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Warm Audio WA12 mkII Test

Warm Audio hat sich vielleicht nicht den tiefsinnigsten und für einen Audiohersteller flexibelsten Namen ausgesucht, aber sich durchaus „einen gemacht“ – als Hersteller von gutem Audioequipment, das bewährte Ideen klassischer Geräte neu und vor allem preisgünstig interpretiert.

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Der im 9,5“-Format vorliegende WA12 mkII ist ein beliebter Preamp, weil er ebendiese Attribute beliefert. Schon der Vorläufer, den wir als Moduleinschub WA12 500 für APIs Series 500 getestet hatten, konnte begeistern. Die neueste Version sieht auf den ersten Blick nicht viel anders aus. Ist das nur ein Facelift oder gibt es tatsächlich Verbesserungen?

Details

Preamp im Geiste des 312 von API

Das Prinzip ist simpel: Viele interne Preamps von Audio-Interfaces sind „ok“, aber meist nicht wirklich umwerfend, was Auflösung, Dynamik und vor allem das maximale Gain angeht. Darüber hinaus sind sie so gut wie immer verhältnismäßig charakterarm – was durchaus verständlich ist. Viele Musikschaffende treffen nach dem Kauf von DAW, Interface, Abhöre und Mikrofon deswegen die Entscheidung, mit einem hochwertigen, charaktervollen Preamp ihre Signalkette deutlich aufzuwerten. Wer sich für einen Transistorverstärker mit deutlichem Übertragerklang interessiert und viel Geld ausgeben will oder kann, landet schnell bei den Originalen, also bei Neve, API und Konsorten. Diese Marken werden schnell genannt, wenn ein etwas griffigerer Sound gewünscht ist, der sich im Mix gut platzieren lässt. Und ganz besonders die eher rockmusikalisch veranlagte Fraktion greift auf Neve und API zurück, allerdings handelt es sich dabei natürlich um alles andere als ein Muss. APIs 312-Preamps waren sehr beliebt, die Vintage-Originale sind wie alles aus dem Hause der Amerikaner sehr, sehr gut, aber doch recht teuer. Wer es doch lieber ein wenig preiswerter hätte, könnte mit dem WA12 mkII seinen Meister gefunden haben. Die Schaltungstopologie ist ähnlich und ebenfalls um vergleichbare Operationsverstärker herum aufgebaut, zudem wartet das kleine Gerät mit zwei soundprägenden Übertragern auf. Einer liegt im Signalpfad hinter dem Eingang, der zweite vor dem Ausgang. Gemeinsam haben sie den Hersteller: Hier wird nicht auf irgendwelche Trannys gesetzt, sondern auf die bekannten Cinemag-Transformer, die auch in vielen anderen Gerätschaften für den guten Ton sorgen. Der angesprochene OP-Amp 1731 ist übrigens gesockelt und kann gegen den 2520 ausgetauscht werden, der in vielen API-Geräten zum Einsatz kommt und beispielsweise der hervorragenden Analogkonsole AMEK GS2520 den Namen gegeben hat.  

Fotostrecke: 4 Bilder Bis auf das “mkII” sieht der WA12 dem Vorgängermodell in diesem Bereich der Front sehr ähnlich.

WA12 mkII: Gain satt

Um 71 Dezibel lässt sich das Mikrofon-Eingangssignal im Pegel in die Höhe bugsieren. Das kommt besonders den Mikrofonen zugute, die gerne in den Genuss einer API-Vorverstärkung gebracht werden, nämlich dynamischen Tauchspulen-, ja sogar Bändchenmikrofonen. Doch auch Instrumentensignale können vom Warm-Sound profitieren, und zwar genauso wie auch die Mikros: Bei vielen anderen Preamps laufen die DI-Signale nicht über den Eingangsübertrager, der Warm Audio WA12 mkII hingegen jubelt auch Gitarren, Bässe und sonstige Signale, die hochohmig angeschlossen werden sollten, durch den gesamten Signalpfad. Die Eingangsimpedanz des Mikrofoneingangs ist übrigens recht gering. Sie beträgt mit nur 600 Ohm deutlich weniger, als im Rahmen von Überanpassung um das Fünffache bei den meisten Mikrofonen als sinnvoll erachtet wird. Allerdings kann das klanglich durchaus charmant sein, nur sollte man darauf achten, wie der Unterschied im Vergleich zu cleanen, hochohmigen Amps ist. Bei den meisten Mikrofonen, vor allem solchen mit weit unter 200 Ohm Ausgangsimpedanz, wird das nicht so sehr auffallen. Die Impedanz kann aber noch deutlich weiter nach unten gestellt werden, und zwar auf 150 Ohm, was die Ausgangsimpedanz beispielsweise mancher Bändchen um die Hälfte unterschreitet! Warm haben anders als viele andere Hersteller einen plakativen Ausdruck dafür gewählt: Statt „Impedance“ nennt man diese Schaltfunktion einfach „Tone“. Durch die geänderten Widerstandsverhältnisse steigt das Gain von maximalen 65 Dezibel auf 71. Weitere Schaltfunktionen sind eine kräftige Vordämpfung von 20 dB, um die Minimalverstärkung deutlich zurückfahren zu können. Auch eine Invertierung des Signals ist möglich, ein Hochpassfilter gibt es aber nicht. Besitzt auch das Mikrofon keines, ist man leider oft gezwungen, Signalanteile mit hochzuverstärken, die später sowieso entfernt werden müssen. Während die ursprüngliche Version des WA12 noch ausschließlich mit Gain arbeitete, ist das mkII zusätzlich mit einem Output-Level-Poti gesegnet. Damit kann man den Pre heißer fahren, aber den Pegel für nachfolgende Geräte im Zaum halten. Bei der Vorversion wurde auch von uns bemängelt, dass es kein Metering gibt. Der WA12 mkII kommt mit sechs LEDs, die zur einfachen Pegeldarstellung ausreichen. Ein internes Netzteil ist dem Warm aber immer noch nicht vergönnt.

Fotostrecke: 3 Bilder Quadratisch, praktisch, gut: Das Gehäuse misst nur halbe Rackbreite, ist aber recht tief.
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Profilbild von Krachkeller

Krachkeller sagt:

#1 - 13.02.2019 um 15:34 Uhr

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Nachdem ich den Testbericht zum Fredenstein VAS Preamp und diesen
hier zum WA12mkII gelesen habe, bin ich mir unsicher wofür ich mich
entscheiden soll. Beide haben ja eine Top-bewertung von euch bekommen,
allerdings ist der WA12mkII mehr als doppelt so teuer. Vom Sound sollen
beide Preamps ja eher "amerikanisch" geprägt sein, hört man denn einen
deutlichen Unterschied bzw. klingt der WA12mkII detailierter/wertiger?
Ich würde eins der beiden Modelle dann sowohl für E-Gitarre, als auch
für Snare und Overheads nutzen (SM57 und Oktava MK 012).Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen!
Vielen Dank :)

    Profilbild von Nick (Redaktion Recording)

    Nick (Redaktion Recording) sagt:

    #1.1 - 13.02.2019 um 18:49 Uhr

    0

    Hallo Krachkeller,der Warm ist ein Stückchen "mittiger-knarziger", der Fredenstein minimal bauchiger, gleichzeitig grobkörniger. Prinzipiell sind sie sich aber sehr ähnlich. Für Dich am Sinnvollsten ist es wahrscheinlich, beide gleichzeitig zur Verfügung zu haben und in den genannten Kombinationen gegeneinander zu spielen und Ohren (und Geldbeutel) entscheiden zu lassen. Das 57 wird Dir damit sicher Spaß machen, das Oktava (auch mit Kugel?) wahrscheinlich auch. Ich fand beide Amps wirklich spitze.Beste Grüße und weiterhin viel Spaß beim Kellerkrachen
    Nick Mavridis (Redaktion Recording)

    Antwort auf #1 von Krachkeller

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