Hersteller_Clavia
Test
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03.08.2012

Nord C2D Test

Combo Organ

In vollen Zügen

Mit allergrößter Neugierde wurde die Lieferung der neuen Combo-Orgel Nord C2D in der Redaktion erwartet – bietet sie doch nach den Modellen C1 und C2 als erste Nord-Orgel echte physische Zugriegel! Über die Soundqualitäten der schwedischen Hammond-Imitate ließ sich schon bisher kaum streiten. Größter Kritikpunkt war allerdings immer die Bedienung über die „nordeigentümlichen“ digitalen Drawbartaster, die ein authentisches Orgelspiel erschwerten. Mit diesem Verfahren strebte Clavia nach einer Lösung für das „Total Recall“-Problem bei Orgelklonen: Beim Aufrufen eines neuen Presets konnten so alle Fusslagen auf den gespeicherten Wert springen und sich bei Betätigung des Zugriegels von diesem Wert aus verändern – ohne Sprünge und ohne „Abholen“ des Wertes. Die Kombination aus je einer LED-Kette und zwei Tastern pro Zugriegel war ein einigermaßen praktikabler Kompromiss und optisch auch schön anzusehen. Echtes Hammond-Feeling kam damit jedoch nicht wirklich auf. Doch damit soll jetzt Schluss sein!

Und Clavia legt noch einen drauf: Die C2D ist nicht „nur“ eine C2 mit richtigen Drawbars – daher wohl der Namenszusatz „D“ – sondern man hat das B3-Modell auch noch mit einem verbesserten Perkussionsregister und überarbeiteten Keyclick- und Overdrive-Effekten versehen und ihr obendrein noch ein zusätzliches neues virtuelles Modell eines Leslie 122 spendiert. Die Neugierde ist also gerechtfertigt und weckt auch eine gewisse Erwartungshaltung.

DETAILS

Wie der Name schon vermuten lässt, basiert die Nord C2D grundsätzlich auf dem Vorgängermodell. Große Teile des Konzeptes und der Klangerzeugung sind von der C2 übernommen worden. Wie die Vorgängerin ist auch die C2D eine reine Orgel, die vier verschiedene Orgelmodelle inklusive der typischen Effekte emuliert. Neben der aufwändigen Simulation der berühmten Hammond-Tonewheel-Orgel B3 sind eine auf Samples basierende barocke Pfeifenorgel sowie Modelle der beiden legendären Transistororgeln von Vox und Farfisa dabei.

Obwohl die C2D aufgrund ihres Designs und der kompakten Abmessungen die Verwandtschaft mit ihren älteren Schwestern C1 und C2 nicht leugnen kann, präsentiert sie sich doch in einem neuen farblichen Look. Das auffällige, knallige Clavia-Rot ist komplett verschwunden. Die Holzseitenteile sind in einem dezenteren, glänzenden Bordeauxrot lackiert, das restliche Metallgehäuse in mattem Schwarz gehalten. Die Oberseite ist aufgrund des neuen Bedienkonzepts mit Bedienelementen übersät, die wie beim Nord Stage 2 entweder dunkelgrau oder beige hinterlegt sind. Das Erscheinungsbild der neuen Nordorgel ist immer noch sehr modern, aber ein Stück zurückhaltender und seriöser, um nicht zu sagen erhabener – als ob die Orgel-Serie nun reif und erwachsen geworden ist. Auf seriösen Jazz- und Konzertbühnen wird das sicher gern gesehen. Unschlagbar ist mal wieder das Gewicht dieses Orgelzwerges. Mit 16 kg lässt sich die C2D für eine mehrmanualige Orgel problemlos transportieren. 

Tastatur
Von der C2 wurde die Waterfall-Tastatur mit zwei Manualen à 61 Tasten übernommen. Für eine bessere Ergonomie sind das obere Manual und das Bedienfeld minimal nach vorne Richtung Spieler geneigt. Die leicht gewichteten Tastaturen sind nicht zu leichtgängig und lassen sich angenehm griffig spielen. Der Druckpunkt, an dem der Ton ausgelöst wird, ist einstellbar. Beim unteren Druckpunkt (Low Trigger Point) spricht die Tonerzeugung erst an, wenn die Taste ganz nach unten gedrückt wurde, wie es bei den Transistororgeln Vox und Farfisa der Fall ist. Der High Trigger Point lässt den Ton viel früher, nämlich bereits am oberen Ende des Tastenweges, erklingen. Letzterer sorgt für ein sehr authentisches Spielgefühl bei den Pfeifenorgel- und Hammond-Modellen. Da kann man so richtig reinlangen und drauf los orgeln! Wunderbar! Im Übrigen lassen sich die beiden Manuale im MIDI-Mode auch anschlagdynamisch spielen.

Anschlüsse
Das gesamte Anschlussfeld befindet sich auf der Rückseite der Orgel. Und da gibt’s erst mal Erfreuliches zu berichten. Der bisher verwendete Rasierapparat-Anschluss für die Stromversorgung ist durch eine normale Kaltgerätebuchse ersetzt worden. Die Orgel kann also über ein ordinäres und weit verbreitetes Stromkabel betrieben werden. Danke!

An den weiteren Anschlüssen hat sich nichts geändert. Drei Klinkenbuchsen stehen für den Anschluss von Controllern zur Verfügung. Ein an die SWELL PEDAL-Buchse angeschlossenes Expression-Pedal steuert bei der C2D nicht nur die Masterlautstärke, sondern beeinflusst wie bei einer alten Tonewheel-Orgel auch die Klangfarbe. Der Klang wird mit zunehmender Lautstärke heller. Die Orgel kann im SYSTEM-Menü auf die Marke des angeschlossenen Schwellers kalibriert werden (Fatar, Roland, Yamaha, Korg). Ein feines, detailgetreues Feature! Zur externen Steuerung des Rotoreffekts dient die Buchse ROTARY CONTROL. Neben einem Fußschalter bzw. -taster lässt sich hierfür auch der optional erhältlichen Halfmoon-Switch verwenden. Dies wird dem Instrument ebenfalls im SYSTEM-Menü mitgeteilt. Am Input SUSTAIN PEDAL kann man ein Haltepedal einstöpseln, dessen Information auf Wunsch nur über MIDI ausgegeben wird und die interne Tonerzeugung nicht beeinflusst. Dieses Pedal ist ja beim Orgeln normalerweise auch unüblich.

Über die USB-Schnittstelle kann die Nord-Orgel mit einem Computer kommunizieren und Sounds und Daten mit einem Sequenzer-Programm oder dem auf CD mitgelieferten firmeneigenen Sound-Manager austauschen. Auch Betriebssystem-Updates werden auf diesem Weg durchgeführt. Als MIDI-Schnittstelle ist der USB-Anschluss allerdings nicht konzipiert. Dafür gibt es die drei MIDI-Buchsen IN, OUT und BASS PEDAL. Letztere ist ein zusätzlicher MIDI-Eingang, der die MIDI-Informationen eines angeschlossenen MIDI-Bass-Pedals wie dem optionalen Nord Pedalkeys 27 sowohl an die Tonerzeugung als auch an die MIDI-Out-Buchse weiterleitet.

Bleiben noch die Audio-Anschlüsse. Neben dem üblichen Kopfhörerausgang gibt es einen Monitor-Eingang, an dessen 3,5-mm-Stereoklinkenbuchse ein MP3- oder CD-Player angeschlossen werden kann. Das Signal lässt sich nicht pegeln und wird nur auf den Kopfhörerausgang geroutet, womit sich die Nutzung auf das Üben und Mitspielen von Play-Alongs und Originalaufnahmen beschränkt. Der Stereo-Main-Output verfügt über zwei (unsymmetrische) Klinkenbuchsen (L/R). Zusätzlich dazu gibt es einen High-Level-Output, der das Signal mit mehr Power aus einer Klinken- oder 11-PIN-Leslie-Buchse zur Verstärkung an ein externes Rotorkabinett schickt. Der interne Rotoreffekt wird dabei umgangen. Ein flexibles Routing macht es möglich, die einzelnen Orgelmodelle den unterschiedlichen Ausgängen zu zuweisen. So kann etwa die B3 über den High-Out an ein Leslie geschickt werden, während die Transistor-Orgeln über den Main-Out direkt ins Pult gehen.

An Anschlüssen ist also alles da, was man im Alltag braucht. Insbesondere die Anpassung der Controllerpedale und das flexible Routing der Orgelmodelle auf die Ausgänge finde ich sehr praxisgerecht.

Bedienoberfläche
Bevor wir uns der Klangerzeugung widmen, werfen wir erst ein Auge auf die auffälligste Veränderung an der C2D: Die neue Bedienoberfläche. Da das Hauptaugenmerk der Nord-Orgel auf der Simulation einer Hammond B3 liegt, ist auch die Bedienoberfläche danach ausgerichtet. Die „digitalen“ Zugriegeltaster der älteren C1/C2 mit ihren LED-Ketten haben Platz gemacht für sage und schreibe vier vollwertige Drawbar-Sets mit je neun Zugriegeln für die beiden Manuale und zwei Drawbars für das Pedal. Wow, das ist ja wie beim Original! 

Technisch betrachtet, bestehen die Drawbars aus 60-mm-Fadern, auf die die Zugriegelkappen mit der typischen Hammond-Farbgebung entsprechend den Registern gesteckt sind. Die Kappen haben allerdings nicht die schöne nostalgische runde Form der alten Tonewheel-Veteranen, sondern sind modern anmutend eckig geformt. Leider wurde für die Kappen nicht der edelste Kunststoff gewählt, wodurch sie etwas modellbaumäßig wirken. Die Stellen, an denen sie aus dem Produktionsrahmen gebrochen wurden, sind deutlich zu sehen. Das wirkt recht billig und passt so gar nicht zum hochwertigen und edlen Nord-Image. Nichtsdestotrotz sind sie fest und abziehsicher montiert und fühlen sich sehr griffig an.

Die Zugriegel sind bei jedem Orgelmodell der C2D den einzelnen Registern zugeordnet. Die Beschriftung der Register der unterschiedlichen Modelle ist über und unter den Zugriegeln auf das Gehäuse gedruckt. Ebenfalls aufgedruckt ist direkt neben jedem Fader die Drawbaranzeige mit den Ziffern 1 bis 8. Und zwar so, dass eine Hälfte der Drawbarkappe die Ziffern verdeckt. An den noch sichtbaren Zahlen kann man ablesen, wie weit der Zugriegel gezogen ist. Clever gelöst.

Originalgetreu ist auch die Anordnung der Drawbarsets. Die beiden linken Sets (SWELL A & B) sind dem Obermanual zugeordnet. In der Mitte befinden sich die beiden Draws für das Pedal und rechts liegen die Zugriegelsets (GREAT A & B) des unteren Keyboards. Zur direkten Aktivierung eines Sets liegt jeweils ein Taster neben den Draws – beim Obermanual auf der rechten, beim Untermanual auf der linken Seite. An sich eine gute Idee zur Verbesserung der Ergonomie, allerdings hat mich dieser „Seitenwechsel“ beim Spielen ziemlich verwirrt und so manchen schnellen Soundwechsel zunichte gemacht. Alternativ dazu befinden sich links von jeder Tastatur dem Vorbild entsprechend ebenfalls Taster zum Anwählen der Drawbarsets (DRWB A & B). Beim Aufrufen eines Drawbarsets wird immer die aktuelle Zugriegeleinstellung wieder gegeben.

Zusätzlich gibt es für jedes Manual drei Presets und für das Pedal eines. Die dazugehörigen Taster sind ebenfalls links neben der Tastatur angeordnet. Ein Preset speichert nur die Einstellungen des DRWB A Sets mitsamt den Settings für Vib/Chorus und Percussion. LEDs über den Drawbars geben an, welche Zugriegel im Preset aktiv sind. Leider gibt es trotz des Displays keine Anzeige, wie weit die Drawbars eines Presets gezogen sind. Ein Preset kann man verändern, indem man den Preset-Taster gedrückt hält und gleichzeitig das Drawbarsetting ändert. Dabei springt der voreingestellte Zugriegelwert auf den aktuellen Wert. Lässt man den Preset-Taster los, ist es gespeichert. 

Somit wird das Total-Recall-Problem gelöst, weil man beides hat: sowohl voreingestellte Presets, als auch das aktuelle Drawbarsetting. Quasi wie bei einer echten Hammond. Respekt!

Alle anderen Bedieneinheiten sind um die zentralen Drawbarsets herum angeordnet. Links daneben befinden sich die Taster für die ROTOR SPEAKER Simulation; darüber sind die Vib/Chorus-Section und das Poti für das Master Volume platziert. Oberhalb des Drawbarfeldes liegen von links nach rechts die Wahlschalter für die Orgel- und Speakermodelle (ORGAN MODEL/SPEAKER MODEL), der SHIFT-Taster zum Aufrufen der Doppelfunktionen einiger Taster und die PROGRAM-Sektion. Deren Mittelpunkt ist das neue hintergrundbeleuchtete Display mit zwei Zeilen zu je 16 Zeichen, das das mickrige dreistellige LCD-Display der Vorgängermodelle ersetzt. Nun werden Parameter und ihre Werte im Klartext dargestellt. Daneben befinden sich noch zwei Taster für das Pedalregister und zum Schluss wird die ganze Effektbatterie mit einem DELAY, einem dreibandigen EQ, dem OVERDRIVE- und dem REVERB-Effekt aufgereiht. Rechts neben den Zugriegeln schließt die Sektion für das PERCUSSION-Register der B3 das Bedienfeld ab.

Trotz dieser Flut an Fadern, Tastern und Potis wirkt das Bedienfeld aufgeräumt und übersichtlich. Durch die originalgetreue Anordnung der Bedienelemente des Hammond-Modells findet man sich als Organist problemlos zurecht. Darüber hinaus ist es Nord gelungen, alle anderen Bedieneinheiten logisch und sinnvoll außen herum zu gruppieren. 

ORGELMODELLE UND TONERZEUGUNG
Die C2D bietet dieselben vier Orgelmodelle wie ihre ältere Schwester C2. Die barocke Pfeifenorgel sowie die Modelle der Transistororgeln von Vox und Farfisa sind identisch mit denen der Vorgängerin. Einzig bei der virtuellen Hammond B3 gibt es ein paar Neuerungen.

Das B3-Modell
Als Basis für die Tonerzeugung kommt dieselbe aufwendige, detailreiche und sehr gute Emulation der Tonräder einer echten B3 zum Einsatz wie bei der C2. Selbstverständlich gibt es die neun typischen Fußlagen (16", 5 1/3", 8", 4", 2 2/3", 2", 1 3/5", 1 1/3" und 1"), die den neun Zugriegeln der einzelnen Drawbarsets zugeordnet sind. Für die beiden Pedal-Zugriegel gibt es die üblichen 16“- und 8“-Register, die man mittels des TO GREAT-Tasters auch auf die unteren zwei Oktaven des Untermanuals schalten kann. Leider ist es immer noch nicht möglich, den Splitpunkt zu ändern.

Über vier Tonewheel-Typen (CLEAN, VINTAGE 1-3) kann man das Alter und den „Rock’n'Roll-Faktor“ der virtuellen B3 bestimmen. Je mehr Vintage, desto höher sind der Leakage-Effekt (das Übersprechen der einzelnen Tonräder) und die Nebengeräusche und desto dreckiger ist der Sound. Dies führt Nord sogar so weit, dass in der Einstellung VINTAGE 3 ein permanentes leises künstliches Störgeräusch aus den Lautsprechern dringt.

Ein ebenso erwünschtes Störgeräusch bei den Vintage-Veteranen ist der Keyclick. Das schmatzende Geräusch entsteht beim Anschlagen einer Taste, weil die neun Kontakte pro Taste nicht gleichzeitig, sondern nacheinander schließen. Es klingt bei jedem Tastenanschlag anders, wodurch der Orgelsound lebendiger wird. Clavia hat für die C2D einen neuen Keyclick entworfen, der aus zwei Samples besteht. Das erste Sample erklingt beim Drücken der Taste und variiert bei jedem neuen Anschlag leicht in der Klangfarbe. Hinzu kommt eine gewisse Anschlagdynamik: je fester der Anschlag, desto kürzer ist der Click. Neben diesem Note-On-Sample produziert die C2D anders als das Vorgängermodell auch ein Geräusch beim Loslassen der Taste. Wenn mich meine Ohren nicht täuschen, handelt es sich sogar um zwei leicht unterschiedliche Note-Off-Samples, die abhängig vom Anschlag erklingen. Mit dem neuen Key Bounce Mode kann man sich aussuchen, ob der Note-Off-Click getriggert wird oder nicht. Des weiteren lässt sich die Lautstärke des gesamten Keyclicks in vier Stufen einstellen.

Im Zuge der Detailverbesserungen hat man sich bei Clavia auch noch einmal das Percussion-Register zur Brust genommen. Originalgetreu erklingt die Percussion nur beim SWELL B-Drawbarset des Obermanuals und ist mit den vier typischen Tastern für ON, SOFT, FAST und THIRD wie gewohnt auf der rechten Seite des Bedienfeldes zu finden. ON schaltet die Percussion ein bzw. aus, SOFT schaltet zwischen den beiden Lautstärken Soft und Normal hin und her und FAST bestimmt, ob die Percussion schnell oder langsam ausklingt. THIRD selektiert die Fußlage der Percussion. Daneben sind noch einige weitere Parameter editierbar. Die Decay-Zeit kann in drei Stufen getrennt für Fast und Slow eingestellt werden. Auch die Lautstärke für Soft und Normal lässt sich anpassen. Auf Wunsch kann man wählen, ob das 1"-Register bei eingeschalteter Percussion erklingt oder nicht – so wie bei den alten Hammonds.

Letzter Bestandteil der B3-Simulation ist die Vib/Chorus-Sektion, die das alte Scanner-Vibrato der elektromagnetischen Vorbilder emuliert. Sie ist komplett von der C2 übernommen worden und bietet die drei typischen Chorus- und Vibrato-Varianten, die über einen Wahltaster der Reihe nach (V1/C1, V2/C2,V3/C3) selektiert und mittels zweier Taster auf die Manuale geroutet werden. Klanglich kann man nicht meckern. Die Vibratos eiern sehr schön und die Chorus-Effekte addieren hübsche Schwebungen und dreckige Höhen zum Signal. Allerdings fehlt es allen Varianten außer dem C3 an Tiefe und Intensität, weshalb die Emulation kühler und statischer klingt als beim Original.

Das VX ORGAN-Modell
In den frühen sechziger Jahren machten Transistororgeln den röhrenbetriebenen Hammond-Orgeln Konkurrenz. Die bekannteste Vertreterin war die VOX Continental Orgel, deren sägender Sound sich mit dem Doors-Klassiker „Light My Fire“ in jedes Ohr gebrannt hat. Ein Sound des VX-Modells in der C2D setzt sich aus sieben Teiltönen zusammen. Es gibt die Fußlagen 16", 8", 4" und 2" sowie die Kombinationen II, III und IV, bei denen jeweils zwei, drei bzw. vier Obertöne der gedrückten Taste gleichzeitig erklingen. Gemischt werden diese sieben Register über die ersten sieben Zugriegel eines Drawbarsets. Dieser Mix steht in zwei Wellenformen zur Verfügung (Sinus und Sägezahn), die sich jeweils in der Gesamtlautstärke mit den beiden übrigen Zugriegeln regeln lassen. Ist keiner dieser Zugriegel gezogen, erklingt auch kein Ton. Bei der Original-Vox galten die Register II und III nur für das Obermanual und das Register IV nur für das Untermanual. Bei der C2D stehen jedoch auf jedem Manual alle Register zur Verfügung.

Für das VX-Modell erzeugt die Vib/Chorus-Sektion andere Effekte. Die Chorus-Varianten sind weicher und schwebender als die des Scanner-Vibratos und klingen nach analogen Schaltungen. Das V3-Vibrato ist hier dem originalen Vox-Effekt nachempfunden. Durch die Nutzung der größeren technischen Ressourcen bietet das VX-Modell sogar mehr als das Original. Somit sind neben den klassischen Sounds auch neue Klänge möglich. Sehr gut!

Das FARF-Modell
Dieses Modell emuliert die andere berühmte Transistororgel aus den Sixties. Die italienische Farfisa Compact, in Musikerkreisen zärtlich als „Schweineorgel“ tituliert, verlieh so manchem Schlager seinen „cheesy“ Charakter. Die Voices dieser Orgel waren mit Namen echter Instrumente versehen, die mit Kippschaltern an- und ausgeschaltet wurden. Bei der C2D gibt es neun Sounds, die den einzelnen Zugriegeln zugeordnet sind. Diese regeln die Lautstärke nicht kontinuierlich, sondern schalten die einzelnen Voices lediglich an oder aus:

  • - BASS 16
  • - STRINGS 16
  • - FLUTE 8
  • - OBOE 8
  • - TRUMPET 8
  • - STRINGS 8
  • - FLUTE 4
  • - STRINGS4
  • - 2 2/3 (ein heller Sound, der eine Oktave und eine Quinte über dem Grundton liegt)

Diese entsprechen den Sounds des Obermanuals einer Farfisa Compact Duo.

In der Vibrato-Section findet man drei emulierte Varianten der vier Vibratos des Originals. Ergänzt werden diese durch die drei Chorus-Varianten, die auch beim VX-Modell zur Verfügung stehen. Verzichtet hat man auf die Bassfunktion, den Multi-Tone-Booster und die Brilliance Control des Originals. Also bietet das Farfisa-Modell nicht ganz so viel Originaltreue wie die anderen Modelle. Aber die Features sollten allemal ausreichen, um die wichtigsten Sounds des Originals reproduzieren zu können.

Das PIPE ORGAN-Modell
Für Liebhaber klassischer Orgelmusik gibt es das Modell einer Pfeifenorgel. Dieses basiert als einziges Modell der C2D auf Samples. Als Vorbild diente eine barocke Pfeifenorgel mit insgesamt 21 Registern – je neun pro Manual und drei für das Pedal. Sie sind jeweils den Zugriegeln zugeordnet, mit denen man das jeweilige Register an- und ausschaltet. Im Pedal müssen sich Sub 16 und Fagott 16 einen Drawbar teilen. Zieht man ihn nur ein bisschen heraus, erklingt das Sub 16-Register. Wird er über die Hälfte hinaus gezogen, wird das Fagott 16 hinzu geschaltet. Die folgende Tabelle veranschaulicht die Verteilung der Register auf die Manuale.

SWELL MANUAL (Upper) GREAT MANUAL (Lower) PEDAL
Fugura 8 Principal 8 Sub 16
Rohrflöte 8 Gamba 8 Fagott 16
Principal 4 Gedackt 8 Gedackt 8
Spitzflöte 4 Octava 4
Nasat 3 Rohrflöte 4
Flöte 2 Qvinta 3
Vox Celeste Octava 2
Scharf II-III Mixtur III-IV
Oboe 8 Trumpet 8

Wichtig bei einer Pfeifenorgel ist die Coupler-Funktion, mit der man die Register eines Manuals von einem anderen aus spielen kann. Gleich sieben Varianten bietet die C2D, die über die Taster der Rotary- und der Percussion-Sektionen aufgerufen werden. Diese sind teilweise miteinander kombinierbar. Beispielsweise koppelt das SW16/GR die Register des Obermanuals an das Untermanual und oktaviert diese zusätzlich eine Oktave nach unten. Koppelt man dazu mit PED/GR LOW das Pedalregister auf den tiefsten Ton des Untermanuals und zieht ein paar Register, erhält man einen richtig majestätischen Sound! Damit sind Klangwände möglich, die – bei entsprechender Verstärkung – jede Grundmauer zum Vibrieren bringen. 

Synth Bass
Bei allen Orgelmodellen mit Ausnahme der Pfeifenorgel steht im Pedalregister ein Synth-Bass-Sound zur Verfügung. Es handelt sich um einen dumpfen, E-Bass-ähnlichen Sound, der über die Tastenkombination SHIFT - ORGAN MODEL aktiviert wird und in den Fußlagen 16“ und 8“ vorliegt. Darüber hinaus können über die Parameter Pluck und Release das Ein- und Ausschwingverhalten der Hüllkurve verändert werden. Je höher der Pluck-Wert ist, desto „gezupfter“ klingt der Sound. Release bestimmt die Ausklingzeit nach dem Loslassen der Taste. Die Parameter können im Display entweder mittels SHIFT - TO GREAT aufgerufen und mit den Value-Tastern verändert werden, oder direkt, indem man SHIFT gedrückt hält und die beiden Pedal-Drawbars betätigt. Dem 16“-Zugriegel ist der Pluck-Parameter und dem 8“-Zugriegel der Release-Wert zugeordnet. Leider springt hier das Display nicht auf den entsprechenden Parameter um, so dass der Wert aufgrund der nicht mehr vorhandenen Zugriegel-LED-Ketten optisch nicht angezeigt wird. Beim Spielen tappt man da leider oft im Dunkeln.

EFFEKTE
Für einen authentischen Orgelsound braucht man die entsprechenden Effekte, wovon die C2D die Wichtigsten an Bord hat. Jeder Effekt verfügt über ein eigenes Bedienfeld mit den wichtigsten Parametern im direkten Zugriff.

Speaker Model
Vor allem die richtige Verstärkung ist für einen guten Orgelsound entscheidend. Die C2D bietet drei Verstärkermodelle an, die über einen Wahltaster selektiert werden. TWIN ist das Modell des Fender Twin-Röhrenamps, und JC emuliert den Sound eines Roland Jazz Chorus Transistorverstärkers. Beide Modelle lassen sich nicht editieren. Im Sound beschneiden sie das Direktsignal etwas in den Bässen. Der TWIN klingt indirekter und weicher als das JC Modell. Dafür produziert er schärfere Höhen. Beide Simulationen passen gut zu den Transistororgeln.

(Nicht nur) für das B3-Modell gibt es einen Rotary-Effekt, der den Sound der rotierenden Hörner eines originalen Leslie-Kabinetts simuliert. Bei der C2D kann man jetzt aus zwei verschiedenen Leslie-Modellen wählen. Zur Verfügung stehen das von der C2 bekannte 145 und eine neue Simulation eines Leslie 122. Letzteres liegt sogar in zwei Varianten vor, die sich im Mikrofonabstand voneinander unterscheiden. Die Geschwindigkeitskontrolle der Rotoren erfolgt über die drei Taster STOP MODE, SLOW und FAST der Rotary-Speaker-Sektion oder über einen angeschlossenen Fußschalter oder Halfmoon Switch. Im Gegensatz zu den Amp-Modellen kann man den Rotoreffekt in vielen Parametern bearbeiten. Die Rotary Balance regelt das Lautstärkeverhältnis zwischen Horn- und Bassrotor in fünf Stufen. Die Drehgeschwindigkeit (SPEED) und die Anlauf- und Abbremszeit (ACCELERATION) sind getrennt für beide Rotoren jeweils in drei Stufen einstellbar – leider immer für die Geschwindigkeiten SLOW und FAST gleichzeitig.

Overdrive
Der Verzerrer der C2D wurde ebenfalls überarbeitet. Wie schon bei der C2 lässt er sich lediglich ein- und ausschalten und über ein Poti in der Intensität regeln. Vom Clean-Sound bis hin zum totalen Zerrbrett ist alles möglich. Der Grad der Verzerrung ist dabei auch abhängig vom Lautstärkepedal. Der Wert des Overdrive-Potis stellt hierbei den Maximalwert der Verzerrung ein. 

Delay
Auch wieder mit an Bord ist der gelungene Delay-Effekt der C2. Das Tempo kann sowohl über ein Poti als auch über einen TAP-Taster eingegeben werden. Leider gibt es keine optische Anzeige für das Tempo, weder über die LED des TAP-Tasters noch als BPM- bzw. Millisekunden-Anzeige im Display. Das ist unpraktisch und unverständlich, denn beim Nord Stage geht’s ja schließlich auch. Über einen FEEDBACK-Button lässt sich die Anzahl der Wiederholungen in vier Stufen einstellen. AMOUNT bestimmt den Effektanteil. Recht praktisch ist die Funktion, den Delay-Effekt nur auf das Obermanual zu legen.

EQ
Der Equalizer mit den drei Potis für die festen Bänder Bass, Mid und Treble ist jetzt horizontal angeordnet und lässt ich mit einem Taster ein- und ausschalten. Die Frequenzen liegen bei 100Hz, 1kHz und 4kHz und lassen sich um maximal 15 dB anheben und absenken. Durch die sinnvolle Auswahl der Frequenzen man kann den Sound hervorragend an die akustischen Gegebenheiten und musikalischen Notwendigkeiten anpassen.

Reverb
Der Hall-Effekt der C2D bietet drei Räume (Room, Stage und Hall) mit je zwei Variationen, wovon Variation 1 stets die dumpfere und Variation 2 die hellere Variante ist. Er lässt sich an- und abschalten und global in der Intensität regeln.

DAS MENÜ BITTE! 
Im SYSTEM-Menü werden globale Einstellungen wie Transpose, Memory Protect, Controllerzuweisung und Routing vorgenommen. Ebenso sind hier die Parameter für die MIDI-Einbindung der C2D zu finden. Die MIDI-Möglichkeiten beschränken sich auf Basisfunktionen wie eine Local On/Off-Funktion, MIDI-Kanal-Einstellungen für die drei Spielebenen und die MIDI-Dump-Funktion zum Übertragen des Speicherinhalts auf den Computer. Sehr gut mitgedacht haben die Entwickler bei der Funktion, die Zugriegelinformationen via MIDI ausgeben und empfangen zu können. Auch die Controllereinstellungen lassen sich auf Knopfdruck senden. Macht man dies zu Beginn einer MIDI-Aufnahme, wird die C2D beim Abspielen automatisch richtig registriert.

Wie man alleine am Umfang des bisherigen Tests sieht, besitzt die Nord C2D eine Menge detailreiche und originalgetreue Features und Bearbeitungsmöglichkeiten. Probieren wir die Orgel also in der Praxis aus!

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