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Test
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15.10.2013

Vermona ReTubeVerb Test

Röhren-Federhall

Seltene Gerätegattung gut umgesetzt

Das Vermona ReTubeVerb im Test bei bonedo.de: Analogequipment mit Kultfaktor hat unter dem Label Vermona Tradition. In die Produktpalette reiht sich das ReTubeVerb – ein Röhren-Federhall – nahtlos ein.

Die Geschichte der Vermona-Produkte reicht weit zurück bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Der „VEB Klingenthaler Harmonikawerke“ fertigte zunächst akustische Musikinstrumente, später auch elektronisches Equipment, darunter Tasteninstrumente, Rhythmusmaschinen und Effektgeräte. Der Markenname „Vermona“ wurde zu Beginn des 70er-Jahre erstmals verwendet, und nach und nach wurden im Werk im sächsischen Schöneck nicht nur Orgeln hergestellt, sondern beispielsweise auch waschechte Analogsynthesizer.

Mit der Wende kam das einstweilige Aus für den Betrieb. Drei ehemalige Mitarbeiter, Bernd Haller, Lothar Dietrich und Thomas Buchheim gründeten bereits 1990 ihre eigene Firma HDB Audio, welche seit knapp 15 Jahren wieder Analogequipment unter dem Markennamen „Vermona“ im Programm hat. Der Firmensitz befindet sich heute in Erlbach, unweit der tschechischen Grenze und auch nicht wert entfernt vom usrpünglichen Produktionsstandort. Neben verschiedenen analogen Synths und Drummachines hat HDB/Vermona auch eine Reihe von Effektgeräten im Programm, darunter ein Gerät einer ausgesprochen raren Spezies: Ein Federhall in Studioqualität.

Details

Die Spiraleinheit selbst ist von Accutronics

Das ReTubeVerb vereint dabei verschiedene Eigenschaften in seinem angenehm retro gestylten Gehäuse, das sich sowohl als Desktopeinheit nutzen lässt als auch mittels mitgelieferter Montagewinkel in ein 19“-Rack schrauben lässt, wo es dann zwei Höheneinheiten okkupiert. Das Gerät wurde um eine Hallspirale des Marktführers Accutronics herum gebaut; es hat einen Signalweg verpasst bekommen, der völlig ohne Halbleiter auskommt: Insgesamt kommen im ReTubeVerb vier glimmende Glaskolben zum Einsatz, von denen drei direkt mit der Signalverarbeitung zu tun haben. Mit einer sehr ausgereiften Ausstattung von Audio-Anschlüssen kann sich das Gerät zudem vorteilhaft in eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten einpassen, und auf der Frontplatte harren zahlreiche Bedienelemente ihres Einsatzes.

Das Magische Auge und ein EQ

Drei der insgesamt sechs Potis dienen der Pegeleinstellung, wobei sich die Bezeichnungen Input Gain, Mix und Output von selbst verstehen und keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Ein besonders nettes Detail ist die röhrengetriebene Pegelanzeige, mit der man den Eingangspegel optimal anpassen kann. Das ReTubeVerb setzt auch hier auf eine Röhre, und zwar ein sogenanntes „Magisches Auge“ bzw. „Magisches Band“ vom Typ EM 84, das schon mal deuliches Röhrenradioflair verbreitet und im Betrieb durchaus praktisch – weil einfach abzulesen – ist. Zusätzlich kann ein röhrengepufferter Dreiband-EQ aktiviert werden, der beim Hallsignal Anhebungen/Absenkungen an den Eckfrequenzen 80 Hz, 200 Hz sowie 1 kHz erlaubt.

Röhreneffekte auch ohne Reverb nutzbar

Neben dem bernsteinfarben beleuchteten Power-Schalter verfügt das ReTubeVerb noch über drei verschiedene Betriebsmodi. Im Bypass wird der Eingang via Relais direkt wieder auf den Ausgang geschickt. Neben dem normalen Reverb-Betrieb bietet das Gerät zudem noch den Effect-Stop-Modus, bei dem die Hallspirale deaktiviert wird, das Signal aber trotzdem die Röhrenstufen durchläuft, welche durchaus auch in die Sättigung getrieben werden dürfen. LEDs visualisieren diese Betriebszustände.

Vielseitige Anschlussmöglichkeiten

Die Ein- und Ausgänge liegen gleichermaßen als unsymmetrische Klinken- sowie symmetrische XLR-Buchsen an der Rückseite vor, mit einem zusätzlichen Instrumenteneingang an der Frontseite. Aufgrund seiner speziellen Konfiguration (und dank des Effekt-Stop-Modus’) kann das ReTubeVerb übrigens auch als Röhren-D.I. eingesetzt werden – auch wenn man den Klinken-Instrumenteneingang verwendet liegt das Signal an dem symmetrischen XLR-Ausgang an; ein netter Nebeneffekt! Zusätzlich können Bypass und No-Effect-Modus auch per Fußschalter ferngesteuert werden, und ein Groundlift-Schalter rundet das Programm ab.

Das Hallgerät wird trotz der Röhren nicht zu heiß

Die beherrschenden Elemente im sauber verarbeiteten Gehäuse sind einerseits die Accutronics-Hallspirale mit drei Doppelfedern, zum anderen die drei Röhren, die im Signalweg zum Einsatz kommen, Das ReTubeVerb setzt auf insgesamt drei Doppeltrioden der Typen ECC81 (1x) sowie ECC83 (2x). Auch unter ihren Äquivalenten 12AX7 und 12AT7 bekannt, handelt es sich hier um allseits bewährte Standardröhren, und mit insgesamt sechs Triodensystemen kann das ReTubeVerb keineswegs als untermotorisiert gelten. Die Wärmeentwicklung bleibt in einem durchaus überschaubaren Rahmen, so dass man das ReTubeVerb meines Erachtens im Rack auch direkt überbauen kann.

Schön, aber nur bedingt roadtauglich

Das Gehäuse ist insgesamt wertig gefertigt und macht optisch wie konstruktiv einen guten Eindruck. Mir persönlich gefällt dieser Look, der Vintage-Aspekte mit einem durchaus modernen Erscheinungsbild verbindet, sehr gut. Ich kann nur einen einzigen potenziellen Schwachpunkt bei der Konstruktion erkennen: Auch wenn das Gehäuse insgesamt sehr stabil und robust wirkt, so ist das Blech des Gehäusedeckels eher dünn geraten. Es könnte der Wunsch entstehen, den Hall zwischen Box und Gitarrentopteil zu stapeln. Insbesondere schmalere Topteile á la Orange, Matchless oder Sovtek würden dann nur auf dem Blech aufliegen, und das erschiene mit stabilitätsmäßig auf Dauer etwas riskant. Aber das sind Betrachtungen, die beim Einsatz im Studio(-Rack) eh nicht relevant sind.

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