Gitarre Hersteller_Electro-Harmonix
Test
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13.04.2016

Electro Harmonix Lester K Rotary Speaker Test

Rotary-Speaker Emulator

Schwebesound mit Schmutzzulage

Das "K" im Namen des Electro Harmonix Lester K Rotary Speakers steht eigentlich für Keyboard, aber weil der New Yorker Pedalhersteller normalerweise eher uns Gitarristen im Visier hat, leihen wir uns den Leslie-Emulator kurzerhand aus und schließen die Gitarre an. Immerhin sind wir nicht die ersten, die versuchen, den schnöden Gitarrenton mit dem Effekt der rotierenden Lautsprecher aufzupeppen.

Von den Beatles bis hin zu Eric Clapton und David Gilmour verfielen auch die ganz Großen ihrem Charme, und wir sind gespannt, wie nahe unser Testkandidat dem Sound kommt, mit dem das Original-Leslie vor allem den Hammond-Klang revolutioniert hat. Aber die wichtigere Frage ist natürlich, ob der Einsatz des Electro Harmonix Lester K Rotary Speakers an der Gitarre überhaupt sinnvoll ist.

Details

Optik/Verarbeitung

Das Gehäuse des in den USA hergestellten Pedals mit dem am Original angelehnten Namen Lester K besteht wie die üblichen EHX-Gitarreneffekte aus Metall, das in diesem Fall bis auf die Bedienfläche deckend weiß lackiert ist. Es bringt 366 Gramm bei 102mm x 89mm x 121mm (BxHxT) auf die Waage und macht einen wertigen, robusten Eindruck. Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass sich im Karton außer dem Gerät selbst ein Bedienungsfaltblatt und zwei Aufkleber befinden.

Um zu verstehen, was ein Rotary Speaker eigentlich genau macht, vorab ein paar Worte zu seiner Geschichte: Ein gewisser Don Leslie erfand in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Box, in der sich die Lautsprecher drehten bzw. der Schall durch einen rotierenden Schallabstrahler abgelenkt wurde. Ergebnis waren sehr komplexe, durch Reflexionen und den Doppler-Effekt erzeugte Schwebungen, die dem Ton eine einzigartige Färbung verliehen. Meist handelte es sich um Zweiwege-Systeme mit Hochtonhorn und einem Lautsprecher für Mitten und Bässe. Während sich das Horn drehte, war der Lautsprecher in der Regel fest montiert und die bereits erwähnte Schallumlenkbox sorgt für den Effekt. Zwei Schalter bestimmten die Geschwindigkeit, wobei die aus dem Stand oder langsamem Tempo anlaufenden bzw. aus schnellem Lauf langsamer werdenden Lautsprecher für eine ganz besondere Dynamik sorgten. Ergebnis war ein chorusähnlicher, aber weitaus komplexerer Schwebe-Effekt, den Organisten wie Jimmy Smith oder Jon Lord in Verbindung mit ihrer Hammond-Orgel zum Standard machten. In der Folge versuchten Hersteller, die sperrigen Rotor-Kabinetts elektronisch nachzubilden - ein nicht unbedingt einfaches Unterfangen bis heute, wie die Geschichte gelehrt hat. Aber genug der Historie, zurück zu unserem Test.

Das Lester K Pedal wartet mit einer ganzen Reihe von Potis auf, mit denen sich die teilweise bereits genannten Parameter einstellen lassen. Slow bestimmt die Laufgeschwindigkeiten im langsamen Modus und soll in Mittelstellung die originale Reproduktion eines langsam laufenden Leslies sein, für das Fast-Poti gilt das Gleiche in der schnellen Betriebsart. Ein mit Speed Brake bezeichneter Fußschalter erlaubt die Wahl zwischen den beiden Einstellungen Fast und Slow, wobei die Rotationsgeschwindigkeit durch eine zweifarbige LED angezeigt wird. Wird der Schalter länger als eine halbe Sekunde gedrückt, geht es in den Brake-Modus, der die Rotationsgeschwindigkeit wie beim Original bis zum Stillstand herunterfährt. Beim erneuten Drücken landet man wieder in der schnellen oder langsamen Betriebsart, je nachdem, welche als letzte eingestellt war. Balance bestimmt das Mischungsverhältnis der beiden "Mikrofonsignale" von Hoch- und Tieftonquelle und lässt sich so klanglich dem persönlichen Geschmack anpassen. Volume regelt die Gesamtlautstärke und Drive die Intensität eines einem Röhren-Overdrive nachempfundenen Verzerrers. Aktiviert wird der Lester K natürlich per Fußschalter, der genau wie der Speed Brake-Schalter knackfrei arbeitet. Ein True Bypass gehört mittlerweile zur Standardausstattung der meisten Effektpedale, so auch bei unserem heutigen Testpedal.

Zum Lieferumfang gehört lobenswerterweise ein 9-Volt DC-Netzteil. Soll das Pedal mit Batterie arbeiten, so ist auch dies möglich, allerdings muss dafür die mit vier Schrauben befestigte Bodenplatte entfernt werden. Rechts und links an den Gehäuseseiten befinden sich jeweils zwei Buchsen, da das Pedal auch für den Stereobetrieb ausgelegt wurde. Für den Monobetrieb steht auf beiden Seiten eine Klinkenbuchse mit der Aufschrift MONO bereit.

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