Hersteller_UniversalAudio
Test
2
11.02.2016

Universal Audio UAD Sonnox Oxford Envolution Test

UAD2 PlugIn

Envelope-Evolution 2016!

Universal Audios brandneues Sonnox Oxford Envolution Plug-in zählt zu den wenigen, die keine real existierende Hardware nachbilden. Stattdessen hat man einen Envelope Shaper kreiert. Aber was macht überhaupt ein Envelope Shaper und warum solltet ihr satte 250 Euro dafür ausgeben?

Details und Praxis

Allgemeines

Der Name Envolution, ein Wort-Mix aus Envelope und Evolution, passt genau. Das grundlegende Konzept, Transienten und Sustain eines Signals getrennt zu bearbeiten, erinnert stark an den Transient Designer von SPL. Dieses Gerät, es existiert ebenfalls als UAD-Plug-in, ermöglicht es, ganz unkompliziert die Transienten, sprich den Attack von Audiomaterial zu erhöhen bzw. zu reduzieren oder beispielsweise den Nachhall einer Aufnahme durch Verringern des Sustains zu dämpfen. 

Parameter

Das Sonnox-Plug-in geht einen kleinen, aber entscheidenden Schritt weiter: Es erlaubt, für die Transienten- und Sustainbearbeitung Frequenzbereiche mittels eines Sidechain-Equalizers zu definieren, der das Detektions-Signal eingrenzt. Möchte man etwa den Attack einer Hihat erhöhen oder die hochfrequente Hallfahne eines Beckens reduzieren, erreicht man dies mit hoher Präzision, indem man einen Low Cut in der entsprechenden Sektion (Transients/Sustain) einstellt. Jeder Sektion steht ein eigener EQ zu Verfügung, mit dem sich der zu bearbeitende Frequenzbereich mit den Filtertypen High Cut, Low Cut, Bandpass und Notch Filter (siehe die folgenden Abbildungen) festlegen lässt.

Ein weiteres E(n)volutionsmerkmal ist die dreistufige Hüllkurve (Attack, Hold, Release) für Transienten und Sustain. Sie liefert weiteres Kreativ- und Kontrollpotenzial gegenüber dem klassischen Transient Designer. Ob eine Anhebung oder Absenkung stattfindet, wird mit dem jeweiligen Drehregler zur Linken eingestellt, der in seinem inneren Ring, ähnlich der Gain-Reduction-Anzeige eines Kompressors, anzeigt, welche Pegelveränderung gerade stattfindet.

In der oberen Abbildung sehen wir, dass zusätzlich ein Schwellwert (Sensivity) eingestellt werden kann. Er bestimmt, ab welchem Pegel die Transienten bearbeitet werden sollen. In der Output-Sektion gibt es einen Fader zur Pegelanpassung sowie einen Mixregler (Dry/Wet). Dieser erlaubt eine der Parallelkompression ähnliche Arbeitsweise. Zu seiner Rechten wartet der Warmth-Regler, der wie ein Softclipper funktioniert, indem er Peaks reduziert und das Signal harmonisch anreichert und sättigt. Der DIFF-Button lässt das Differenzsignal erklingen, was zum einen das Einstellen des Plug-ins erleichtert, zum anderen auch als Nutzsignal interessante Ergebnisse liefern kann.

GUI

Mit dem optischen Charme eines medizinisches Instrument verrichtet das Sonnox seinen Dienst. Alles Wesentliche wird sofort erfasst und erleichtert so das effektive Arbeiten. Besonders hervorzuheben ist die gelungene grafische Umsetzung der Transienten- und Sustainbearbeitung. Auch wenn es kein Hexenwerk ist, die überschaubare Zahl an Bedienelementen sinnvoll ergonomisch darzustellen, so schaffen es manche anderen Hersteller durchaus, ihre Programme vollkommen sinnlos zu überfrachten.

Klang

In den folgenden Klangbeispielen habe ich oft einer etwas plakativeren Einstellung den Vorzug gegeben. So könnt ihr die Arbeitsweise des Plug-ins noch besser nachvollziehen. In der Produktion würde man sicherlich etwas moderatere Einstellungen wählen. Anhand der Beschriftung der Audiofiles sollte leicht nachzuvollziehen sein, welche Bearbeitung erfolgt. Ton ab!

Im Folgenden hören wir den Einsatz des Plug-ins mit einer akustischen Gitarre. Das Resultat entspricht in etwa der Verdichtung durch einen Kompressor. 

Dass sich per Automation der Center-Frequenz auch Modulationseffekte generieren lassen, hören wir anhand eines Synth-Arpeggios im nächsten Audiobeispiel. Doch zuvor das Signal im Effekt-Bypass und in einer „tighten“ Version mit leichter Transientenerhöhung und Sustainreduzierung.

Bei einem Supersaw-Synth erzeugt das Plug-in eine raue Lebendigkeit, die im Mix die häufig erwünschte Präsenzanhebung bewirkt.

Die abschließenden Audiobeispiele demonstrieren, wie effektiv und transparent das UAD Sonnox Oxford Envolution-Plug-in arbeitet.

Und noch ein Drumloop!

Fazit

Der UAD Sonnox Oxford Envolution ist eine mächtige Waffe für Ton- und Musikschaffende. Es gibt kaum eine Spur oder Subgruppe, die nicht von seinem Einsatz profitieren kann, um ihren Platz im Mix zu finden. Die Bandbreite reicht von der Problemlösung bzw. Korrektur bis hin zum Sounddesign, beides sehr effektiv und von hoher Qualität. Der UAD Sonnox Oxford Envolution ist daher uneingeschränkt zu empfehlen!

  • PRO
  • hochwertiger, transparenter Sound
  • sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten
  • Phasentreue
  • durchdachtes Konzept
  • CONTRA
  • kein Contra
  • FEATURES
  • Frequenzselektive Kontrolle von Transienten und Sustain
  • Target-EQs (Low Cut, High Cut jeweils 6/12 dB/Okt., Notch, Bandpass)
  • Dry/Wet-Regler
  • Warmth
  • Differenzsignal abhörbar und nutzbar
  • Preis
  • EUR 249,- (UVP)

Verwandte Artikel

User Kommentare