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Test
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13.07.2012

Icon Qcon Pro & Qcon Ex Test

USB-DAW-Controller mit Motorfadern

Ende des Neids mit der Icon Qcon-Serie? Denn als Studiomolch kann man ja ab und an durchaus mal neidisch auf die Kollegen der DJ-Zunft werden. Denn während die Hersteller für sie fast monatlich einen neuen, auf die fernzusteuernde Software optimierten Controller raushauen, hält sich das Angebot an Kommandozentralen für die gängigen Audioworkstations in recht überschaubaren Grenzen. Dabei sollte doch eigentlich gerade bei der Produktion von Musik – also noch weit vor dem Zeitpunkt, wo sie dann gefällig gemischt, das Publikum erreicht – ein Höchstmaß an Komfort und Geschwindigkeit herrschen, und dazu können Controller bekanntlich eine ganze Menge beitragen.

Mit dem Icon Qcon Pro & Qcon Ex der noch jungen Firma Icon könnte also genau in diesem Marktsegment jetzt ein bisschen Bewegung ins Spiel kommen. Und Bewegung darf hier wörtlich verstanden werden, denn Icon haben ihre Controller nicht nur in einem Heim- und Projektstudio-freundlichen Preisbereich angesiedelt, sondern ihnen dabei sogar noch agile Motorfader mit auf den Weg gegeben. Ob der Qcon Pro und das Erweiterungsmodul QCon Ex nicht nur in Bezug auf das Budget, sondern auch im praktischen Einsatz überzeugen können, haben wir getestet.

DETAILS

Konzept

Der Qcon Pro ist ein universeller USB-MIDI-Controller, der sich in Bezug auf sein Layout vornehmlich zur Befehligung von DAWs empfiehlt, grundsätzlich aber mit jeder MIDI-fähigen Applikation zusammenarbeitet. Für die Einbindung in Recording-Setups empfiehlt er sich im Speziellen durch seine insgesamt acht berührungsempfindlichen und motorisierten Kanalfader nebst Masterregler, eine umfassende Transport- und Funktionssektion plus Jogwheel und Navigations/Zoom-Tastenkreuz, eine 12-stellige Timecode/Taktanzeige, in die Kanalzüge integrierte Funktionstaster (Record, Solo, Mute, Select) sowie ein breites LED-Display, das in der Lage ist, Parameterwerte und Namen über das Mackie-HUI (ProTools) und das Control-Protokoll (Cubase, Nuendo, Samplitude, Logic Pro und Ableton Live) von der DAW entgegenzunehmen und anzuzeigen. Überhaupt zeigt sich der Qcon Pro sehr „zeige“-freudig denn sämtliche Taster sind hintergrundbeleuchtet, und alle Drehregler und Potentiometer werden von LED-Kränzen und Ketten flankiert, die die zugehörigen Parameterwerte visualisieren. Rechts neben den Fadern geben Bohrungen im Gehäuse den Blick auf eine 12-stellige LED-Kette frei, die den Pegel des entsprechenden Kanals anzeigt. 

Bedarf es mehr als acht Kanäle im gleichzeitigen Zugriff oder möchte man lediglich die Kanalfader nutzen und keine Transporteinheit, kommt die Qcon Ex-Einheit ins Spiel, die wie ein entsprechend abgespeckter Qcon Pro aufgebaut ist. Laut Hersteller vertragen sich maximal vier Qcon-Controller miteinander, sodass sich ein Maximalausbau mit 32 Kanälen herstellen lässt. Die Ex-Einheit lässt sich auch ohne angeschlossene Pro-Unit betreiben, wodurch sie sich für alle Anwender empfiehlt, die lediglich die Lautstärke-Automation ihrer DAW im Griff halten möchten. Eine weitere Möglichkeit, den Qcon Pro zu „heckspoilern“, ist der Einbau des optionalen Umix 1008 Satellite Interface (derzeit noch nicht erhältlich), wodurch die Konsole um eine analoge 8/10 (I/O) Ein- und Ausgangssektion inklusive Phantomspeisung, MIDI-In/Out und eine S/PDIF-Schnittstelle erweitert wird.

Ausgepackt

Dem praktischen Henkel-Karton entnehme ich: Den Controller selbst, eine Quickstart-Manual-Karte, ein USB-A/B-Kabel, eine Software-CD, ein Stromkabel samt externem Netzteil und drei Layout-Schablonen für Ableton Live, Samplitude und Cubase/Nuendo. Auf die beiliegende CD wurden ein Update-Tool, die mehrsprachigen Bedienungsanleitungen und eine Vollversion von Samplitude 11 Silver gepresst.

(Reine) Äußerlichkeiten

Der Controller-Bolide bringt dank seines Vollmetallgehäuses stattliche sieben Kilo auf den Studiotisch (Qcon Ex: 4,7 kg) und beansprucht eine Stellfläche von 51 Zentimetern in der Länge, 47,5 Zentimetern in der Breite und 8,2 Zentimetern in der Höhe. Sein „Sidekick“, der Qcon Ex, zeigt sich mit 34,2 cm in der Breite eher bescheiden. Der erste Eindruck ist dank Vollmetallpanzerung zunächst sehr solide, der zweite Blick offenbart aber kleinere Unstimmigkeiten. So ist die Faceplate aufgrund ihrer leicht angerauhten Oberfläche zwar schön griffig, der Lack allerdings lief hier beim Beschriften offenbar über die kleinen Hügel und Täler,  und entsprechend suppen die Letter der Beschriftung stellenweise unschön zusammen.

Auch das erste Kurbeln am Jogwheel erweckt nicht den Eindruck kompromisslos guter Fertigungsqualität: Zwar lässt es sich widerstandsfrei drehen, und auch die zarte Rasterung gibt ein gutes taktiles Feedback, die Scheibe unseres Testgerätes hat aber eine leichte Unwucht und eiert entsprechend wackelig auf ihrer Achse. Dadurch, dass die LEDs, welche Potis und Fader flankieren, nicht bündig in die Faceplate eingelassen worden sind, sondern „herausragend“ aus den Bohrlöchern leuchten, wirken sie ein wenig billig.

Ein kleiner Schönheitsfehler, welchen ich allerdings wegen Geringfügigkeit nicht in die Wertung einfließen lassen möchte, zeigte sich bei meinem Testgerät auch in dem etwas abgebogenen Stift des Stromsteckers. Nichts, was man nicht mit einem kräftigen Griff wieder richten könnte – dennoch wirkt sich die Notwendigkeit, bei einem fabrikneuen Gerät erstmal den Stecker geradebiegen zu müssen, etwas negativ auf den Gesamteindruck aus.

Mehr Spaß macht da der Griff zu den Bedienelementen selbst, die allesamt über eine gute Haptik verfügen. Selbiges gilt für die zur besseren Ablesbarkeit anwinkelbare Display-Sektion, die sich ohne Murren aufstellen lässt.

Etwas ungewohnt wirkt die leichte Wölbung der gesamten Faceplate zur Mitte hin nach oben. Die Mittelachse des Qcon Pro ist also einige Millimeter höher als die Seiten, die zum Rand hin entsprechend abfallen. Es ist auf den Fotos kaum zu erkennen, sitzt man aber vor dem Gerät, nehmen das Auge und die Finger diese Wölbung sehr wohl wahr. Funktional ergeben sich dadurch meiner Ansicht nach keine Vor- oder Nachteile und ich spekuliere hier einfach mal auf  einen neckischen Einfall des Designers. Insofern muss man diese Äußerlichkeit unter der Rubrik „Geschmackssache“ einordnen. Ich persönlich würde einer planen Oberfläche den Vorzug geben.

Anschlüsse

Ich schaue auf die Rückseite und sehe, von links nach rechts: Zunächst einen Power-Schalter, gefolgt von der Strombuchse, zwei Klinkenbuchsen zum Anschlus von Fußschaltern sowie der USB-Buchse. Rechts davon beginnt schon eine Metallblende, die sich zum Einsetzen des optionalen Umix 1008 Satellite-Interface entfernen lässt. Nur wenn das Umix-Modul installiert ist, erwachen auch die beiden frontseitigen Kopfhörermix-Ausgänge samt Lautstärkeregelung zum Leben.

Inbetriebnahme

Direkt nach dem „Bestromen“ und Anstöpseln am Rechner (PC oder Mac), geben sich Qcon Pro und Ex als klassenkompatible USB-Geräte zu erkennen und sind ohne Treiberinstallation einsatzbereit – sehr schön.

In den ersten Sekunden nach dem Einschalten fordert der Qcon Pro den Anwender auf, einzustellen, welchen DAW-Modus, sprich welches Mapping er laden soll. Zur Auswahl stehen derzeit sieben Modi: Nuendo, Cubase, Logic Pro, Samplitude, Ableton Live, Pro Tools und MIDI Learn.

Reagiert man hier zu langsam, startet der Controller mit dem letzten Betriebsmodus, was im Normalfall auch gewünscht ist, denn für gewöhnlich ändert sich die DAW-Software im Studiobetrieb ja eher selten.

Neben der Silver-Version von Samplitude 11 befinden sich auf der beiliegenden CD-ROM die mehrsprachige Bedienungsanleitungen im PDF-Format und eine Software namens iMap, die den Untertitel „MIDI Mapping-Software“ trägt. Eigentlich erwartete ich hier folglich ein Werkzeug im Stil von Novations Automap oder Native Instruments Controller Editor und stellte mit Erstaunen fest, dass es sich hierbei lediglich um ein Tool zum Upgrade der Firmware des Controllers handelt. Ein Blick auf den Testbericht eines bonedo-Kollegen (hier zu lesen) bringt hier Licht ins Dunkel: Denn im Fall des dort getesteten „iControls Pro“ hat die Software sehr wohl die Fähigkeit, die einzelnen Bedienelemente mit MIDI-Funktionen zu addressieren. Offenbar handelt es sich also um eine universelle Software für die Controller aus dem Hause Icon, die je nach angeschlossenem Gerät unterschiedliche Funktionen bereitstellt.

Das Bekanntmachen zwischen Controller und DAW unterscheidet sich im Einzelfall natürlich erheblich. Grundsätzlich aber erfolgt die Kommunikation des Qcon Pro und Ex über MIDI-Note/CC oder das Mackie Control-Protokoll, einem auf der MIDI-Schnittstelle aufsetzenden bidirektionalen Protokoll, welches von vielen DAWs bereits serienmäßig unterstützt wird. Ist das, wie im Falle von Pro Tools, Cubase/ Nuendo, Samplitude und Live gegeben, braucht man also prinzipiell nur die Mackie-Hui- und Control-Bedienoberfläche auszuwählen und den MIDI-In/Out-Port festzulegen und kann, ohne auch nur ein einziges Mapping-Kommando anlegen zu müssen, mit der Arbeit beginnen. Ich habe die Prozedur mit Cubase und Live durchgeführt, und tatsächlich gestaltete sich die Einrichtung völlig problemlos.

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