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Test
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06.09.2013
Test

Burns Marquee Pro Black Test

E-Gitarre

Diva oder Dino?

Die Burns Marquee Pro Black im bonedo-Test - Hand aufs Herz: Wer kennt Burns Gitarren? Und wer hatte schon einmal eine in der Hand? Wusste ich's doch - sehr übersichtlich ... Burns wurde 1959 in London von einem gewissen Jim Ormston Burns gegründet, und die Gitarren, die er in Handarbeit herstellte, waren auch für damalige Verhältnisse schon recht ausgefallene Instrumente.

Ob sich die Zeiten wirklich ändern, wird sich bei unserem Test zeigen, denn heute stellt sich eine Burns Marquee Pro vor, die nicht nur wegen des interessanten Preises meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Details

Optik/ Verarbeitung

Jeder, der diese Gitarre bei mir gesehen hat, war spontan begeistert, weil sie gewisse Merkmale besitzt, die sie von den Instrumenten anderer Hersteller absetzt. Dazu gehört sicherlich die ziemlich eigenwillige Anordnung des aus mehreren Teilen bestehenden Pearl White Schlagbrettes. Es könnte sein, dass der eine oder andere etwas reifere Leser dieser Zeilen beim Anblick der Burns Marquee ein Déjà-vu Erlebnis hat, und sich fragt, wo er dieses eigenwillige Design schon einmal gesehen hat. Kein Wunder, denn unsere Testkandidatin erinnert ganz bewusst an eine Signature-Gitarre von Burns für einen der bekanntesten und einflussreichsten Gitarristen der Sechziger und Siebziger Jahre. Sein Name ist Hank Marvin und sein Gitarrenspiel und sein unverwechselbarer Sound drückte den Shadows oder auch Cliff Richards Musik seinen Stempel auf.

Der Korpus der Marquee ist aus Linde gefertigt, einem Holz, dass man im Gitarrenbau gerade bei moderneren Instrumenten gerne verwendet und das mitnichten minderwertiger als andere Tonhölzer ist. Ich besitze beispielsweise eine sehr hochwertige Tom Anderson aus diesem Holz. Die Korpusform der Burns geht sehr stark in Richtung Strat, wobei die beiden Hörner etwas stärker angewinkelt sind. Ansonsten gibt es auch hier einen Rippenspoiler sowie eine Anschrägung auf der Oberseite, um den rechten Arm komfortabler auflegen zu können. Der Body ist deckend schwarz mit Polyesterlack versehen und an dieser Arbeit gibt es rein gar nichts zu beanstanden.

Die recht eigenwillig geformten Schlagbretter sind angeschraubt und beherbergen drei Burns Tri-Sonic Singlecoils mit verchromten Kappen, die übrigens auch der großartige Brian May in seiner Gitarre verwendete. Zusätzlich der passende Fünfwegschalter mit den strattypischen Pickupkonfigurationen, sowie drei Potis, wobei einer für die Gesamtlautstärke und zwei weitere für den guten Ton zuständig sind. Auch die Klinkenbuchse sitzt auf dem unteren Ausläufer des Schlagbretts.

Nichts Neues könnte man also meinen, aber weit gefehlt! Denn ganz so einfach macht Burns es sich nicht. Das untere Poti ist als Push/Pull-Variante ausgelegt und bietet zwei zusätzliche Schaltungsmöglichkeiten.

Noch einmal zur Auffrischung: Normalerweise schaltet der Fünfweg-Schalter folgende Positionen:

1: Steg

2: Steg-Mitte

3: Mitte

4: Mitte-Hals

5: Hals

Wird das Poti herausgezogen, passiert Folgendes:

1: Steg-Hals

2: alle drei PUs

3: alle drei PUs

4: alle drei PUs

5: Steg-Hals

Die beiden zusätzlichen Sounds lassen sich einige Gitarristen gern mithilfe von Kippschaltern in ihre Instrumente bauen, was hier natürlich entfällt. Sehr nett!

Das Tremolo kommt auch aus eigenem Hause, nennt sich Burns Deluxe Bridge und arbeitet nach dem Messerkantenprinzip. Der Arm wird eingesteckt und - schlackert erst einmal wie wild! Das ist aber schnell behoben, denn mithilfe einer kleinen Schraube auf der Rückseite der Bridge lässt sich das Spiel des Tremolo-Arms nach eigenem Gusto strammer oder lockerer einstellen.

Die Rückseite hat bis auf die Ausfräsung für das Tremolo, die auch die drei benötigten Federn beheimatet, nichts zu bieten. Allerdings hat die angeschraubte Abdeckung zwei Schlitze, die es zulassen, mit einem Kreuzschlitzschraubenzieher die Feineinstellung der Federn einzustellen, ohne die Platte abzuschrauben. Das sollte meiner Meinung nach Pflicht bei jeder Gitarre mit Tremolo sein!

Die Augen wandern in Richtung Halsbefestigung. Der Hals ist mit vier Schrauben bombenfest mit dem Korpus verbunden, allerdings befindet sich ein Loch in der Metallabdeckung. Ein Blick in die Bedienungsanleitung klärt mich auf: Hier kann der Halsstab eingestellt werden, und Burns nennt dieses System Burns Gear-o-Matic Gearbox. Eine ziemlich gute Idee, wie ich finde, so erspart man sich das Gefummel an der Kopfplatte, oder schlimmer noch, am Korpus (gerade bei Vintage Gitarren sehr weit verbreitet). Den passenden Schlüssel gibt es natürlich im extrem spacig aussehenden Gitarrenkoffer, der in Silber daherkommt. Jawohl, richtig gelesen. Und es wird noch besser, denn es ist Silber angepinseltes Krokolederimitat. Sehr abgefahren und definitiv ein Hingucker. Damit beweist man auf jeden Fall einen sehr individuellen Geschmack! Im Koffer finden sich einige Case-Candies wie ein Gurt, natürlich die passenden Einstellwerkzeuge, die praktischerweise in einem Kunstlederetui verpackt sind, eine Bedienungsanleitung und ein Echtheitszertifikat. Ach ja, ein Tuch zum Reinigen hat man freundlicherweise auch beigelegt.

An den Korpus ist ein Ahornhals geschraubt, in diesem Fall aus Kanada, auf dessen Palisandergriffbrett 22 Mediumbünde ihren Platz gefunden haben. Sie sind allesamt sauber eingesetzt und entgratet.

Die Mensur beträgt 648mm, die Sattelbreite 43mm, am 12. Bund messen wir 51mm. Die Halsform ist ein ausgeprägtes D, das die Greifhand angenehm ausfüllt. Die üblichen Punkteinlagen auf dem Griffbrett und kleine weiße Markierungen an der Halskante dienen der Orientierung. Der Hals ist übrigens auch auf der Rückseite klar lackiert.

Etwas, was man früher öfters zu sehen bekam, sich aber im Laufe der Jahre immer rarer machte, kann man bei der Burns wieder bewundern: einen Nullbund. Dabei wird vor dem Sattel noch ein Bundstäbchen angebracht. Und das bringt einige Vorteile! In unserem Fall liegt dieser Nullbund als Endpunkt der Mensur ein gutes Stück vom Sattel entfernt. Dort liegen die Saiten fest auf, werden nicht von Sattelkerben behindert und können frei schwingen, was sich auch im Klang bemerkbar macht. Natürlich fehlt mir der direkte Vergleich, aber spielt man beispielsweise die Saiten offen, klingen sie im Grunde wie gegriffene Saiten. Interessanterweise nennen unsere englischsprechenden Mitmenschen den Nullbund auch German Fret. Aber einen gravierenden Nachteil gibt es auch, der nicht verschwiegen werden sollte. Je nach Gebrauch bilden sich unter dem permanenten Druck und der mechanischen Belastung logischerweise auch hier mit der Zeit Kerben.

Die Kopfplatte der Burns Gitarren kann man getrost als eigeständig bezeichnen. Sie wird Scroll Neck genannt und hat mit ihrem aufgerollten Ende ihr Vorbild offensichtlich in der Schnecke einer Geige. Die Mechaniken kommen ebenfalls von Burns und nennen sich - der interessierte Leser wird es bereits ahnen - Burns Deluxe Mechaniken. Sie sind geschlossen und verrichten ihren Dienst tadellos. Bevor ich es vergesse: Mit der Burns Marquee Pro Black hat man ziemlich genau 3,6 Kilo an der Schulter hängen, ein Wert, der sich auf völlig vertretbarem Terrain bewegt. Auch Kopflastigkeit ist kein Thema.

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User Kommentare

bonedo Hansi  schrieb:11:10 | 12.09.2013

Zur Info: Da der Tremolo-Arm sehr locker in der Bridge schlackerte, haben wir der Gitarre ursprünglich einen halben Stern abgezogen und das Ganze als Contra-Punkt vermerkt. Nach Veröffentlichung des Tests hat uns Burns allerdings auf eine kleine Schraube auf der Rückseite der Bridge aufmerksam gemacht, mit deren Hilfe sich das Spiel des Tremoloarms justieren lässt. Daraufhin haben wir dieses Contra entfernt und der Gitarre die volle Punktzahl verliehen. "