Gitarre Hersteller_Thomann
Test
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03.04.2019

Thomann Classica Fusion 3BK CW Slim Test

Nylonsaitengitarre mit Cutaway und Tonabnehmer

Pragmatiker für die lauten Momente

Mit der Classica Fusion 3BK CW Slim will Thomann die Messlatte für elektroakustische Nylonsaitengitarre hoch legen. Ein cleveres Konzept, eine gelungene Umsetzung sowie die Fertigung in Europa lassen vermuten, dass es auch gelingt.

Es ist immer wieder eine Gratwanderung: Wie schafft man es, eine Elektroakustische zu konzipieren, die auch als solche funktioniert? Meistens greift man zu einer normalen Akustikgitarre und verpasst ihr einen Tonabnehmer. Ein solches sensibles Geschöpf wehrt sich häufig mit Feedback dagegen. Besser wäre es doch, einen robusten Gesellen auf die Bühne zu lassen, oder? Der ist dann natürlich in der rein akustischen Performance eingeschränkt. Der Pragmatiker sagt dazu nur: so what?

Details

Die Thomann Classica Fusion 3BK CW Slim besitzt einen sechseinhalb Zentimeter dünnen Korpus mit Cutaway aus gesperrten Hölzern mit einem Sichtfurnier aus Eiche. Zwar wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Tests auf der Produktseite von "massiver Eiche" gesprochen, man kann jedoch deutlich erkennen, dass im Inneren der Gitarre eine andere Holzart zu sehen ist als außen. Außerdem sind im Querschnitt der Decke, also beim Schallloch, die drei Schichten, aus denen solches Holz üblicherweise besteht, gut zu sehen. Und auf Nachfrage wird auch bestätigt, dass es sich bei der Decke um laminierte Eiche handelt und bei Zarge und Boden Sapeli zum Einsatz kommt. Dass die Decke gesperrt verleimt ist, bedeutet jedoch ausdrücklich keine Minderung, eher im Gegenteil, denn oft funktionieren gesperrte Gitarren beim Verstärken besser als ihre vollmassiven Schwestern.

Die Fusion Slim ist mit einem transparent-schwarzen Finish überzogen, das so dünn wirkt, dass es sich vermutlich um Beize plus einer einzelnen Schicht Lack handelt. Das ist völlig ausreichend und macht zudem einen modernen, schicken Eindruck. Um den Korpus und um das Schallloch sind weiße und schwarz-weiße Einlagen zu sehen.

Im Inneren der Gitarre befinden sich die eher kantig gehaltenen Leisten, deren dunkle Oberseite darauf schließen lässt, dass sie mit dem Laser ausgeschnitten wurden. Bei den Bodenleisten handelt es sich wohl um vorgefertigte Teile, denn auf der Unterseite der Balken sieht man eine Aussparung für einen Fugenbelag - den es hier jedoch nicht gibt. Das Deckenbracing trägt den Namen "APC System Mix Torres Bracing". Dahinter verbirgt sich ein relativ normales Fächersystem mit fünf Leisten.

Der Hals besitzt mit einer Breite von 52 Millimetern am Sattel normale Klassikabmessungen, ist für einen E-Gitarristen also eher ungewohnt und sperrig zu spielen. Auch besteht er nicht aus Mahagoni, wie fälschlicherweise angegeben, sondern aus Akazie. Für einen Mahagonihals wäre er auch extrem hell ausgefallen. Zusammen mit dem flachen Griffbrett besitzt die Classica Fusion Slim also einen für eine Klassikgitarre völlig normalen Hals. Das ist ein wenig schade, denn gerade eine solche Gitarre könnte mit einem etwas schmaleren Hals und einem leicht gewölbten Griffbrett auch Freunde außerhalb der orthodoxen Klassikfraktion gewinnen.

Für das Griffbrett wird "Thermo-Akazie" als Holzart angegeben. Es ist mit 19 schlanken und gut abgerichteten Bünden bestückt und besitzt interessanterweise eine Mensur von 65 Zentimetern, nicht die aus dem amerikanischen Raum bekannte 64,8 Zentimetern (25.5"). Hier schlägt sich die Herkunft aus dem alten Europa direkt nieder. Der Hals-Korpus-Übergang befindet sich wie bei Klassikgitarren üblich am 12. Bund. Für die leichtere Orientierung hat der Hersteller im 3., 5. und 7. Bund in der Griffbrettkante jeweils einen kleinen Punkt eingelassen.

Die Classica Fusion ist mit einem Piezo-Pickup unter der Stegeinlage ausgestattet. Die dazu gehörende Elektronik befindet sich in der Zarge, wo sie gerade so hineinpasst. Dünner hätte die Gitarre nicht ausfallen dürfen. Sie bietet einen vierbandigen Equalizer mit Bass, Middle, Treble und Presence, einen Volume-Regler sowie ein chromatisches Stimmgerät. Dazu kommen die Taster "Power" - hiermit wird der Tuner aktiviert - sowie "Note". Damit wird aus dem automatischen Stimmgerät eines, das nur noch eine bestimmte Note anzeigt, sodass man sich nicht mehr in der Chromatik verirren kann. Das ist ein nettes Feature, aber die meisten Gitarristen werden beim Standardmodus bleiben. Eine irgendwie geartete Feedback-Waffe ist nicht an Bord, was angesichts der gesperrten Hölzer in Grenzen zu verschmerzen ist.

Die Ausgangsbuchsen sind zusammen mit dem Batteriefach gegenüber der Elektronik in der unteren Zarge montiert. Ein sehr sinnvolles Detail ist hierbei die zusätzliche XLR-Buchse, die ein symmetrisches Signal abgibt. Für Technikinsider, die sich nun fragen, wie die Elektronik dann eingeschaltet wird: Die Buchse besitzt einen Stift im Inneren, der einen Schalter betätigt.

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