausmarke lieber ein etablierter Schlagzeug-Hersteller

Achtet beim Kauf eures gebrauchten Schlagzeugs darauf, dass es möglichst kein No Name Set ist, damit ihr am Ende keine bösen Überraschungen erlebt. Bei den etablierten Herstellern wie beispielsweise Pearl, Yamaha, Sonor oder Tama kann man in den meisten Fällen davon ausgehen, dass ein gewisser Qualitätsstandard nicht unterschritten wird und die beweglichen Teile auch nach vielen Jahren noch klaglos ihren Dienst verrichten. Wichtig ist auch, dass zumindest Bass Drum und Toms vom gleichen Hersteller und in der gleichen Farbe sind, da der Wiederverkaufswert eines einheitlichen Sets gegenüber einem „zusammengewürfelten“ erheblich höher ist. Dass die Snare von einem anderen Hersteller stammt, ist hingegen keine Seltenheit und somit auch kein Nachteil.

2. Die richtigen Trommelgrößen für das Schlagzeug finden

Besonders für den Nachwuchs sollten die Trommeln nicht zu groß sein.

Vor allem für Kinder sollte auf die genauen Abmessungen der Trommeln geachtet werden. Eine Bass Drum mit 24 Zoll Durchmeser beispielsweise erfordert schon eine bestimmte Körpergröße, wenn man bedenkt, dass darauf auch noch Toms montiert sind. 20 oder 22 Zoll sind die Maße, mit denen die Mehrheit gut zurecht kommt, für kleinere Kinder passt eine 18 Zoll Bass Drum unter Umständen besser.

Aber nicht nur der Durchmesser, auch die Länge der Trommeln ist entscheidend. Gerade auf dem Gebrauchtmarkt tummeln sich noch haufenweise Drumsets aus den 1980er Jahren, die, gemäß des damaligen Trends, mit überlangen Toms bestückt waren. Erkennen kann man diese Trommeln daran, dass Durchmesser und Länge sich entweder gar nicht oder lediglich um ein Zoll unterscheiden (z.B. 13“x13“ oder 13“x12“ Toms). Die Positionierung dieser Trommeln auf der Bass Drum ist – aufgrund der Länge und des Gewichts – schwierig und macht einen flachen Aufbau unmöglich, was die Erreichbarkeit der Komponenten für kleine Menschen erschweren kann. Allerdings wird man auf dem Gebrauchtmarkt häufig auf die Größen 12“x10“ oder 13“x11“ stoßen. Gemessen an heutigen Standards sind diese Längen zwar immer noch überdurchschnittlich, aber die Bespielbarkeit ist dennoch deutlich besser als bei den ultralangen Röhren. Die Tiefe der Snare Drum sollte 6,5 Zoll nicht überschreiten, damit man sie bei Bedarf niedrig genug einstellen kann. 

3. Alles dabei, oder ist das Wunschinstrument nur ein halbes Schlagzeug?

Trommeln, Becken, Stative und was sonst noch alles zum Drumset gehört.

Im Idealfall ist ein gebrauchtes Set komplett, also inklusive aller Stative, Becken und Hocker, so dass man nichts mehr dazu kaufen muss. Sind beispielsweise keine Becken im Paket enthalten, sollte man sich vor dem Kauf ausrechnen, welche Zusatzkosten noch für einen Beckensatz, sei es nun neu oder gebraucht, anfallen. Brauchbare neue Beckensätze kosten mindestens 150 Euro. Unter Umständen lohnt es sich daher, noch etwas abzuwarten, bis ein wirklich komplettes Set angeboten wird. Häufig werden auch „Shell Sets“ angeboten, was bedeutet, dass es sich im Extremfall lediglich um die Bass Drum und die Toms handelt. Unangenehme Überraschungen kann man aber auch bei vermeintlich kompletten Sets erleben, wenn man zum Beispiel feststellt, dass an einer unauffälligen Stelle ein Spannböckchen fehlt oder die unteren Spannreifen der Trommeln nicht mehr vorhanden sind. Während Spannreifen – abgesehen von den zusätzlichen Kosten – immerhin problemlos zu besorgen sind, kann die Beschaffung eines passenden Böckchens, je nach Fabrikat, in einigen Fällen schon schwierig werden. Daher sollte, wenn möglich, bei einem unvollständigen Schlagzeug vor der Kaufentscheidung Preis und Verfügbarkeit der Ersatzteile geprüft werden. 

4. Sichtbare Mängel bei gebrauchten Schlagzeugen

Kaputte Trommelfelle lassen sich ersetzen.

Den Zustand eines gebrauchten Drumsets zu ermitteln, ist für Ungeübte gar nicht so einfach, denn es kann, genau wie beim Auto, durchaus „versteckte Mängel“ geben. Kümmern wir uns aber zunächst um die offensichtlichen Mängel: 

Felle: Schaut euch zunächst die Felle an. Da die wenigsten Verkäufer von gebrauchten Drumsets in einen Satz neue Felle investieren wollen, werden diese mehr oder weniger starke Abnutzungsspuren aufweisen. Falls ihr Beulen in den Fellen entdeckt, ist ein Austausch unumgänglich, und ein Satz neuer Schlagfelle inklusive Bassdrum-Fell kann euch gut und gerne 80 bis 100 Euro kosten. Schaut euch auch unbedingt die Felle auf den Unterseiten der Trommeln an. Zumindest diese sollten unbespielt sein, was aber leider nicht immer der Fall ist, weil manche Drummer die abgenutzten Felle der Oberseiten einfach ummontieren. Kalkuliert also unter Umständen weitere Zusatzkosten ein. 

Trommeln: Kratzer auf den Oberflächen der Trommeln bleiben nach jahrelanger Benutzung nicht aus, ebenso können sich an den Metallteilen Spuren von Flugrost oder kleine Pickel im Chrom zeigen. Da diese Aspekte sich nicht auf den Klang der Trommeln auswirken, spielt hier lediglich die ästhetische Schmerzgrenze eine Rolle. Bei der Snare Drum solltet ihr unbedingt auf die einwandfreie Funktion der Teppichabhebevorrichtung achten. Die Mechanik sollte glatt und ohne Hakeln laufen, und der Teppich sollte möglichst keine verbogenen Spiralen aufweisen. Seid vorsichtig, wenn es sich um eine spezielle Abhebung handelt, oft zu erkennen an der aufwändigen mechanischen Konstruktion und der Tatsache, dass der Teppich an beiden Seiten über das Fell hinaus ragt. Ersatzteppiche für diese Systeme können das Vielfache eines Standard-Teppichs kosten.

Hardware: Ebenso wie die Teppichabhebung sollten natürlich auch sämtliche anderen beweglichen Teile am Drumset, also vor allem die Fußmaschine und das Hi-Hat-Pedal, aber auch die Snare- und Becken-Stative, leichtgängig und ohne Nebengeräusche funktionieren. Überprüft unbedingt auch die Halterungen bzw. Aufhängungen für die Toms auf ausreichende Stabilität und flexible Einstellmöglichkeiten. 

5. Versteckte Mängel

Besonders bei Trommeln lohnt sich ein Blick unter die Haube.

Feuchtigkeitsschäden und Risse: Kosmetische Mängel an den Außenseiten der Trommeln kann man verschmerzen, aber wie sieht es beispielsweise mit Feuchtigkeitsschäden aus und woran erkennt man sie? Klarheit hierüber verschafft ein Blick ins Innere der Trommeln. Sind die Schrauben zur Befestigung der Spannböckchen rostig oder oxidiert? Sind auf den Innenseiten der Kessel helle Verfärbungen zu sehen? Falls ja, hat das Drumset zumindest einen Teil seines Lebens in feuchten Räumen verbracht und sollte besser nicht gekauft werden. 

Schwieriger als Feuchtigkeitsschäden sind Risse in den Holzkesseln zu erkennen. So etwas kommt zwar bei normaler Behandlung der Trommeln kaum vor, aber auch hier solltet ihr kein Risiko eingehen und euch die Innenseiten genau anschauen. 

Bearing Edges: Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Trommelgratungen, auch „Bearing Edges“ genannt. Da an dieser Stelle die Felle aufliegen, haben die Edges einen großen Einfluss auf den Sound. Sind sie uneben und beschädigt, so ist ein sauberes Stimmen der Drums kaum möglich. Man kann die Ränder zwar vom Fachmann wieder begradigen lassen, aber diese Kosten möchte man sich (besonders bei einem günstigen Gebrauchtkauf) lieber sparen. Bei normaler Behandlung sollten die Bearing Edges auch nach Jahren noch makellos aussehen, allerdings können sie leicht beschädigt werden, wenn das Schlagzeug über längere Zeit ohne Resonanzfelle gespielt wurde. Sollten auf den Fotos die Felle an den Unterseiten der Trommeln fehlen, schaut euch also die unteren Edges genau an. Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, müsstet ihr theoretisch sämtliche Felle abmontieren, aber meistens kann man auch schon am Zustand einer einzigen Trommel erkennen, ob das Set pfleglich behandelt wurde.

Becken: Während die zuvor genannten Mängel immerhin mit dem bloßen Auge noch erkennbar sind, kann es bei den Becken schon komplizierter werden. Während man Risse und Dellen am Rand leicht erkennen kann, sind Risse entlang der Rillen mitunter quasi unsichtbar. Hört euch die Becken auf jeden Fall genau an. Solltet ihr ein leichtes Rasseln in der Ausklangphase vernehmen, so schließt zunächst aus, dass dies vom Beckenständer kommt. Am besten nehmt ihr dazu das Becken ab, balanciert es vorsichtig auf eurem Finger und schlagt es dann sanft an. Ist das Rasseln weiterhin hörbar, so ist das ein sicheres Anzeichen für einen Riss, der sich leicht weiter fortsetzen und zur völligen Unbrauchbarkeit des Beckens führen kann.
Achtet auch auf das Mittelloch des Beckens. Auch hier können sich Risse bilden, die im Anfangsstadium noch nicht hörbar sind. Ein unrundes Mittelloch, im schlimmsten Fall in Form eines Schlüssellochs, deutet darauf hin, dass das Becken jahrelang ohne schützende Kunststoffhülse direkten Kontakt mit dem Gewinde des Beckenhalters hatte. Wenngleich sich diese Tatsache nicht auf den Sound auswirkt, vermindert es doch den Wiederverkaufswert des Beckens. Besonders ungünstig ist es, wenn das Mittelloch des oberen Hi-Hat Beckens ausgeschlagen ist. Dies führt dazu, dass die beiden Becken nicht mehr exakt aufeinander aufliegen und somit bei geschlossener Spielweise unsauber klingen.

Fühlt ihr euch mit diesen Infos überfordert und wollt beim Gebraucht-Schlagzeugkauf jegliches Risiko ausschließen, dann nehmt – falls möglich – einen Fachmann, beispielsweise euren Schlagzeuglehrer oder einen anderen erfahrenen Drummer, mit oder lasst diesen zumindest einen Blick auf die Fotos in der Anzeige werfen. 

Unser Zusatz-Tipp für Schnäppchenjäger

Solltet ihr in den Kleinanzeigen über ein Set der Marke Remo stolpern, schaut euch die Bilder genau an. Remo ist ein sehr bekannter Hersteller von Trommelfellen und hat auch eine Zeitlang Drumsets gebaut, allerdings kann sich hinter einer solchen Anzeige auch etwas ganz anderes, womöglich wertvolles verbergen. Der Grund dafür ist, dass manche Leute davon ausgehen, dass es sich um eine Remo Trommel handeln muss, wenn selbiger Name auf dem Fell steht. Dass auf der Trommel selber noch ein Sonor-, Ludwig-, Gretsch- oder Was-auch-immer-Badge angebracht ist, scheint diese Menschen auch nicht weiter zu verwundern. Also: Augen auf, vielleicht könnt ihr ein Schnäppchen machen.

Kaufempfehlungen für gebrauchte Schlagzeuge

Im Folgenden geben wir euch noch einige Kaufempfehlungen für Sets, bei denen ihr nicht viel falsch machen könnt: 

Basix Custom

Der Anfang dieses Jahrtausends ist die Geburtsstunde der Basix Custom Drums, die innerhalb kürzester Zeit ihren Weg in die Musikschulen und Übungskeller der Republik gefunden haben. Grund dafür ist der – und da sind sich auch die Experten einig – für diese Preisklasse sehr ordentliche Sound. Allerdings konnte die Hardware qualitativ nicht mithalten. Hier sollte also die Funktionalität gründlich geprüft werden.

Pearl Export / Session / Vision 

Nach wie vor ist das Pearl Export das meistverbreitete Drumset auf dem Gebrauchtmarkt. Es gibt mittlerweile sicher knapp zehn Generationen, die allesamt empfehlenswert sind. Sehr häufig sind noch die frühen Varianten aus den 1980er Jahren zu finden, was auf deren unverwüstliche Qualität hindeutet. Auch die Session- und Vision-Serien, beide erhältlich mit Birken- oder Ahornkesseln, sind eine echte Empfehlung, allerdings auch teurer als die Exports.

Sonor Force 2000 / 3000

Die Sonor Force 2000 Sets haben mittlerweile auch schon 25 Jahre auf dem Buckel, sind aber nach wie vor häufig und für wenig Geld auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Es waren die letzten preisgünstigen Sonor Sets, die noch in Deutschland hergestellt wurden, was sich in der robusten Bauweise widerspiegelt. Mit etwas Glück findet ihr vielleicht sogar ein günstiges Force 3000 Set, das mit seinen Kesseln aus Birkenholz noch eine Liga höher angesiedelt war.

Tama Rockstar

In den 1990er Jahren wurden die sehr erfolgreichen und über einen langen Zeitraum produzierten Tama Rockstars geboren, die in der gleichen Preisklasse wie die Pearl Export Sets angesiedelt waren. Während die ganz frühen Ausführungen noch die ultralangen Kessel (z.B. 12x11 oder 13x12 Zoll), wurden später auch andere Kesselgrößen bis hin zu den klassischen flachen Toms (12x8 oder 13x9 Zoll) angeboten. 

Yamaha Stage Custom

Die Stage Custom Serie von Yamaha gibt es schon lange, aber erst seit ein paar Jahren werden hier Kessel aus reinem Birkenholz verwendet. Daher nennt man es auch gerne, in Anspielung auf Yamahas Klassiker aus Birke, das „Recording Custom des kleinen Mannes“. Tatsächlich werden die in China hergestellten Trommeln auch höheren Ansprüchen gerecht und hinterlassen einen professionellen Eindruck.

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