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28.05.2021

Blackmagic Design ATEM Mini und ATEM Mini Pro und Extreme ISO Test

Video Mixer

Next Level DJ-Set Video Streaming

Streaming ist das heiße Ding in Zeiten von Corona. Weil die Clubs dicht sind, streamen DJs ihre Sets aus dem Bedroom ins Netz und das Interesse an der notwendigen Technologie ist groß. Mit einem potenten Laptop und kostenloser Software wie OBS Studio oder Streamlabs OBS ist Streaming auf die populären Plattformen wie YouTube, Facebook oder Twitch sofort möglich.

Für professionelles, computerbasiertes Streaming benötigt DJ allerdings noch entsprechende Hardware wie USB-Kameras und ein Audiointerface. Wird dann noch die DJ-Software auf dem gleichen Rechner an den Start gebracht und der Livestream auf YouTube oder Twitch kontrolliert, kommt die CPU schnell ins Schwitzen und der Stream ins Stocken. Da muss es doch auch geeignete bezahlbare Streaming-Hardware geben. Hier kommen Blackmagic Design ATEM Mini und ATEM Mini Pro und ATEM Extreme ISO ins Spiel.

Details

Hier kommt die ATEM-Mini-Serie von Blackmagic Design ins Spiel. Die australische Firma ist auf hochwertige Kameras und professionelle Videolösungen spezialisiert. Ihre neuen superkompakten Minivideomischer sind mit der Technik viel teurerer Blackmagic-Produkte bestückt, gehen aber für 319,– Euro für den ATEM Mini bzw. ungefähr das Doppelte für den ATEM Mini Pro über den Ladentisch. Einmal konfiguriert regeln die kleinen Alleskönner alle Streaming-Vorgänge: Sie sind Video-Capture-Karte, Switcher, Soundkarte mit internem Fairlight-Mischpult, es können Overlays und Effekte hinzugegeben und schließlich das enkodierte Signal in hoher Qualität ausgegeben und aufgenommen werden.

Bei der Basisvariante geschieht das ausschließlich per USB: Der ATEM Mini beschränkt sich voll und ganz auf die Idee, dem Computer eine USB-Webcam mit vier HDMI-Signalen und zwei Audiosignalen vorzugaukeln, sodass er mit einer beliebigen Streaming-Software genutzt werden kann. Für viele Use-Cases dürfte das auch völlig ausreichen. Der große Bruder ATEM Mini Pro kann das alles ebenfalls, aber eben auch Stand-alone per direkten RTMP-Upload via Ethernet ins Netz senden und auf USB-C-Flashspeicher aufnehmen.

Warum das für uns DJs durchaus wichtig sein kann und was man sonst mit den ATEM Minis anstellt, soll dieser ausführliche Test zeigen.

(Update 05/2021) Ungefähr ein Jahr später stellt Blackmagic Design mit dem ATEM Mini Extreme Hardware-Update vor, das viele Features mitbringt, die manche beim großartigen ATEM Mini Pro vermisst haben. Der Extreme macht schon mit seiner Größe und der schieren Anzahl der Bedienelemente seinem Namen alle Ehre. Es gibt von allem einfach: mehr!

Die Verpackung

Der ATEM Mini Pro, der uns im Test vorliegt, kommt in einem kompakten, glänzenden Karton. Im Lieferumfang befindet sich neben einem Netzteil und vier Steckeradaptern keine weitere Hardware. Auch auf eine SD-Karte mit dem Software-Installer hat Blackmagic Design verzichtet. Den gibt’s im Internet, genauso wie das Manual und die kostenlose Videoschnitt-Software Blackmagic Design DaVinci Resolve. Die aktuelle ATEM Control Software (derzeit ATEM Switchers 8.6.1 Update) findet sich im Support-Bereich der Website.

Das Gehäuse

Das 235 x 105 x 35 mm kompakte und robuste Plastikgehäuse ist mit etwas über 600 Gramm zwar angenehm leicht, liegt aber trotzdem solide genug auf dem Tisch. Links und rechts gibt es Lüftungsschlitze, um die nicht unerhebliche Betriebswärme ohne störenden Lüfter abgeben zu können.

Die Anschlüsse

Rückwärtig bietet der ATEM Mini Pro vier Eingänge für HDMI-Geräte. Dies können neben Kameras z. B. auch Game-Konsolen, Blu-ray-Player und Computer sein. USB-Webcams finden keinen Anschluss. Für Audioquellen wie Mikrofone oder Line-Signale stehen zwei analoge Stereominiklinkeneingänge zur Verfügung. Die Impedanz zwischen Mikro- oder Line-Signal wird in der Software gewählt und bleibt nach dem Ausschalten erhalten.

Ausgangsseitig gibt es einen HDMI-Ausgang, der beim ATEM Mini Pro auch Multiview unterstützt, sodass über einen entsprechenden Monitor alle Eingänge und auch der Audiopegel überwacht werden können.

Einen Powerschalter gibt es nicht, die ATEM Minis werden über den Anschluss für das Netzteil ein- und ausgeschaltet.

Doch halt, one more thing: Beide ATEM-Mini-Modelle haben einen Ethernet- und einen USB-C-Anschluss, jedoch mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Beim ATEM Mini heißt der LAN-Anschluss „ATEM Control“ und dient zur Verbindung mit der Software auf gleichnamigen Steuersoftware auf dem Computer. Der USB-C-Anschluss ist mit „Webcam Out“ betitelt und dient zum Senden des gemischten Videostreams an den Computer, wo er als Webcam erkannt wird. Beim ATEM Mini Pro dienen beide Anschlüsse noch für andere Zwecke: Über den USB-C-Anschluss kann stand-alone auf einen (möglichst schnellen) USB-Flashspeicher aufgenommen und via LAN direkt ins Internet oder ein geschlossenes Produktionsnetzwerk gestreamt werden. Beim Basis-ATEM Mini geht beides nicht ohne angeschlossenen Computer. 

Das Frontpanel

Alle Bedienelemente sind rot und weiß hintergrundbeleuchtete Gummibuttons, über die der Stream prinzipiell ohne angeschlossenen Computer direkt gesteuert werden kann. Es gibt keine mechanischen Teile wie beispielsweise einen Transition-Hebel. Blackmagic Design haben vor allem hier Kosten gespart, um die ATEM Minis zu diesem sehr attraktiven Preis anbieten zu können.

Vier besonders dicke Pads mit den Nummern 1 bis 4 dienen zur Anwahl einer der vier HDMI-Eingangsquellen. Über jedem der Buttons befinden sich sechs kleine Schalter für den Audiomixer. AFV steht für „Audio follows Video“, hiermit wird das Audiosignal des HDMI-Eingangs automatisch zugeschaltet, wenn der Eingang angewählt wird. Ansonsten gilt ON oder OFF. Mit den Up/Down-Pfeiltasten wird die Lautstärke des Kanals in 3-dB-Schritten geregelt, mit dem Reset-Button bei Bedarf wieder auf die Ausgangseinstellung gebracht.

Rechts des vierten HDMI-Buttons befinden sich noch zwei kleine Schalter, die dennoch sehr wichtig sind: Mit STILL wird das jeweils angewählte Bild aus der Media-Library angewählt, mit BLACK wird ein schwarzes Hauptbild erzeugt.

Wie die Übergänge dieser sechs Quellen vonstattengehen, regeln die drei großen Gummischalter auf der rechten Seite. CUT erzeugt einen scharfen Schnitt, AUTO einen Übergang von 0,5, 1, 1,5 oder 2 Sekunden, auswählbar mit den vier dedizierten kleinen Buttons darüber. In der Software können auch längere Fades eingestellt werden. FTB steht für „Fade to Black“, hier wird bei Bedarf der komplette Bildschirm ausgeblendet, z. B. am Ende eines Streams.

Als Übergangseffekte stehen sechs gebräuchliche Transitions wie „Mix“, „Dip to White“ oder „Push“ zur Verfügung. 

Schließlich befinden sich bei beiden ATEM-Mini-Versionen über dem FTB-Button noch die Videoausgabeformate für den angeschlossenen Monitor. Das ist nicht das Ausgabeformat, sondern so etwas wie der Cuemix in einem DJ-Mischpult. Hier lassen sich die vier HDMI-Quellen anwählen, über M/V wird auf dem Monitor ein Multiview-Fenster angezeigt und über PGM sieht man das Programm, das letztlich ins Internet gesendet wird. Der ATEM Mini hat einen internen Video Converter, sodass auch verschiedene Eingangsformate auf der gewünschten Framerate gestreamt werden können. 

ATEM MINI EXTREME ISO 

Acht statt vier HDMI-Eingänge und vier statt nur einem Upstream-Chromakeyer

Nun können noch mehr Kameras und Bildquellen angeschlossen werden und bis zu vier Kameras mit je einen Upstream-Chromakeyer kombiniert werden, zum Anschließen von Computern oder Mediaplayern für die Hintergründe eines virtuellen Sets. 

Zwei statt ein HDMI-Ausgang

Nun kann das Bildsignal sowohl auf einen Monitor als auch zu einem HDMI-Aufnahmegerät oder auch einen weiteren ATEM Mini gesendet werden.

Zwei statt nur ein USB-C-Anschluss

Endlich muss man sich nicht mehr zwischen der Aufnahme auf eine USB-SSD und der Webcam-Funktionalität (z. B. für OBS) entscheiden, denn es geht jetzt beides. Auch bei Nutzung der neuen Tethering-Funktion, bei der man z. B. bei Live-Produktionen on Location per mobiler Datenverbindung von Apple oder Android Handys übertragen kann, belegt das Handy beim Extreme nur einen von zwei USB-Anschlüssen.

Weitere neue Anschlüsse

Endlich gibt es auch eine Kopfhörerbuchse zum Abhören vom Sound direkt am ATEM Mini. Bislang benötigte man dafür z. B. einen HDMI-Monitor mit Kopfhörerausgang.

Und der Stromanschluss lässt sich per Schräubchen verriegeln, so dass er nicht aus Versehen abgezogen werden kann.

Software

Um das komplette Feature-Set der ATEM Minis zu nutzen, benötigen wir die ATEM Switcher Software. Für diesen Test habe ich Versionen 8.3 und 8.4 genutzt. Der Installer enthält die ATEM Software Control und das ATEM Setup. Als minimale Systemvoraussetzungen gelten macOS 10.14 Mojave oder Microsoft Windows 10 64-bit.

Dies ist keine exklusive App für den ATEM Mini, es ist die gleiche Software, die auch viel teurere Blackmagic Switcher nutzen. Mit der vergleichsweise kleinen ATEM Mini lassen sich daher auch nur einige Funktionen per Hardwareschalter bedienen. Für weitere Funktionen ist ein Elgato Stream Deck eine pragmatische Option. Verbunden finden wir vier Panels: das Hauptfenster, eine Medien-Library, einen Audiomixer und eine Kamerakontrollseite.

Das Mischer-Hauptfenster spiegelt viele Funktionen der ATEM-Mini-Hardware, hier finden sich rechts auch alle Paletten für Upstream- und Downstream -Key, Streaming-Schlüssel und so weiter.

Der Medienpool kann bis zu 20 Stills aufnehmen. Hier werden z. B. Overlays für das Programmbild abgelegt. Der Audiomixer mit vollparametrischem Sechsbandequalizer, Expander/Gate, Kompressor und Limiter stammt von Fairlight. Die „Kamera“-Page schließlich dient zur Kontrolle für angeschlossene Kameras, so diese das denn zulassen.

Um es nochmals zu betonen: Die ATEM Software Control ist keine Streaming-Software wie OBS Studio. Sie dient lediglich zur Einstellung und Kontrolle. Die ATEM Mini benötigt zum Streamen OBS Studio oder ähnliches und erscheint dort mit all ihren angeschlossenen HDMI-Quellen als eine (!) USB-Webcam. Die ATEM Mini Pro kann stand-alone streamen. Für das Setup wie z. B. Eingabe der RMTP-Keys wird die ATEM Control Software benötigt. Der Start-up-Status mit Overlays und Medien lässt sich in der Hardware abspeichern, so dass man zum Beispiel beim Gig den Laptop zu Hause lassen und nur mit der Hardware arbeiten kann.

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