Bass Hersteller_Marleaux
Test
7
Test

Marleaux Diva 4 Test

Viersaitiger Fretless-Bass

Leuchtender Stern am Bass-Himmel

Großartige Bassisten wie Pino Palladino oder Tony Levin veredelten diverse Welthits mit ihren geschmackvollen Fretless-Basslinien und bescherten dem bundlosen Bass in den Achtziger Jahren eine Blütezeit - viele Tieftöner wollten damals natürlich die angesagten Bass-Lines der Meister nachspielen und besorgten sich ebenfalls einen Fretless-Bass, um soundmäßig ihren Vorbildern möglichst nahe zu kommen.

Heutzutage wird der Fretless-Bass hauptsächlich von Jazz- und Fusionvirtuosen wie Gary Willis oder Steve Bailey gespielt und fristet in der Pop- und Rockmusik eher ein Schattendasein. Schade eigentlich - an der mangelnden Verfügbarkeit von bundlosen Bässen kann es nicht liegen, denn gerade wir in Deutschland sind mit erstaunlich vielen Bass-Manufakturen gesegnet, die den Markt mit wirklich überragenden Fretless-Modellen auf Weltklasse-Niveau bereichern. Das vielleicht außergewöhnlichste und für meinen Geschmack derzeit schönste Bassmodell ohne Bünde kommt von der niedersächsischen Edelbass-Schmiede Marleaux und hört auf den aussagekräftigen Namen "Diva".

Details

Der "Eye-Catcher" der extravaganten Diva ist zweifellos das ultra-lange Griffbrett mit einem Tonumfang von kompletten drei Oktaven pro Saite, das sich, nur unterbrochen vom Tonabnehmer, vom Sattel bis zum Steg zieht. Gerald Marleaux hat seiner Diva das schier endlose Griffbrett allerdings nicht nur für eine unverwechselbare Optik seiner Fretless-Kreation verpasst, das harte Palisanderholz sorgt nämlich außerdem für eine enorme Stabilität der durchgehenden Halskonstruktion und wirkt sich damit sicherlich auch positiv auf das Schwingungsverhalten der Diva aus. Auch der Sattel und der Aufleimer auf der Kopfplatte bestehen aus Palisander, wirken wie aus einem Guss und strecken die Optik des langen Griffbretts zusätzlich - von Kopf bis Fuß Palisander sozusagen. Fretless-Bass-unerfahrene Tieftöner müssen allerdings nicht befürchten, dass sie auf dem langen, bundlosen Griffbrett die Orientierung verlieren könnten, denn Marleaux hat an beiden Griffbrettflanken helle Holzeinlagen auf der Höhe der Bünde angebracht - damit ist die richtige Intonation der Töne wirklich ein Kinderspiel und zur Lagenorientierung gibt es sowieso die obligatorischen Punkte an der oberen Seite des Griffbrettes.

Der Hals der Diva besteht aus drei breiten Streifen Ahorn, die mit zwei schmalen Palisanderstreifen voneinander abgesetzt wurden und misst am Sattel gerade mal 40mm, ist also nur unwesentlich breiter als ein typischer Jazzbass-Hals. Ahorn kommt auch für die dezent aber wunderschön gemaserte Korpusdecke zum Einsatz, diese wird wiederum von einer dunklen Holzschicht von den beiden Korpusflügeln aus leichtem Mahagoni getrennt. Die verwendeten Ahornhölzer kommen übrigens aus der Region Niedersachsen - Gerald Marleaux arbeitet seit vielen Jahren mit niedersächsischen Landesforsten zusammen und bezieht viele Tonhölzer wie Ahorn, Birke, Erle, Esche oder Kastanie nachhaltig aus den Wäldern der Region. Versiegelt wurde die Holzkonstruktion, abgesehen vom Griffbrett, mit einem matten Satin-Finish, welches die elegante Optik der Diva unterstreicht und für eine geschmeidige Haptik sorgt.

Soviel zur Holzkonstruktion der extravaganten Diva, und mir bleibt nur zu erwähnen, dass ich ein weiteres Mal von der überragenden Verarbeitungsqualität des Edelbasses aus dem Harz beeindruckt bin - ich finde auch nach stundenlangem Abscannen keinerlei Ungenauigkeiten, denn Marleaux lässt offensichtlich höchste Sorgfalt bei der Herstellung seiner Instrumente walten und liefert Qualität auf allerhöchstem Niveau. Dazu gibt es kleine, optische Finessen, wie etwa die bündig eingelassene Palisander-Abdeckung für den Halsspannstab oder der Elektronikfachdeckel aus Mahagoni, die die Liebe des Meisters zum Detail offenbaren.

Selbstverständlich legt Marleaux bei der Auswahl der Hardware ähnlich hohe Maßstäbe an und verwendet nur hochwertigste Komponenten von renommierten Herstellern, die zum Teil nach seinen Vorstellungen angefertigt werden. Auf der Kopfplatte sitzen vier gekapselte Stimmmechaniken vom deutschen Traditionshersteller Schaller, die leicht versenkt montiert wurden und mit optisch hervorragend zur Diva passenden Flügeln aus Palisander ausgestattet sind.

Die Stegkonstruktion wird von ETS speziell für die Diva angefertigt und setzt sich aus vier separierten, runden Saitenhaltern und dem eigentlich Steg zusammen. Die Saitenreiter des zierlichen ETS -Stegs sind mittels zweier Inbusschrauben in der Höhe für die Saitenlage justierbar und können nach dem Setup mit weiteren Inbusschrauben fixiert werden, der Saitenabstand ist allerdings mit Kerben auf 20 mm festgelegt.

Für die Klangübertragung ist ein Delano X-tender Tonabnehmer zuständig, der auf die Klangvorstellung von Gerald Marleaux getrimmt wurde. Zusätzliche Sound-Varianten hält einer kleiner Schalter mit drei Positionen und die klassische, passive Tonblende bereit. Mit dem Schalter werden die drei Verdrahtungsvarianten "seriell", "single coil" und "parallel" des Delano-Humbuckers angewählt, die passive Tonblende dient selbstverständlich zum Absenken der hohen Frequenzen. Mit einem weiteren Regler wird schließlich die Lautstärke des Tonabnehmers justiert. Das Cockpit der Diva ist dem zur Folge sehr übersichtlich, optisch aber dafür umso reizvoller. Die von ETS angefertigten flachen und versenkt installierten Regler passen nämlich ungeheuer gut zum außerordentlich gelungenen Design der Marleaux Diva und sind bei meinem Testbass, genau wie die restliche Hardware, in einer goldenen Ausführung verbaut worden.

Verwandte Inhalte

ESP LTD B-204SM FL Test

Überraschungen wie der ESP LTD B-204SM Fretless-Bass gibt es auch für einen bonedo-Tester nicht jeden Tag. Resultat: Wer sich preiswert ohne Bünde in die Tiefen stürzen möchte, der ist hier goldrichtig.

Duesenberg Triton Test

Der Duesenberg Triton ist mit Abstand das flexibelste Bassmodell der Hannoveraner. Und ein Volltreffer in Sachen Design ist er obendrein. Alle Infos bei uns im Test!

Sadowsky NYC Standard 5 Test

Die Instrumente des New Yorkers Roger Sadowskys gehören zum Besten, was man in der Bassszene finden kann. Als zweiten Test aus seiner Thomann Edelbass-Boutiquereihe präsentiert euch Rainer Wind einen fünfsaitigen Sadowsky NYC Standard.

User Kommentare